Dokudrama über Karl Marx im ZDF

 

„Hinter jedem erfolgreichen Mann, steht immer eine starke Frau“ – ein passenderes Sprichwort könnte nicht für Karl Marx und seine Tochter Eleanor zu finden sein. Sarah Hostettler (35) verkörpert im ZDF Dokudrama „Karl Marx – der deutsche Prophet“ Eleanor Marx, welche sich hinter den Schatten ihres Vaters stellte und sich dabei selbst vergaß. Im Interview sprachen wir über ihre spannende Figur und die Herausforderung, gleichzeitig auch die Sprecherfunktion in der Doku zu übernehmen. 

 

Morgen haben wir in der Doku die Chance, eine von Marx wichtigsten Wegbegleitern kennenzulernen – Eleanor Marx. Was ist sie für eine Persönlichkeit?

Einmal sagt Eleanor über ihren Vater in der Doku: Er war ein Getriebener und Vertriebener. Ich finde, das steht auch für sie. Eleanor musste zwar nicht ins Exil, ist aber wie ihr Vater sehr viel gereist. Sie war eine unfassbar talentierte Frau und konnte mit sechs Jahren schon lesen und schreiben. Eleanor beherrschte zahlreiche Sprachen und arbeitete u.a. als Dolmetscherin und Schauspielerin und war als Feministin aktiv. Unglaublich, wie viel Eleanor in ihrem kurzen Leben mit hoher Energie umgesetzt hat. Ein Stück weit ist sie durch die Vielfalt ihrer Talente gescheitert. Sie hatte nicht die Möglichkeiten diese voll auszuleben. Zu all dem war sie auch eine Lebefrau. Sie war Kettenraucherin, hat viel getrunken und auf vielen Hochzeiten getanzt.

Wie haben Sie sich auf diese komplexe Persönlichkeit vorbereitet?

Was mir am meisten geholfen hat, war die englischsprachige Biografie „Eleanor Marx: A Life“ von Rachel Holmes. Dadurch bekam ich so viele Informationen, dass ich am Ende bemüht war, mich wieder auf den knappen Inhalt der Doku zu fokussieren. Zuvor hatte ich noch nie etwas von ihr gehört und bin wahnsinnig dankbar, dass ich mich durch die Verfilmung mit ihr auseinandersetzen durfte.

In dem Dokudrama lässt sich eine sehr enge Bindung zwischen Karl Marx und seiner jüngsten Tochter vermuten. Wie würden Sie das Vater-Tochter Verhältnis beschreiben?

Eleanor hat unheimlich für die Ideen ihres Vaters gebrannt und gerne für ihn als Sekretärin gearbeitet. Sie war aber immer wieder mit sich selbst im Konflikt, musste ihre Projekte komplett hintanstellen. Die Schauspielerei gab sie für ihren Vater auf, obwohl es für sie das Wichtigste im Leben war.

In dem Dokudrama können wir Marx auch ohne viel Grundwissen sehr gut kennenlernen. Wie war Ihr Bezug zu Marx vor den Dreharbeiten?

Bisher war Karl Marx für mich in erster Linie Schulstoff gewesen. Durch die Dreharbeiten konnte ich mich nun dem Privatmenschen Marx nähern. Sehr spannend zu sehen aus welcher Not er sein Werk geschaffen hat und trotz oder gerade wegen eingeschränkter Möglichkeiten er seine Ziele zu erreichen vermochte. Aber ohne die Unterstützung der zahlreichen überaus intelligenten und hart arbeitenden Frauen in seiner Familie – seine Frau Jenny von Westphalen und seine drei Töchter Jenny Longuet, Laura Lafargue und Eleanor Marx – wäre dies alles undenkbar gewesen. Nicht zu vergessen die Unterstützung seines Freundes Friedrich Engels.

Ein schöner Aspekt der Doku ist, dass Sie auch die Rolle des Doku-Sprechers übernommen haben. Dadurch wirkt alles viel persönlicher und der Zuschauer bekommt den Menschen Karl Marx aus der Sicht seiner Tochter näher gebracht. War dieser doppelte Part für Sie eine besondere Herausforderung?

Ja, weil im Spiel bin ich natürlich im Moment, vertrete die Position der Figur und kann in emotionale Zustände reingehen. Beim Voice over, beziehungsweise der Sprecherfunktion, durfte ich weniger Emotion mit einfließen lassen. Musste immer die Distanz bewahren.

Wie haben Sie es geschafft, die Distanz zu bewahren?

