Cast & Crew

„Karl Marx – der deutsche Prophet“ Regisseur – Christian Twente: „Dokudrama ist ein Herausforderung“

ZDF zeigt faszinierende Arbeit von Christian Twente

 

Karl Marx ist ein umstrittener Autor und bis heute mit seinen Theorien unvergessen. Anlässlich des 200. Geburtstags zeigt morgen das ZDF ein herausragendes Dokudrama. Mit viel Liebe zum Detail schaffen es die Filmemacher uns eine der wichtigsten Persönlichkeiten Deutschlands näher zu bringen. Regie führte Christian Twente, der bereits im vergangenen Jahr das Dokudrama „Das Luther Tribunal – Zehn Tage im April“ inszenierte. Wir sprachen in Hamburg über die Herausforderung der Dreharbeiten.

 

Ihr neues Dokudrama zeigt uns den Menschen Karl Marx, wie wir ihn noch nie zuvor gesehen haben. Aufwendige Kriegsszenen, viele alte original Foto Aufnahmen, die in das Bewegtbild übergehen, und Experteninterviews. Wie viel Protagonisten waren insgesamt an der Produktion beteiligt?

Das Darsteller Cast verfügte über rund 25 Schauspieler. Bei der Komparserie, mit denen wir unter anderem die aufwendigen Kriegsszenen drehten, hatten wir nochmal 150 Komparsen.

Wenn ich mich an eine Kriegsszene erinnere, kann es mir eindeutig mehr vor.

Das ist die Kunst der Regieassistenz, es immer mehr aussehen zu lassen (lacht).

In einem kurzen Beitrag konnte ich eben sehen, wie sich Mario Adorf in Karl Marx verwandelt. Rund dreieinhalb Stunden saß er täglich in der Maske. Wie geduldig war er in der Maske?

Da muss man ganz ehrlich sagen: Es ist seine Professionalität und seine Erfahrung von über 200 Filmen. Es ist aber auch sein Perfektionismus, der dies ermöglicht. Das Bild von Karl Marx hing immer zum Vergleich an seinem Spiegel und zum Schluss überprüfte er, ob alles passt. Ein Schauspieler sollte grundsätzlich solch eine Eigenschaft mitbringen. Wenn man aber bedenkt, dass Mario Adorf 88 Jahre alt ist und an einem klassischen Drehtag rund elf Stunden unterwegs ist, finde ich das auch schon beachtenswert.

Sarah Hostettler verkörpert die Tochter von Karl Marx – Eleanore. Es wurde bewusst auf den Sprecher verzichtet und ihr das Erzählen überlassen. Diesen Aspekt finde ich sehr gut gewählt.

Das bringt eine gewisse Lockerheit in so ein schweres Thema. Er war eigentlich ein Mann, der nur sitzt und schreibt. Filmisch eigentlich eine Katastrophe (lacht). Durch solche Details lockert es auf und macht es für den Zuschauer auch persönlicher.

Das finde ich auch. Generell ist das Schauspiel zwischen ihr und Mario Adorf stellenweise sehr ergreifend. Gab es für sie während des Drehs eine besonders ergreifende Szene, die sie stark berührt hat?

Was mich wirklich schon beim Dreh packte, war die letzte Szene am Meer. Karl Marx trifft auf seine Tochter Eleaonore auf den Landungsbrücken auf der Insel Isle of Wight und sie teilt ihm mit, dass seine schwer kranke Tochter Jenny verstorben ist. Als Mario Adorf und Sarah Hostettler diese Szene spielten, war vor Ort eine ergreifende Stimmung. Ich sagte: Cut. Danach war erst mal eine seltsame Stille. Sarah als Sidekick in dem Dokudrama hat alles so real verkörpert – für mich eine großartige schauspielerische Leistung.

Ich konnte durch das gemeinsame Spiel der beiden in eine für mich unbekannte Zeit abtauchen und war konstant 90 Minuten gefangen.

Das ist sehr gut.

Sehr interessant fand ich den Beginn des Dokudramas. Ausgewählte Vorhersagen von 1848 werden mit Bildern aus der heutigen Zeit veranschaulicht.

Gerade die Themen zu Arbeit oder Ware habe ich bewusst ausgewählt und mit historischen Bildern in Szene gesetzt. Mir war es wichtig nicht nur die Bankenkrise und den Börsencrash zu thematisieren.

Sehr beachtenswert ist auch immer wieder der Übergang von alten Fotografien von Marx in das Bewegtbild. Wie lange haben Sie an dem Schnitt gearbeitet und was war die Herausforderung bei der Ausarbeitung dieser feinen Nuancen im Schnitt?

