Cast & Crew

„Dieses bescheuerte Herz“ Hauptdarsteller – Philip Noah Schwarz: „Wir können froh sein, wenn wir gesund sind“

Ein Film, der das Herz umarmt und Lebensmut verbreitet

 

Einfach mit dem besten Freund feiern gehen, bei ihm übernachten oder spontan auf der Wiese Fußball spielen – all das ist für den jungen Daniel nicht möglich, denn er ist herzkrank. Jede noch so körperliche Anstrengung ist ein hohes Risiko und die Lust am Leben hat er längst verloren. Der verwöhnte Arztsohn Lenny holt ihn aus dem Tief und zeigt Daniel eine neue Welt. „Dieses bescheuerte Herz“ ist eine berührende Geschichte einer wunderbaren Freundschaft zweier Männer, die auf einer wahren Begebenheit beruht. Philip Noah Schwarz (16) verkörpert den jungen Herzkranken Daniel. Wir sprachen über die Dreharbeiten und stellten beide fest, dass man sich glücklich schätzen kann, wenn man gesund ist.

 

„Dieses bescheuerte Herz“ ist deine erste große Rolle in einem Kinofilm. Wie bist du zum Schauspielern gekommen?

Seit dem Kindergarten spielte ich schon gerne im Theater. In der Grundschule ging es dann mit einer Rolle als „Bagira“ aus dem „Dschungelbuch“ weiter. Später, auf der weiterführenden Schule, spielte ich in einem „Anne Frank“ und DDR Stück mit. Mein Theaterlehrer sprach mich eines Tages an, ob ich nicht Lust hätte, auch in meiner Freizeit zu schauspielern. Er hat mich dann dazu bewegt, dass ich mich bei meiner jetzigen Agentur bewerbe. Und so fing alles an.

Die Freude war bestimmt riesig, als du erfahren hast, bei so einem besonderen Filmprojekt dabei sein zu dürfen. Was hast du gemacht, als die Zusage für die Rolle kam?

Meine Mutter sagte mir, dass mein Fußballtrainer angerufen hat und ich solle ihn doch mal zurückrufen. Sie gab mir eine Nummer, wo ich anrief und er ging nicht dran. Ich war natürlich total verwirrt, als man mich dann über die Zusage der Rolle informierte. Ich war so glücklich und umarmte erst mal meine Mutter.

Dann hast du mit Daniel die Liebe zum Fußball gemeinsam.

Ja, das haben wir. Einer seiner ersten großen Wünsche ist auch ein FC Bayern München Schlafanzug, als er zusammen mit Lenny seine Wunschliste abarbeitet.

Ein sehr schöner Aspekt in der Geschichte, finde ich. Lenny versucht mit den Wunscherfüllungen, Daniel wieder das Leben schmackhaft zu machen. Was wäre denn dein großer Wunsch?

Mein größter Wunsch ist mit den Dreharbeiten zum Film schon in Erfüllung gegangen. Es war immer ein Traum von mir, einmal in einem großen Film mitzuspielen. Natürlich habe ich nie erwartet, dass es klappt, aber jetzt ist es umso toller für mich. Ansonsten, dass ich gesund bleibe und es würde mich natürlich auch freuen, wenn es mit dem Schauspielern so weitergeht.

Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit, Daniel ist herzkrank und gibt sich auf, möchte nicht mehr seine Medikamente nehmen und bringt sich dadurch in Lebensgefahr. Wie sah die Vorbereitung für diese Rolle aus?

Lars Amend, der damals Daniel auf seinem Lebensweg begleiten durfte, hat mir private Videos zur Verfügung gestellt. Dort sah ich genau, wie schlimm es für ihn war. In einem der Videos steht er schreiend vor einer Klinik und will sie nicht betreten, denn die Angst vor den schlechten Werten war zu groß. Diese Videos halfen mir sehr, mich auf die Rolle vorzubereiten und sie authentisch zu spielen. Außerdem bekam ich noch Unterstützung von Elyas M`Barek und unserem Regisseur Mark Rothemund, die mir während des Drehs Tipps gaben.

