Am Donnerstag neuer Fall von „Dupin“ im Ersten

„Kommissar Dupin“ ist ein Glücksfall für die deutsche Filmlandschaft. Es ist die erste deutsche Krimi-Reihe, in der Deutsche Franzosen spielen und die nach Frankreich verkauft wurde. Neben Italien und Spanien erobert sie nun auch den amerikanischen Markt. Ich sprach mit Produzent Mathias Lösel (43) über die Entstehung Dupins und die Dreharbeiten des neuen Falls „Bretonisches Leuchten“. Dieser wird am Donnerstag um 20:15 Uhr im Ersten ausgestrahlt.

„Kommissar Dupin“ war ein Zufallsfund. Du hast das Buch in einer Buchhandlung entdeckt, bevor es richtig populär wurde. Was war für dich damals der Auslöser, den Roman „Bretonische Verhältnisse“ zu verfilmen?

Im Mai 2012 fiel mir in einer Münchner Buchhandlung das Cover des Buches sofort ins Auge. Eine bretonische Häuserkulisse war darauf zu sehen. Kein klassisch schöner Sonnenuntergang oder ähnliches. Es löste sofort Erinnerungen an meine Zeit als Austauschschüler in der Bretagne aus, die mich in meiner Jugend immer wieder in die Region zurückkehren ließ. Die Art und Weise, wie Jean-Luc Bannalec die Menschen, die Gerüche und die Landschaft beschrieben hat, deckte sich exakt mit meinen Erinnerungen. Ich wollte also das Buch unbedingt verfilmen.

Wie ging es dann weiter?

Ich erkundigte mich beim Verlag, ob die Rechte für eine Verfilmung noch frei sind. Doch da war der Roman bereits durch die Decke gegangen und hatte schon über 100.000 Exemplare verkauft. Man teilte mir mit, dass ich bereits der 17. Produzent sei, der die Filmrechte anfragte. Sie sagten gleich, dass es keine Chance gäbe, weil die Rechte so gut wie schon vergeben sind. Ich habe dann alles versucht und der Verlagsagentur von meinem sehr persönlichen Bezug zur Bretagne erzählt. Daraufhin bot man mir an, dass Jean-Luc Bannalec mich anruft; aber eigentlich nur, um mir persönlich abzusagen.

Hat er dann wirklich angerufen?

Ja, das hat er. Aus einem geplanten kurzen Gespräch mit Absage wurde dann ein über zweistündiges Telefonat über unsere gemeinsame Liebe zur Bretagne. Am Ende des Gesprächs bat er sich ein wenig Bedenkzeit aus. Vier Tage später rief dann die Verlagsagentur an und sagte, dass ich die Verfilmungsrechte bekäme. Mein persönlicher Bezug zur Bretagne und meine Vorstellungen von einer filmischen Umsetzung seiner Bücher hätten Jean-Luc Bannalec überzeugt, ganz unabhängig von Geld.

Du hast ihm also während des Telefonats schon die genaue Filmidee präsentiert?

Ich habe ihm gesagt, dass ich nicht eine klassische Krimiverfilmung machen möchte. Es sollte bewusst moderner erzählt werden, authentisch und somit nicht nur schön. Mir war es wichtig, die besonderen Wetterstimmungen einzufangen und nicht nur schöne Sonnenuntergänge. Außerdem wollte ich die Menschen in der Bretagne mit all ihren Eigenheiten explizit herausarbeiten. Sie sind ein wenig separatistisch, sehen sich nicht als Franzosen, sondern als Bretonen. Deshalb haben wir uns auch bewusst dazu entschieden, entsprechend besondere und außergewöhnlich gute Schauspieler zu besetzen.

Hat Jean-Luc Bannalec sich mit in die Produktion einbezogen, sieht er die Filme?

Das Tolle ist, dass er schon vor der ersten Ausstrahlung zu mir gesagt hat: Du weißt, was bei deinen Filmen funktioniert und ich weiß, was bei meinen Büchern funktioniert. Jeder macht das, was für sein Medium richtig ist. Er hat ein Mitspracherecht bei den Drehbüchern und Filmen. Davon hat er jedoch bislang nie Gebrauch gemacht, was ich durchaus als Kompliment empfinde.

