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„Kästner und der kleine Dienstag“ Hauptdarsteller – Jascha Baum: „Filme dürfen auch mal traurig enden“

Eine besondere Verfilmung über zwei Lebensgeschichten

 

Erich Kästner gehört zu den erfolgreichsten und beliebtesten Kinderbuchautoren aller Zeiten. Nun hat die ARD in dem Film „Kästner und der kleine Dienstag“, die Freundschaft Kästners zu Hans Löhr verfilmt. Dieser gab dem Autor einst hilfreiche Hinweise zu seinen Geschichten und eine wunderbare Freundschaft entstand. Jascha Baum (19) spielt am 21. Dezember um 20:15 Uhr im Ersten den erwachsenen Part des Hans Löhr. Zuvor sprachen wir über die Dreharbeiten und seine Liebe zur Musik.

 

Am Donnerstag können wir dich in einer Biografie Verfilmung bewundern. Ist es als Schauspieler einfacher, eine Person aus dem wahren Leben zu verkörpern oder doch eher schwieriger?

Die Rolle bringt für mich natürlich einen gewissen Erwartungsdruck mit. Denn ich musste nicht nur die Biografie meiner Figur, sondern auch das Schauspiel von Nico Kleeman berücksichtigen, der den jüngeren Part meiner Figur übernommen hat. Er hat Hans Löhr sehr klar und direkt im Umgang im Kästner angelegt, diese Haltung half mir, meine Rolle zu gestalten. Aber eine reale Person zu verkörpern, ist auf jeden Fall schwieriger.

Wenn du dir als Schauspieler eine Rolle teilst, wie sieht die Zusammenarbeit zwischen den Schauspielern aus? Spricht man sich ab oder schaust du, welche Mimik und Gestik Nico Ramon Kleemann dem jungen Hans Löhr gegeben hat?

Wir haben uns nicht explizit abgesprochen. Ich habe aber Nico während des Drehs lange beobachtet und geschaut, wie er den jungen Hans spielt. Das war für mich sehr wichtig, da er mir die Richtung für die Rolle quasi vorgegeben hat.

Hattest du für die Vorbereitung auch die Möglichkeit, mit der Familie von Hans Löhr zu sprechen?

Nein, leider war uns Schauspielern diese Möglichkeit nicht gegeben. Ich habe gemeinsam mit Nico Kleemann und unserem Regisseur Wolfgang Murnberger die Szenen besprochen und wir haben so die Figur entwickelt.

Erich Kästner ist einer der erfolgreichsten Kinderbuchautoren. Welchen Bezug hast du zu ihm?

Meine Eltern haben mir früher zum Einschlafen „Pünktchen und Anton“ vorgelesen. Ich kenne Erich Kästner aber auch von den früheren Filmen. „Pünktchen und Anton“, „Emil und die Detektive“ oder das „Fliegende Klassenzimmer“. Durch unseren Film bin ich nochmal richtig aufmerksam auf ihn geworden und habe mich mit der Person Kästner intensiver beschäftigt.

Der Film spielt in der Kriegszeit. Wie war es für dich, in dieser Zeit zu spielen?

Es ist natürlich sehr befremdend mit der Uniform, die man beim Drehen anhat, vor allem mit dem Hakenkreuz am Arm. Ich habe mich in dieser Uniform nicht sehr wohl gefühlt. Da es Hans aber genauso ging, weil er die Uniform gegen seine Überzeugungen tragen musste und sie deshalb immer unter seinem Mantel versteckt hat, half mir dieses Gefühl, mich besser in die Figur hineinversetzen zu können. Generell habe ich mich aber auch während des Drehs gefragt, wie es für mich gewesen wäre, in dieser Zeit zu leben. Gerade bei den Szenen, wo der Lehrer den besten Freund von Löhr schikaniert, nur weil er Jude ist. Oder wo der Lehrer eines Tages auf die leeren Bänke der jüdischen Mitschüler zeigt, die deportiert wurden. Für mich wäre das eine schreckliche Vorstellung und ich bin froh, dass ich so etwas nicht erleben muss.

Gibt es eine besondere Szene für dich, die dir noch immer sehr in Erinnerung geblieben ist?

Für mich ist eine der bewegendsten Szenen sehr in Erinnerung geblieben. Es ist der Moment, wo Hans Löhr an der Front im Wald sitzt und einen Brief an seine Mutter schreibt. Er bestellt dort Grüße an Kästner und unterstreicht dies mehrfach, um ihm insgeheim damit mitzuteilen, dass Gräueltaten an der Front passieren. Sie haben diesen geheimen Code bei einem letzten Treffen vereinbart, damit Löhr seinen Freund warnen kann, wenn es für ihn in Berlin brenzlig wird.

Der Film hat leider ein tragisches Ende. Kästner und sein Freund werden durch den Krieg getrennt.

Filme dürfen auch mal traurig enden. Gerade bei diesem Thema, wie wir es verfilmen, ist es sogar sehr wichtig. Denn der Film beruht ja auf wahren Tatsachen. Er zeigt anhand der Freundschaft zwischen Kästner und dem jungen Hans Löhr, in welcher schwierigen Lage sich unser Land und die Menschen damals befanden. Wir haben ursprünglich noch mehr Kriegsszenen gedreht, die dann aber doch nicht verwendet wurden. Die Drehbuchautorin Dorothee Schön und der Regisseur Wolfgang Murnberger wollten das Thema Krieg nicht so sehr in den Vordergrund stellen, sondern eher die emotionale Geschichte dieser Freundschaft.

Kästner war das große Idol von Löhr. Hast du auch wie er ein Idol?

Da ich selbst ein leidenschaftlicher Musiker bin, verehre ich John Lennon sehr.

Du hattest bereits schon eine eigene Band, habe ich gelesen.

Ja, ich habe früher als Sänger in verschiedenen Schulbands gespielt. Mittlerweile arbeite ich an eigenen Songs.

Können wir dich also demnächst nicht nur im TV, sondern auch auf Tour sehen?

Momentan ist noch nichts geplant, da ich derzeit noch am Album arbeite. Demnächst werde ich erst mal eine Single veröffentlichen. Genaueres kann ich aber derzeit noch nicht sagen.

 

Jascha Baum hat seit seinem siebten Lebensjahr Schauspielworkshops für Kinder absolviert. Auf gut Glück bewarb er sich bei der „Agentur Schwarz“ in Köln, welche ihm mit 15 Jahren zu seiner ersten Hauptrolle an der Seite von Benno Fürmann in dem Kinofilm „Von glücklichen Schafen“ verhalfen. Er selbst absolvierte keine klassische Schauspielausbildung und empfiehlt für alle Interessierten die Schauspielworkshops von Alexandra von Schwerin in Köln, welche er selbst besuchte.

Jascha Baum in dem Film "Kästner und der kleine Dienstag"

Jascha Baum als Erich Kästner. Foto: ARD Degeto/Ester.Reglin.Film/DOR Film/Anjeza Cikopano

 

Zusammen mit Nico Ramon Kleeman teilt er sich seine Figur. Ein interessantes Interview findet ihr hier:

„Kästner und der kleine Dienstag“ Hauptdarsteller – Nico Ramon Kleemann: „Kästner konnte in seinen Büchern die Welt aus der Sicht eines Kindes betrachten“