Hast du Daniel oder Lars Amend persönlich getroffen?

Persönlich leider nicht, aber via Skype, WhatsApp und Instagram hatten wir nach den Dreharbeiten Kontakt, was sehr schön war.

Ich erinnere mich gerade an die erste Szene im Einkaufszentrum, wo Daniel mit Lenny seine Wunschliste abarbeitet. Dort spielst du einen Erstickungsanfall. Hast du ärztliche Anweisungen erhalten, wie du es realistisch spielen kannst?

Nein, aber ich musste während der Dreharbeiten ein Korsett tragen. Das schränkte mich nicht nur in der Bewegung sehr ein, auch in der Atmung war es nicht sehr angenehm. Somit war es nicht ganz so schwer, mich in diese Situation reinzuversetzen. Zum Teil tat es richtig weh, wenn ich mal falsch stand, obwohl es an mich angepasst wurde.

Das stelle ich mir nicht leicht vor, den ganzen Tag ein Korsett zu tragen.

Ein Großteil der Dreharbeiten war dadurch richtig anstrengend. Nach dem Dreh war ich immer extrem froh, dass es endlich weg war und ich mich wieder normal bewegen kann. Ich fragte mich immer, wie es Daniel ausgehalten hat.

Der Film ist an einer Stelle sehr berührend, denn er zeigt sehr realistisch das Leben in einem Kinderhospiz. Wie sind für dich diese Dreharbeiten gewesen, da es allein beim Betrachten schon sehr ans Herz geht?

Da wir mit Kindern drehten, welche im wahren Leben wirklich eine Behinderung haben und dort leben bzw. täglich hinkommen, war es für mich natürlich sehr einfach, mich in die Rolle hinein zuversetzen. Sie gaben mir mit ihrer Anwesenheit wirklich das Gefühl, in dieser Geschichte zu sein. Aber ich war auch sehr erstaunt und beeindruckt, wie sie sich mit ihrer Krankheit arrangieren.

Was ziehst du selbst für dich aus solchen Momenten für dein eigenes Leben heraus?

Durch den Film wurde mir nochmal bewusst, wie extrem eine Krankheit oder Behinderung sein kann. Dass man nicht einfach Mal bei Freunden übernachten oder Fußball spielen kann, die Körperliche Anstrengung immer ein hohes Risiko sein kann. Der Film zeigt mir, dass man wirklich froh sein kann, wenn man gesund ist.

Das stimmt. Elyas M` Barek und du haben eine sehr emotionale Bindung in dem Film. Wie entstand diese während des Drehs?

Wir waren während dem Dreh sehr auf unsere Rollen konzentriert, versuchten alles so emotional wie möglich zu verkörpern. Ich glaube allerdings, dass er einmal ziemlich Angst an meiner Seite hatte. Daniel hat den großen Wunsch, einmal einen Sportwagen zu fahren, also klauten Lenny und er einfach einen Wagen. Er durfte diesen dann in einer Kiesgrube fahren. Da ich nicht gedoubelt wurde, saß ich also wirklich zum ersten Mal hinter dem Steuer. Das ganze Team hatte Angst, dass ich den Wagen in den Kies fahre und zerstöre. Elyas ganz besonders, denn er musste neben mir sitzen. Aber er ist generell ein lockerer und sympathischer Typ, mit dem das Arbeiten sehr großen Spaß macht. Wir haben immer noch Kontakt über WhatsApp. Er hat mir angeboten, dass ich ihn immer kontaktieren kann, wenn ich Fragen zu neuen Rollenangeboten habe, da ist er mir eine große Hilfe.

 

Ab dem 21. Dezember 2017 ist „Dieses bescheuerte Herz“ im Kino zu sehen. Es ist eine herausragende Verfilmung und zeigt uns, was trotz einer Krankheit aus uns werden kann, wenn der Lebenswille siegt.

Elyas M`Barek und Philip Noah Schwarz in dem Film "Dieses bescheuerte Herz"

Elyas M`Barek und Philip Noah Schwarz – ein tolles Team nicht nur auf der Leinwand. Foto: obs/Constantin FIlm/ Jürgen Olczyk