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„Bauhaus“: Wenn Filmkunst sich mit Kunst vereint

2019 feiert das Bauhaus einhundert Jahre

 

Derzeit laufen in Dessau die letzten Dreharbeiten zum ARD-Eventfilm „Bauhaus“. Eine Geschichte über den außerordentlichen Baustil, welcher bis heute die Welt prägt und bemerkenswerte Studenten eine Revolution auslösten. Beim Blick hinter die Kulissen gab es einige Geheimnisse zu entdecken. Man merkte schnell, wie produktiv es sein kann, an einem der original Schauplätze der Vergangenheit zu drehen.

 

Als Walter Gropius 1919 in Weimar seine staatliche Hochschule das „Bauhaus“ gründete, gab es viele Anfeindungen gegen ihn aufgrund seines einzigartig und völlig neuen Schulkonzepts. Ihm war es wichtig, die Kunst mit dem Praktischen zu vereinen und so erfolgte die Ausbildung größtenteils in Werkstätten. Die Schule wurde zur Avantgardeschule der Architektur, vereinte Kunst und Kunsthandwerk und sollte durch diese ideale Verbindung den Alltag revolutionieren und die Grundlage für eine bessere Welt schaffen. Doch nicht nur die Nationalsozialisten setzten diesem außergewöhnlichen Konzept schwer zu. Der außerordentliche Baustil, die Farben und minimalistischen Möbelstücke, sowie Einrichtungsstile waren vielen ein Dorn im Auge. Trotz allen Anfeindungen setzte sich Gropius mit seinen Studenten durch und machte das „Bauhaus“ zu einem der bedeutendsten künstlerischen Bewegungen, die aus Deutschland die Welt beeinflusste.

Dreharbeiten an der ehemaligen Hochschule

Derzeit entsteht an den originalen Schauplätzen in Weimar und Dessau der neue ARD-Eventfilm „Bauhaus“, welcher anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Bauhaus“ im Frühjahr 2019 ausgestrahlt wird. Im Mittelpunkt der Inszenierung steht die Kunststudentin Lotte Brendel (Alicia von Rittberg, „Charité“), welche den Zuschauer durch die Jahre des „Bauhaus“ führt. Zum weiteren Ensemble gehört unter anderem Jörg Hartmann („Weissensee“, „Tatort“), der den Begründer Walter Gropius verkörpert, sowie Noah Saavedra („Egon Schiele: Tod und Mädchen“, „James Bond 007: Spectre“), Marie Hacke („Soko Wismar“), Ulrich Brandhoff („Nackt unter Wölfen“) und Nina Gummich („Atlas“, „Tatort“)..

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Dreharbeiten an der ehemaligen Hochschule in Dessau – die berühmte Glasfront wird mit Scheinwerfern für die innenliegenden Dreharbeiten angestrahlt. Foto: Sabrina Heun

Für Regisseur Gregor Schnitzler („Die Wolke“, „Tatort“) ist der Dreh in den Gebäuden der ehemaligen Hochschule in Dessau ein Fluch und Segen zugleich. „Es ist großartig, an genau dem Ort die Geschichte der Kunststudenten wieder aufleben zu lassen, wo sie einst eine Revolution auslösten. Das hat etwas Magisches, wenn man in den Ateliers und den Gängen dreht, denn alles ist noch original erhalten. Jedoch ist gerade das auch eine große Herausforderung, denn es darf nichts beschädigt werden, was gerne beim Dreh passiert. Das Allerschwierigste ist aber: Ich darf nichts verändern. Wenn mir die Wandfarbe in dem Raum nicht ganz passt, muss ich mich mit meiner filmischen Kunst der Kunst des Bauhauses anpassen.“ Kein leichtes Arbeiten für das Szenenbild und den Regisseur, denn Gropius war bekannt für seine Lieblingsfarbe, welche „bunt“ war. Sein Stil war farbreich und er hatte eine Vorliebe für tiefe Farben. So erstrahlt der Treppenaufgang auch schon mal in einem grellen rot, was bei einfallendem Sonnenschein extremer ins Auge fällt.