Eleanor erzählt die Geschichte rückblickend, nach dem Tod ihres Vater. Eine Vorgabe von Regisseur Christian Twente und des Drehbuchs. Ich habe versucht darauf zu achten die erzählten Inhalte mit dem Moment des ‚Zurückblickens’ gut zu verbinden.

Ist das Schauspielern in einem Dokudrama anders, als im Film?

Ja. Christian Twente sagte mir einmal während des Drehs: Sarah, wir machen hier ein Dokudrama und keinen Spiefilm (lacht). Beim Dokudrama sind es oft kurze Schnipsel, die gezeigt werden. Deshalb ist es wichtig sich auf einzelne Aspekte zu fokussieren. In einem Spielfilm hat man mehr Raum und kann sich anders in seiner Rolle entfalten.

Sie stehen auch sehr viel auf der Theaterbühne. Was reizt Sie mehr? Film oder Theater?

Beim Theater liebe ich die Direktheit zum Publikum. Durch ihre direkten Reaktionen während des Spiels oder den Applaus am Ende können großartige Energien im Spiel entstehen. Gleichzeitig kann aber auch das genaue Gegenteil eintreten, das Publikum reagiert gar nicht…dann wird es schwer (lacht). Beim Film gibt es viele Facetten, die mich reizen. Dass psychologisch genau gearbeitet werden kann und muss! Das liebe ich am Film, ganz reduziert zu spielen und auf das Team zu vertrauen. Das Vertrauen in mich und meine Kollegen ermöglicht es mir im Spiel loszulassen.

Ihr Studium haben Sie in Bern absolviert und blieben nach Engagements im Theater und Film in Deutschland. Was hat Sie an unserer Film- und Theaterlandschaft fasziniert, dass Sie treu geblieben sind?

Mich interessiert die Vielfalt, welche ich in der deutschen Film- und Theaterwelt geboten bekomme. In der Schweiz ist es natürlich auch toll zu arbeiten, die Möglichkeiten sind jedoch eingeschränkter. Hier ist die Konkurrenz zwar grösser, dafür werde ich aber auch anders gefördert und gefordert!

 

Das Dokudrama wird am 02. Mai 2018 im ZDF ausgestrahlt. Derzeit dreht Sarah Hostettler für den Kieler „Tatort“. Sie wird in der Episode „Borowsky und das Glück der anderen“, zu sehen sein. Wer sie gerne einmal auf der Theaterbühne sehen möchte, hat ab September 2018 im Landestheater Niederösterreich die Möglichkeit dazu.

 

Eleanor Marx im kurzen Portrait

Jenny Julia Eleanor Marx war die jüngste Tochter des deutschen Propheten Karl Marx. In ihren 43 Lebensjahren trug sie mit gerade einmal 14 Jahren dazu bei, den Lebensunterhalt für ihre Familie zu bestreiten. Sie arbeitete am Britischen Museum, schrieb Theaterkritiken und Skizzen. Ab 1880 stellte Eleanor Marx ihre eigenen Träume komplett hinten an und diente dem Vater als Sekretärin sowie Dolmetscherin. Eine lang ersehnte Karriere als Schauspielerin blieb ihr dadurch verwehrt. Nach Karl Marx Tod im März 1883 trat sie aus seinem Schatten hinaus und engagierte sich politisch. Im März 1889 beendete sie ihr Leben auf eigenen Wunsch. Die genaue Ursache für ihren Freitod, ist bis heute nicht geklärt.

Sarah Hostettler als Eleanor Marx in "Karl Marx - der deutsche Prophet"

Immer auf Reisen – Eleanor Marx (Sarah Hostettler)  war stets unterwegs. Foto: ZDF/Julie Vrabelova

Sarah Hostettler und Mario Adorf in "Karl Marx - der deutsche Prophet"

Eleanor (Sarah Hostettler) und ihr Vater Karl Marx (Mario Adorf) waren nicht immer einer Meinung. Trotz allem gab sie für ihn, ihren geliebten Beruf, als  Schauspielerin auf. Foto: ZDF/Martin Christ

Sarah Hostettler als Eleanor Marx in "Karl Marx - der deutsche Prophet"

Eleanor (Sarah Hostettler) bekam mittels Briefen, die Neuesten Erkenntnisse ihres Vater übermittelt. Diese hinterließ sie in ihrem Nachlass und ermöglichte uns dadurch, den Propheten besser kennenzulernen. Foto: ZDF/Julia Vrabelova