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Otto Waalkes – Exklusiv Interview: „Sid ähnelt mir sehr“

 Ein Gespräch mit dem Ottifantenpapa

 

 „Nenn mich Otto“, kam sofort die klare Anweisung als ich ihn zu Beginn des Gesprächs siezte. Im nächsten Jahr wird der Schauspieler und Comedian 70 Jahre alt. Erlebt man ihn live, ist es kaum vorstellbar. Voller Energie und ansteckender Lebensfreude – man kommt schnell ebenfalls in Blödel-Laune. Derzeit ist er auf Tour und stellt gerade seine Bilder in Kelkheim aus. Sein eigentlicher Traum war es einmal  „Freie Kunst“ zu studieren. Am Rande seiner Ausstellung sprach ich mit ihm exklusiv über seine kommenden Projekte und die Arbeit als Synchronsprecher.  

 

Otto, sind derzeit neue Filmprojekte in der Planung auf die wir uns freuen können?

Es wird erst mal noch zwei Tourneen geben. Deshalb kann ich an Filme noch nicht so denken. Aber ich habe schon drei Drehbücher fertiggestellt. Das eine ist ein Sequel von „7 Zwerge“ und heißt „Die Legende lebt Bubi – Ein Männlein steht im Walde“. Der andere „Otto ist ein Biba-Butzemann“. Außerdem wird es noch einen Ottifanten Film geben.

Wann können wir ungefähr mit einem der Filme rechnen?

Filme brauchen immer eine lange Vorbereitungszeit. Vielleicht in einem Jahr.

Wie gehst du beim Drehbuchschreiben vor?

Ich sitze mit ein paar Frankfurter Freunden zusammen. Wir denken uns dann Geschichten aus, blödeln rum, verbinden irgendwelche Zusammenhänge, überlegen was die Leute sehen wollen und dann sammeln wir erst mal Materialien und Scherze. Dann kommt der Plot und danach der Subplot. Das ist viel Arbeit.

Wie lange schreibst du an einem Drehbuch?

Da sitzt man lange dran, ein bis drei Monate. Jeden Tag von morgens bis abends schreibe ich dann durch.

Ist die Comedy auf der Bühne oder die Comedy vor der Kamera schwieriger für dich?

Schwierig ist Beides. Aber das Tolle bei der Comedy auf der Bühne ist, das du den Augenblick der Selbstkorrektur hast. Das kannst du beim Film nicht. Wenn alles erst mal zusammengeschnitten und fertig ist geht da nichts mehr. Dann sitzt du immer davor und denkst: oh mein Gott, was habe ich denn da gemacht? Wie gucke ich denn da? Deswegen muss beim Film vorher alles stimmen.

Wie oft kommen solche Momente vor?

Immer wieder, immer wieder. Man ist nie zufrieden. Da könnte ich jetzt tausend Sachen aufzählen (lacht).

Siehst du dich also nicht gerne auf der Leinwand?

Doch ich sehe mich gerne auf der Leinwand, nur ich sehe mich nicht gerne wenn ich was falsch mache.

„Sid“ ist durch Deine Stimme zur Legende geworden. Wie hast du Deine Stimme auf ihn angepasst?

Vor zwölf Jahren, als wir mit „Ice Age“ angefangen haben, wurde ich nach New York geholt. Als ich die ersten Szenen von ihm gesehen habe wusste ich genau, dass er so sprechen muss – mit diesem Lispeln: „Manny, Diego wo seid ihr?“. Das habe ich dann vorgeschlagen und alle Synchronsprecher weltweit durften dann später dieses Lispeln anwenden. „Sid“ ist mir auf den Leib geschnitten.

 Gibt es besondere Herausforderungen für dich während du ihn synchronisierst?

Nein, das ist Spaß. Man verschmilzt mit dem Wesen. Das ist verrückt. Man steht im Studio mit den Kopfhörern vor der großen Leinwand und die Synchronregisseurin sitzt neben einem und sagt immer wieder: Nein, das musst du so machen und die Lippe so bewegen… Das ist viel Arbeit. Manchmal wiederholt man immer wieder die Sätze: „Da geht’s lang. Da geht’s lang.“ Immer wieder (lacht).

Welchen Tipp kannst du einem Nachwuchssynchronsprecher geben?

Du musst Lust dazu haben, den Charakter lieben und Spaß dabei haben. Bei uns in Deutschland ist es komplizierter. Wir sprechen auf die Animation – das ist schwierig. Die Amerikaner zum Beispiel lesen einfach die Drehbücher vor und es wird danach animiert. Und Geduld braucht man – ganz viel Geduld. Außerdem darf man sich nicht unterkriegen lassen und sollte immer weitermachen.

Was liebst du an „Sid“?

Dass er mir so sehr ähnelt (dreht sich verlegen weg). Vom Wesen her.

Wenn du selbst vor der Kamera stehst. Wie lernst du deine Texte auswendig?

Lesen, lesen, sprechen, sprechen, lesen, lesen, sprechen, sprechen – das fällt mir mit zunehmendem Alter immer ein bisschen schwerer und dauert etwas länger. Man muss lernen, lernen, lernen und  üben.

Welche deutschen Filmproduktionen magst du besonders gern?

Die Regie von Til Schweiger finde ich sehr gut. Der schafft das wirklich jeden Tag den Drehtag fertigzustellen. Ich bewundere seine Arbeitskraft – das ist unglaublich.

Bis heute gab es aber noch kein gemeinsames Projekt. Woran liegt es?

Wir wollten schon mal was zusammen machen. Er hat ja so wahnsinnige Projekte, da ist es schwer dass wir das zusammenkriegen. Aber Til Schweiger ist schon bewundernswert.

Woher nimmst du nach all den Jahren im Showbiz immer noch die Energie?

Das ist eine Lebensweise. Die Nächte nicht so lang machen. Nicht so viele Drogen (lacht). Und dann immer schön diszipliniert sein, wenn man auf Tour ist. Da braucht man schon einen geregelten Tagesablauf. Nachmittags vor dem Auftritt immer schlafen. Dann kann man das. Und eine vernünftige Ernährung.

Und zum Schluss bitte schnell ergänzen.

Schauspielern ist für dich:

Schwere körperliche Arbeit.

Malen ist für mich:

Schwere körperliche Arbeit. Das ist noch schwerer. Wenn du vier Stunden sitzt, dann kannst du nicht mehr. Das ist zum Erschöpfen.

Der Typische Otto Sonntag:

Ich steh auf, wasch mich, zieh mich an und ähm… geh nach Hause (lacht).

Wenn ich mir eine Auszeit gönne, mache ich:

Eigentlich gibt es für mich keine Auszeit, es gibt immer in meinem Kopf Projekte an denen ich bin. Dann zeichne und male ich noch. Ich kann nicht abschalten. Weiß nicht woran das liegt.

Derzeit sind noch bis zum 25.06.2017 Unikate seiner Zeichnungen  im Kelkheimer Rathaus ausgestellt. Im Herbst geht Otto wieder auf Tour – „Holdrio-Again“.

Otto Waalkes

Wie immer bestens gelaunt und für jeden Spaß zu haben. Otto Waalkes nach einem drei stündigen Autogramm und Selfie-Marathon. Foto:  Sabrina Heun

Otto Waalkes und Sabrina Heun

Otto und ich nach dem Interview.

 

Eindrücke zu seiner Arbeit als Maler:

Otto`s Geheimrezept