Noah Saavedra, Nina Gummich, Alicia von Rittberg, Marie Hacke, Jörg Hartmann, Ulrich Brandhoff und Gregor Schnitzler am Set von "Bauhaus"

Regisseur Gregor Schnitzler (hinten) mit seinem Cast – von links: Noah Saavedra, Nina Gummich, Alicia von Rittberg, Marie Hacke, Jörg Hartmann und Ulrich Brandhoff. Foto: Sabrina Heun

Bauhaus in Dessau

Das „Bauhaus“ in Dessau wird von einer Stiftung erhalten. Anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Bauhaus“ werden aus der ganzen Welt im Frühjahr 2019 hier Besucher erwartet, die sich das faszinierende ehemalige Hochschulgebäude anschauen werden. Foto: Sabrina Heun

 

Das Kostümbild ist ebenfalls eine Kunst

Kostümbildnerin Esther Amuser hat mehrere Monate damit verbracht, die passenden Kostüme für das Ensemble zusammenzustellen. Keine leichte Aufgabe, wenn die Mode aus der Zeit von 1920 bis1933 stammen muss. „Nachdem ich das Drehbuch gelesen hatte, recherchierte ich viel im Internet, Büchern und alten Zeitschriften über den Kleidungsstil. Als ich dann die Maße der Schauspieler hatte, hieß es soviel Originalstücke wie nur möglich aus der Zeit zu finden, was leider kaum noch möglich ist.“ Die Kleidungsstücke würden meist schlecht in Kellern gelagert und nicht gepflegt werden. Kein gutes Omen für kommende historische Verfilmungen, denn das Selbstnähen sei sehr zeitaufwendig und kostspielig. „Ich reiste nach Paris, Berlin, München und Wien, um in einem speziellen Fundus, Antiquitätenläden, sowie Flohmärkten Kleidungsstücke oder Stoffe zu finden.“ Die Mode von 1922 ist derzeit wieder modern. Hauptdarstellerin Alicia von Rittberg trägt beim Setbesuch eine dunkelblaue, weit ausgestellte Hose, welche momentan in jedem Bekleidungsgeschäft erhältlich ist. „Auch, wenn es heute wieder modern ist, kann man die Stücke nur schwer aus den historischen Verfilmungen nutzen, denn die Stoffe sind ganz anders und das sieht der Zuschauer sofort.“ Der Griff an ein paar Kleidungsstücke beweist diese Aussage, denn allein der Anzugstoff der Männer ist sehr grob, schwer und oftmals kratzig gehalten. Außerdem, seien die Nähte im Vergleich zu damals ganz anders gesetzt. „Im Notfall nähe ich mit Originalstoffen Kleidungsstücke nach. Dies ist vor allem der Fall, wenn ich etwas partout nicht finde, oder aber der Schauspieler eine ausgefallene Größe hat, die ich nicht bekomme.“ Doch bei den jetzigen Dreharbeiten hatte Esther Amuser Glück, konnte sogar noch das passende Schuhwerk von 1922 sowie Damenunterwäsche für die Hauptdarstellerin finden. „Das ist die Kunst meines Berufs, alles am Ende doch noch aus einer geheimen Ecke zu holen.“

Kostüme für den Eventfilm "Bauhaus"

Die Kostüme des Hauptcasts – jeder hat seinen eigenen Bereich, seine eigene Mode und seine eigene Farbzusammenstellung. Foto: Sabrina Heun

Kostümbilderin Esther Amuser am Set von "Bauhaus"

Esther Amuser ist stolz , ein Kleid für Lotte Brendel (Alicia von Rittberg) aus dem Jahre 1922 gefunden zu haben. Dafür reiste sie nach Paris, Wien, München und Berlin.  Foto: Sabrina Heun

Kostümbilderin Esther Amuser am Set von "Bauhaus"

Ein besonderer Fund der Kostümbildnerin – original Dessous aus dem Jahr 1922. Foto: Sabrina Heun

 

Der Film ist eine besondere Kunst – umso schöner, wenn sie sich aufgrund eines historischen Stoffes mit einer anderen Kunst vereint. Der erste Trailer des „Bauhaus“ Eventfilm ist vielversprechend und wir dürfen auf das Ergebnis im Frühjahr 2019 gespannt sein.

 

Die Darsteller Nina Gummich und Noah Saavedra verraten euch im Interview mehr über die Dreharbeiten. Nico Hofmann schildert im Gespräch, wie die Idee zur Verfilmung der „Bauhaus“ Geschichte entstand.