Faszinierendes Dokudrama über den wirkmächtigsten Deutschen nach Luther

 

Morgen zeigt das ZDF ein faszinierendes Dokudrama über Karl Marx. Er ist der umstrittenste Autor der Weltgeschichte und nach Luther der wirkmächtigste Deutsche. Peter Hartl hat das Drehbuch in enger Zusammenarbeit mit Hauptdarsteller Mario Adorf erstellt. Für den Zuschauer eine große Chance, den Propheten intensiv kennenzulernen. Wir führten ein kurzes Interview in Hamburg.

 

Das Dokudrama ist sehr komplex und zeigt uns Karl-Marx, wie wir ihn zuvor noch nie gesehen haben. Wie lange haben Sie für die Erstellung des Drehbuchs benötigt?

Ohne das Exposé und das Treatment haben wir für das Drehbuch ein dreiviertel Jahr benötigt.

Wir als Zuschauer haben die Möglichkeit, innerhalb 90 Minuten Karl Marx intensiv kennenzulernen. Wie viel Recherchearbeit steckt in der Verfilmung?

Schon für unsere Reihe „Die Deutschen“ habe ich mich mit Karl Marx beschäftigt und habe das Wissen für das Dokudrama aufgefrischt. Hierzu habe ich neben Biografien und Fachliteratur die veröffentlichten Briefe von Marx gelesen. Ich hatte auch einen Fachberater an meiner Seite, der an dem „MEGA“-Projekt – der Marx-Engels Gesamtausgabe mitarbeitet.  Aus diesem Konvolut stammt zum Beispiel ein bisher unveröffentlichter Brief, den Karl Marx während seines letzten Aufenthalts auf der Insel Isle of Wight geschrieben hat – später eine Schlüsselszene im Dokudrama.

Sie haben mit Mario Adorf sehr eng zusammengearbeitet, wie können wir uns das vorstellen?

Ich habe mich fünf oder sechsmal mit ihm persönlich getroffen. Je nachdem, in welchem Stadium das Drehbuch zu diesem Zeitpunkt gewesen ist, habe ich es mit ihm durchgesprochen. Er gab, wie auch schon in der Planungsphase, immer Feedback und hat seine eigenen Ideen mit eingebracht. Seine Anregungen und Kritik habe ich nach Möglichkeit mit eingearbeitet und mit dem Produzententeam besprochen. Darüber hinaus hatten wir auch per E-Mail zu bestimmten Themen Kontakt.

Können Sie hierzu ein Beispiel geben?

In der Verfilmung ist Karl Marx bei einem Friseur in Algier zu sehen. In der Ursprungsfassung des Drehbuchs war ein Radikalschnitt von Bart und Haartracht vorgesehen. Mario Adorf hat – im Ergebnis zu Recht – davor gewarnt, dass es den Zuschauer irritieren könnte, wenn wir Marx so zeigen, wie man ihn bisher noch nicht gesehen hat. Es gibt zwar eine eindeutige Briefstelle in seinem Nachlass, wo er davon spricht, dass er ein Haar-Opfer erbracht hat. Allerdings darüber hinaus keinen weiteren Beleg, wie radikal er dies tat. Mario Adorf kennt sich mit Marx sehr gut aus. Er hatte bereits selbst ein Drehbuch über die letzte Reise von Marx nach Algier geschrieben, von dem er auch kurze Auszüge zur Verfügung stellte.  So flossen auch Ideen des Hauptdarstellers in die Gestaltung des Drehbuchs ein.

Das hört sich nach einem großen Geschenk an, mit einem Karl-Marx-Kenner zusammenzuarbeiten.

Für mich wäre es schwierig gewesen, wenn Adorf die Dramaturgie nur aus dem Blickwinkel des Schauspielers betrachtet und etwa darauf bestanden hätte, dass Marx besonders hervorgehoben werden soll. Seine Einwände waren immer auf Authentizität und dokumentarische Originaltreue bezogen. Er verfügt über erstaunliche Kenntnisse zur damaligen Zeit. Zum Beispiel, mit welchem Schreibgerät Karl Marx geschrieben haben könnte oder wie er seine Post expediert hatte. So war ursprünglich vorgesehen, dass Marx seine Briefe an einem Tisch im Café schreibt. Mario Adorf wies zu Recht darauf hin, dass er seine Korrespondenz abends am Schreibtisch sitzend erledigt hat.

Am 02. Mai 2018 zeigt das ZDF um 20:15 Uhr das Dokudrama. Eine Verfilmung, die kein detailliertes Vorwissen voraussetzt und dennoch möglichst viele Fragen beantwortet. Es bietet dem Zuschauer die Möglichkeit Karl Marx zum 200. Geburtstag intensiv kennenzulernen und zu realisieren, welche seiner Theorien sich bis heute bewahrheiten. Wer sich näher in das Thema einlesen oder den ein oder anderen Brief von Karl Marx einmal lesen möchte, kann dies unter folgendem Link:

http://mega.bbaw.de/struktur/abteilung_iii

Mario Adorf als Karl Marx in "Karl Marx - der deutsche Prophet"

Fast so wie das Original – Mario Adorf in der Rolle von Karl Marx. Foto: ZDF/Julie Vrabelova