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„Mata Hari“ Hauptdarstellerin – Natalia Wörner verkörpert eine Legende

Vor einhundert Jahren zahlte die schönste Spionin der Welt mit ihrem Tod

 

Der Erste Weltkrieg zerstörte die Karriere der Nackttänzerin „Mata Hari“. Die Sehnsucht nach Ruhm, Anerkennung und ihre Existenznot bewegten sie dazu als Spionin für Deutschland und Frankreich zu arbeiten. Natalia Wörner (49) wird heute Abend in der ARD die sagenumwobene Legende verkörpern.

 

„Mata Hari“ gilt als die schönste Spionin der Welt. Was war sie für eine Frau?

Sie hatte sehr unterschiedliche Facetten. Was ich an ihr sehr spannend finde, ist ihre Eigenständigkeit, Sprunghaftigkeit, ihren Eigensinn und diese Art Unberechenbarkeit von – all das macht sie zu einer komplexen Person, die mit Sicherheit nicht für die Spionage tauglich war.

Glauben Sie, dass die Sehnsucht nach Ruhm und Erfolg ihr zum Verhängnis wurden?

Ich glaube, dass sie eine sehr naive, romantische Idee von Spionage hatte. Sie hatte wahrscheinlich keine Ahnung auf was sie sich einlässt, hat vieles nicht bedacht und deutlich unterschätzt. Das alles mündete in dem Versuch einer Doppelspionage, die dann eben auch scheiterte. Die Deutschen haben alles dafür getan, alles über die Franzosen zu erfahren und die Franzosen haben alles dafür getan, ihre Verluste an der Front auszugleichen. Sie haben „Mata Hari“ als großen Fisch verkauft, den man im Netz hatte. Beide Kriegsparteien nutzten sie, um einen Punkt zu machen. Das ist das was wir heute als Legende kennen. Die Konsequenzen ihrer Handlung konnte sie sich vorher nicht ausmalen und deshalb kann man ihr diese Fehleinschätzung an dieser Stelle verzeihen. Ihr fehlte die Bühne und der Wehrmacht fehlten die Informationen, beides zusammen wurde für sie zum Verhängnis und dafür hat sie am Ende den höchsten Preis bezahlt – sie wurde hingerichtet

Die Hinrichtung wird auch ausführlich im Film gezeigt. Wie bereiten Sie sich mental kurz vor so einem Dreh vor?

Grundsätzlich versuche ich bevor die Dreharbeiten beginnen, die Rolle so vorzubereiten, dass ich einen Gesamtbogen habe. Dreharbeiten sind nie chronologisch und somit braucht das ganze Paket von Anfang an seine volle Zuwendung. In einem Film wie diesem, wo man ein enormes Pensum hat, muss man richtig gut vorbereitet und textsicher sein. Ich muss genau wissen wie meine Figur reagiert. Während des Drehs hat man gar nicht die Zeit bei so einer Szene groß rum zu zedern,  man muss sich dem einfach hingeben. Es gibt kein Geheimrezept dafür.

Was gefällt ihnen an dem Film besonders gut?

Im ganzen Film gibt es mit „Elsbeth Schragmüller“ Passagen, die ich aufgrund der Dialoge sehr mag, weil sie mir und Nora Waldstätten einen sehr großen Gestaltungsraum gegeben haben. Es sind sehr lange Szenen, die immer wieder die Kunst des Dialoges in ihrer Unterschiedlichkeit aufblitzen lassen. Ein Dialog ist provokant, ein anderer ist ironisch und doppeldeutig. Das sind Momente die ich ganz besonders in dem Film mag.

Warum sollte der Zuschauer unbedingt einschalten?

Ich denke, dass der Film einen neuen Blick auf „Mata Hari“ wirft oder sie zumindest an die richtige Stelle rückt. Die Figur wurde immer wieder in ihrer Legendenhaftigkeit fälschlich dargestellt und wird nun in unserem Film aus einer neuen Perspektive erzählt, nämlich die der Geheimdienste. Der Zuschauer hat dadurch die Möglichkeit sich einer historischen Figur einmal aus der inneren Sichtweise zu nähern und hinter die Kulissen der Spionage zu schauen. Natürlich ist es auch für Frauen spannend anderen Frauen zuzuschauen die ihnen ein feministisches Terrain vorbereiten und diesen Weg dann aufrecht gehen – am Ende aber mit einem hohen Preis bezahlen. Das allein ist eigentlich schon eine Relevanz den Film zu schauen, um diese Person zu würdigen.

Um 22:00 Uhr wird der Film „Mata Hari – Tanz mit dem Tod“ in der ARD gezeigt.

Natalia Wörner in "Mata Hari - Tanz mit dem Tod"

Natalia Wörner in einem aufwendigen Kostümbild. Foto: NDR/Beate Wätzel/vincent.tv

 

Ein weiteres Interview zu „Mata Hari – Tanz mit dem Tod“ mit Nora Waldstätten über ihre Rolle Elsbeth Schragmüller:

Nora Waldstätten im Interview des Monats: „Man muss sich einer Figur Stück für Stück nähern“