Interview des Monats

Kai Schumann im Interview des Monats: „Heldt ist mein Zwilling“

Zu Besuch bei den Dreharbeiten

 

„Heldt“ gibt weiterhin Vollgas – über vier Millionen Zuschauer verfolgen jeden Mittwoch den Kult-Cop aus Bochum im ZDF. Die fünfte Staffel wird derzeit ausgestrahlt und bereits in Köln-Overath die sechste gedreht. Ich durfte Kai Schumann (41) für ein paar Stunden am Set begleiten. Während der Mittagspause sprachen wir über seinen Durchbruch mit „Doctors Diary“ und vor allem, wie sich das Verhältnis seiner Figur zu Ellen Bannenberg entwickelt.

 

Deine Karriere begann so richtig mit der Serie „Doctors Diary“, in der du den Gynäkologen „Mehdi“ gespielt hast. Wie hat sich dein Leben seitdem verändert?

Mein Leben hat sich dadurch sehr verändert. Es war ein großes Geschenk und eine riesen Chance, damals dabei sein zu dürfen. Keiner dachte, dass die Serie so ein Erfolg werden würde. Aber Bora Dagtekin ist ein Top Profi, der genau weiß, was er macht und schreibt. Seit dieser Zeit habe ich viele Rollen. Ich bin glücklich und total dankbar für diese Zeit. Ich hätte gerne weitergemacht.

Hand aufs Herz – wirst du in der Öffentlichkeit mehr „Mehdi“ oder „Heldt“ genannt?

Das gleicht sich mittlerweile aus und das schöne ist, dass mich immer mehr junge Leute auf „Heldt“ ansprechen. Das macht einfach riesen Spaß, denn am Anfang waren es hauptsächlich Erwachsene, die mich angesprochen haben. Es freut mich, dass wir nach sechs Jahren auch immer mehr junge Zuschauer haben.

Was bedeutet die Figur „Heldt“ für dich?

Er ist wie ein Zwilling für mich, meine zweite Haut, mein innerer Begleiter und mein Seelenverwandter. Wenn man sich als Schauspieler mit einer Figur solange beschäftigt und diese so lange spielt, dann sind die Grenzen zwischen einem selbst und der Figur sehr fließend. Für mich ist das Filmteam rund um „Heldt“ mittlerweile auch mein zu Hause geworden.

Worin unterscheiden „Heldt“ und du dich charakterlich?

Was ich absolut nicht habe, ist diese Schlagfertigkeit die „Heldt“ hat. Ich glaube auch ehrlich gesagt nicht, dass ich im echten Leben so ein guter Kommissar wäre. Ich bin oft sehr viel blauäugiger und viel naiver.

Viele Jungs haben den Traum, einmal Polizist zu werden. War es auch bei dir so?

Ich wollte immer ein Super- oder Actionheld werden. Da ich auf einem kleinen Dorf Nähe Plauen aufwuchs und die nächste Straßenbahnstation vier Kilometer von meinem zu Hause entfernt war, hatte ich jeden Tag einen langen Schulweg. Im Kopf spielte ich dann immer gedanklich Zorro, Bruce Lee, Cowboy oder Actionheld. Ich rettete dann immer in Gedanken die Mädchen aus meiner Klasse vor den blöden Klassenkameraden, in die ich heimlich verliebt war.

Eine Serie zu drehen ist nochmal eine andere Belastung für einen Schauspieler, als wie ein Film. Wie sieht dein klassischer Drehtag aus?

Mein Tag beginnt zwischen sechs und acht Uhr. Dann werde ich abgeholt oder fahre mit dem Fahrrad bzw. laufe zu dem Drehort. Am liebsten schaue ich aber, dass ich selbst zu dem Set komme, um einfach nochmal ein paar Minuten Zeit für mich zu haben. Nach einem Frühstück und Kaffee gehört es zu einem meiner festen Rituale, jeden vom Team zur Begrüßung zu umarmen und ihn zu fragen, wie es ihm geht. Bevor es ins Kostüm und in die Maske geht, werde ich verkabelt. Seit ein paar Jahren wird der Ton nicht mehr nur von einem Tonassistenten extern aufgenommen, sondern auch direkt von meinem Körper aus aufgezeichnet. Die beiden Tonspuren werden im Anschluss dann übereinandergelegt und bieten so eine bessere Tonqualität. Vor dem Dreh gibt es immer wieder kurze Proben. Während der Dreharbeiten wechsle ich immer wieder das Kostüm, da wir an einem Tag oftmals für verschiedene Folgen Szenen drehen. Feste Drehzeiten haben wir nie, ich habe oftmals einen zwölf Stunden Tag bis ich wieder nach Hause komme und mich dann wieder auf den nächsten Drehtag vorbereite. Wenn wir unsere Leseproben haben, dann wird es auch schon mal spät in der Nacht. Aber wir haben den großen Luxus, dass wir im ganzen Team die Drehbücher durchsprechen und das gute an der Sache ist, dass wir immer Anmerkungen und Ideen mit einbringen können. Da komme ich auch gerne mal in der Nacht nach Hause.

Wie sieht die Vorbereitung auf den nächsten Tag für dich aus?

