Beeindruckende Tierdoku morgen im ZDF

 

Mit vollem Körpereinsatz für den guten Zweck – Hannes Jaenicke zeigt morgen in der ZDF Doku „Im Einsatz für Nashörner“ bewegende Einblicke der bedrohten Tierart und ließ sich gerne zu Trainingszwecken von einem Spürhund zu Boden zerren. Das Horn der Nashörner ist ein wertvolles Gut – Droge, Heilsubstanz oder einfach nur reiner Luxus. Für wenige Gramm des Horns gibt es rund 50.000 Euro. Hannes Jaenicke (57) begab sich unter anderem in Kenia auf die Spuren des gnadenlosen Geschäfts, wir sprachen über die prekäre Lage dieser bedrohten Tierart.

 

Nach Orang-Utans, Haien, Eisbären, Gorillas, Elefanten, Löwen und Delfinen engagieren Sie sich nun für Nashörner. Was treibt Sie dazu an, sich neben dem Schauspiel Engagement so intensiv noch für den Naturschutz einzusetzen?

Erstens war ich immer ein großer Doku-Fan, und zweitens haben wir die Erfahrung gemacht, dass diese kleinen Filme, mehr bewegen können als wir jemals erhofft haben. Das reicht von großzügigen Spenden deutscher TV-Zuschauer für die in unseren Dokus gezeigten Umweltprojekten, über Gesetzesänderungen zum Haischutz, bis hin zu Konzernen, die nach Ausstrahlung der Filme ihr Einkaufssortiment und ihre Produktpolitik verändert haben.

Was sind Nashörner für Tierwesen und wie würden Sie diese Tierart charakterisieren?

Es ist das älteste Landsäugetier der Welt und erinnert einem immer ein wenig an gutmütige Dinosaurier. Gleichzeitig ist es ein unglaublich ruhiges, friedfertiges Tier, das ähnlich wie Elefanten ausgesprochen wichtig ist für die Fauna und Öko-Balance seiner Lebensräume.

Sie begegneten während des Drehs „Sudan“, eines von drei letzten nördlichen Breitmaulnashörnern auf der Welt. Was dachten Sie in dem Moment, als Sie neben ihm standen?

Ich dachte nur wie, desinteressiert, dumm und ignorant wir Menschen sind. Da stirbt eine großartige Spezies vor unseren Augen aus und es wurde und wird faktisch nichts dagegen unternommen. Es interessiert niemanden. Die einzigen, die sich für Nashörner interessieren, sind Wilderer, asiatische Gangster-Syndikate, sowie ihre Kunden, und Zirkusse wie Circus Krone, die mit diesen Tieren Geld verdienen.

Sie drehten unter anderem in Kenia in einem großen Naturschutzgebiet. Die Nashörner müssen dort von Sicherheitspersonal in der freien Natur, bewacht werden. Ist es nicht absurd, dass Menschen ein so starkes und mächtiges Tier vor Wilderern schützen müssen?

Natürlich ist das absurd. Aber Kenia gibt sich tatsächlich große Mühe, sein Wildlife zu schützen und zu erhalten. Es war das erste Land, das die Großwildjagd verboten und verstanden hat, dass man mit lebenden Tieren sehr viel mehr Geld verdienen kann als mit toten.

Mich hat es sehr überrascht, dass eine weitere erfolgreiche Schutzmaßnahme der Tiere, der Einsatz mit Spürhunden ist, welche speziell auf Wilderer und Munition ausgebildet werden. Sie selbst haben sich zum Trainingszweck zur Verfügung gestellt und ließen sich von einem Hund jagen. Wie erging es Ihnen, als der Hund Sie zu Boden zerrte?

Ich trug einen Schutzanzug und dachte nur: Von diesem Bluthund möchte ich als Wilderer bitte nicht erwischt werden.

Sie sagen in der Doku: „Wenn man etwas gegen die Wilderei tun will, muss man etwas gegen die Armut in Afrika tun“. Was können wir Ihrer Meinung in Europa verändern?

Die Liste ist lang. Wir müssen die sog. Entwicklungshilfe völlig neu denken und betreiben, das wäre auch ein Mittel gegen die Flüchtlingskrise. Wir müssten schleunigst aufhören, Afrika nur als billiges Plünderungsgebiet für unsere Rohstoffe zu betrachten, oder als Billiglohn-Kontinent für die Befeuerung unseres Konsumrausches, egal ob es um Nahrungsmittel wie Kakao und Schokolade oder um Baumwolle für unsere Textilindustrie geht.

