Interview des Monats

Vladimir Burlakov im Interview des Monats: „Man muss sich selbst treu bleiben“

Morgen spielt er einen liebevollen Hippie-Tramper

 

Für Vladimir Burlakov (30) stand bereits mit fünf Jahren fest, dass es nur einen Weg für ihn gibt: Schauspieler zu werden. Schon als kleiner Junge liebte er es, im Theater zu sitzen und die Vorstellungen mit Zwischenrufen zu sprengen. Morgen um 20:15 Uhr ist er in der ZDF-Komödie „Ehebrecher und andere Unschuldslämmer“ zu sehen. Dort spielt er an der Seite von Maria Ehrich (Lou) einen Tramper. Wir sprachen über seine spezielle Figur und seine Leidenschaft zum Theater.

 

Deine Figur Gilbert ist ein wirklich spezieller Typ. Schlägt sich mit Diebstählen durchs Leben und träumt von ganz großen Dingen. Warum ist er so geworden?

Ich glaube, er hatte durch seine Mutter, welche als Prostituierte arbeitet, keine leichte Kindheit. Da er keine Geschwister hat, ist er somit früh auf sich alleine gestellt gewesen. Er hat seinen Weg in der Spiritualität gefunden und sieht immer das Positive im Menschen. Gilbert nimmt die Dinge so, wie sie kommen und akzeptiert sie, wenn etwas mal nicht so gut für ihn läuft. Dadurch sieht er es auch nicht für so schlimm an, einen Zigarettenautomaten aufzuknacken, um über die Runden zu kommen, was man natürlich nicht machen sollte.

Ist es deiner Meinung nach eine positive Eigenschaft, sein Schicksal zu akzeptieren und trotzdem zu versuchen, seine Ziele zu erreichen?

Absolut, er sieht keine großen Probleme, wie er von A nach B kommen muss. Dadurch macht er die Dinge so, wie er sie für richtig sieht und ist mit sich deshalb im Reinen. Das ist eine schöne Eigenschaft.

Er ist für mich wie ein Getriebener. Immer auf Reisen und auf der Suche nach einem Ort, wo er ankommen kann. Schafft Lou, ihn zu verändern?

Beide begegnen sich zum ersten Mal an einer Tankstelle, wo er sie anspricht und fragt, ob sie ihn mit in den nächsten Ort nach Jansdorf nehmen kann. Er möchte dort seine Mutter besuchen. Ich glaube, dass er sie toll findet und sich in sie verguckt hat. Als er bei seiner Mutter nicht unterkommt, wohnt er für eine Zeit in ihrem Gartenhaus und ist ihr eine hilfreiche Stütze, als sie ihren Vater verliert. Ob sie allerdings am Ende zusammenkommen, verrate ich natürlich vorab nicht.

Gilbert hat schon viele Länder mit dem Rucksack bereist. Welches Land würdest du gerne einmal erkunden?

Es gibt so viele Plätze, die ich gerne einmal sehen möchte. Als Schauspieler habe ich bisher das große Glück gehabt, an so vielen wunderbaren Orten zu drehen, wie zum Beispiel dem Polarkreis, Malta oder Italien. Auf jeden Fall möchte ich mir Vietnam, Costa Rica und unbedingt Japan einmal anschauen.

Du hast bereits eine Vielzahl von Figuren verkörpert. Einen Träumer-Typ wie Gilbert, habe ich allerdings noch nicht bei dir gesehen. Wie bereitest du diesen Charakter vor?

Das passiert bei mir ganz von alleine. Wenn mir meine Figur schon beim Lesen des Drehbuchs gut gefällt, kann ich mir immer genau vorstellen, wie sie aussieht und wie sie tickt. Grundsätzlich schreibe ich aber immer eine Background Story. Ich überlege mir darin die Lebensgeschichte meiner Figur, indem ich thematisiere, wie sie zu dem geworden ist, wie sie ist. Meistens fängt mit dem letzten Satz meiner Aufzeichnungen, mein erster Satz der Rolle an. Bei Gilbert hätte ich am liebsten viel mehr draus gemacht. Für mich war er ein Typ mit Rastalocken, Tattoos oder Piercings. Leider gab es das Maskenbild nicht her, da es sehr aufwendig ist und bei uns aufgrund des Budgets immer geschaut werden muss, wo am meisten rein investiert wird. In Amerika ist es anders, da stecken sie auch sehr viel Geld in das Maskenbild und somit passiert es dann des Öfteren, dass Schauspieler auf den ersten Blick nicht erkannt werden.

