Constantin von Jascheroff setzt Zeichen mit neuem Filmprojekt

 

Seit mehr als zwanzig Jahren bereichert der Berliner als Schauspieler und Synchronsprecher unsere Filmwelt. Seit gestern ist er in der Politsatire „Das schaffen wir schon“ als „Frederic Neunzig“ wieder auf der Kinoleinwand zu sehen. Ich sprach mit ihm über seine neue Rolle, die Politik und seine großartigen Zukunftsprojekte.

 

In deinem neuen Film spielst du in der Hauptrolle einen Moderator. Könntest Du dir vorstellen auch selbst einmal zu moderieren?

Ja klar, die Moderation ist was Schönes und macht vor allem sehr viel Spaß. Bisher habe ich nur Coachings gegeben oder auch mal einen Schauspiel-Workshop im Fernsehen gemacht. Ich könnte es mir sehr gut vorstellen, wenn das Format stimmt.

Frederic Neunzig erscheint dem Betrachter sehr naiv, beherrschend und denkt, er hat alles im Griff. Wie würdest du ihn charakterisieren?

Frederic Neunzig ist größenwahnsinnig, denkt er ist am Höhepunkt angekommen. Deswegen lehnt er sich auch soweit aus dem Fenster und meint, er kann sich alles erlauben. Sagt: Ich bin die Show, die Show bin ich. Ist überzeugt davon, dass die Gäste nur wegen ihm in die Show kommen und die Einschaltquoten auch nur wegen ihm so hoch sind. Deswegen meint er, er könne seine Gäste beleidigen, egal ob es Politiker sind. Letztendlich fällt Frederic Neunzig mit dieser Einstellung auf die Nase. Merkt plötzlich, dass sein Leben ihm davon gleitet. Als ihm gekündigt wird, merkt Neunzig, dass auch er austauschbar ist. Das ist ein großer Wendepunkt dieser Figur. Wird er doch am Ende auch selbst verdächtigt, hinter der Geiselnahme der Politiker im Fernsehstudio zu stecken.

Neunzig hat in seiner Show das Ziel die Politiker kurz vor der Wahl vorzuführen. Wie stehst du selbst zu unserer Politik?

Ich gehe auf jeden Fall wählen. Das finde ich ganz wichtig. Jeder, der die Chance hat wählen zu gehen, sollte diese wahrnehmen. Was ich schade an der Politik finde ist, dass sie undurchsichtig geworden ist. Man bekommt nicht wirklich etwas mit. Aber was ich am allerschlimmsten finde, sie sind alle so ernst. Politiker haben immer schlecht gelaunte Gesichter und es werden Kämpfe ausgetragen. Natürlich ist die Politik ein ernstes Thema, aber man muss es doch mal ein bisschen auflockern und so den Menschen zugänglich machen. Gerade für die Jugend ist das wichtig. Genau das ist auch der Grund, wo wir mit dem Film reingrätschen wollen und warum ich mit meiner eigenen Filmfirma „Mexican Dog Production“  die Co-Produktion übernommen habe. Unser Film ist eine Komödie mit rabenschwarzem Humor. Zwischen den Zeilen kann der Zuschauer natürlich auch etwas Ernstes finden, aber ich hoffe, dass die Politiker, die wir zeigen und die Zuschauer viel lachen werden.

Wenn du selbst für einen Tag in die Rolle eines Politikers schlüpfen dürftest, was würdest du verändern wollen?

Ich würde total gerne über die Datennutzung sprechen. Es ist fatal, was wir Menschen gar nicht mitbekommen, wenn wir Apps runterladen. Was da im Hintergrund alles abläuft – es ist alles so Gläsern geworden. Die Politik sagt zwar immer, es gibt das Datenschutzgesetz, aber das stimmt nicht. Ich habe erst kürzlich etwas über einen Bundestrojaner gelesen. Den kann die Bundesregierung auf jedes Gerät aufspielen, um mitzuschneiden oder einen abzuhören. Im Prinzip einen rund um die Uhr bewachen. Dass Menschen sich nicht informieren ist eine Sache, aber Transparenz steht über dem Datengesetz. Es gibt sie aber nicht.

Der Film hatte nur 18 Drehtage, nicht wie ein normaler Kinofilm rund 40. War das für dich als Schauspieler eine größere Belastung?

