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„Karl Marx – der deutsche Prophet“ Hauptdarsteller – Mario Adorf: „Ich bin noch lange nicht fertig“

Adorf verkörpert Karl Marx

 

Mario Adorf (88) ist fasziniert von Karl Marx („Das Kapital“). Schon seit vielen Jahren recherchiert der Schauspieler über unseren wirkmächtigsten Deutschen unserer Geschichte und plante bereits selbst eine Verfilmung über ihn. Doch die Umsetzung blieb ihm leider verwehrt. Nun verkörpert er endlich Karl Marx in dem ZDF-Dokudrama „Karl Marx – der deutsche Prophet“. In Hamburg sprach Mario Adorf mit der Presse über Marx, seine Erfahrungen als Lohnsklaven und natürlich seine bisherige Schauspielkarriere.

 

„Ich freue mich, dass ich endlich nach 14 Jahren mein Wissen über Marx weitergeben darf“, strahlt Mario Adorf in Hamburg. Bereits 2004 kam dem Schauspieler die Idee, einen eigenen Film über ihn zu drehen. Im Mittelpunkt sollte die letzte Reise des Propheten nach Algier stehen. Akribisch hatte er sich Jahre mit der Biografie und der damaligen Zeit beschäftigt. In liebevoller Kleinstarbeit schrieb er daraufhin das Drehbuch, doch die endgültige Umsetzung blieb ihm verwehrt. „Viele Redaktionen hatten Berührungsängste und waren davon überzeugt, dass das Publikum nichts über Marx weiß und ein Spielfilm nicht das passende Format sei. Die finanziellen Mittel fehlten auch und so habe ich das Projekt begraben.“ Der Schauspieler verfügt über ein umfangreiches Wissen, was der Produktion des Dokudramas zu Gute kam. „Gerade die letzte Reise nach Algier interessierte mich sehr. Es freut mich, dass wir meine Informationen mit in das Drehbuch aufgenommen und nun endlich verfilmt wurden.“ Rund dreieinhalb Stunden hat der Schauspieler täglich in der Maske verbracht, um wie Karl Marx auszusehen. Ein Original Foto hing an seinem Maskenspiegel und wurde am Ende zum Vergleich neben sein Gesicht gehalten. Es scheint, als sei es für Adorf eine große Herzensangelegenheit, diese Rolle zu spielen.

Die erste Begegnung mit Karl Marx hatte der Schauspieler während seines Studiums. „Als ich 1950 an der Universität mein Studium begann, hatten wir alle keine Vorstellung, was wir eigentlich für einen Beruf anstreben. Ich studierte Germanistik und vieles war mir unbekannt. Deshalb gönnte ich mir ein ausgiebiges Studium Generale, um meinen Wissensdurst zu stillen.“ Ähnlich wie Marx las der Schauspieler daraufhin zahlreiche Bücher. „Marx war ein fanatischer Leser und hat glaube mehr als irgendwer zu seiner Zeit gelesen. Eines meiner ersten Bücher, was ich erstand, war „Das Kapital“. Schnell entdeckte ich mich in der dort beschriebenen Rolle des Lohnsklaven wieder.“ Grund dafür war die damalige Situation für Studenten. „Es gab kein Bafög und meine Mutter konnte mich mit höchstens 20 bis 50 Mark im Monat unterstützen. Deshalb musste ich in den Semesterferien immer arbeiten, um während des Semesters um die Runden zu kommen. In den Zeiten des Wiederaufbaus war es kein Problem, einen Job zu finden und ich arbeitete viel auf dem Bau oder in meiner Heimat in der Bimmsgrube am Lacher See.“ Die Arbeitsbedingungen seien nicht die besten gewesen. „Es war schon schweres Malochen für wenig Geld. Aber ich habe viel dadurch für mein Leben gelernt.“ Die Erfahrung auf dem Bau, konnte Adorf später in den Film von Rainer Werner Fassbinder „Lola“ einfließen lassen. „Ich spielte damals die Rolle eines Baulöwen und da ich sie nur zu gut kennenlernen durfte, wusste ich genau, wie ich sie verkörpern kann. Es waren alles Ausbeuter – aber auch die ersten Macher, welche den Wiederaufbau ankurbelten.“

In den 60er und 70er Jahren zog es den Schauspieler nach Italien, wo er zahlreiche Filme drehte und lebte. „Damals spielte sich der Weltfilm in Rom ab. Die Amerikaner drehten Klassiker wie „Ben Hur“ oder „Kleopatra“ in der Stadt. Es reizte mich sehr, dort zu arbeiten.“ Trotz des Erfolgs war ihm eines stets bewusst: „Wenn ich weiterhin im deutschen Film arbeiten wollte, war mir sehr früh klar, dass ich immer wieder zu meiner Quelle zurückkehren muss. Ich bin so froh, dass ich an dem neuen deutschen Film teilhaben und mit Schlöndorff und vielen anderen drehen durfte.“ Obwohl Mario Adorf bald 90 Jahre alt wird, denkt er nicht ans Aufhören. „Ich bin noch lange nicht fertig und fühle mich noch nicht vollendet. Das ist das Schöne an meinem Beruf. Ich kann solange drehen, wie ich möchte und keiner zwingt mich, mit 65 aufzuhören. Meine Arbeit hält mich jung“, schmunzelt er.

 

Am 02. Mai 2018 zeigt das ZDF um 20:15 Uhr das Dokudrama „Karl Marx – der deutsche Prophet“. Mario Adorf verkörpert in der Hauptrolle unseren wirkmächtigsten Philosophen. Die Inszenierung zeigt uns Karl Marx, wie wir ihn noch nie zuvor gesehen haben und ist auf jeden Fall sehenswert.

Mario Adorf in "Kalr Marx- der deutsche Prophet"

Nach 14 Jahren darf Mario Adorf endlich die letzte Reise von Karl Marx nach Algier spielen. Foto: ZDF/ Martin Christ

Mario Adorf als Karl Marx in "Karl Marx - der deutsche Prophet"

Knapp vier Stunden verbrachte der Schauspieler täglich in der Maske, um Marx so ähnlich zu sehen. Foto: ZDF/Julie Vrabelova

Sarah Hostettler und Mario Adorf in "Karl Marx - der deutsche Prophet"

Ein unschlagbares Team – Eleanor Marx (Sarah Hostettler) und Karl Marx (Mario Adorf). Für seine Träume gab seine Tochter alles auf. Foto: ZDF/Julie Vrabelova

 

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