Ein neues Meisterwerk des Österreichers

 

Eine historische Verfilmung ist für alle Beteiligten am Filmset eine große Herausforderung. Vom Kostüm bis zum Drehort muss jedes Detail stimmen, um die Atmosphäre der Vergangenheit wieder aufleben zu lassen. Mit der Verfilmung „Maximilian – Das Spiel von Macht und Liebe“ ist erneut ein filmisches Meisterwerk entstanden, das dem Zuschauer eine Geschichte aus einer längst vergessenen Epoche liebevoll erzählt. Der österreichische Regisseur Andreas Prochaska (52) sprach mit mir über die Herausforderungen der Dreharbeiten.

 

55 Burgen, Schlösser, Kreuzgänge und mittelalterliche Straßenzüge, dazu noch 3.000 Komparsen, 680 Pferde, 1.050 Kostüme und 450 Rüstungen – beinhaltet das Erfolgsrezept Ihres Dreiteilers. Worin bestand für Sie die größte Herausforderung während des Drehs?

Die größte Herausforderung bestand darin aus Österreich heraus eine Geschichte über den Österreichischen, den Burgundischen und den Französischen Hof zu erzählen. Für den Ausstatter war es ein Flickwerk. Allein für die Eröffnungssequenz befanden wir uns an mehr als fünf verschiedenen Drehorten. Wir starteten auf einem Acker in Prag und endeten in einem holzgetäfelten Raum in Wien. Natürlich war es auch eine große Herausforderung die passende Besetzung zu finden. Ich hatte zum ersten Mal den Luxus mit französischen Schauspielern arbeiten zu dürfen. Christa Théret als „Maria von Burgund“ ist großartig.

Der klassische Fernsehfilm hat rund 20 Drehtage. Wie viele hatten Sie durch den hohen logistischen Aufwand zur Verfügung?

25 1/2 Drehtage pro Film. Es war eine logistische Meisterleistung. Wir waren wie ein Wanderzirkus und haben uns von einem Drehort zum nächsten bewegt.

Der Dreiteiler hat mich durch die Liebe zum Detail sehr überzeugt. Wie haben Sie sich im Vorfeld mit den Drehorten und der historischen Geschichte auseinandergesetzt?

Die Details machen einen Film einfach reicher. Wenn die stimmen, erhält man eine stimmige Gesamtatmosphäre. Mir war es wichtig, lieber Szenen zu finden, die dem Zuschauer mehr über die damalige Zeit erzählen können. Der französische König zum Beispiel kann uns heute durch seine Schlaganfälle die medizinische Geschichte von damals erzählen. Wir wollten mit diesen Details ein Gefühl vermitteln, wie es damals im 15. Jahrhundert gewesen ist. Das war eine sehr spannende Aufgabe.

Haben Sie sich wie Martin Ambrosch auch mit der Literatur auseinandergesetzt?

Ja, aber den Wissensvorsprung von ihm konnte ich nicht einholen und habe ihm deshalb diesen Part überlassen. Ich merkte schnell: Je mehr ich über diese Zeit weiß, desto mehr verstellte es mir den Blick auf das Drama und die filmische Erzählung. Für mich ist noch immer das 15. Jahrhundert ein großer weißer Fleck auf der Landkarte.

Mir geht es nicht anders, auch ich musste nach der Sichtung des Films erst einmal googlen, weil ich mehr über „Maria von Burgund“ herausfinden wollte.

Das freut mich natürlich sehr. Wenn es gelingt das Historische gut zu erhalten und gleichzeitig das Interesse zu wecken, hat man gewonnen. Für mich ist es ein Ziel, dass der Zuschauer die Kostüme vergisst, der Entwicklung meiner Figuren folgt und sich am Ende für sie interessiert. Das ist nämlich das Spannende daran.

Es ist eine durchaus schöne Geschichte. Zwei die sich finden, aber das Schicksal hält ein so schlechtes Ende für sie parat.

Ja, der Film hat durchaus am Ende einen Taschentuchfaktor. Mir sind schon während des Drehs die Tränen gekommen. Wie die Beiden den Schluss gespielt haben, war unglaublich berührend. Leider konnten wir am Ende nichts ändern, es ist historisch so verbrieft.

Wie können Sie sich am Set fangen, wenn die Tränen fließen?

Da ich hinter einem Monitor sitze, habe ich meistens noch ein wenig Zeit bis ich aufstehen muss und kann mich erst mal etwas sammeln. Es ist ein unglaubliches Erlebnis, wenn es mich als ersten Betrachter schon so erwischt. Solche Momente drehe ich dann nicht noch mal, für den fertigen Film ist es so sehr schön.

Gab es für Sie eine Szene, die relativ schwer in der Umsetzung war?

Es gab unglaublich viele Szenen, die unheimlich schwer umzusetzen waren. Für den zweiten Teil drehten wir Hinrichtungen, welche mit sechs Stunden Drehzeit angesetzt waren. Es war der letzte Drehtag für Christa Théret und ich wusste, was ich jetzt nicht bekomme, bekomme ich nicht mehr. Die heißen Tage im Sommer machten es uns auch nicht einfach. Am heißesten Tag des Jahres drehten wir in einem französischen Thronsaal, alle trugen historische Gewänder und die Klimaanlage fiel aus.

Ist es für Sie als Regisseur schwieriger einen einteiligen oder einen dreiteiligen Film zu drehen?

Es ist immer eine Frage, wie man sich seine Energie einteilt. Wenn man einen Dreiteiler dreht, ist es wie ein Marathonlauf. Bei 80 Drehtagen ist es dann der 75. Drehtag, an dem man ein Tief hat. Bei einem einteiligen Film mit 20 Drehtagen habe ich so eine Phase vielleicht am 18. Tag. Man lernt sich die Kräfte einzuteilen. Wenn man am Ende die Zuschauer begeistert, hat sich die Anstrengung gelohnt.

Sie haben bereits schon mehrere historische Verfilmungen gedreht, unter anderem auch das „Attentat in Sarajevo – 1914.“ Was fasziniert Sie an „Maximilian“?

Dass so viele verschiedenen Themenbereiche berührt und auch die politischen Zusammenhänge des 15. Jahrhunderts gezeigt werden. Es fasziniert mich auch, dass es eine Coming of Age-Geschichte ist. Dass Maximilian lernen muss seine eigenen Impulse zu überwinden und sich seiner Verantwortung zu stellen.

Heute wird nun der letzte Teil im ZDF ausgestrahlt. Wenn Sie zurückschauen auf ihr Werk, welche Szene mögen Sie am liebsten?

Es ist die Szene nach der ersten gemeinsamen Nacht von Maximilian und Maria. Er steht auf und sieht, wie sie von ihren Kammerzofen gewaschen und angezogen wird. Dann schaut er sie an und sie schaut ihn an. In diesem Moment wird klar, dass zwischen den Beiden etwas entsteht. Das ist ein kleiner nonverbaler Moment, der eine unglaubliche Intimität hat.

Rund sieben Millionen Zuschauer verfolgten den Dreiteiler im ZDF. Für alle die ihn verpasst haben, ist er in der ZDF Mediathek online.

Titelfoto: Jannis Niewöhner und Christa Théret. Foto: ZDF/Thomas W. Kiennast

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Schnell noch ein Foto und weiter ging es schon wieder für Andreas Prochaska nach Prag, zum nächsten Filmprojekt.