Eure Liebe zur Bretagne ist wahrscheinlich auch das Erfolgsgeheimnis der Krimi-Reihe. Sowohl die Filme, als auch die Bücher sorgen für einen großen Touristenansturm. Was man nur erreichen kann, wenn man mit viel Herzblut ans Werk geht.

Das mag sein. Von Anfang an war es mir wichtig, dass wir die Bretagne positiv darstellen und die wirtschaftlich schwache Region mit unserer Produktion unterstützen. Deshalb haben wir neben unseren deutschen auch viele bretonische Filmschaffende im Team. Außerdem lassen wir einen signifikanten Geldbetrag im Land. Die Kommunen sollen somit unterstützt werden. Das Schöne ist, dass bereits nach der zweiten Verfilmung „Bretonische Brandung“ die ersten Reisebusse aus Deutschland kamen, um sich „Dupins“ Heimat anzuschauen. Auch Interessierte aus England, Italien und Spanien reisen inzwischen regelmäßig dorthin. Am Anfang begegnete man uns mit großer Skepsis. Wir waren die Deutschen, die eine französische Geschichte auf Deutsch drehen. Man hielt uns zunächst für ein wenig verrückt, aber durch den Erfolg durften wir inzwischen sogar als erstes Filmteam überhaupt in einer französischen Präfektur drehen und die nationalen Hauptabendnachrichten berichten über uns.

Worauf achtest du speziell in der Umsetzung?

Ich lege einen großen Wert auf die visuelle Umsetzung. Sowohl während meines Studiums als auch später im Beruf war ich wiederholt an US-amerikanischen Filmsets, und mir fiel auf, dass die Studios dort genauso aussehen wie hierzulande und die Kameras auch die gleichen sind – aber dass das Ergebnis einfach immer viel hochwertiger aussieht als bei uns; das kennt jeder vom abendlichen Zappen durch die Kanäle, man weiß einfach oft schon am Look, was eine deutsche und was eine amerikanische Produktion ist. Bei „Kommissar Dupin“ lege ich deshalb bei der Zusammenarbeit mit unseren Regisseuren und Kameraleuten sehr großen Wert auf eine hochwertige Filmästhetik, zum Beispiel auf lange Brennweiten und eine genau definierte Farbigkeit. Wir erreichen dadurch einen Wiedererkennungswert und eine Hochwertigkeit, die für eine internationale Auswertung unserer Reihe enorm wichtig ist und vom Zuschauer, egal ob in Deutschland oder im Ausland, sehr geschätzt wird.

Christina Hecke ist in dem neuen Fall „Bretonisches Leuchten“ als Dupins Verlobte Claire neu besetzt worden. Wie kam es dazu?

Leider kommt es vor, dass Schauspieler zum geplanten Dreh schon eine andere Verpflichtung haben und so kommt es dann manchmal zu einer Neubesetzung. Der Redaktion und mir ist es wichtig, erstklassige Schauspieler zu haben. Christina Hecke ist eine herausragende Schauspielerin und wir sind froh, dass wir sie verpflichten konnten. Dupin braucht eine Partnerin auf Augenhöhe, was Christina großartig verkörpert.

Dupin ist wirklich ein außergewöhnlicher Charakter. Was findest du selbst besonders an ihm?

Man kann durch ihn die Bretagne sehen und erleben. Er selbst kam durch seine Strafversetzung von Paris in die Bretagne, musste erst einmal alles kennenlernen und sich zurechtfinden. Dadurch hatte auch der Zuschauer die Möglichkeit, langsam die Region zu erkunden. Dupin reagiert sehr sensibel an Tatorten und auf deren Eigenheiten, was ich sehr interessant finde. Dies ermöglicht ihm, Dinge zu entdecken, die ein anderer Kommissar übersehen würde. Im neuen Fall sieht man das ganz deutlich. Wir zeigen dort Visionen, in denen Dupin Dinge wie ein Puzzleteil zusammenfügt und letztendlich den Fall dadurch löst. Besonders finde ich auch an ihm, dass er einen Fall nicht mehr loslassen kann, bis er ihn gelöst hat. In der morgigen Ausstrahlung haben wir es auf die Spitze getrieben. Selbst im Urlaub kann er nicht abschalten und sich einem Fall entziehen. Er kommt nur zur Ruhe, wenn er an einem Mordfall arbeitet. All diese Eigenheiten und vor allem die Darstellung von Pasquale gefallen mir persönlich sehr gut.

