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„Hot Dog“ Darstellerin – Christina Hecke: „Es ist wichtig, seinen eigenen Lebensweg zu finden“

Seit Donnerstag ist sie im Kino zu sehen

Christina Hecke (38) war kurz davor, Juristin zu werden. Vor ihrem Staatsexamen entschloss sie sich, nicht den typischen Lebensweg, den die Gesellschaft vorgibt, zu nehmen und hatte den Mut, ihren Traum von der Schauspielausbildung zu verwirklichen. In „Hot Dog“ verkörpert sie Luke Steiners (Til Schweiger) Ex-Frau Hanna. Eine liebevolle, sympathische Frau und Mutter. Als wir uns in Berlin trafen, schaffte Christina Hecke es binnen Sekunden, mich durch ihre Gelassenheit, sowie wertschätzende Art von dem Stress eines Premierentages zu befreien und in ein Gespräch zu verwickeln, was noch Stunden hätte gehen können.

 

In deinem neuen Film spielst du Hanna, die Ex-Frau von Luke Steiner. Trotz Trennung kann sie nicht ganz von ihm loslassen und hilft ihm sogar beim Geschenke kaufen für die gemeinsame Tochter. Was ist sie für eine Persönlichkeit?

Die Figur Hanna hat im Ensemble eine haltende Liebe, was ich sehr kraftvoll finde. Sie kann ihren Ex-Mann nicht ändern, das will sie auch gar nicht, aber sie setzt eben Grenzen und sagt ganz klar: Wenn du mit mir zusammen sein willst, musst du etwas dafür tun, denn so ist es keine Beziehung. Eigentlich lieben Luke und sie sich. Die Trennung war wichtig, um ein Schuss vor den Bug zu setzen. Das ist eine ehrliche Form von Liebe, nicht zu sagen ich verbiege mich für dich oder du verbiegst dich bitte für mich, sondern zu sagen: Komm mal an.

Für Luke gibt es in erster Linie nur den Job und seine Tochter will er vor allem Unheil bewahren.

Luke ist ein Getriebener. Es gibt viele Menschen, die das Gefühl haben, dass sie von einer Idee getrieben sind. Sie wollen immer noch besser, immer noch toller werden und noch mehr erreichen. Ob sie das für ihre Eltern tun, um ihnen zu beweisen, ich habe mein Leben auf die Reihe bekommen, oder für wen auch immer. Luke hat diese Eigenschaft auch. Er hat ein ganz ausgeprägtes Gerechtigkeitsding in sich, will immer an vorderster Front aufräumen und das Böse aus dem Weg schaffen. Aber das zu verstehen, ist auch wieder eine Form von Liebe.

Hanna ist auch eine sehr fürsorgliche Mutter, die ihrer Tochter immer den Rücken freihält und vor Luke ein wenig in Schutz nimmt. Der erste Freund steht vor der Tür und sorgt bei Luke sofort für Aufsehen.

Das ist sicherlich eine Grundqualität von Hanna. Das Schöne ist, sie hat nicht so etwas Gluckenhaft-Mutti-Mäßiges, sie nimmt ihre Tochter für voll. Das ist etwas ganz entscheidendes. Das macht sie mit Luke letzten Endes auch. Sie sagt: Du bist ein vollkommen erwachsener Mensch, handele bitte danach. Lilli Schweiger verkörpert die Rolle meiner Tochter. Mit ihr zu spielen war für mich eine sehr schöne Begegnung, sie ist ein ganz bezauberndes Mädchen.

Du hast dich im Zug zur Frankfurter Goethe Universität entschieden, Schauspieler zu werden. Was war der Auslöser?

Ich saß in der Regionalbahn auf dem Weg zur Staatsexamensvorbereitung und habe immer gedacht, ich muss einen Weg erfüllen, den man so geht. Ausbildung, Schule, Ausbildung. Ich fragte mich: Wenn ich mit 50 Jahren da sitze und beruhigt alle Häkchen an die Punkte gemacht habe, die man von mir erwartet hat, bin ich dann auch wirklich glücklich? Irgendwo auf diesem Gedankengang hat mein Körper und mein System gesagt: Nein. Entscheide doch jetzt, was du willst und nicht erst danach, wenn du alles erledigt hast, was andere meinen, was du erfüllen musst. Das war einfach so ein Moment und passierte nicht von jetzt auf gleich, sondern war ein langer Prozess. Dann kam der besagte Donnerstagmorgen in der Bahn, ich hatte meinen dicken Aktenordner in der Hand, den ich gerade studierte, klappte ihn zu und sagte: So das wars. Bin aus dem Zug ausgestiegen und das war es dann wirklich.

Ich finde es sehr gut, dass du dich so entschieden hast. Oftmals wird man gerne in den angedachten perfekten Lebensweg gedrängt und man wagt diesen Absprung nicht. Bereut es dann später vielleicht.

Ich finde, das Wichtigste ist, sich nicht von einer Bewertung von außen kriegen zu lassen, sondern seinen eigenen Weg zu finden. Letzten Endes ist es in der Gesellschaft so, dass wir wie in einem Uhrwerk sind. Wenn jeder versucht, Jurist oder Arzt zu werden und nicht versucht, seinen eigenen Platz zu finden, den eigenen Lebensweg zu gehen, haben wir zwar ganz viele Zeiger und Ziffern, aber das Uhrwerk würde niemals funktionieren, da wir niemanden haben, der das Rädchen, die Feder oder eine Walze ist. Wenn wir nicht alle versuchen, unsere Position zu finden, wäre das also sehr schlecht für unsere Gesellschaft. Ich würde jeden unterstützen, seinen Impulsen nachzugehen.

