Schauspielerin mit großem Herz

 

Ihr Herz schlägt nicht nur für grüne Soße, Apfelwein und gutes hessisches Brot. Auch das Schauspielern hat es der gebürtigen Hessin angetan. Durch Umwege kam sie zum Film, wurde mit der ZDF Serie „Die Bergretter“ bekannt und drehte bereits an der Seite von Kate Winslet („Titanic“). Heute kann sie sich keinen schöneren Beruf mehr vorstellen – auch wenn es manchmal harte Arbeit ist.

 

Du hast Germanistik in Gießen studiert. Wie kamst du letztendlich zum Film?

Ich wollte ursprünglich Journalistin werden (lacht). An die Schauspielerei habe ich nie gedacht. Nach dem Praktikum bekam ich ein Volontariat bei der Hamburger Morgenpost und arbeitete im Boulevard Bereich, merkte aber nach einem halben Jahr in der Ausbildung, dass es mir nicht besonders lag. Dann traf ich auf Peter Lohmeyer („Das Wunder von Bern“), der sich damals gerade mit einer Agentur für Schauspieler selbstständig machen wollte. Er machte mir die Filmwelt schmackhaft, gab mir einen Job in seiner Agentur und ich studierte noch einmal Filmproduktion. Durch die Arbeit bekam ich dann meine ersten Rollen.

Hast du neben dem Zweitstudium dann zusätzlich Schauspielunterricht genommen?

Das Geld meiner ersten kleinen Rollen investierte ich in Schauspielunterricht. Ich besuchte Kurse in Kuba an der „Escuela Internacional de Cine y TV“ und nahm Schauspielunterricht an der „New School“ in New York. Als ich aus Amerika zurück kam erhielt ich 1999 direkt am ersten Abend auf der Berlinale meine erste große Rolle. Der Film hieß „Storno“ und wurde im hessischen Marburg gedreht.

Rund 7,5 Millionen Zuschauer sahen dich kurze Zeit später jeden Donnerstag als Hebamme Bea Kleinert in der ZDF-Serie „Die Bergretter“. Du wurdest nicht gedoubelt und man sieht dich auch mal am Hubschrauber hängen. Was war die größte Herausforderung für dich bei dieser Rolle?

Wir drehten bei einem Höhenunterschied von 2.000 Metern. Es ging bergauf und bergab. Mal hing ich am Hubschrauber, mal sprang ich hinaus. Ein anderes Mal musste ich am Berg klettern oder in der Gletscherspalte drehen. Da musste ich viel trainieren, weil es körperlich echt hart war. Als Sportmuffel eine riesen Herausforderung. Dann kam noch der Text dazu, das war bei manchen Szenen gar nicht so einfach. Die Schauspielerei fordert und fördert einen sehr (lacht). Trotzdem war es für mich eine der schönsten Zeiten und ich würde gerne wieder in den Bergen für die Serie drehen.

Auch international konntest du 2014 mit dem Film „Die Gärtnerin von Versailles“ an der Seite von Kate Winslet große Erfolge feiern. Wie war deine Reaktion als du die Zusage erhalten hast?

Ich hielt gerade meinen sechs Wochen alten Sohn auf dem Arm und wir saßen gemeinsam mit meiner Tochter auf der Couch. Dann kam der Anruf und ich konnte es kaum glauben. Ich dachte, sie Irren sich. Vier Tage später flog ich dann nach London, um den Regisseur Alan Rickmann („Harry Potter“) zu treffen. Der wiederum konnte nicht fassen, dass ich von einer kleinen Nebenrolle ausging und teilte mir mit, dass ich zwei Monate mit ihm drehen werde und ihm Hauptcast bin. Das war unglaublich.

Historische Filme bedeuten für die Filmcrew einen größeren Aufwand und für Schauspieler viel Geduld in der Maske. Was ist für dich das besondere an diesen Dreharbeiten gewesen?

