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„Heldt“ Darsteller – Steffen Will: „Mario Korthals ist der Held(t) aller Recherchen“

Ab morgen startet die sechste Staffel im ZDF

 

Er kam, spielte und siegte – Steffen Will gelang vor gut fünf Jahren das, wovon viele Schauspieler nur träumen. Es sollte nur eine kleine Rolle als Kalenderpolizist werden, doch er hinterließ einen so starken Eindruck bei den Produzenten, dass sie nicht anders konnten und die Figur Mario Korthals (Korti) entwickelten. Morgen beginnt die sechste Staffel der Kultserie „Heldt“ im ZDF. Ich sprach mit Steffen Will (43) über den sympathischen Nerd und Kult-Cop Korti aus Bochum.

 

Deine Figur Mario Korthals ist schon sehr speziell. Ein wenig verrückt, aber durchaus sympathisch. Wie würdest du ihn beschreiben?

Mario Korthals ist eine loyale und treue Seele, der für seine Kollegen alles machen würde. Er wohnt noch bei seiner Mama, die ihm gern seine Kleidung für den nächsten Tag zurechtlegt. Sein Kleidungsstil-Pullunder und skurril wirkende bunte Hemden- ist altbacken. Er liebt es, wenn Mama ihm seine Pausenbrotdose mit auf die Arbeit gibt, wo er dann leckere Sachen, wie Wildschweinsalami, auf dem Brot hat. Das macht ihn richtig stolz.

Würde er wirklich alles für sein Team tun? Er ist doch immer recht korrekt in allem, was er macht.

Er würde auf keinen Fall das Gesetz brechen. Wie Heldt manchmal vorgeht, würde er es auf keinen Fall machen. Davor hat er viel zu viel Skrupel und zu großen Respekt vor Herrn Grün, seinem Chef. Man kann sich aber definitiv auf ihn verlassen und ich glaube, er hat noch viele Facetten, die wir hoffentlich in den kommenden Folgen kennenlernen werden.

Ich hoffe sehr auf eine Frau in seinem Leben.

Ja, das ist bei Korti nicht so einfach mit den Frauen. Er kommt nicht ganz in die Pushen. Gesine, die Mitarbeiterin von der Post, hat leider das Polizeipräsidium verlassen. Hier hat er einfach nicht geschafft, sich zu überwinden und sie anzusprechen. Aber wer weiß, was die neue Staffel noch so bringt.

Als ich bei euch am Set zu den Dreharbeiten der sechsten Staffel war, ist mir aufgefallen, dass Mario Korthals schon ein paar liebevolle Macken hat. Wenn ich alleine seinen und Heldts Schreibtisch vergleiche. Seiner ist der Traum jeder Reinigungskraft, penibel aufgeräumt. Heldts Schreibtisch ist ein Alptraum jeder Reinigungskraft, total unordentlich und zugemüllt.

Ja, Korti ist sehr penibel und akkurat, was seinen Schreibtisch angeht. Er ist in vielen Dingen sehr korrekt. Wenn er zum Beispiel die Fahndungsfotos an der Wand vorbereitet, hängen diese immer ganz gerade. Er will einfach vor Herrn Grün nichts falsch machen. Diese Eigenschaft macht ihn zu dem, was er ist: Ein 100%ig zuverlässiger Polizist, der sehr gut recherchieren kann.

Was sind seine Stärken und Schwächen?

Stärken sind seine Recherchen, die er fürs Team macht, keiner kann es so gut wie er. Man kann sich auch immer auf ihn verlassen. Seine Schwächen sind, dass er so kontrolliert und angespannt ist. Wie schon eben gesagt, will er nichts falsch machen. Hier könnte er ruhig mal etwas entspannter werden, gerade auch in Bezug auf Frauen.

Ja, vielleicht steht dann bald auf seinem Schreibtisch ein Foto einer tollen Frau und nicht von einem süßen Hund.