Wie sah der weitere Weg bei dir aus?

Während des Jurastudiums habe ich schon am Theater ein paar Bühnenstücke gemacht. Deshalb sprach ich nach dem Studium an verschiedenen Schauspielschulen vor und es war für mich relativ schnell klar, dass ich mich an der „Schauspielschule Mainz“ sehr wohlfühle, an der ich auch heute noch unterrichte. Sie hat für mich im Verhältnis zu den staatlichen Schulen den Flair gehabt, dass es sehr von Herzen ist und ich habe mich dort sehr zu Hause gefühlt. Während der Ausbildung spielte ich im zweiten Studienjahr am Mainzer Staatstheater und wechselte nach meiner Ausbildung nach Bamberg an das Theater, wo ich verschiedene wundervolle Rollen ausprobieren durfte. Ich spielte unter anderem in dem Stück „Gott des Gemetzels“, hatte diverse Tanz- und Gesangsrollen, auch Männer-rollen. Währenddessen versuchte, ich stets zu drehen, was mich sehr viel Geduld und Geld gekostet hat. Denn ich brauchte Filmmaterial für weitere Casting Bewerbungen. Der Himmel hat es dann so gewollt, dass die Caster mein Band trotz nicht renommiertem Label, zogen. Ich präsentierte mich auf den Bändern einfach so, wie ich bin. Es folgten zwei Hauptrollen für die ARD und es ging von da an stetig weiter für mich.

Deine Filmografie ist von den Genres her sehr umfassend. Was reizt dich besonders?

Das kann ich überhaupt nicht festlegen. Aber ich habe jetzt für das ZDF eine Krimireihe übernommen und spiele dort in der Serie „In Wahrheit“ Kriminalkommissarin Judith Mohn. Die Rolle bedeutet mir sehr viel, da aufgrund der Episoden für mich die Möglichkeit besteht, langfristig an meiner Figur zu arbeiten und diese zu entwickeln. Bei einer Einzelproduktion muss ich mich immer auf verschiedene Rollen einstellen, das strengt auf Dauer ziemlich an. Im letzten Jahr habe ich drei Hauptrollen gespielt, danach war der Akku erst einmal leer. Wir Schauspieler in Deutschland haben nicht die Arbeitsverhältnisse wie in Hollywood. Dort können sie sich bestenfalls auf einen Film pro Jahr konzentrieren und verdienen, wenn es gut läuft, fünf Millionen US-Dollar. Hier muss man sich als Schauspieler pro Jahr auf viele Rollen einstellen, um über die Runden zu kommen.

Ist das Schauspieler Dasein in Deutschland somit schwer?

Schwer heißt für mich immer, in einem Spannungsfeld zu leben. Es ist ein Spannungsfeld, aber schwer ist es für mich nicht. Ich habe mich ganz bewusst für eine freiberufliche Tätigkeit entschieden. In unserem Beruf ist es leider immer noch so unmittelbar, dass die Bewertung da ist. Man wird an sich selbst gemessen und nicht an dem Produkt, das man herstellt. Ich habe mich von Anfang an davon frei gemacht und spiele meine Rollen mit Herz. Wenn das berührt, freue ich mich natürlich und wenn nicht, ist es für mich okay. Schwer an dem Beruf ist das ganze mediale System. Es spielt mit uns. Gibt es Konkurrenz? Kriegt man News? Findet man eine dunkle Ecke im Privatleben eines Schauspielers?

Du bist auch sehr engagiert in Akademien und dem Berufsverband für Schauspieler. Ich finde die Entwicklung des Films derzeit etwas bedenklich, da wir viele Fernsehproduktionen auf Kinoniveau haben. Ist dies nicht ein großer Nachteil?

Wenn man mit einem Fernsehbudget einen Film auf Kinoniveau dreht, dann braucht man nicht mehr lange überlegen, dass es irgendwo zu Lasten der Arbeiter geht. Das ist ehrlich gesagt keine schöne Tendenz. Ich finde es großartig, dass wir auf Qualität bei den Fernsehproduktionen setzen, aber da müssen wir in den Rahmenbedingungen nachziehen.

Derzeit können wir dich in dem Kinofilm „Hot Dog“ sehen. Was folgt als nächstes?

Im März kann man mich in der ARD bei „Kommissar Dupin“ sehen. Parallel laufen schon Vorbereitungen für den nächsten Judith Mohn Einsatz.

Für alle die sich auch für eine Schauspielausbildung interessieren und gerne einmal von Christina Hecke ausgebildet werden möchten, finden unter www.truthinacting.com ihre Homepage und Workshopangebote. Sie bietet Einzelunterricht und Gruppenarbeit an. Unter www.schauspielschule-mainz.de finden sich außerdem weitere Infos für das Aufnahmeverfahren an der Schauspielschule in Mainz.

Christina Hecke, Lilli Schweiger und Til Schweiger in "Hot Dog"

Christina Hecke (Mitte) an der Seite von Lilli Schweiger und Til Schweiger in dem Film „Hot Dog“. Foto: 2016 Warner Bros. Ent.

 

 

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