Der ganze Schnitt hat knapp dreieinhalb Monate gedauert. Für diese Feinheiten gibt es in der Grafik verschiedene Arbeitsschritte. Bis man allerdings eine finale Fassung so geschnitten hat, wie sie am Ende zu sehen ist, dauert es fast ein Monat. Diese Übergänge waren jedoch nicht für mich die Herausforderung. Eher die vielen Experteninterviews so exakt einzubringen, dass sie zum Spiel passen. In einer normalen Doku trägt ein Sprecher das ganze und kann auf eine Expertenaussage mit einem Satz hinweisen. Wir haben diese Besonderheit diesmal nicht, da Eleanore beziehungsweise Sarah Hostettler durch die Doku führt und schlecht in ihrer Rolle die Experten Antexten kann. Man musste deshalb ganz genau schauen, ob die Aussage an genau diese Stelle passt und vor allem, wo der Zuschauer mit seinem Kopf gerade ist. Fühlt er jetzt gerade mit Marx und seiner Tochter, oder höre ich jetzt eher was über seine Theorie.

Waren Sie denn bei den Experteninterviews dabei, um genau zu prüfen, dass die Anschlüsse der Filmszenen auch mit den Aussagen der Experten übereinstimmen?

Ja, das war ich. Es war sehr wichtig, denn es musste wirklich das Gesagt zum Visuellen passen. Das geht nur, wenn ich dabei bin.

Es gibt einige schöne Orte zu sehen, wo haben Sie gedreht?

Sämtliche Drehorte mit Mario Adorf waren in Prag. Das sind zum Beispiel die Szenen, wie die Pariser Wohnung von Innen und der Außenansicht des Hauses. Der Bahnhof und die Londoner Wohnung.  Die Szenen in Algier haben wir in Marokko in der Stadt Casablanca gedreht. Auch meine Lieblingsszene, wo Marx mit seiner Tochter Eleanore auf der Landungsbrücke der Insel Isle of Wight ist, drehten wir in Casablanca.

Viele zeitgeschichtliche Verfilmungen werden in Prag gedreht. Liegt es an einer Kostenersparnis oder der Kulisse?

Früher lag es an der Ersparnis, aber heute verdient der Oberbeleuchter das Gleiche wie in Deutschland. In Tschechien oder Prag sind tausend Jahre Architektur Geschichte auf einem Fleck. Eine Kulisse für die Pariser Wohnung hätte ich auch sicherlich in Hamburg finden können, aber dann wäre die Außenansicht nicht passend gewesen. Ein extra Bau hätte mehr Kosten verursacht. In Prag kann man aufgrund der vorhandenen Architektur außen und innen zeitgleich an einem Ort drehen, was die Arbeit sehr erleichtert.

Wie viele Drehtage hatten Sie insgesamt?

17 Drehtage, was eine Herausforderung ist, wenn man bedenkt, dass alleine jeden Tag viel Zeit für die Maske verloren geht. Bei Mario Adorf waren es alleine schon jedes Mal dreieinhalb Stunden.

Zum Abschluss hätte ich gerne gewusst, was Sie an einem Dokudrama reizt? Sie haben bereits mehrfach für das ZDF solche Dreharbeiten durchgeführt.

Es ist die Herausforderung, viele Elemente zusammen zu bringen, welche eine dramaturgische Linie haben. Das reizt mich sehr an der Inszenierung eines Dokudramas.

 

Am 02. Mai 2018 wird um 20:15 Uhr „Karl Marx – der deutsche Prophet“ im ZDF ausgestrahlt. Auch für nicht Kenner ist das Dokudrama zu verstehen und liefert alle Informationen, die man über unseren deutschen Propheten wissen sollte.

Mario Adorf in "Karl Marx - der deutsche Prophet"

Mario Adorf in der Rolle als Karl Marx. Foto: ZDF/Martin Christ

Mario Adorf in "Kalr Marx- der deutsche Prophet"

Der Aufenthalt von Karl Marx in Algier wurde in Casablanca (Marokko) gedreht. Foto: ZDF/Martin Christ

Sarah Hostettler und Mario Adorf in "Karl Marx - der deutsche Prophet"

Und hier ein Szenenbild, welches in Paris spielt, aber in Prag gedreht wurde. Karl Marx (Mario Adorf, rechts) geht mit seiner Tochter (Sarah Hostettler, links) spazieren. Foto: ZDF/Julie Vrabelova

Sarah Hostettler und Mario Adorf in "Karl Marx - der deutsche Prophet"

Im Hintergrund kann man deutlich die beeindruckende Außenansicht eines Hauses in Prag sehen.  Im Dokudrama ist es die Fassade der Pariser Wohnung. Foto: ZDF/Julie Vrabelova

Sarah Hostettler als Eleanor Marx in "Karl Marx - der deutsche Prophet"

Eine Prager Wohnung diente als Kulisse für die Pariser Wohnung. Sie ist in dem gleichen Haus, welches die schöne Außenfassade hat (siehe vorheriges Bild). In der Szene liest Elanor Marx (Sarah Hostettler) einen Brief von ihrem Vater aus Algier. Foto: ZDF/Julie Vrabelova.

 

Weitere Informationen zum Dokudrama findet ihr hier:

„Karl Marx – der deutsche Prophet“ Hauptdarsteller – Mario Adorf: „Ich bin noch lange nicht fertig“

„Karl Marx – der deutsche Prophet“ Drehbuchautor – Peter Hartl: „Mario Adorf ist ein Kenner“

„Karl Marx – der deutsche Prophet“ Hauptdarstellerin – Sarah Hostettler: „Eleanor war eine talentierte Frau“