Das ist sein Drogenhund Junkie, den er aufgrund seiner Zusatzausbildung als Hundeführer in der dritten Staffel bei sich hatte. Das ist Kortis kleine Familie.

Wie kamst du eigentlich vor gut fünf Jahren zu „Heldt“?

Ich war damals bei der Pilotfolge dabei und hatte die Rolle des Kalenderpolizisten. Die zwei kleinen Auftritte sind den Produzenten in Erinnerung geblieben und sie sahen Potential in der Figur. Sie entwickelten daraufhin Mario Korthals, den es ursprünglich nicht gab.

Ich weiß von meinem Set-Besuch, dass ihr in den Drehbuchbesprechungen sehr viel selbst mitgestalten dürft. Hast du Korti selbst mit entwickelt?

Erstmal habe ich nicht groß mitgeredet und war gespannt, was sie sich ausdenken. Beim Drehen habe ich versucht, die Rolle anzunehmen und zu interpretieren, wie ich die Rolle empfunden habe. Dann wurde die Rolle immer größer und umfangreicher. Später habe ich mich eingebracht und gesagt: Können wir das lieber nicht anders machen? Oder wie wäre es, wenn wir diesen Aspekt miteinbringen? Wir haben den großen Vorteil, dass die Regisseure immer nach vier Folgen wechseln. Dies gibt uns eine große Freiheit, unsere Figuren so zu spielen, wie wir sie sehen. Die Regisseure vertrauen uns da sehr.

Ist das eher ein Vor- oder Nachteil für dich als Schauspieler, wenn die Regisseure so oft wechseln?

Ich finde es sehr gut, denn so kommt immer wieder ein neuer Blickwinkel auf die Serie und es entsteht keine Betriebsblindheit. Ich profitiere auch davon, indem sie mir sagen, wie ich meine Rolle noch optimieren kann. Denn sie lernen meine Figur neu kennen und haben eine andere Sichtweise, was ein großer Vorteil für die weitere Entwicklung der Serie und meiner Figur ist.

Du hast ursprünglich Sport und Französisch auf Lehramt studiert. Wie kam es zur Entscheidung, dann Schauspieler zu werden?

Das war ein langer Prozess. Ich habe bereits in der dreizehnten Klasse am Regino-Gymnasium Prüm in der Theater AG gespielt, das fand ich super spannend. Zu der Zeit wollte ich aber Lehrer werden und behielt mir die Schauspielerei im Hinterkopf. Jedes Mal, wenn ich gefragt wurde, was ich werden will und dann antwortete: Schauspieler, bekam ich die Antwort: Und was willst du wirklich werden? Nach meinem Zivildienst für behinderte Kinder und Jugendliche in Paris nahm ich mein Studium auf. Im ersten Semester meines Lehramtsstudiums bewarb ich mich immer wieder an staatlichen Schauspielschulen, leider ohne Erfolg. Das Studium war aber nicht mein Ding. Ich ging für ein Jahr nach Berlin, um ein Praktikum im „Hotel Adlon“ zu absolvieren. Ich strebte eine Lehre als Hotelfachmann an und dieses Jahrespraktikum ist Voraussetzung, um eine Chance auf einen Ausbildungsplatz in dem Haus zu haben. Es war eine tolle Zeit, doch konnte ich mir nicht vorstellen, diesen Beruf 40 Jahre lang auszuüben. Während dieser Zeit traf ich einen alten Bekannten aus meiner Heimatstadt Prüm, der mir eine Schauspielschule in Köln empfahl. Dann kam der Tag, als ich einen Ausbildungsvertrag vom „Hotel Adlon“ vor mir liegen und eine Zusage von der privaten Schauspielschule „Arturo“ hatte. Ich nahm die letzte Ausfahrt zur Schauspielschule in Köln und bereue nichts.

Was war das Schwerste in der Ausbildung für dich?

Ich kann dir gar nicht genau sagen, was das schwerste war, denn ich entschied mich ganz bewusst für diesen Weg. Habe alles dafür stehen und liegen gelassen und sog alles nur so in mir auf.

