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„Bauhaus“ Produzent und UFA-CEO – Nico Hofmann: „Der Funke ist erst nicht umgesprungen“

Neuer ARD-Eventfilm ist abgedreht

 

Eigentlich sind CEO`s manchmal sehr wortkarg, immer in Eile und auf dem Sprung – doch Nico Hofmann (58), der seit 2017 alleiniger CEO der UFA-Gruppe ist, blüht im Gespräch über sein neues Werk „Bauhaus“ förmlich auf und ist kaum zu stoppen. Am Rande der Dreharbeiten in Dessau sprachen wir über sein neues Werk und betrachteten die Entwicklung des deutschen Films.

 

Herr Hofmann, Sie haben schon als Kind Filme gedreht und wandelten die heimische Garage in ein Kino um. Betrachte ich Ihre Filmografie, sehe ich Ihre Vorliebe für historische Verfilmungen. Was war der Auslöser hierzu?

Der Auslöser historische Filme zu drehen, war die jahrzehntelange Auseinandersetzung mit meiner eigenen Familienbiografie. Wenn wir zum Beispiel die Entstehungsgeschichte „Unsere Mütter, unsere Väter“ nehmen, das ist in großen Teilen die Geschichte meines Vaters.

Das „Bauhaus“ prägt unsere Architektur und Kunstszene weltweit bis heute. Wie kamen Sie auf die Idee, einen Film darüber zu drehen?

Die Idee zum Film „Bauhaus“ kam von Christoph Stölzl, ehemaliger Berliner Wissenschaftssenator und Leiter des historischen Museums in Berlin. Zuerst war ich eher skeptisch, weil ich mir unsicher war, ob sich das Thema eventuell besser für eine Dokumentation eignen würde.

Wie hat er Sie dann doch überzeugt?

Der Funke ist bei mir erst übergesprungen, als mir klar wurde, wie jung, energiegeladen und wie angstfrei die Studenten Politik betrieben haben. Das war für mich der Aufhänger des Films. Außerdem war es damals eine höchst spannende Zeit, von der wir in diesem Film erzählen. Es ist die Zeit der Weimarer Republik und zeigt welche große politische Rolle das Bauhausbewegung spielte, mit allen Anfeindungen. Das war für uns das Gerüst, um mit Drehbuchautor Jan Braren die Figuren zu konzipieren. In Zeiten, in denen Populismus immer stärker wird, zeigt dieser Film, was unser Land damals bewegte und zeigt Parallelen zur heutigen Zeit. 

Wie lange dauerte der Entstehungsprozess, bis die erste Klappe fiel?

Wir haben monatelang an dem Stoff entwickelt. Es wurden zahlreiche Recherchereisen nach Dessau und Weimar unternommen und wir haben großartige Unterstützung durch die „Stiftung Bauhaus Dessau“ erhalten, die uns auch historisch beratend zur Seite steht. Genau hier vor dem „Bauhaus“ in Dessau wurde vor genau zwei Jahren mit dem MDR und Jana Brandt beschlossen, den Film zu drehen. Insgesamt liegt die Vorbereitungszeit jedoch bei circa  fünf Jahren.

Glauben Sie, dass Sie mit der „Bauhaus“ Verfilmung etwas bewegen können?

Das glaube ich ganz sicher. Der Film zeigt die „Bauhaus“-Geschichte im politischen Kontext. Ich beobachte gerade bei Jüngeren ein sehr viel stärkeres Engagement im Politischen. Es entwickelt sich im Augenblick eine Generation, die pro Demokratie und gegen Populismus aktiv wird. Deshalb denke ich auch, dass der Film Anlass gibt, um darüber zu reflektieren, was Architektur, Kunst und Kultur im politischen Bereich bewegen kann.

Noah Saavedra, Alicia von Rittberg, Nico Hofmann und Jörg Hartmann am Set von "Bauhaus".

Nico Hofmann (zweiter von rechts) mit dem Hauptcast von „Bauhaus“ – von rechts: Noah Saavedra („Egon Schiele – Tod und Mädchen“), Alicia von Rittberg („Charité“) und Jörg Hartmann („Tatort“). Foto: Sabrina Heun

Normalerweise drehen Sie kaum am Ort des Geschehens. Macht diese Verfilmung deshalb für Sie einen besonderen Reiz aus?

Die „Stiftung Bauhaus Dessau“ mit dem Museum ist unglaublich inspirierend. Das überträgt sich natürlich auch auf die Schauspieler. Das hier ist ein besonderer und magischer Ort. Ich war offen gestanden sehr oft vor den Dreharbeiten hier. Ich liebe den Ort und finde es nach wie vor enorm, welche Modernität diese Architektur in sich trägt. Wir haben das riesen Glück, dass viel Dinge hier in Dessau und in Weimar, bis hin zu den wenigen „Bauhaus“ Villen erhalten geblieben sind. Das trägt viel zur Wertigkeit des Films bei.

