Deutscher Filmpreis

Am Freitag wird in Berlin die Lola verliehen

 

„Es war einfach eine Bestimmung, dass ich Schauspieler wurde“ – Edin Hasanovic (26) gehört seit mehr als zehn Jahren zur deutschen Filmwelt und hört man sich in den Kreisen um, sagen ihm die Kollegen eine große Karriere voraus. Am Freitag moderiert er zusammen mit Iris Berben den „Deutschen Filmpreis 2018“ in Berlin. Wir sprachen vorab über den deutschen Film und die Vor- und Nachteile, wenn man keine klassische Schauspielausbildung absolviert hat.

 

Am Freitag moderierst du den „Deutschen Filmpreis 2018“ und bist somit der jüngste Moderator, der jemals diese Preisverleihung moderieren durfte. Was macht deiner Meinung nach unseren deutschen Film besonders?

Ich habe das Gefühl, dass wir gerade in einem Umbruch sind, was die Serien vor allem angeht. „4 Blocks“, „Bad Banks“, „Babylon Berlin“ und „Dark“ – der deutsche Film, fängt endlich an sich etwas zu trauen und mich nur zu unterhalten, ohne den oft pseudointellektuellen Zeigefinger. Ich finde, es ist eine ganz besonders schöne Zeit gerade. Mit erleben zu können, wie wir uns entwickeln.

Was muss ein guter Film für dich haben?

Ein guter Film muss mich vergessen lassen, dass es ein Film ist. Mir erging es zum Beispiel bei „The Revenant“ so. Was einen Film auch unheimlich gut macht ist, wenn der Regisseur und die Macher mir als Zuschauer zutrauen, mitzudenken und mir nicht ständig etwas erklären, warum welche Zusammenhänge passieren. Wenn ich das merke, bin ich raus.

Es sind zahlreiche Filme nominiert. Ein Spitzenreiter ist „3 Tage in Quiberon“ mit insgesamt zehn Nominierungen, dicht gefolgt von „Aus dem Nichts“. Hast du einen Favoriten?

Das möchte ich nicht verraten, ich bin da ein bisschen wie ein Schiedsrichter. Es gibt natürlich auch in diesem Jahr sehr gute Filme, die nicht nominiert wurden. Aber alle, die nominiert sind, haben ihre Berechtigung. Man wird aus den Filmen herausgehen und sagen: Das ist ein guter Film gewesen.

Was war der Auslöser, dass du Schauspieler wurdest?

Den einen Auslöser gab es nicht. Es war einfach immer in mir, wie eine Bestimmung und ein großer Teil meines Lebens. Als ich zwölf war stand ich zum ersten Mal für einen Film vor der Kamera. Ich interessierte mich damals nie für Fußball, wollte einfach nur spielen. 2011 hatte ich das große Glück, den Film „Schuld sind immer die anderen“ zu drehen, wofür ich 2013 für eine Lola nominiert wurde. Damals war es wie so ein Flugzeug, was gerade startet. Hätte ich abgebremst, um eine Schauspielausbildung zu machen, wäre ich raus gewesen.

Fehlt dir manchmal das Wissen, welches du durch eine Ausbildung erlangt hättest?

In der Vergangenheit gab es immer wieder Phasen, wo ich auf der Stelle getreten bin. Ich habe dann in meine Bücher geschaut oder mit meinem langjährigen Coach, welcher mich immer auf meine Rollen vorbereitet, mir mein Handwerk angeeignet.

In Frankreich werden oftmals die Rollen lieber an ungelernte Schauspieler vergeben, einige Regisseure sind der Meinung, dass sie freier und authentischer spielen können.

Viele ausgebildete Schauspieler sagen, dass es schwierig ist, das Erlernte im Spiel auszublenden. Vor allem, wenn man das Schauspielstudium gerade erst beendet hat. Manchmal sieht man wirklich talentierte Schauspieler, die am Anfang stehen und dann verkopfen sie irgendwann. Ich verkopfe auch manchmal und glaube aber trotzdem, dass Talent alleine irgendwann nicht mehr ausreicht. Man muss die Intuition mit Wissen füllen.

