Eine Ansammlung von unheimlichem Reichtum

 

Zweimal „Deutscher Filmpreis“ und ein „Bambi“ für das beste Drehbuch, gehören zu ihren zahlreichen Auszeichnungen als Drehbuchautorin. Liebevoll und mit viel Respekt sprach Heide Schwochow (64) mit mir am Filmset „Wir sind doch Schwestern“ (AT) in Vettweiß-Müddersheim (Kreis Düren), über ihr langjähriges Werk.

 

Wie lange haben Sie an dem Drehbuch geschrieben?

Drei Jahre (lacht). Das dauert lange und man denkt immer bei so einem Roman würde es noch länger gehen, weil einen Roman kann man per se nicht verfilmen – nur adaptieren. Man muss so viel überlegen, wie man das in eine Filmdramaturgie übersetzt. Das ist ein langer Prozess, weil ein völlig anderes Genre entsteht.

Ist es für Sie als Drehbuchautor dann am Ende doch einfacher, eine eigene Geschichte zu kreieren?

Nicht unbedingt. Jedes Projekt ist manchmal leicht und manchmal schwer. Es ist auf alle Fälle so, dass wenn ich einen Roman adaptiere, ich es auch zu meiner Geschichte mache. Die Figuren werden dann von mir weiterentwickelt und anders nuanciert. Das ist für mich ganz wichtig. Ich interpretiere dann sozusagen den Roman.

Haben Sie ein Geheimrezept wie Sie beim Schreiben vorgehen?

Ich schreibe immer erstmal ein Treatment. Das sind im Durchschnitt manchmal bis zu 40 Seiten, indem auch schon Dialoge vorkommen. Dann gehe ich in die Drehbucharbeit. Meistens gibt es auch ein Adaptionskonzept, wo ich schreiben muss, wie ich es umsetzen möchte. Dann ist es aber auch viel von meiner Tagesform abhängig, wie schnell ich vorankomme. Wenn ich die Schauspieler kenne, hänge ich Notizen ans Regal und überlege, wie sie es am besten umsetzen können. Stück für Stück, von Fassung zu Fassung arbeite ich mich dann vor. Die erste Fassung wird dann vorgelegt, dann bekomme ich die Rückmeldung und gehe an die nächste Fassung. Jeder macht es anders (lacht).

Wie war es mit der Buchautorin Anne Gesthuysen zusammen zu arbeiten?

Es war Liebe auf den ersten Blick (lacht). Wir waren zusammen am Rhein, haben uns dort vieles angeschaut, weil der Roman ursprünglich in Xanthen spielt. Sie hat mir einiges über ihre Familie erzählt, was mir die Arbeit einfacher gemacht hat.

Wie viel haben Sie tatsächlich vom Buch übernommen?

Ein Roman hat einen unheimlichen Reichtum. Man denkt man muss alles irgendwie mit ins Drehbuch packen. Aber das Wichtigste ist, dass man ein eigenes inneres Thema und eine fortlaufende Dramaturgie findet. Man muss sich von dem Buch lösen und die Figuren weiterentwickeln. Es passiert dann immer etwas zwischen mir und den Figuren (lacht). Ich glaube der Geist des Romans ist erhalten geblieben. Ich hatte immer Angst davor, etwas kaputt zu machen, denn Geist des Buches zu zerstören. Aber das ist normal und liegt an dem Respekt vor dem Autor.

Gibt es eine Lieblingsszene auf die Sie sich besonders freuen?

Ja, Anne Gesthuysen und ich haben erstaunlicherweise beide eine Lieblingsstelle in dem Buch. Das ist die Verlobung die 1917 stattfindet. Die musste ich mit rein nehmen. Umso mehr freut es mich, dass es auch ihre Lieblingsstelle ist und wir sie beide dann sehen dürfen.

 

Der Film wird voraussichtlich ab November in der ARD zu sehen sein.

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Stolz posiert Heide Schwochow (dritte in der ersten Reihe von links) mit dem gesamten Cast, Buchautorin Anne Gesthuysen, Regisseur Till Endemann sowie den Produzenten und Filmförderern. Foto: Sabrina Heun