Zu Besuch bei den Dreharbeiten der Romanverfilmung „Wir sind doch Schwestern“ (AT)

 

Ein kleines Dorf mit rund 735 Einwohnern im nordöstlichen Teil der Gemeinde Vettweiß (Kreis Düren), stand in den vergangenen Tagen im Mittelpunkt einer neuen Filmproduktion. Kaum eine Menschen Seele war auf den Straßen zu finden, doch im Ortskern tummelten sich einhundert Komparsen, auch viele Filmschaffende waren zu Gange. Die im Jahre 1977/1978 erbaute St. Amandus Pfarrkirche bot mit ihrer Rokoko-Ausstattung die Kulisse für eine der Schlüsselszenen des von Till Endemann regiegeführten Films. „Hier riecht es nach Geschichte“, schwärmte er immer wieder.

 

Einhundert geladene Gäste sitzen gespannt in der Kirche. Ein zarter Duft von Weihrauch liegt in der Luft und vernebelt den oberen Bereich der Kirche. Ein Sonnenstrahl erleuchtet den Altar. In der ersten Reihe hören drei ältere Damen andächtig dem Pfarrer zu. Vor allem eine ganz besonders – „Hiltrud Janssen“, die genau in diesem Moment zu ihrem einhundertsten Geburtstag gewürdigt wird. Es folgt das Gebet. „Und danke“, ertönt es plötzlich aus der Ecke neben dem Altar. Till Endemann ist zufrieden mit der Szene und spricht seinen Dank an alle aus. Es ist eine sehr gefühlvolle Szene, die durch die wunderbare Atmosphäre des alten Kirchenbaus einen ganz besonderen Charme erhält. „Wir drehen bitte nochmal die gleiche Szene, diesmal aber von zwei Perspektiven vorne. Dazu brauchen wir 15 Minuten Zeit, um die Kamera umzubauen. Wenn alle Komparsen ihren gleichen Platz später wieder einnehmen, können sie gerne kurz an die Luft gehen.“ Jutta Speidel (63) springt auf und umarmt  Till Endemann, sichtlich zufrieden. Sie spielt das Küken „Betty Jansen“ der drei älteren Schwestern. Hildegard Schmahl (77) und Gertrud Roll (84) drehen sich zu Anne Gesthuysen um, welche eine Reihe hinter ihnen sitzt.  Sie spielt ein enges Familienmitglied der Familie. Zwischendurch wird Gertrud Roll von der Maskenbildnerin mit neuem Make-up versorgt. Sie verkörpert die mittlere Schwester „Martha Janssen“.  Der Film basiert frei auf dem Bestseller von Anne Gesthuysen. Drei Schwestern, finden nach vielen Jahren des Familienstreits am einhundertsten Geburtstag von „Hiltrud“ zusammen. Sie blicken gemeinsam auf ein Jahrhundert voll Krieg, Liebe, Zerwürfnis und Skandalen zurück. Alle drei verbindet eine schwere Schuld. Doch es zeigt sich, dass es für das Bedauern nie zu spät ist. „Es wird ein sehr emotionaler Film, mit starken Figuren. Mit viel Humor, passend zum Rheinland wo der Film spielt. Auch wenn es ein Drama ist, wird es viel für den Zuschauer zum Schmunzeln geben“, verrät Regisseur Endemann. „Ich bin Stolz und unheimlich glücklich ein so tolles Cast mit den drei Damen, Benjamin Sadler und Christiane Bärwald heute hier zu haben“, fügt er hinzu. Alle Schauspieler und der Regisseur sind sich einig, eine Geschichte in der alte  Menschen in dieser Form gezeigt werden ist einzigartig und etwas ganz besonders. Das Besondere des Films werden die unterschiedlichen Zeitsprünge sein, denn es gilt eine Zeitspanne von einhundert Jahren zu verkörpern. Deshalb werden die drei Hauptdarstellerinnen jeweils von zwei weiteren Schauspielerinnen gespielt. Produziert wird der Film von UFA Fiction in Koproduktion mit der ARD Degeto und dem WDR. Der Film wird voraussichtlich ab November in der ARD zu sehen sein.

Wenn Morgen Ihr einhundertster Geburtstag wäre, was würden Sie gerne tun? Vielleicht etwas Verrücktes? Fragte ich die drei Hauptdarstellerinnen und erhielt erstaunliche Antworten:

Gertrud Roll: Wenn es wirklich so ist, dass ich ohne Schmerzen bin, meine Familie rund um mich gesund ist, dann bin ich froh wenn ich es erleben darf. Aber es muss nicht unbedingt sein. Ich habe so viele Menschen erlebt, die nicht alt werden wollten und am Ende nur Schmerzen hatten, das ist nicht schön.

Hildegard Schmahl: Ich finde es verrückt genug einhundert Jahre alt werden zu können. Als ich jung war, waren alte Leute für mich Greise, die nicht mehr so richtig ein Teil an der Gesellschaft und irgendwie nicht mehr so wirksam sind. Seit einem Jahr ist es für mich anders, als ich zuvor dachte, wie es ist alt zu werden. Es ist für mich das reinste Wunder und das reinste Abenteuer. Viele Frauen aus unserem Ensemble sagen zu mir: Dich nehme ich mir später mal als Vorbild wenn ich alt bin. Das ist doch verrückt jemandem etwas vorleben zu können, auch dass eine junge Frau wie Anne Gesthuysen über uns Alte  erzählt. Alle können dadurch sagen: Ej, von denen kann ich was lernen, die haben das früher so gemacht, daraus haben sie sich Kraft gezogen. Das finde ich sehr schön.

Jutta Speidel: Eines der schönsten Dinge, die man sich bewahren kann, ist eine Heiterkeit und Gelassenheit die man sich im Leben erarbeitet. Wenn man diese dann mit ins hohe Alter überträgt und dann auch ausstrahlt, ist das sehr schön. Ich wünsche mir, dass ich Herr meiner Sinne bleibe und meine positive Lebenseinstellung, die ich bislang noch habe, erhalten kann. Das ich unbequem bleibe, nicht angepasst und dadurch der kleine Anarchist in mir erhalten bleibt (lacht). Diese Art von Zornigkeit erhält einen jung.

Keine materiellen Wünsche – Gesundheit und Familie stehen bei den drei Schauspielerinnen im Vordergrund.

IMG_7642

Hildegard Schmahl, Jutta Speidel und Gertrud Roll (von links) während den Dreharbeiten. Foto: Sabrina Heun

IMG_7649

Jutta Speidel und Christiane Bärwald verkörpern beide „Betty Janssen“. Foto: Sabrina Heun

IMG_7624

Anne Gesthuysen posiert für die Fotografen mit den drei Hauptdarstellerinnen, sie wird auch als Komparsin im Film zu sehen sein. Foto: Sabrina Heun