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„Deutscher Filmpreis“: Was macht einen Film zu einem guten Film?

Film-Familie ehrte ihre besten

 

Am Freitag wurde in Berlin zum 68. Mal die Lola verliehen. Rund 2.000 Gäste feierten den deutschen Film und ehrten die besten aus ihrer Familie. Denn das Besondere am „Deutschen Filmpreis“ ist, dass nur die Mitglieder der „Deutschen Filmakademie“ über die Leistung der Branchenmitglieder abstimmen dürfen. Doch was macht ein Film zu einem guten Film? Ich habe für euch bei den Schauspielern am roten Teppich nachgefragt.

 

Die diesjährige Lola-Verleihung hatte es in sich. Gleich zu Beginn überraschte die „Deutsche Filmakademie“ Präsidentin Iris Berben mit Moderator Edin Hasanovic und lieferten dem Publikum eine impulsive Tanzeinlage. In dieser setzte Berben starke politische Zeichen in Richtung #metoo und zeigte zu den Songzeilen von Aretha Franklins Welthit „Respect“, das sich auf ihrem Rücken befindende Symbol für „weiblich“, sekundenlang in die Kamera. Das Publikum tobte und dankte mit minutenlangen Standing Ovations für diesen gelungenen Einstieg in eine zweistündige Gala.

Iris Berben und Edin Hasanovic beim "Deutschen Filmpreis 2018"

Iris Berben und Edin Hasanovic rockten die Bühne. Foto: Deutscher Filmpreis 2018/Agentur Eventpress

Der Abräumer des Abends war der Film „3 Tage in Quiberon“, welcher in gleich sieben Kategorien gewann: „Bester Spielfilm“, „Beste Regie“, „Beste weibliche Hauptrolle“, „Beste weibliche Nebenrolle“, „Beste männliche Nebenrolle“, „Beste Kamera/Bildgestaltung“ und „Beste Filmmusik“. Da er zuvor schon in zehn Kategorien nominiert worden war, ist die Verfilmung über Romy Schneider das Thema auf dem roten Teppich gewesen. Schauspieler wie Clemens Schick und Trystan Pütter sagten den Erfolg voraus und Christina Hecke brachte es auf den Punkt: „Der Film ist ein verdammt heißes Eisen, denn dazu gehört viel Mut, über eine solche Ikone zu drehen. Er ist echt gewagt, aber das Filmteam hat sich tief in das Thema eingegraben und mich dadurch sehr beeindruckt.“ „Manifesto“ erhielt ebenfalls für das „Beste Szenenbild“, „Bestes Kostümbild“ und „Bestes Maskenbild“ eine Lola. Im Bereich der Dokumentation setzte „Beuys“ ein klares Zeichen und wurde nicht nur in der Kategorie „Beste Dokumentation“, sondern auch für den „Besten Schnitt“ geehrt. Als „Bester Kinderfilm“ gewann „Amelie Rennt“ gegen „Die kleine Hexe“. Der Film von Fatih Akin „Aus dem Nichts“ gewann die Lola in Silber und für das „Beste Drehbuch“. Die Lola in Bronze erhielt der Film „Western“. Für die „Beste männliche Hauptrolle“ wurde Franz Rogowski für seine Leistung in dem Film „In den Gängen“ geehrt. „Beste Tongestaltung“ hatte in diesem Jahr der Kriegsfilm „Der Hauptmann“. Der besucherstärkste Film, mit über sieben Millionen Zuschauer, war eindeutig in diesem Jahr die Erfolgskomödie von Bora Dagtekin „Fack Ju Göhte 3“. „Es ist Glück, dass wir sowas mit einem Film erreichen können und es freut mich sehr, dass die Kinozuschauer so entschieden haben“, sagte Dagtekin vor der Verleihung im Interview. Iris Berben betonte in ihrer Laudatio: „Ihr habt Kultstatus mit einem Film geschaffen. Mehr als 21 Millionen Zuschauer haben die drei Teile im Kino gesehen.“ Deshalb erhielten das gesamte Schauspieler-Ensemble jeweils eine Lola, was normalerweise nicht der Fall ist. Der Ehrenpreis für sein Lebenswerk wurde in diesem Jahr dem Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor Hark Bohm für seine herausragende Leistung verliehen.

Rund 1.900 Mitglieder der „Deutschen Filmakademie“ haben über die Ehrung entschieden. Doch was macht einen Film zu einem guten Film? Einige Schauspieler hatten an diesem Abend klare Vorstellungen:

Mirko Lang („Soko Hamburg“):

Mirko Lang beim "Deutschen Filmpreis 2018"

„Das Drehbuch muss gut geschrieben sein und sollte mir ermöglichen, dass ich dem Protagonisten folgen kann.“

 

Christina Hecke („Kommissar Dupin“):

Christina Hecke und Sabrina Heun beim "Deutschen Filmpreis 2018"

„Ein Film muss vor allem authentisch unsere Gesellschaft wiederspiegeln. Ich sollte nicht beschwert aus dem Kino gehen und er sollte mich zum Nachdenken anregen.“

 

Samuel Finzi („Hot Dog“):

Samuel Finzi und Sabrina Heun beim "Deutschen Filmpreis 2018"

„Es muss vor allem Kino sein, eine starke Kinematografie haben. Leider haben wir dies nicht so oft, was aber auch ein großes Problem im Ausland ist. Das ist eine Kunst, die man beherrschen sollte, um gute Filme zu machen.“

 

Karoline Herfurth („Die kleine Hexe“):

Karoline Herfurth und Sabrina Heun beim "Deutschen Filmpreis 2018"

„Eine gute Geschichte und gute Bilder – es ist immer unterschiedlich, was einen guten Film ausmacht.“

 

Fahri Yardim („Jugend ohne Gott“):

Fahri Yardim und Sabrina Heun beim "Deutschen Filmpreis 2018"

„Relevant und unterhaltend sollte ein guter Film sein.“

 

Clemens Schick („Tannbach“):

Clemens Schick und Sabrina Heun beim "Deutschen Filmpreis 2018"

„Gute Geschichte, gute Schauspieler, gute Regie, gutes Setting, gutes Production und gute Kamera.“

 

Trystan Pütter („Ku`damm 59“):

Trystan Pütter und Sabrina Heun beim "Deutschen Filmpreis 2018"

„Er muss mich emotionalisieren – ob ich lache, Spaß habe oder weine. Ich bin jemand, der gerne im Kino weint, da stehe ich auch als Mann zu.“

 

Der „Deutsche Filmpreis“ gehört zu den höchstdotieren Preisen in Deutschland. Rund drei Millionen Preisgelder wurden am vergangenen Freitag verliehen und dienen zur Produktion von neuen Kinofilmen. Wir dürfen also gespannt sein, was uns demnächst im Kino erwartet.

 

Fotos: Sabrina Heun, Vilma-Lou Sinn und Trystan Pütter

 

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