Was sind deine Aufgaben im Prozess einer „Kommissar Dupin“ Filmproduktion?

Als Produzent bin ich der Kopf und Mittler von allem, sowohl vom finanziellen, wirtschaftlichen, vom kreativen und allen Aspekten, die eine Produktion umfassen. Ich verfolge eine „Hands on“ – Mentalität, das heißt ich bin vom ersten weißen Blatt Papier bis zur endgültigen Fertigstellung eines Filmes verantwortlich und immer dabei, ob in der Stoffentwicklung, bei den Dreharbeiten oder im Schneideraum.

Die Vorbereitungsphase einer Filmproduktion ist sehr arbeitsintensiv. Welche Schritte fallen bei Dupin an?

Nach dem Erwerb der Stoffrechte suche ich mir einen Drehbuchautor, mit dem ich erste Ansätze für die filmische Adaption entwickle. Gemeinsam mit unserer Redakteurin bei der ARD entwickeln wir dann Exposé, Treatment und Drehbuch und suchen uns dann gemeinsam eine geeignete Regisseurin oder einen geeigneten Regisseur für unser Projekt aus. Mit ihm gemeinsam überlegen wir uns dann eine passende Besetzung der Episodenrollen. Gleichzeitig wird das Budget kalkuliert und der Rest des Teams zusammengestellt. Im Durchschnitt haben wir am Ende 60 Leute, die an der ganzen Produktion beteiligt sind. Dann erfolgt die logistische Umsetzung.

Was können wir uns unter einer logistischen Umsetzung vorstellen?

Hier reise ich fünf bis sechs Monate vor dem geplanten Drehbeginn mit unserem Herstellungsleiter in die Bretagne, um erste Gespräche mit den Behörden, Tourismusverbänden und den Bürgermeistern zu führen. Obwohl wir sehr erfolgreich sind mit unserem Format, müssen auch wir immer für eine Drehgenehmigung Überzeugungsarbeit leisten. Keiner ist begeistert, wenn man ihm zwei Monate durch den Dreh das ganze Dorf lahm legt. Haben wir die Genehmigungen, beginnt gemeinsam mit Regie, Kamera, Ausstattung und Produktionsleitung die Motivsuche vor Ort sowie die allgemeinen technischen Vorbereitungen.

Wenn alle Locations und das Team festgelegt sind, was ist kurz vor Drehbeginn noch zu erledigen?

Bevor wir zu dem eigentlichen Dreh kommen, gibt es noch die Vertragsverhandlungen mit dem Sender, wo das Budget für die Filmproduktion festgesetzt wird. Wenn das alles steht, wird gedreht, meist 23 Drehtage. Das ist Hochleistungssport, denn ein Drehtag ist extrem teuer, und egal ob die Sonne scheint oder es stürmt, müssen wir den straffen Drehplan durchziehen.

Und wenn es nicht gelingt, den Drehplan einzuhalten?

Bei Auftragsproduktionen gibt es nur ein Budget. Wenn etwas nicht planmäßig läuft, trägt allein der Produzent die wirtschaftlichen Einbußen. Bei einem Budget von zum Beispiel 1,8 Millionen Euro hat man durchaus mal einige schlaflose Nächte, das muss man aushalten können. Wir Produzenten haben ein enormes wirtschaftliches Risiko, was leider viele Einsteiger unterschätzen.

Wie sieht in dem Fall deine Taktik aus, das durchzuhalten?

