Til Schweigers und Anika Deckers großer Kinoerfolg feiert Jubiläum

 

„Ernsthaft, schon zehn Jahre her?“, schaut mich Anika Decker, die Drehbuchautorin des Kultfilms, entsetzt bei unserem Treffen in Berlin an. Anna Gotzlowski (Nora Tschirner) und Ludo Decker (Til Schweiger) verhalfen nicht nur der Hessin zum großen Durchbruch, auch löste der Film einen Hype aus, den man leider nicht allzu oft in der Kinowelt erlebt – ein Grund mehr, sich an eine wunderbare Inszenierung zu erinnern.

Es gibt sie, diese Filme, an die man sich noch Jahre nach dem ersten Sehen erinnert. Wo man sobald der Filmtitel erwähnt wird, sich gegenseitig Szenen erzählt und Dialoge nachspricht, Szenenbilder im Kopf hat, sobald nur eine paar Töne eines Filmmusiktitels im Radio ertönen. „Keinohrhasen“ gehört zweifelsohne zu diesen Filmen – zumindest bei mir. Heute feiert der Kultfilm, welcher am 20. Dezember 2007 in die deutschen Kinos kam, sein zehnjähriges Jubiläum. Manchmal ertappe ich mich noch heute dabei, nach dem ich „Zweiohrküken“ geschaut habe, wie ich überlege, was aus Anna und Ludo geworden ist. Wenn es nach mir ginge, hätte es für den armen Ludo Drillinge gegeben, natürlich drei kleine Annas, damit er erstmal so richtig ins Schwitzen kommt und an der Seite von Anna es schafft, liebevoll an seinen Aufgaben zu wachsen. Anna wäre immer noch in ihrem Kinderhort, steht mitten im Leben und hat es mit Ludo nicht immer unbedingt einfach. Ob sie heiraten am Ende? Ein Detail, wofür ich mich bis heute nicht so richtig entscheiden kann. Und so wie mir ergeht es vielen, die damals von den beiden nicht genug bekommen konnten. 2007/2008 war das „Keinohrhasen“ Jahr. Jeder sprach davon und man fragt sich, was war eigentlich so besonders? Ludo Decker (Til Schweiger) ist ein Berliner Boulevardreporter für die Tageszeitung „Das Blatt“. Zusammen mit Fotograf Moritz (Matthias Schweighöfer) bringen sie so manchen Promi zum Verzweifeln. Auf der Jagd nach der Top Story bricht Ludo durch eine Glaskuppel eines Nobelhotels, wo gerade Wladimir Klitschko einen Heiratsantrag macht. Er wird daraufhin zu 300 Sozialstunden verurteil. Sollte er diese nicht erfolgreich in einem Kinderhort ableisten, drohen ihm acht Monate Knast. Dort trifft er auf eine alte Bekannte, Anna Gotzlowski. Sie will ihm das Leben zur Hölle machen, denn früher in ihrem gemeinsamen Wohnviertel trieb Ludo sie in den Wahnsinn. Nach ein paar Höhen und Tiefen finden beide am Ende zueinander. Eigentlich das klassische Rezept für eine Liebeskomödie: Story mit Happyend, Geschichten aus dem wahren Leben, welche dem Zuschauer die Möglichkeit geben, sich selbst mit den Figuren zu identifizieren. Es hat einfach alles zusammengepasst, angefangen vom Cast bis hin zur Musik. Und der gewählte Filmtitel brennt sich bis heute in den Köpfen der Zuschauer ein. „Es war damals das lustigste Wort im Drehbuch und Til hatte die Schnapsidee, ihn so zu nennen“, erinnert sich Anika Decker noch gerne an die Zusammenarbeit mit Til Schweiger, welche beide am Drehbuch gearbeitet haben. Dieses Detail wurde im Film liebevoll in Szene gesetzt: Ludo näht im Kinderhort einen Hasen und seinem nicht vorhanden Talent ist es zu verdanken, dass am Ende sein Stoffhase keine Ohren hat. Um Anna zu beeindrucken, verkauft er ihr den Hasen als einen besonderen Hasen, als Keinohrhasen.

