Herausragende Rolle in „High Society“

 

Sie spricht über ihren Beruf, wie über die große Liebe – mit voller Leidenschaft und Hingabe. In Berlin traf ich Iris Berben (67), um mit ihr über ihre neue Rolle „Trixi von Schlacht“ und die Situation der deutschen Filmwelt zu sprechen.

 

 Zuletzt waren Sie als liebevolle Großmutter in „Conni & Co 2“ zu sehen. Nun in „High Society“ erfolgt die Kehrtwende zu der kühlen High Society Lady, „Trixi von Schlacht“. Wie haben Sie sich in die Figur eingefunden?

Diese Rolle zu verkörpern war nicht ganz so schwer. Ich musste nicht weit gehen, um mich in die Situation von ihr reinzuversetzen. Denn wenn man mal ein bisschen schaut und liest, sind solche Charakter um uns herum. Es hat viel mit der heutigen Zeit zu tun: Wofür spenden wir denn? Was ist denn gerade angesagt, was nehmen wir denn für eine Organisation? Wie Anika Decker dies zeigt, ist an Zynismus kaum zu übertreffen. Sicherlich ein wenig überspitzt, aber es hat auch ein großes Stück Wahrheit.

Die Spende als eine Art Selbstdarstellung?

Ich werde jetzt nicht den Namen nennen, aber es gibt immer eine riesige Spendenaktion in Deutschland, wo es immer darum geht, dass sich Menschen mit sehr hohen Summen in den Vordergrund stellen. Ich sprach damals mit den Organisatoren und erkundigte mich, ob man diese Spenden nicht auch Anonym machen kann, schließlich geht es um horrende Summen. Sie erzählten mir daraufhin, dass sie das versucht haben, nur blieben die Spenden daraufhin aus. Ich glaube, dieses Beispiel erzählt über unsere Gesellschaft und meine Figur „Trixi von Schlacht“ so einiges. Es ist ihr wichtig, aufzutreten und ihr Ziel durch eine Spendenaktion einmal auf dem Titel der Tenniszeitung zu kommen. Was ich im Übrigen so wunderbar finde, da muss man schon einmal tief Ein- und Ausatmen.

Anika Decker hat auch bei Ihrer Figur mit der Liebe zum Detail nicht gespart. Die Seiden Kaftane ihrer Figur, entsprechen zum Teil dem Teppich Muster in der „von Schlacht“ Villa.

Es ist nichts dem Zufall überlassen. Diese Kaftane, Königin Mutter betritt den Raum, lassen meine Figur größer und Mächtiger erscheinen. Das ist schon eine ganz genaue Dramaturgie.

Was ist Luxus für Sie?

Mein Luxus ist natürlich jemand zu sein, der Selbstbestimmt leben kann. Der die freie Wahl und das Glück hat, wählen gehen zu können. Wir sind leider auch von Parteien umgeben, die eine Möglichkeit suchen rückwärtsgewandt Politik zu betreiben. Die uns versuchen, ganz woanders hinzubringen, nämlich in das Gegenteil der Selbstbestimmung. Ein weiterer Luxus ist für mich, dass ich in einem Land lebe, in dem wir uns frei bewegen können. In dem wir frei reden können und wir nicht für Äußerungen oder einer Haltung bestraft oder eingesperrt werden, so wie es leider derzeit in der Türkei der Fall ist. Das alles ist ein großer Luxus für mich, der uns häufig als Selbstverständlich erscheint.

Sie sind sehr lange in der Filmbranche tätig. Wie wirkt die Schauspielerei auf Sie, wenn man solange vor der Kamera steht und man sich immer wieder mit neuen Charakteren auseinandersetzt?

Ich könnte es ganz flapsig sagen: Ich brauche keinen Psychiater. Die Arbeit als Schauspieler macht dich sehr weitsichtig. Die Grenzen deiner Toleranz werden auf einer ungeheuren Breite und Weite ausgebreitet. Das liegt daran, dass ich immer wieder versuche, in unterschiedliche Biografien zu gehen, um den wahrhaftigen Kern meiner Figur zu finden. Es gibt Schauspieler, die stehen immer hinter ihrer Figur, was der Zuschauer dann auch sehen kann. Die damit zeigen: Schau mal was ich hier kann. Wiederum gibt es auch Schauspieler, die verschwinden hinter der Figur. Ich habe das gerade in Dreharbeiten gehabt wo ich vier Monate lang, eine ganz unscheinbare Frau gespielt habe. Aufgrund der Unscheinbarkeit war ich wahnsinnig interessiert an ihrem Innenleben. Womit beschäftigt sie sich? Mir macht es immer wieder unheimlichen Spaß, mich weit von mir selbst zu entfernen, dass der Zuschauer mich nicht mehr erkennt. All diese Momente in der Schauspielerei sind grandiose Momente, weil sie für dich und dein Leben bereichernd sind. Ich suche immer wieder Schnittstellen in den Biografien: Wer wäre ich, wenn ich diese Biografie gehabt hätte. Dadurch wirst du offener und verständnisvoller in vielerlei Hinsicht. Es ist ein toller Beruf.

Wie sehen Sie als Präsidentin der „Deutschen Filmakademie“, die Entwicklung des deutschen Films in den letzten Jahren? Eher positiv oder negativ?

Wir haben eine spannende junge Generation und auch meiner Generation, gelingt es immer wieder, tolle Filme zu machen. Ich bin ein ganz großer Fan von „Toni Erdmann“ und durfte in Cannes im letzten Jahr dabei sein, als der Film gezeigt wurde. Wenn man schaut, was eigentlich noch an kraftvollen Filmen im letzten Jahr rausgekommen ist, ist es meckern auf hohem Niveau. Ich bin auch ein großer Verfechter von Til Schweiger. Er findet sein Publikum und ganz pragmatisch davon abgesehen, er bezahlt seine Fördergelder zurück. Das bedeutet, wir die gerne Arthouse Filme machen, sind dadurch wieder finanziert. Man sollte also mit Hämen in dieser Branche sehr aufpassen. Wir haben eine gute Bandbreite im deutschen Film, was sehr wichtig ist. Die deutsche Filmwelt verfügt über ein paar gute talentierte Drehbuchautoren, Schauspieler und Regisseure. Ich glaube, was wichtig ist, ist dass wir selektiver werden müssen. Wir haben manchmal sehr gute Fernsehfilme im Kino. Die Leinwand des Kinos müssen wir wieder mehr füllen und in ihrer Größe nutzen.

Derzeit ist Iris Berben in der Hauptrolle der Reichen „Trixi von Schlacht“ in den deutschen Kinos zu sehen. Sie spielt dort eine Mutter, welches ihr Kind vertauscht bekommen hat. Als dies auffliegt, ist sie gezwungen. ihre Luxus Welt zu verlassen und entdeckt so manches für sich selbst.

Iris Berben bei der Weltpremiere von "High Society" in Berlin

Iris Berben bei der Premiere von „High Society“ in Berlin. Foto: Sabrina Heun

Iris Berben und Emila Schüle bei der Weltpremiere von "High Society"

Mutter und Tochter im Film – Trixi von Schlacht (Iris Berben, rechts) und Anabel von Schlacht (Emilia Schüle, links) Foto: Sabrina Heun

Iris Berben und Emila Schüle bei der Weltpremiere von "high Society"

Auch hinter der Kamera verstehen sich die beiden sehr gut, wie man auf dem Pink Carpet der Premiere sehen konnte. Foto: Sabrina Heun