Durch meine Ausbildung und die langjährige Berufserfahrung kann ich immer wieder auf Werkzeuge zurückgreifen, die mich größere Katastrophen vermeiden lassen. Vor allem habe ich aber das große Glück, seit Jahren großartige und höchst zuverlässige Kolleginnen und Kollegen um mich zu haben, die einem immer wieder in schwierigen Momenten mit ihrem Können zur Seite stehen.

Können wir uns schon auf einen siebten Fall von „Kommissar Dupin“ freuen?

Ja, wir sind schon in der Vorbereitung des siebten Films. Der nächste Roman von Jean-Luc Bannalec wird im Sommer dieses Jahres erscheinen. Momentan arbeiten wir am Drehbuch und wollen im September 2018 drehen. Aber trotz des großen Erfolgs müssen auch wir auf eine gute Einschaltquote am Donnerstag hoffen, damit es mit „Kommissar Dupin“ weitergeht.

Letztendlich zeigt der internationale Erfolg, dass „Kommissar Dupin“ eine gefragte Krimi-Reihe ist.

Italien, Spanien, Frankreich und einige osteuropäische Länder haben die Krimi-Reihe bereits gekauft. Kürzlich hinzugekommen ist die USA, was mich besonders freut. Aber auch in Deutschland haben wir von Film zu Film immer mehr Zuschauer für uns gewinnen können, beim letzten Fall haben wir über fünf Millionen Zuschauer erreicht. Der Erfolg von Jean-Luc Bannalecs Millionen-Bestsellern und unseren Verfilmungen beflügelt sich gegenseitig und ich hoffe natürlich, dass das noch lange so bleibt.

 

Mathias Lösel hat eine Ausbildung zum Industriekaufmann für Film und Fernsehen bei der Kirch Gruppe, anschließend ein Praktikum bei Constantin Film unter der Leitung von Bernd Eichinger absolviert.1997 folgte ein Studium in der Produktionsabteilung an der Hochschule für Fernsehen und Film in München sowie an der UCLA in Los Angeles. 2001 stieg er in das Berufsleben ein. Zunächst in der Kinoproduktion unter anderem mit den erfolgreichen „Erkan & Stefan“ – Filmen, später vorwiegend mit Fernsehfilmen und –reihen. Viele seiner Produktionen wurden national und international mit Preisen ausgezeichnet, zu einigen davon schrieb Lösel auch das Drehbuch.

Mathias Lösel

Mathias Lösel überwacht die Dreharbeiten zu „Bretonisches Leuchten“. Foto: ARD Degeto/Wolfgang Ennenbach

Pasquale Aleardi am Set von "Kommissar Dupin - Bretonisches Leuchten" in Trégastel

Pasquale Aleardi mit Team am Set in Trédastel. Foto: ARD Degeto/Wolfgang Ennenbach

Kameramann Hendrik A. Kley dreht den neuen "Kommissar Dupin" Fall "Bretonisches Leuchten"

Kameramann Hendrik A. Kley und Team haben die atemberaubenden Aufnahmen für uns eingefangen. Foto: ARD Degeto/Wolfgang Ennenbach

Regisseurin Dagmar Seume, Hauptdarsteller Pasquale Aleardi und Produzent Mathias Lösel während der Dreharbeiten zu "Kommissar Dupin - Bretonisches Leuchten"

Dicke Jacken und Gummistiefel – Regisseurin Dagmar Seume, Hauptdarsteller Pasquale Aleardi und Produzent Mathias Lösel sind auf die ständig wechselnden Wetterbedingungen in der Bretagne eingestellt. Foto: ARD Degeto/Wolfgang Ennenbach

Das Team von "Kommissar Dupin"

Ein Teil des Teams und das Cast im Kommissariat – von hinten links: Kameramann Hendrik A. Kley, Regisseurin Dagmar Seume, Produzent Mathias Lösel: Von vorne links:  Jan Georg Schütte (Kadeg), Pasquale Aleardi (Jan Georg Schütte) und Annika Blendl (Nolwenn). Foto: ARD Degeto/Wolfgang Ennenbach