Herausragende Rolle in „Mata Hari – Tanz mit dem Tod“

 

Vor jedem neuen Film stehen Schauspieler vor einer besonderen Herausforderung – herauszufinden, wie sie ihre zu verkörpernde Figur am besten genauestens darstellen. Wird eine wahre Geschichte erzählt, wird es umso schwerer. Nora Waldstätten (35) wird am kommenden Sonntag in dem Film „Mata Hari – Tanz mit dem Tod“ die erste Offizierin des Ersten Weltkriegs „Elsbeth Schragmüller“ verkörpern. Für sie eine spannende und aufwendige Recherchearbeit.

 

Am Sonntag werden Sie in der Rolle einer sehr außergewöhnlichen Frau namens „Elsbeth Schragmüller“ zu sehen sein. Was war sie für eine Person?

„Elsbeth Schragmüller“ war eine absolut außergewöhnliche Frau. Eine der ersten, die in Deutschland Abitur gemacht und in Nationalökonomie summa cum laude promoviert hat. Sie war eine selbstbestimmte Frau und hatte immer schon ihren eigenen Kopf. Im  Zuge des Ersten Weltkriegs wurde sie die Leiterin der Spionageeinheit gegen Frankreich. In dieser Position traf sie auch auf „Mata Hari“ eine exotische Nackttänzerin, die sie als Spionin rekrutierte und ausbildete. Sie hatte mehrere Facetten: zum einen war sie die taffe Offizierin, zum anderen auch eine trauernde Frau, die ihren Mann durch den Krieg verloren hat.  

Eine nicht erfundene Person darzustellen, ist für jeden Schauspieler nochmal eine andere Situation. Wie haben Sie sich auf diese Rollen vorbereitet?

Dankenswerterweise hat „Elsbeth Schragmüller“ 1929 eine Selbstauskunft verfasst und es gibt eine Magisterarbeit über sie. Diese beiden Informationsquellen habe ich mir besorgt. Wie gewohnt habe ich dann mein Notizheft genommen und mithilfe der Unterlagen eine Figur kreiert. Man muss sich einer Figur Stück für Stück nähern, um sie später genau spielen zu können. Ich bin zum Beispiel nach Berlin in die Dahlmannstraße gefahren, in der sie damals gewohnt hat. Ebenso habe ich versucht für mich zu klären: Wie geht sie? Wie steht sie? Wie spricht sie? Zieht sie die Schultern hoch, wenn sie vor vielen Leuten spricht? So konnte ich sie näher kennenlernen, um am Ende einen imaginären Rucksack für die Dreharbeiten zu haben.

Worin liegen für Sie als Schauspieler bei einer zeitgeschichtlichen bzw. kriegsähnlichen Verfilmung die Herausforderungen?

Es ist eine gewisse Zeitreise, auf die man sich begibt. Man muss sich gewisse Gepflogenheiten vergegenwärtigen, die einem bis dahin unbekannt waren – das war spannend. Für Frauen gab es zum Beispiel damals keine Uniform, also bastelte „Elsbeth Schragmüller“ sich eine aus einer männlichen Offiziersjacke und Reithose – ein sehr interessantes und charmantes Detail. Ich finde es wunderbar, dass solche Feinheiten meiner Figur im Film erzählt werden.

„Elsbeth Schragmüller“ setzte sich in einer Männer dominierenden Welt durch. Worin glauben Sie lag ihr Geheimnis dies zu schaffen?

Sie hat für ihre Zeit die Grenzen mehr als ausgereizt. Ich glaube, dass sie sich per Intelligenz und Willenskraft diese einzigartige Position erarbeitet hat. Ihr Vorgesetzter hatte großen Respekt vor ihr, was man in der Selbstauskunft nachlesen kann. Dort ist auch zu entnehmen, dass es für sie unheimlich wichtig war, mit allem was sie ist und was sie kann, helfen zu können. Obwohl ihr das „Eiserne Kreuz“ verwehrt geblieben war, ist sie glaube ich dadurch nie verbittert. Denn sie merkte durch ihre Position, wie wichtig sie war. Ich glaube sie konnte genau einschätzen, dass sie für die damalige Zeit viel erreicht hat.

Gibt es eine Szene im Film, die Ihnen besonders gut gefällt?

Ich mag die Szene sehr, in der „Elsbeth Schragmüller“ auf ihre Schwester trifft. Die fand ich unheimlich schön, weil sie die private und verletzliche Seite von ihr zeigt.

Was erwartet den Zuschauer am Sonntag?

Eine unheimlich spannende Geschichte über zwei Frauen – die auf den ersten Blick vielleicht sehr unterschiedlich erscheinen, aber hinsichtlich ihres Wunsches nach Selbstbestimmtheit doch sehr ähnlich sind.

Der Film „Mata Hari – Tanz mit dem Tod“ wird am Sonntag um 22:00 Uhr in der ARD gezeigt. Regie führte Kai Christiansen und die Rolle der sagenumwobenen Nackttänzerin „Mata Hari“ spielt Natalia Wörner.

Mata Hari - Tanz mit dem Tod

Dr. Elsbeth Schragmüller (Nora Waldstätten) überprüft Mata Hari. Foto: NDR/Beate Wätzel/vinzent.tv