Über die Herausforderung einen Dreiteiler zu schreiben

 

„Das Attentat – Sarajevo 1914“ war bereits eine gigantische historische Inszenierung. Nun übertrifft der erfolgreiche österreichische Drehbuchautor sich selbst. „Maximilian – Das Spiel von Macht und Liebe“ ist eine packende, tragische und bewegende Liebesgeschichte über den „letzten Ritter“ und „Maria von Burgund“. Gestern zeigte das ZDF den ersten Teil. Zuvor sprach ich mit Martin Ambrosch (53) über die Herausforderung der Drehbucherstellung bei einer dreiteiligen Inszenierung.

 

Ein historisches Thema zu verfilmen bedeutet zugleich eine enorme Recherche. Wie haben Sie sich mit dem Mittelalter auseinandergesetzt?

Bei der Recherchearbeit war ganz klar, dass ich mich auf die Jahre konzentriere, die „Maximilian“ und „Maria von Burgund“ betreffen. Ich habe dafür Biografien und Bücher von belgischen Historikern gelesen und mich mit ihnen über diverse Themen unterhalten. Mein Ansatz lag in der gegensätzlichen Veränderung, die damals passierte. Zum einen den Übergang vom Mittelalter in die Renaissance, zum anderen den Übergang von der Jugend zum Erwachsen werden.

Worin liegt für Sie die Herausforderung, wenn Sie einen Dreiteiler schreiben?

Die Herausforderung besteht darin den Fokus, wo die Geschichte hinführen soll, nicht aus den Augen zu verlieren. Kleine Geschichten werfen ein Licht auf die große Geschichte. Diese zu finden, macht es nicht einfach.

Auffällig ist der Sprachstil in den drei Teilen. „Maximilian“ benutzt auch gerne das Wort „Scheißegal“. Haben Sie bewusst eine Mischung aus dem zeitgenössischen und der heutigen Zeit gewählt?

Es sollte nicht verschmockt klingen. Das Mittelalter hat einen ganz speziellen Sprachstil. „Scheißegal“ hat natürlich damals niemand gesagt, aber „Scheiße“ schon. Das habe ich recherchiert (lacht).

Der Film spielt auf drei Höfen: Burgund, Österreich und Frankreich. Dies bedeutet für Sie auch eine Vielzahl von Figuren. Wie sind Sie während des Schreibens vorgegangen?

Ich habe mir die Namen auf den Computer geklebt, damit ich wusste, wie sie alle heißen. Die erste Szene ist die Entscheidendste bei der Figur. Wenn ich die habe, dann habe ich die Figur. Mit der ersten Szene meine ich, dass ich die Figur spüre, was sie anders macht als die anderen, wie sie tickt. Ich habe manchmal das Gefühl, das gestalte ich nicht selbst. Wenn sie mit mir zu sprechen anfängt dann habe ich gewonnen, aber bis es dazu kommt, gehe ich manchmal sehr viel im Kreis.

Sicherlich wurde auch viel bei der Geschichte adaptiert. Gibt die Figur Ihnen auch diesen Weg wie von selbst vor?

„Maximilian“ war ein feuriger Typ ist. Er war ein Junge, der gerne Turniere kämpfte, deswegen nannten sie ihn auch „der letzte Ritter“. Er war der Sohn eines Kaisers von der Kurfürsten Gnaden. Durch die tobenden Aufstände traute er sich nicht in seinem eigenen Reich vor die Tür. Dann bekam er die Chance eine Prinzessin mit viel Geld zu heiraten. Dies wollte sein Vater, damit der seine Schulden bezahlen konnte. Das hat mich interessiert und ich befasste mich näher damit. Wie tickt einer der siebzehn ist und das erlebt? Wie tickt ein gerade aus der Pubertät herausgeschlüpfter, der die Chance hat die Welt in seine Hände zu nehmen und eigentlich überhaupt gar nicht weiß wie es draußen in der Welt aussieht. Dann beginnt die Figur zu leben und ich muss während dem schreiben schauen, dass ich sie Zügel und sage: Dorthin nicht, weil das hat mit der Geschichte nichts zu tun.

Wie lange haben Sie an den drei Teilen geschrieben?

Ich hatte eine enge Zeitvorgabe, insgesamt ein Jahr.

Mich hat die nonverbale Kommunikation zwischen „Maximilian“ und „Maria von Burgund“ in allen Teilen sehr fasziniert. Es gibt viele solcher Szenen, die zum Teil dadurch sehr intim erscheinen. Was ist Ihre Lieblingsszene?

Es sind mehrere Szenen, die nicht wirklich spektakulär sind. Szenen wo man das Gefühl hat es öffnet sich eine mittelalterliche Welt in die moderne Renaissance hinein, wo die Liebe die Politik verdrängt. Liebe war damals zwischen Herrschenden völlig unüblich. Man heiratete aus Räson. Das Personal konnte sich zwar untereinander lieben, aber der Rest nicht.

Der Film wurde an rund 55 Drehorten (Burgen, Schlösser, Kreuzgänge und mittelalterlichen Straßenzügen) gedreht. Wie haben Sie die Dreharbeiten miterlebt?

Ich bin jemand der immer wieder am Set ist und schaue mir an, ob die Geschichte funktioniert. Andreas Prochaska rief mich auch manchmal an, erzählte dass er oder die Schauspieler beim Proben das Gefühl hatten in der Szene könnte noch etwas drin sein, dann bin ich ans Set gefahren oder habe zu Hause das Drehbuch geändert.

Sie haben Wirtschaftswissenschaften studiert. Wie kamen Sie dann letztendlich zum Film?

Ich komme aus einem Haus, wo Wirtschaftswissenschaften sehr wichtig sind. Deshalb glaubte ich damals, dass man von der Kunst nicht leben kann. Irgendwann war mir das Studium aber zu öde und ich sagte mir: Dann lebe ich eben schlecht oder muss es schaffen, mit dem Schreiben Geld zu verdienen. Ich glaube, genau das hat mich auch weitergebracht. Man muss nicht reich werden, aber ich finde, dass die Armut nicht die Kreativität fördert. Viele meiner Kollegen schreiben ein Buch im Jahr und Leben von der Hand in den Mund, das ist nicht gut.

Der erste Teil hatte eine hohe Einschaltquote von über zwei Millionen Zuschauern. Heute wird der zweite Teil um 22:15 Uhr im ZDF ausgestrahlt.

Titelfoto: Jannis Niewöhner und Christa Théret während der Dreharbeiten. ZDF/Thomas W. Kiennast

image

Bei strahlendem Sonnenschein auf der Terrasse des ZDFs in Hamburg, sprachen wir über die Kunst des Drehbuch Schreibens.