Ich lerne den Text für den kommenden Tag oder hole mir einen alten Text nochmal in Erinnerung. Wobei das Textlernen eher ein minimaler Teil des Arbeitsprozesses ist. Viel intensiver in der Vorbereitung ist das gedankliche Hineinversetzen in die kommenden Szenen. Wo ich unter anderem durchgehe: Welche Motivation habe ich als Figur? Was will mein Charakter von dem Gegenüber? Was will ich erreichen in der Szene? Welche Hindernisse liegen mir im Weg und wie kann ich es überwinden? Dafür habe ich verschiedene Strategien, wie ich zu dem Ausdruck in einer Szene komme. Manchmal nutze ich Metaphern dafür. Wenn ich zum Beispiel eine Szene im Auto spiele, in der ich keine Zeit habe, dann stelle ich mir gedanklich in dem Moment vor, dass ich ganz dringend auf die Toilette muss.

Gibt es denn auch noch während des Drehs Raum für Spontanität?

Ja, im besten Fall ist es eine gesunde Mischung aus sehr guter Vorbereitung und am Set dieses einfach wieder zu vergessen. Dann in der Szene einfach alles spontan laufen zu lassen und einfach zu improvisieren.

Wie wird sich das Verhältnis zwischen „Ellen“ und „Heldt“ weiterentwickeln?

Die Umstände ihrer Lebensrealitäten treibt sie immer auseinander. „Heldt“ und „Ellen“ sind einfach füreinander bestimmt und lieben sich im tiefen Herzen. Mehr darf ich leider noch nicht verraten, aber es werden Dinge passieren, mit denen man nicht rechnet.

Du hast zuvor gesagt, dass du selbst Ideen mit ins Drehbuch einbringen kannst. Hast du bestimmte Wünsche und Fälle, die du gerne einmal umsetzen würdest?

Ich wollte einmal nackt in der Lore aufwachen, das haben wir jetzt schon umgesetzt. Was ich mir auch immer noch sehr wünsche, ist es einmal in Bochum bei „Star Light Express“ zu drehen. Dafür würde ich sogar das Rollschuh fahren lernen. Auch in einer Bochumer U-Bahn würde ich gerne einmal eine ganze Folge drehen.

Werden „Heldt“ und „Grün“ sich eigentlich besser verstehen und sich ihre Beziehung zueinander verändern?

Ich glaube, die beiden haben einfach gelernt, sich zu akzeptieren und funktionieren ganz gut miteinander. Die Beziehung zueinander wird intensiver. Sogar so intensiv, dass er der Grund ist, warum „Heldt“ nackt in der Lore aufwacht.

Die Serie würde ohne „Heldt“ nicht funktionieren. Wie gehst du mit dem Druck, um das deine Figur alles zusammenhält?

Das ist ein extremer Druck und belastet mich manchmal schon. Das ist gelogen, wenn man sagt, es ist alles easy. Das kostet eine Menge Kraft und man muss sich auch immer wieder aufs Neue motivieren. Es macht aber so viel Spaß, dass das Positive überwiegt.

Wie pushst du dich in solchen Phasen, wenn es dir viel Kraft raubt?

Ich bin so vernarrt in den Beruf, in das Format und in das ganze Team, dass ich das nicht brauche. Die Pferde gehen sowieso immer ständig mit mir durch, da brauche ich mich nicht viel pushen.

Wenn die Pferde mit dir durchgehen, wie kommst du nach einem Dreh wieder runter?

Manchmal gehe ich gerne ein Pils trinken oder auch einfach nur spazieren. Soviel Zeit zum runterkommen habe ich eigentlich nicht, denn ich muss mich immer wieder auf den nächsten Tag vorbereiten.

Morgen ist Kai Schumann wieder um 19:25 Uhr im ZDF zu sehen. Wer die letzten Folgen verpasst hat – in der ZDF Mediathek sind sie noch online.

Kai Schumann und Janine Kunze

Ellen Bannenberg (Janine Kunze) und Nikolas Heldt (Kai Schumann) sind seit fünf Staffeln das Traumpaar im Ruhrpott. Foto: Sabrina Heun

Kai Schumann im Regiebildschirm bei der Serie "Heldt"

Der Regiebildschirm, Kai Schumann probt eine Szene. Foto: Sabrina Heun

Schreibtisch von Heldt

Der Schreibtisch von Heldt, ob der von Kai Schumann genauso „aufgeräumt“ ist? Foto: Sabrina Heun

Der Süßigkeitenautomat von Heldt

Wofür ich Heldt beneide? Er hat einen eigenen Süßigkeiten Automat im Polizeipräsidium Bochum stehen. Foto: Sabrina Heun

Zum Serienstart von "Heldt" gab es ein exklusives Fanevent im "Carlos"

Zum Staffelstart gab es ein Exklusives Fan Event in Heldts Lieblingskneipte „Carlos“. Es wurde intensiv über die erste Folge gesprochen. Foto: Sabrina Heun

Kai Schumann und Sabrina Heun am Set von der Serie "Heldt"

Kai Schumann und ich an Ellens Schreibtisch.

 

Einblicke zu den Dreharbeiten und ein Interview mit Steffen Will:

„Heldt“ Darsteller – Steffen Will: „Mario Korthals ist der Held(t) aller Recherchen“

Held(t) müsste man sein