Nashörner gehören zu den Tieren, die eine der intensivsten Bindungen zur Mutter pflegen. Rund drei Jahre sind sie an deren Seite und werden auf das Leben vorbereitet. Ein riesen Problem, wenn Wilderer solch eine Bindung zerstören und das Muttertier für das Horn töten. Macht es einen nicht wütend, wenn man dann in einem Waisenhaus für Nashörner sieht, wie hilflos die kleinen ohne ihre Mutter sind?

Gegen Geldgier ist nun mal kein Kraut gewachsen. Wir waren froh, in diesem Waisenhaus Menschen treffen und filmen zu dürfen, die alles tun, um die endgültige Ausrottung der Rhinos zu verhindern und diese Babys liebevoll hochpäppeln.

Können Sie sich vorstellen, selbst einmal auf solch einem Tierschutzreservat für längere Zeit zu arbeiten?  

Das habe ich schon gemacht und würde es jederzeit wieder tun. Nur die Zeit dafür muss ich finden.

Was war für Sie das Bewegenste während des Drehs?

Circus Krone hält bis heute in einem Beton-Käfig einen einsamen Spitzmaul-Bullen namens Tsavo, treibt ihn abends zur Volksbelustigung durch die Manege, und das Publikum klatscht begeistert. An die Wand seines Beton-Käfigs ist mit gelber Farbe eine kleine Sonne gemalt, das soll dem armen Tier wohl Heimatgefühle vermitteln. Als wir Tsavo mit versteckter Kamera gedreht haben fing ich fast an zu heulen. Es macht mich sprachlos, dass wir dank gewisser Politiker von CDU und CSU und eines weitgehend ignoranten Publikums als eines der letzten Länder der Welt immer noch kein Wildtierverbot für Zirkusse haben. Die Zirkus-Lobby ist wohl mächtiger, als man denkt.

Sie haben bei der Doku auch als Executive Producer (Produzent) mitgewirkt. Worin bestanden Ihre Aufgaben?

Das Konzept der Doku-Reihe stammt von mir, und seit unserer ersten Doku über Orang-Utans produziere ich diese Serie gemeinsam mit meinem Kameramann Markus Strobel. Insgesamt sind wir ein 4-köpfiges Kollektiv und arbeiten eng zusammen. Ich kümmere mich hauptsächlich um den Kontakt zum Sender, die Finanzierung der Filme, die Suche nach Umwelt- und Tierschützern und ihren Organisationen etc. Aber eigentlich arbeiten wir als bestens eingespieltes und gut gelauntes Team mit verteilten Aufgaben.

Worin besteht die Herausforderung, eine Tierdoku zu produzieren?

Dass man so präzise planen kann, wie man will, es kommt immer anders als man denkt und plant. Das ist manchmal eine Katastrophe, manchmal ein Geschenk des Himmels.

Hand aufs Herz – müssen wir befürchten, dass wir Sie bald nur noch in Sachen Naturschutz sehen können und Sie uns als Schauspieler verloren gehen?

Nein. Erstens weil mir die Schauspielerei nach wie vor Riesen-Spaß macht, und zweitens, weil man von Dokus nicht leben kann. Auch Umweltaktivisten müssen ihre Miete zahlen.

 

Das Horn eines Nashornes wird aus Haut gebildet und besteht somit aus verhornten, abgestorbenen Zellen – Keratin. Ein Stoff, der in vielen Haarpflegeprodukten vorkommt und bei uns für starkes glänzendes Haar sorgt. In manchen Ländern jedoch als Droge oder Wunderheilmittel gilt. Die Tierdoku wird morgen um 22:15 Uhr im ZDF ausgestrahlt.

Hannes Jaenicke im Einsatz für Nashörner

Hannes Jaenicke an der Seite von Sudan, eines der letzten drei Breitmaulnashörner auf der Welt. Foto: ZDF/Markus Strobel

Hannes Jaenicke im Einsatz für Nashörner

So sieht es aus, wenn das Horn eines Nashorns legal entfernt wird. Das Tier überlebt und das Horn wächst nach. Foto: ZDF/Markus Strobel

Hannes Jaenicke im einsatz für Nashörner

Hannes Jaenicke durfte sich in einem Waisenhaus für Nashörner einen Einblick verschaffen. Das Tierreservat muss geschützt werden und nur wenige wissen, wo es genau ist. Foto: ZDF/Markus Strobel