Wenn ich mir die Entwicklung des deutschen Films in den letzten Jahren anschaue, geht es stetig bergauf. Wir sind allein bei den Streaming-Portalen, wie Netflix und Co mit vielen unserer Produktionen sehr stark vertreten und eine Art Vorreiter. Sehen sie diese Entwicklung eher positiv oder negativ?

Ich sehe es auf jeden Fall positiv und war früh davon überzeugt, dass die online-Streamingdienste auch eine große Chance bedeuten. Wenn Filme hochwertig gemacht sind, und davon gibt es zahlreiche in der deutschen Produktionslandschaft, dann haben diese auch große Erfolgschancen auf dem internationalen Markt. Das haben auch unsere UFA-Produktionen, darunter z.B. „Nackt unter Wölfen“, „Charité“, „Ku‘damm“, „Deutschland 83“ sowie für „Unsere Mütter, unsere Väter“, gezeigt. Früher waren es die Skandinavier, die mit ihren Scandi-Noir Krimis die Fernsehlandschaft geprägt haben. Im Augenblick sind verstärkt deutsche Stoffe im Ausland gefragt. Das freut mich natürlich sehr.

Nico Hofmann Produzent und UFA-CEO

Nico Hofmann brennt für seine Arbeit. Zahlreiche erfolgreiche Filme hat er bereits produziert. Foto: Marcus Höhn

 

Nico Hofmann wurde 1959 in Heidelberg geboren. Als Regisseur, Produzent, Drehbuchautor und Geschäftsführer der UFA hat er bereits zahlreiche erfolgreiche Filme produziert. „Der Medicus“, „Nackt unter Wölfen“, „Ku’damm 56 und 59“, „Unsere Mütter, unsere Väter“, sowie „Deutschland 83“ sind nur ein kleiner Auszug seiner umfangreichen Filmografie. Nico Hofmann ist ebenfalls in der Nachwuchsförderung tätig und lehrt an der „Filmakademie Ludwigsburg“ im Fachbereich „Szenischer Film“. Für seine Arbeit als Regisseur und Produzent wurde er mehrfach ausgezeichnet. Sein neues Werk „Bauhaus“ wird voraussichtlich im Frühjahr 2019 im Ersten ausgestrahlt. Mit dabei sind unter anderem Alicia von Rittberg, welche bereits in „Charité“ überzeugte und Jörg Hartmann („Tatort“). Im April erschien sein Buch „Mehr Haltung, bitte! Wozu unsere Geschichte verpflichtet“. Ein sehr lesenswertes Werk, welches verdeutlicht, warum es ohne eine Beschäftigung mit unserer Vergangenheit keine seriöse Gestaltung von Zukunft geben kann. Er selbst setzte sich mit seiner familiären Vergangenheit in Form von filmischer Inszenierung stark auseinander und legte dadurch wichtige Meilensteine für unsere Zukunft. Das Buch ist im C. Bertelsmann Verlag erschienen.

 

Kurzer Inhalt zum Buch:

Wachsender Rechtspopulismus, eine Nico Hofmann Produzent und CEO UFA-GmbH - Mehr Haltung bitte! Wozu uns unsere Geschichte verpflichtetVerrohung der öffentlichen und politischen Auseinandersetzung, die Angst vor einer Krise der Demokratie – für Nico Hofmann, einen der profiliertesten Akteure der europäischen Film- und Fernsehwelt, sind das gewichtige Gründe, sich gerade jetzt in die Debatte einzumischen, Haltung zu beziehen und diese im Alltag zu leben: Als Bürger, als Künstler aber auch als Chef der UFA, die als Deutschlands größter Produzent von Film- und Fernsehformaten die Medienlandschaft entscheidend mitprägt. Mit seinen Filmen hat Nico Hofmann zahlreiche aktuelle und vor allem zeitgeschichtliche Ereignisse des 20. Jahrhunderts für ein breites Publikum aufgearbeitet und mit großer emotionaler Wirkung erzählt. Oft waren diese Filme Massenereignisse, genauso oft wurden sie kontrovers diskutiert. Mit diesem Buch zieht er eine sehr persönliche Bilanz seiner Arbeit.

Mitarbeit: Thomas Laue
ISBN: 978-3-570-10305-0
€ 20,00 [D] | € 20,60 [A] | CHF 27,90* (* empf. VK-Preis)
Verlag: C. Bertelsmann

 

Weitere Informationen zum Film „Bauhaus“ gibt es auch im Interview mit den Darstellern Nina Gummich und Noah Saavedra. Ein Einblick zu den Dreharbeiten gibt es hier.