Wie löst du das Verkopfen?

Ich versuche, mich darauf zu besinnen, dass ich ein Gefühl habe. Für mich hat das Bauchgefühl Priorität. Das ist das Erste, was ich habe beim Lesen des Drehbuchs und dann kommt mein Wissen dazu. Wieso meine Figur das macht, was sie macht? Damit ich es vor dem Regisseur am Set argumentieren kann. Meine Basis ist immer das Bauchgefühl, darauf muss ich mich immer wieder konzentrieren.

Dann muss dein Bauchgefühl stimmen, wenn ich dir ein Drehbuch vorlege und dich engagieren möchte?

Korrekt.

Was sollte es beinhalten, dass du „Ja“ sagst?

Es muss mich interessieren und ich sollte die Rolle noch nicht gespielt haben. Dann muss, wie schon gesagt, dass Bauchgefühl stimmen. Mich sollten auch die Leute hinter und vor der Kamera interessieren. Wenn es ein Team ist, mit dem ich gerne zusammenarbeiten möchte, sage ich zu. Geschichten gebunden bin ich eher nicht, auch wenn ich früher immer Polizisten spielen wollte (lacht).

Ich sehe dich unheimlich gerne in zeitgeschichtlichen Verfilmungen, wie zum Beispiel „Das Sacher“. Wir durften dich aber auch schon mehrfach in kriminellen Rollen sehen. Welches Genre ist für dich die größte Herausforderung im Spiel?

Die zeitgeschichtlichen Filme sind für mich relativ schwer, weil ich die nicht greifen kann. Das muss ich mir alles mit Fleiß erarbeiten. Ich darf nicht einfach „okay“ oder „cool“ sagen und bin irgendwie schon in einer Art Korsett, weil ich auf vieles achten muss. Mir hilft es dann immer, viel über diese Zeit zu lesen, um die damaligen Gegebenheiten zu verstehen.

Mit zwölf Jahren begann deine Karriere und du gehörst mit 26 Jahren zu den erfolgreichsten deutschen Schauspielern. Einige deiner Kollegen sagen dir eine große Karriere voraus. Ist es eher ein Fluch oder Segen, jung schon so berühmt zu sein?

Beides. Wenn ich ganz ehrlich zu dir bin, und das sage ich jetzt aus keiner Arroganz heraus, habe ich das schon oft gehört. Es macht mir totale Hoffnung, dass es Leute sagen, weil ich denke: Geil, sie denken groß, wieso soll ich klein denken. Klar bekomme ich den Oscar. Ich muss so groß denken, damit ich in Deutschland kleine Schritte mache. Hätte ich nicht so gedacht, würde ich nicht da sein, wo ich heute bin. Wo auch immer das ist. Viele meiner Kollegen bekommen aber eine große Karriere vorausgesagt. Ich stelle mich dann immer gerne in die Reihe dazu und mache mir bewusst, dass es andere auch gesagt bekommen.

Du versuchst mit dieser Einstellung nicht abzuheben?

Ja, genau. Man muss immer schauen, wie realistisch die Aussagen sind und die Blase in der man lebt so groß halten wie möglich, den Horizont erweitern und sich in Kontext zum großen setzen. Dann sind die Aussagen schnell wieder relativiert.

 

Am Freitag, den 27. April 2018 wird in Berlin im Palais am Funkturm die Lola verliehen. Wer eine der begehrten Trophäen erhält, könnt ihr ab 22:00 Uhr im Ersten sehen.

Edin Hasanovic moderiert den "Deutschen Filmpreis 2018"

Edin Hasanovic moderiert am Freitag den „Deutschen Filmpreis“. Er ist der jüngste Moderator, der jemals die Verleihung moderieren durfte. Foto: Florian Liedel/Deutsche Filmakademie e.v.

Iris Berben und Edin Hasanovic moderiieren den "Deutschen Filmpreis 2018"

Iris Berben und Edin Hasanovic freuen sich schon auf die Preisverleihung. Foto: Florian Liedel/Deutsche Filmakademie e.v.