Rund 6,3 Millionen Zuschauer haben damals die Entstehung der wunderbaren Beziehung von Ludo und Anna verfolgt. Nur knapp 800.000 Kinobesucher hätten gefehlt um „Harry Potter – Den Orden des Phönix“ im Jahr 2007 von Platz eins zu drängen. Gut 40 Millionen spielte der Film bei 4,2 Millionen Produktionskosten in die Kinokassen. Heute ist „Keinohrhasen“ auf Platz 13 in der Rangliste der erfolgreichsten deutschen Kinofilmproduktionen.

Es ist Schweigers Neugier zu verdanken, dass der Film entstand. „Ich traf Til bei gemeinsamen Freunden zum Essen. Wir unterhielten uns über unsere hessische Heimat. Er wusste, dass ich Autorin bin und luchste mir einen Memory Stick mit Arbeitsproben ab, als ich betrunken genug war“, erinnert sich Anika Decker noch heute gerne daran. „Es war damals bekannt, dass Autoren immer Arbeitsproben mit sich tragen. Til las damals alles, sogar meine Steuererklärung, die auf dem Stick war.“ Die Kolumne „Der Wühler und der Piker“ hat Schweiger überzeugt und es kam zu einer Zusammenarbeit. „Er fand sie so toll, dass wir sie später auch im Film umsetzten. Es ist die Szene, wo Ludo Tipps von Anna und ihrer Freundin bekommt, nachdem er im Bett versagt hat.“ Anika Decker ist seit dem großen Erfolg aus der deutschen Filmszene nicht mehr wegzudenken – Schweiger sei Dank. Zusammen mit ihrem Bruder gründet sie drei Jahre nach dem großen Erfolg ihre eigene Produktionsfirma „Decker Bros.“. „Da ich selbst beim Schreiben alles genau vor mir sehe, war es nur eine logische Schlussfolgerung, selbst meine Filmideen irgendwann umzusetzen.“ Ihre ersten beiden eigenen Produktionen „Traumfrauen“ und „High Society“ wurden ebenfalls ein großer Erfolg. Auch die Musiker von „One Republic“ sind seit „Keinohrhasen“ aus der deutschen Musikszene nicht mehr wegzudenken. „Apologize“ von „Timbaland ft. One Republic“, wurde damals zu einem großen Musik-Hit. Schweiger selbst verriet bei einem Besuch in seiner Heimat Gießen das Erfolgsgeheimnis für einen guten Film: „Ein Film kann nur gut werden, wenn man selbst das Drehbuch schreibt und später selbst Regie führt.“ Vielleicht wurde genau aus diesem Grund die Fortsetzung von Anna`s und Ludo`s Liebesgeschichte „Zweiohrküken“ ebenfalls zu einem Erfolg. Rund 4,2 Millionen Zuschauer sahen damals den Film im Kino. 2013 bekam dadurch der Keinohrhase und das Zweiohrküken seine eigene Geschichte auf der Leinwand, ein wunderbarer Animationsfilm namens „Keinohrhase und Zweiohrküken“ entstand. Dort geht es um den Keinohrhasen, der aufgrund seiner fehlenden Ohren von den anderen Hasen verstoßen wird und so sehr er sich bemüht, findet er keinen Anschluss. Dadurch wird sein sehnlichster Wunsch, endlich einen Freund zu finden, immer größer. Als plötzlich das Zweiohrküken in sein Leben tritt, schaffen die beiden gemeinsam den Traum des Kükens zu erfüllen, einmal zu Fliegen.

Iris Berben, die Präsidentin der Deutschen Filmakademie, ist froh, Filmemacher wie Anika Decker und Til Schweiger in Deutschland zu haben. Jedoch gibt sie eines zu bedenken: „Man sollte mit Hämen und Spot im Filmbusiness vorsichtig sein. Ich bin ein großer Verfechter von Til Schweiger. Er findet mit seinen Filmen immer sein Publikum und ist der einzige, der seine Förderungen immer wieder zurückzahlt. Dadurch können zahlreiche andere Arthouse Produktionen wieder finanziert werden. Das sollten alle die Häme und Spott austeilen einmal bedenken.“

Til Schweiger ist ab dem 18. Januar 2018 wieder gemeinsam mit Matthias Schweighöfer in der Actionkomödie „Hot Dog“ zu sehen. Alle, die herzlich über die beiden in „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“ gelacht haben, sollten sich das Datum schon einmal vormerken.

Til Schweiger in dem Film "Keinohrhasen"

Ludo Decker (Til Schweiger) präsentiert seinen Keinohrhasen. Foto: Warner Bros.