Ich habe es geliebt. Es ist nicht nur einfacher für Schauspieler, sich in die Rolle hinein zu versetzen, es ist auch etwas ganz besonderes durch die Kostüme und die Perücken. Vier Stunden verbrachte ich täglich in der Maske. Dann wurden wir in die Kostüme eingenäht (lacht). Von da an hieß es am besten nicht mehr auf die Toilette gehen. Was natürlich nicht wirklich umzusetzen war. Also bekamen wir eine Assistentin, die uns dann helfen musste, auf die Toilette zu gehen. Auch das Essen wurde nicht gerne gesehen, wenn wir die Kostüme trugen, aber Kate und ich aßen heimlich Lindt Vollmilchschokolade wie Brot. Aber das lag nur daran, dass Kate schwanger war (lacht).

Wie bereitest du dich generell auf einen Dreh vor?

Zuerst lese ich das Drehbuch. Danach lerne ich meinen Text und den meines Drehpartners auswendig, damit ich die Einsätze nicht verpasse. Dann schaue ich, wie die Frau ist, die ich darstellen muss und mache mir eine Geschichte dazu. Bei einer Serie ist es nochmal viel anstrengender als bei einem Film. Bei einem 90 Minuten Film habe ich mehr Zeit und Muße mich in die Rolle reinzuversetzen. Manchmal bekommt man erst zwei bis drei Tage vor Drehstart das Drehbuch. Generell kann man sagen, dass pro Drehtag ein Tag für die Vorbereitung und ein Tag für die Nachbereitung anfallen. Diese sind dann für die Proben oder Maskenproben.

Was ist die größte Herausforderung an einem Filmset?

Das Warten (lacht). Entweder man wartet oder muss plötzlich auf 100% da sein. Das ist meistens nicht immer einfach, wenn man zuvor stundenlang nur gesessen und gewartet hat.

Siehst du dich gerne auf der Leinwand?

Nein, das finde ich ganz schrecklich. Bei der Gärtnerin fand ich es nach zwei Mal schauen gut. Es gibt immer wieder Filme, wo ich denke, das habe ich doch ganz anders gespielt, wo ich nuschle oder den Text falsch sage. Das sehe aber dann nur ich (lacht). Aber die Kollegen sehe ich mir dafür umso lieber an, vor allem unsere Männer (lacht). Wir haben unheimlich gute Schauspieler in Deutschland.

Welche Tipps kannst du jungen Nachwuchstalenten mit auf den Weg geben?

Dran bleiben. Ganz viel Ausdauer haben und sich darauf vorbereiten, dass es auch mal nicht so gute Jahre gibt. Gerade in dieser Phase nicht aufgeben, wenn man es wirklich will. Es ist besser, eine klassische Ausbildung zu machen – muss man aber nicht. Jedoch empfiehlt es sich dann, Sprachtraining zu nehmen. Selbst ich gehe einmal im Monat zum Sprachtraining. Man verlernt schnell die Techniken.

Seit Donnerstag bist du in „Conni & Co 2“ wieder auf der Kinoleinwand zu sehen. Gedreht wurde auch in deiner hessischen Heimat. Wie war es für dich, wieder einmal in Marburg zu drehen, wo du einst deine erste Rolle hattest?

Ich habe mich riesig gefreut. Vor allem mit Til Schweiger dort zu drehen, da wir beide aus dem naheliegenden Gießen kommen. Er versteht es immer wieder, eine unheimlich schöne Atmosphäre am Filmset zu schaffen. Da ich durch und durch eine Hessin bin, war es für mich etwas ganz besonderes. Grüne Soße, Apfelwein und gutes hessisches Brot gehören auch in meiner neuen Wahlheimat Hamburg einfach dazu.

Paula Paul_Foto Copyright Sonja Tobias

Bodenständig und lässig – so ist Paula Paul. Foto: © Sonja Tobias