Ein bisschen Cannes in Frankfurt

 

Am vergangenen Freitag trafen sich Stars und Sternchen in der Frankfurter Alten Oper, um eines der wichtigsten Kunstgüter Deutschlands zu feiern: den Film. Diese Kunst wäre ohne zahlreiche Filmschaffende nicht möglich und deshalb umso schöner, dass die Oper bis auf den letzten Platz besetzt war, um den ausgezeichneten ihre Wertschätzung und Anerkennung zu zeigen.

 

Die Alte Oper strahlte anlässlich der Verleihung in vollem Glanz und verlieh der Veranstaltung ein Glamour, der sich sonst nur in Cannes oder Hollywood zeigt. Am roten Teppich kamen die zahlriechen Autogrammjäger und Fotografen der Presse auf ihre Kosten. Besuchten doch namhafte Größen wie unter anderem Josefine Preuß („Türkisch für Anfänger“), Ulrich Tukur („Tatort“) und Florian Bartholomäi („Tatort: Mit dem Taxi nach Leipzig“) den Filmpreis. Moderiert wurde der Festakt, von dem Hesse Jochen Schropp. Das Land Hessen fördert derzeit mit rund zehn Millionen Euro Filmprojekte in Hessen. Allein im vergangenen Jahr sind dadurch zahlreiche Filme wie zum Beispiel „Conni & Co 2“ (Regie: Til Schweiger) oder „Jugend ohne Gott“ (Regie: Alain Geponer), in die deutschen Kinos gekommen. Kultusminister Boris Rhein ist stolz auf die Bilanz der zahlreichen Inszenierungen, welche das Land Hessen als Drehort genutzt haben: „Jeder Schnipsel, den wir im vergangenen Jahr hier in Hessen produziert haben, macht Lust auf mehr. Film ist kein wirtschaftliches Gut, es ist Kunst!“ Er überreichte Schauspielerin Jasna Fritzi Bauer den neu eingeführten Newcomer Preis (7.500 Euro). „Wenn sie auftritt, benötigt sie den ganzen Raum für sich, zieht alle in ihren Bann und das quer durch viele Genres“, lobte er die 28- jährige gebürtige Wiesbadenerin in der Laudatio. Der diesjährige Drehbuchpreis (7.500 Euro) ging an David Ungureit, der zusammen mit Rolf Silber in dem prämierten Drehbuch „Schneegestöber“ die letzten Tage des Sterbens in einem Hospiz veranschaulicht. Für ihren beeindruckenden Kurzfilm „Familienzuwachs“ erhielt die Regisseurin Theresa Hoerl den Hessischen Filmpreis in der Kategorie Kurzfilm (5.000 Euro). Sie zeigt auf besondere Art und Weise eine hessische Familie, welche sich bereit erklärt, eine Flüchtlingsfamilie aufzunehmen. Ihr neues Projekt wird sie dem Thema „Digital Natives“ widmen. Tom Fröhlich wurde für sein Werk „Ink of Yam“ mit dem Hessischen Hochschulfilmpreis (7.500 Euro) geehrt. In seinem Film zeigt er Geschichten, die unter die Haut gehen und führt beeindruckende Interviews in einem Jerusalemer Tattoo Studio. „Durch meine Arbeit als Cutter bin ich auf diese Geschichte gestoßen und fand es interessant zu zeigen, warum die Menschen trotz Verbot  sich ein Tattoo stechen lassen“, erzählt der Nachwuchskünstler. In der Kategorie Dokumentarfilm erhielt Regisseur Thomas Frickel für seinen Film „Wunder der Wirklichkeit“ eine Auszeichnung (15.000 Euro). Beste Schauspielerin wurde in diesem Jahr Corinna Harfouch für die Rolle in „Viel zu nah“ (undotiert). Bester Schauspieler Jens Harzer für seine Rolle in dem „Tatort – Amour fou“ (undotiert). In der Kategorie Bester Spielfilm gewann Özgür Yildirim für den noch nicht erschienenen Kinofilm „Nur Gott kann mich richten“ (25.000 Euro) den begehrten Preis. Vier Jahre lang schrieb er selbst heimlich an dem Drehbuch und inszenierte den Film mit Schauspielern wie Moritz Bleibtreu, Edin Hasanovic und Alexandra Maria Lara. Er betont in seiner Dankesrede: „Das Genre Kino ist vor knapp einhundert Jahren entstanden, viele Menschen müssen daran glauben, dass es weiterlebt. Hessen glaubte als erster an meinen Film und dafür bin ich sehr dankbar.“ Kinostart ist am 18.01.2018. Highlight des Abends war die Verleihung des Ehrenpreises, vom Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier an den Schauspieler Ulrich Tukur. „Er ist ein Mann der mit Hessen verbunden und weit über die Grenzen Deutschlands bekannt ist. Ihm wurde viel an Talent gegeben und er hat es genutzt“, ehrte er den Viernheimer. Das Publikum dankte mit minutenlangen Standing Ovations und Tukur selbst bedankte sich herzlich auf Hessisch mit einer Einladung: „Ich lade euch alle am Samstag nach Sachsenhausen zu einem fünf Liter Bembel Apfelwein ein, wie wir das alle hier für uns aufteilen, sehen wir dann.“ Im Anschluss der Gala wurde noch bis in den frühen Morgen in der Alten Oper gefeiert.

Fotos: Sabrina Heun