Von 1988 bis 2018 – 30 Jahre Film

Katharina Schubert (54) ist für mich eine dieser Schauspielerinnen, welche mich seit über zwanzig Jahren regelmäßig auf dem Bildschirm begleitet. Dieses Jahr ist ihr Jubiläumsjahr – 30 Jahre Film. Morgen ist sie um 20:15 Uhr in der ZDF-Verfilmung „Chaos Queens – Lügen, die von Herzen kommen“ zu sehen. Sie spielt dort eine Hippie-Mutter, deren Leben alles anders, als normal ist. Im großen Jubiläumsinterview sprachen wir nicht nur über ihre neue Rolle, auch über die Veränderungen der Filmwelt in den letzten Jahren.

 

Erst mal herzlichen Glückwunsch zu 30 Jahren Filmwelt. In der heutigen Zeit ist es schon fast ein Wunder, wenn man solange einem Business treu bleiben kann.

Vielen Dank, ja das stimmt.

Dein Filmdebüt hattest du 1988 in „Münchhausens letzte Liebe“ und es folgte daraufhin sehr schnell eine Rolle im „Tatort – Spuk aus der Eiszeit“. Wie sehr hat sich der deutsche Film deiner Meinung nach verändert?

Durch die Digitalisierung hat sich das ganze Sehverhalten verändert. Heute schaut man nicht mehr pünktlich um 20:15 Uhr den Film, sondern erledigt erst die ganzen Dinge des alltäglichen Lebens, bevor man sich in den online Mediatheken bequem und unabhängig bedienen kann. Ich glaube, das Einzige, was überlebt hat, ist der Tatort-Sonntag, wo man wirklich noch zusammen vor dem Fernsehen sitzt. Heute wird auch nicht mehr so viel produziert wie damals. Die öffentlich-rechtlichen Sender orientieren sich leider immer noch sehr stark an den Einschaltquoten, wobei ich es für sehr fraglich halte, ob man solchen Erhebungen heutzutage noch vertrauen kann. Was ich persönlich sehr schade finde ist, dass der älteren Generation von 50 Plus kein geeignetes Fernsehprogramm geboten wird. Es wird auch nicht mehr so viel und vor allem so aufwendig produziert, wie damals.

Was war für dich das größte Highlight und die größte Peinlichkeit?

Ein Highlight war für mich „Die Camper“, wo ich eine wunderbare Rolle hatte. Ich liebte Roswitha, es war einfach toll geschrieben. „Drei mit Herz“ war auch eine sehr schöne Geschichte. Mich auf ein Highlight festzulegen, fällt mir schwer. Peinlichkeit? Kann ich jetzt nichts sagen, da ich immer genau schaue, ob die Rolle zu mir passt. Wenn das Bauchgefühl damals nicht gestimmt hat, habe ich die Rollen abgesagt. Das mache ich auch heute noch so.

Wann triffst du die Entscheidung, ob es passt? Nach dem Lesen des Drehbuches?

Nicht unbedingt, man muss sich viele Dinge einfach anschauen. Gerade bei dem Comedy und Komödien Genre schaue ich immer ganz genau, ob der vorgesehene Filmpartner auch zu mir passt. Sonst wird es später schwer mit der Zusammenarbeit, da man Punktgenau bei diesen Verfilmungen arbeiten muss.

Ist das vielleicht ein gesunder Weg um lange in Filmbusiness zu überleben?

Das würde ich so pauschal nicht sagen. Ich glaube, jeder muss seinen eigenen Weg finden. Heute kann man sich leider auch einfach eine Absage nicht mehr leisten. Gerade wenn man wie ich als Frau mit 54 Jahren arbeiten möchte, gibt es leider wenig Rollen. Der Kuchen ist kleiner geworden, aber die Anzahl derer, welche ein Stück haben möchten ist gleichgeblieben. Ich habe mir deshalb im Laufe der Zeit ein zweites Business aufgebaut und Coache Führungskräfte.

Deine Eltern waren in Hessen sehr lange am Theater engagiert. Wie bist du letztendlich zum Film gekommen?

Es hat sich so ergeben. Ich habe auch Theater gespielt, bin aber nie in ein Ensemble gegangen, weil ich lieber ein freiheitsliebender Mensch bin. Der Film gab mir eine größere Freiheit. Ich finde, dass man als Schauspieler auch beides können sollte. Ich kann auch nur jedem raten, eine Ausbildung an einer Schauspielschule zu absolvieren. Es ist gut zu wissen, wo seine Stärken liegen, um später für die kommenden Aufträge flexibler zu sein.

Was wäre eine Alternative zum Schauspielern für dich gewesen?

Die gab es am Anfang nie. Mein Ausgleich mit dem Coaching habe ich erst später gefunden.

Morgen spielst du eine liebevolle Hippie-Mutter. Keilash ist ein wenig schräg, liebt die Männer und die Freiheit. Oder wie würdest du sie beschreiben?

Sie ist sehr spirituell und versucht immer, das Positive im Leben zu sehen. Keilash lebt nach dem Motto: Es gibt keinen Menschen, der wirklich böse ist und alle meinen es gut. Sie hängt nicht an materiellen Dingen und das finde ich eine sehr schöne Eigenschaft.

Was war für dich das Schönste an der Rolle?

Dass Keilash ein bunter Vogel ist, der eine Leichtigkeit versucht in ihr Leben und das der Kinder zu bringen. Dadurch kommt es zu ein paar Konflikten mit ihrer Tochter, weil sie eher der konventionelle Typ ist. Sie ist schon schräg, aber das mag ich auch an ihr.

Mir kam es so vor, als sucht sie permanent etwas.

Ja, sie ist auf der Sinnsuche. Sie ist natürlich auch in einem Alter, wo sie realisiert, dass bald ihre Tochter und der Sohn aus dem Haus sind. Keilash muss schauen, was sie mit ihrem Leben macht, wenn das große Haus plötzlich leer ist.

Wie Keilash es schafft, das Leben zu meistern, könnt ihr morgen um 20:15 Uhr im ZDF sehen. Die Verfilmung basiert auf dem gleichnamigen Roman von Kerstin Gier.

Katharina Schubert und Bernhard Bub in "Chaos Queens - Lügen die von Herzen kommen"

Keilash (Katharina Schubert) liebt die Freiheit und die Männer. Dayanidhi (Bernhard Bub) ist ihre neueste Eroberung. Foto: ZDF/Christian Lüdeke