Wäre diese fehlende Flexibilität eventuell auch ein Grund für dich, einmal selbst Regie zu führen oder sogar ein Film zu produzieren? Dann könntest du bestimmte Wünsche eher umsetzen.

Das wäre toll, ich könnte mir eine Regiearbeit sehr gut vorstellen. Derzeit habe ich viele Themen im Kopf, suche aber noch nach der geeigneten Umsetzung und vor allem nach einem guten Autor, mit dem ich es zusammen umsetzen könnte. Grundsätzlich würde ich derzeit gerne wieder als Dozent arbeiten. Ich habe bereits zahlreiche Schauspieler auf ihre Prüfungen an verschiedenen Schauspielschulen vorbereitet und vermisse diese Arbeit sehr.

Du hast an der Otto-Falckenberg-Schule in München gelernt. Was war für dich die größte Herausforderung in der Schauspielausbildung?

Im Nachhinein habe ich begriffen, dass der Schlüssel zum Erfolg nur einer ist: Man muss sich selbst treu bleiben, nur so kann man einzigartig und besonders sein. Man darf sich von keinem Dozenten oder Mitschüler verändern lassen. Sicherlich muss man ihre Kritiken ernst nehmen, aber ich selbst habe ein Jahr nach meinem Abschluss gemerkt, wie sehr ich mich in der Ausbildung verbogen habe. Man darf nicht zu viel auf die Meinungen der anderen geben, was natürlich in der Ausbildung nicht so einfach ist.

Ursprünglich war dein Plan, am Theater zu spielen. Deine Schauspielschule ist nah vernetzt mit den Münchner Kammerspielen. Wie kamst du dann doch zum Film?

Ja, das stimmt. Meine Mutter hat in Moskau an einem renommierten Theater im Kostüm- und Bühnenbild-Bereich gearbeitet. Als kleiner Junge saß ich schon mit fünf Jahren im Publikum und schrie während der Vorstellung die ganzen Pointen raus, da ich alle Stücke auswendig konnte. Die Schauspieler schrien dann immer von der Bühne: Wem ist dieser Junge, der muss raus hier, der ruiniert die ganze Vorstellung. Für mich war somit sehr früh klar: Ich will Schauspieler am Theater werden. Als ich mit 19 meine Schauspielausbildung begann, erzählten viele meiner Mitschüler, dass sie bei einer Agentur sind. Die Casterin Simone Bär erzählte ihrer Kollegin An Dorthe Bracker von mir und durch sie bekam ich eine Rolle, in einem Film von Dominik Graf. Er suchte damals einen jungen Russen für „Im Angesichts des Verbrechens“ und dann ging es nach und nach weiter für mich. Ich bin froh, dass ich so viel Glück mit den Filmen habe, aber vermisse auch das Theater sehr. Vorletztes Jahr durfte ich wieder nach fünf Jahren Auszeit auf der Bühne bei den Nibelungenfestspielen stehen. Es war ein wunderschöner Sommer. Auf der Bühne hast du einfach viel mehr die Möglichkeit, mit deiner Körperlichkeit und Stimme zu arbeiten. Das liebe ich daran so sehr.

Müssen wir befürchten, dich irgendwann nur noch auf der Bühne zu sehen?

Nein, aber beides zusammen kombinieren zu können, wie es zum Beispiel Lars Eidinger schafft, wäre schon schön. Das wäre für mich der Jackpot.

 

Morgen ist Vladimir Burlakov in der Romanverfilmung „Chaos Queens – Ehebrecher und andere Unschuldslämmer“ um 20:15 Uhr im ZDF zu sehen. Wer gerne bei ihm Unterricht nehmen würde, darf ihn über Instagram oder Facebook kontaktieren:

Instagram:

https://www.instagram.com/vladimir.burlakov/?hl=de

Facebook:

https://www.facebook.com/vladimir.burlakov.9

Maria Ehrich und Vladimir Burlakov in "Chaos Queens - Ehebrecher und andere Unschuldslämmer"

Lou (Maria Ehrich) ist froh, in Gilbert (Vladimir Burlakov) eine Stütze gefunden zu haben. Foto: ZDF/Conny Klein