Nein, ich liebe den Job. Ich kann auch 24 Stunden am Tag drehen. Das ist kein Problem. Wir hatten lange und anstrengende Tage, aber ich fand es super. Das Pensum war zwar manchmal sehr hoch, aber das schweißt auch das Team zusammen. Erstaunlicherweise haben wir das alles wirklich gut durchbekommen in der kurzen Zeit.

Du kommst aus einer Filmschaffenden Familie, ist das für dich eher ein Fluch oder Segen?

Für mich ist es mehr Segen als Fluch, weil wir uns alle sehr unterstützen und uns gegenseitig Feedbacks geben. Vor allem schätze ich, dass ich mich mit den Menschen die mir am liebsten sind, mich über meine Kunst unterhalten kann. Fluch an der Sache ist natürlich, dass zum Beispiel mein Vater einmal ein Problem mit einem Produzenten vor zwanzig Jahren hatte und ich bekomme es als Sohn in Form von Abneigung dann heute zu spüren. Aber sowas gibt es in jedem Business.

Wie bist du damals zu deiner ersten Rolle gekommen?

Das war „Rennschwein Rudi Rüssel“. Ich war damals mit meinem Vater bei einem Casting, wo er teilnahm, 1993/1994. Dann meinten sie alle, wenn Dein Sohn hier ist, will er sich nicht mal vorstellen? So kam es dann, dass ich mit Iris Berben zusammen drehen durfte.

Du warst damals sieben Jahre alt. Wie schaffst du durch deine lange Berühmtheit nicht abzuheben?

Vielen Dank, ich sehe mich gar nicht als berühmten Menschen. Ich habe einen sehr leidenschaftlichen Job, den ich mit größter Liebe und Sorgfalt ausübe. Das mache ich mein ganzes Leben schon. Natürlich hatte auch ich als Kind Anfänge von Allüren und die Gefahr, abzuheben. Was auch normal ist, wenn man als Kind mit Erwachsenen dreht, die besonders behandelt werden. Da kann das schnell passieren. Aber ich hatte zum Glück meine Eltern, die mich sehr auf dem Boden gehalten haben und auch streng damit umgegangen sind. Wenn ich drehen wollte, durfte ich mir zum Beispiel nicht schulfrei nehmen. Ich musste immer erst einmal beweisen, dass mir die Schule wichtig ist.

Eigentlich eine sehr gute Taktik, oder?

Ja, auf jeden Fall. Bei mir war es überwiegend so, dass mein Vater die meisten Rollen abgesagt hat. Ich weiß noch wie ich ihn auf Knien angebettelt habe „Titus der Satansbraten“ zu drehen. Er sagte: „Mach erst mal die Schule und nimm Nachhilfe“.

Gab es mal einen Plan B, falls es mit dem Schauspielern oder dem Synchronisieren nicht mehr weiter geht?

Nein, das gab es nie. Ich habe schon sehr früh meine Eltern mit meinem Bruder zusammen auf der Bühne bewundert. Der Weg ins Filmbusiness war eigentlich unumgänglich für mich.

Seit fünf Jahren hast du jetzt deine eigene Filmproduktionsfirma. Gibt es derzeit ein Wunschprojekt was du gerne umsetzen würdest?

Wir entwickeln seit eineinhalb Jahren mit meiner Firma eine eigene Serie, das würde ich unheimlich gerne auf die Beine stellen. Es ist eine Endzeitgeschichte, die in Berlin spielt. Das Cast steht schon fest und ich hoffe, dass wir Ende des Jahres die Pilotfolge drehen können. Auch wenn ich viele Kontakte im Business habe, ist es heute nicht einfach seine eigenen Ideen zu verwirklichen. Chapeau an alle Filmproduktionen und Filmproduzenten, die das schaffen. Aber bevor ich das Ziel erreiche, drehe ich in den nächsten Tagen zum ersten Mal mit Til Schweiger für seinen Film „Klassentreffen“. Ich habe großen Respekt vor ihm, vor seinen Projekten und vor seiner Arbeit. Er hat sich so viel getraut, wo andere sich zurückziehen. Nebenbei noch Millionen für seine Stiftung gesammelt. Er hat es verdient heute da zu sein, wo er ist. Da freue ich mich riesig drauf.

 

Weitere Infos zum Film findet ihr hier:

https://actcurtain.com/2017/09/08/18-drehtage-fuer-einen-kinofilm-geht-das/

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Constantin von Jascheroff alias Frederic Neunzig steht plötzlich selbst im Fokus der Ermittlungen. Foto: drei-freunde Filmverleih