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18 Drehtage für einen Kinofilm – geht das?

 

Andreas Arnstedt knüpft an bisherige Erfolge an

 

Am 24. September wird es ernst für unsere Kandidaten der Bundestagswahl. Derzeit sind sie auf Wahlkampfveranstaltungen oder in zahlreichen Fernsehtalkshows zu sehen, wo sie sich untereinander einen wilden Schlagabtausch liefern. Doch was geht wirklich hinter den Kulissen vor sich und wie ticken so manche Politiker in brenzlichen Situationen. Damit setzt sich Regisseur und Drehbuchautor Andreas Arnstedt (47) in seinem neuen Film „Das schaffen wir schon“ auseinander.

 

Zwei Tage vor der Bundestagswahl gibt der gewiefte Moderator Frederic Neunzig (Constantin von Jascheroff) in seiner beliebten Talkshow „Sechs gegen Neunzig“ Parteikandidaten die Möglichkeit, ein letztes Mal ihre Wahlprogramme zu präsentieren. Für die Stimme des Volkes sitzt auch Harald Müllbeier (Roda Tröscher), Chef einer Zeitarbeitsfirma, im Studio. Dieser feuerte zuvor seine Angestellte Susanne Kleinke (Marie Schöneberg), welche aus Existenznot in die Sendung stürmt und Geiseln nimmt. Sie droht, alle in die Luft zu jagen, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Nicht nur Angela Merkel wird in der Situation gefordert, auch die anderen Kandidaten kommen ins Wanken. Es ist eine Actionkomödie die es in sich hat. Denn sie fesselt aufgrund der ausgefallenen Charakteren von Minute zu Minute und zeigt uns Zuschauer mit einem gewissen Humor, was hinter den Kulissen in der Politik brodelt. Die Spiele von Macht und Neid, das berühmte nichts sagen und Aussitzen. „Mir ist es wichtig gewesen, nicht auf Parodien zu gehen, sondern ich wollte sie in meinem Film so zeigen, wie sie sich auch geben. Es sollte ein Wiedererkennungswert da sein und trotzdem entlarven alle beteiligten sich selbst“, erzählt Andreas Arnstedt. „Ich wollte eine Actionkomödie machen, die auf das Thema eingeht. Bis heute gibt es noch keinen Film über den Wahlkampf, so habe ich meine Idee nach langen Beobachtungen der Politikszene umgesetzt. Doch wer sich mit der Politik auseinandersetzt, weiß wie schnelllebig sie ist. „Frauke hat mir fast meinen Film zerschossen. Sie gibt es schon fast gar nicht mehr.“ Doch zu anfangs war er sich unsicher, ob er überhaupt den Film produziert. „Als Martin Schulz kam, wusste ich, dass ich ihn mache. Vorher habe ich lange Zeit die Politiker beobachtet und schon Dialoge geschrieben. Jeder von ihnen hat über die Jahre seine Sprache gefunden, ohne zu viel zu verraten. Da muss man sich lange mit auseinandersetzen.“ Nicht nur die Politik hätte fast das Projekt zerschossen, auch mit der Finanzierung musste das Filmteam einige kleine Hürden nehmen. „Wir haben aufgrund des engen Budgets nur 18 Drehtage zur Verfügung gehabt. Im Normalfall hätten wir 35 Tage gebraucht.“ Das Ergebnis ist gelungen, denn auch die Zuschauer, welche sich nicht für die Politik interessieren, bekommen viel zu lachen. Doch wie behilft man sich in solch einer Situation? „Wir haben die Postproduktion mittels Crowdfunding finanziert. Das kann ich allerdings nicht empfehlen und würde es selbst auch nicht mehr tun. Die Statistik zeigt, dass man rund einhundert Menschen erreichen muss, damit drei zwischen fünf bis dreißig Euro spenden.“ Aber dank der bisherigen Erfolge des eingespielten Filmteams rund um Andreas Arnstedt, der bereits Filme wie „Der Kuckuck und der  Esel“ sowie „Short Term Memory Loss“ inszenierte, ging der Plan auf. „Man sollte sich allerdings nie darauf verlassen“, rät Arnstedt. „Am Ende ist man nur enttäuscht, wenn es mit der Finanzierung nicht klappt und was noch zu bedenken ist, dass es ein enormer zusätzlicher Aufwand ist, weil das Projekt ständig in den Social Media Kanälen während der Dreharbeiten beworben werden muss.“ Trotz des straffen Zeitplans konnte der Film inszeniert werden. Der Moderator „Frederic Neunzig“, gespielt  von Constantin von Jascheroff, wird schnell zur Lieblingscharaktere. „In seiner Naivität, in seiner Eitelkeit und in seinem Glauben, dass man ihn braucht überschätzt er sich selbst. Aber er ist auch durchaus sympathisch“, schwärmt der Regisseur über seine Hauptfigur. „In meinen Filmen arbeite ich wenig mit Effekten und fokussiere mich auf meine Schauspieler. Das erzeugt automatisch eine gewisse Spannung, weil man die Figuren in ihrer Entwicklung besser beobachten kann.“ Spannend ist jedoch die Entwicklung einer Figur. „Die kleinen Ursula (Claudia Geisler-Bading) Sequenzen, welche nicht im Studio als Geisel gefangen ist, sind nicht nur schön anzuschauen, sie zeigen uns auch, wie alle nach ihrer Macht gieren und ihre Chance in der Krisensituation sehen.“

Am Wahltag selbst wird das Filmteam zusammen das Wahlergebnis schauen. „Da wir für unseren neuen Film „Vollmond“, der voraussichtlich im März 2018 in die deutschen Kinos kommt, noch einen Nachdreh haben, sitzen wir alle zusammen und sind gespannt, wie es ausgehen wird.“ Gespannt können sie auch auf den Zuspruch der Kinobesucher sein – seit gestern ist die Politsatire in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

"Das schaffen wir schon"

Eine Komödie mit viel Sprengkraft und jeder Menge rabenschwarzem Humor.

 

Hauptdarsteller Constantin von Jascheroff im großen Interview:

„Das schaffen wir schon“ Hauptdarsteller – Constantin von Jascheroff: „Politik ist immer so ernst“