Welche Inhalte wurden gelehrt?

Schauspielen ist ein Handwerk und du lernst zu Beginn erst einmal deine eigenen Werkzeuge kennen, wie die Stimme und die Körperhaltung, kennen. Im ersten Jahr befasst man sich nur mit diesen Grundlagen. Keine Dialoge oder Ähnliches werden gesprochen. Das heißt: Nur Rhythmik, Körpertraining, Tanzen, Kämpfen und Fechten. Das hilft einem, seinen Körper besser kennenzulernen. Der Gesang war etwas schwierig für mich. Ich singe zwar gerne, aber von einer Minus 30 vor Beginn der Ausbildung, war ich am Ende bei null.

Ist es nicht unheimlich schwierig, sich mit seinem Körper so intensiv auseinanderzusetzen?

Absolut. Man lernt sich selbst ganz anders kennen. Durch den Weg, wie man sich eine Rolle aneignet, lernt man viele Erinnerungen aus seinem Leben in die Figuren einfließen zu lassen. Denn das Wichtigste beim Schauspielern ist, dass es so authentisch wie möglich für den Zuschauer wirkt.

Was ist das Gute am Seriendarsteller Dasein?

Das Schöne ist, dass wir über einen längeren Zeitraum zusammenarbeiten und dadurch eine feste Bindung im Team entsteht. Das ist auch, glaube ich, das Geheimnis bei „Heldt“, wir sind wie eine große Familie. Das ganze Team versteht sich auch außerhalb des Drehs sehr gut. Das ist unheimlich wichtig, denn wir drehen fast sechs Monate zusammen. Bei einer Serie hat man zudem noch die Möglichkeit, seine eigenen Ideen für die eigene Figur miteinzubringen, was bei einem Film seltener möglich ist. Und ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist das regelmäßige Einkommen. Bei einer Serie weiß ich, dass ich meine Miete zahlen kann. Das ist ein großes Geschenk. Dies ermöglicht mir ein besseres Arbeiten, weil ich einfach den Kopf freier habe.

Ich habe mich schon des Öfteren gefragt, wie Schauspieler überleben.

Wir sind Überlebenskünstler. Eine Zeit lang hatte ich auch mehrere Nebenjobs. Es gibt in Deutschland circa 15.000 Schauspieler/innen. Laut BFFS (Berufsverband für Film- und Fernsehschauspielerin/innen) verdienen zwei Drittel weniger als 30.000 Euro im Jahr und nur fünf Prozent über 100.000 Euro im Jahr. Trotzdem bleibe ich dabei. Die Schauspielerei empfinde ich nicht als belastende Arbeit, sondern als Erfüllung.

Wenn du auf die letzten fünf Staffeln zurückblickst, was war das Highlight für Mario Korthals?

Für ihn ist es immer ein Highlight, wenn er mit zu den Tatorten darf. Er ist zwar eher der Recherchetyp und Computernerd, aber er mischt auch gerne mal an der Front mit. Da ist er immer sehr aufgeregt und denkt, er wird als richtiger Polizist wahrgenommen und ist ganz stolz, dass er auf Verbrecherjagd gehen darf.

Kannst du schon einen kleinen Ausblick zur sechsten Staffel geben?

Es wird sich einiges für ihn ändern, aber ich darf leider noch nichts verraten. Auf jeden Fall darf er vermehrt zu den Tatorten fahren und wird dadurch ein festerer Bestandteil des ganzen Teams. Generell wird es sehr spannend werden, denn Heldt holt seine Vergangenheit ein.

Und Korti steht ihm bei?

Oh ja, natürlich. Die letzten beiden Folgen werden eine Doppelfolge. Als ich das Drehbuch gelesen habe, fand ich es schon spannend. Ich bin gespannt, wie es im Fernsehen rüberkommt.

 

Ab morgen wird die sechste Staffel der ZDF-Erfolgsserie ausgestrahlt. Immer mittwochs ab 19:25 Uhr.

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