Interview des Monats

Josephin Busch im Interview des Monats: „Lucy wird etwas wagen“

Dreharbeiten zur achten Staffel „Letzte Spur Berlin“ haben begonnen

 

„Und bitte“ heißt es für das Schauspielensemble der ZDF-Krimiserie „Letzte Spur Berlin“ seit gut drei Wochen wieder. In und um Berlin haben die Dreharbeiten für die achte Staffel begonnen. Mehr als vier Millionen Zuschauer verfolgen regelmäßig die Fälle der Vermisstenstelle. Josephin Busch (31) verkörpert Kommissarin Lucy Elbe, ein typisches Berliner Girl. In einer Drehpause sprachen wir über die kommende Staffel und die Dreharbeiten am Rande Berlins.

 

Du drehst gerade mit dem Team die erste Folge der neuen Staffel. Wie waren die letzten drei Wochen für dich nach der langen Drehpause?

Es ist total schön wieder in die Rolle einzutauchen und alle wieder zu sehen. Wir drehen gerade am Stadtrand von Berlin. Der 90-Minüter spielt in einem kleinen Vorort in Berlin. In den Drehpausen sitzen wir gemeinsam, grillen und haben sehr viel Spaß miteinander. Ich finde es auch immer wieder sehr spannend, die neuen Kollegen, also die Episodenhauptrollen, und die jeweilig neuen Regisseure kennenzulernen.

Wie aufwendig sind die Vorbereitungen für die kommende Staffel für dich gewesen?

Da ich meine Rolle in den letzten drei Staffeln immer mehr gefunden habe, wird es einerseits weniger Aufwand, als bei der ersten Staffel. Dort hatte ich zu den klassischen Vorbereitungen, wie zum Beispiel Kostüm- und Leseprobe, Drehbuch lernen, noch ein SEK Training und ein Coaching bei einem Kriminalkommissar. Jetzt liegt der Schwerpunkt mehr auf der Drehbuch- und Fallvorbereitung. Das heißt, ich schreibe mir zu jeder meiner Szenen einen Szenenspiegel, damit ich immer weiß: Wo komme ich her? Was weiß ich schon über den Fall? Ich muss nicht nur immer die Szene parat haben, sondern auch den jeweiligen Ermittlungsstand. Was den Szenenspiegel angeht, bin ich ein richtiger Streber und sitze eine Woche vor den Dreharbeiten rund zwei Stunden pro Drehbuch dran. Ansonsten versuche ich auch immer frisch und neugierig zu bleiben, auch wenn ich Lucy jetzt schon länger kenne.

Der Szenenspiegel ist sicherlich eine gute Stütze für dich, denn die einzelnen Folgen werden meist nicht an einem Stück gedreht.

Ja, genau. Wenn wir außerhalb drehen, drehen wir meistens ein Motiv komplett ab, bleiben aber immerhin in der selben Folge. Drehen wir aber die Szenen im Präsidium, ist alles durcheinander. Sieht man uns zum Beispiel am Leuchttisch stehen, wo wir die Fälle analysieren, werden diese Szenen für drei Folgen hintereinander gedreht. Der Szenenspiegel hilft mir dann, schnell von einer Szene zur nächsten zu springen. Ich schaue kurz rein und weiß: Woher komme ich? Wie ist der Fall? Was weiß ich schon darüber?

Josephin Busch, Jasmin Tbatabai, Aleksandar Radenković und Hans-Werner Meyer während der Dreharbeiten zu "Letzte Spur Berlin"

Die Dreharbeiten am Leuchttisch – das Team der Vermisstenstelle (von links) Lucy Elbe (Josephin Busch), Mina Amiri (Jasmin Tabatabai), Alexander von Tal (Aleksandar Radenković ) und Kriminalhauptkommissar Oliver Radek (Hans-Werner Meyer) lösen einen Fall. Foto: ZDF/Oliver Feist

Eure Folgen haben meist außergewöhnliche Fälle. Wie bereitest du dich speziell auf diese vor?

Das ist unterschiedlich. Ich versuche meistens nicht schlauer als Lucy sein. Das heißt, wenn sie mit dem Thema nicht vertraut ist, arbeite ich mich ebenfalls nicht so tief in die Thematik ein. Kennt sie aber alle Gegebenheiten, eigne ich mir diese durch Recherchen an. Vor allem die Abläufe der Polizeiarbeit versuche ich mir immer wieder so gut wie möglich anzueignen, denn darin ist Lucy natürlich echt fit. Außerdem lese ich gerade ein Buch über die Mimik von Menschen und was sie uns verrät, das ist eine super Vorbereitung für die Vernehmungen. Gerade in einer Serie muss man wach und fleißig bleiben.

Wie sieht ein typischer Drehalltag bei dir aus?

Das ist oft unterschiedlich, aber meistens fange ich in der Regel sehr früh an. Werde um sechs oder sieben Uhr morgens abgeholt. Dann gehe ich in die Maske und Kostüm. Wenn noch Zeit ist, gibt es noch ein kurzes Frühstück, bevor der Dreh beginnt. Wie lange der Drehtag dauert, ist oftmals abhängig von meinen Bildern, in denen ich zu sehen bin. Für den 90-Minüter bin ich viel zu sehen und habe dadurch nicht so viele Pausen dazwischen. Meistens habe ich derzeit gegen 17 oder 18 Uhr Feierabend, wenn alles gut läuft. Manchmal drehen wir natürlich auch nachts und meistens kommt eh alles anders, als man denkt.

Pro Drehblock wechseln bei euch die Regisseure und die Kameraabteilung. Ist dies für dich schwierig oder eher einer Bereicherung?

Es ist ein wenig beides. Gerade, wenn man sich sehr gut versteht und die Arbeit sehr mag, ist es am Ende schwierig, sich voneinander zu verabschieden. Der Wechsel sorgt aber auch für Abwechslung und ich kann mir von den vielen wechselnden Kollegen etwas für meine weitere Arbeit rausziehen. Jeder bringt andere Ideen mit ein, was für die eigene und Serien Weiterentwicklung sehr bereichernd ist.

Wenn ich euer Team im Spiel sehe, verkörpert die Vermisstenstelle des LKA einen unheimlichen Teamspirit. Wie wichtig ist es, als Schauspielensemble vor der Kamera auch eine gute Teamarbeit zu leisten?

Ich glaube sehr. Natürlich kann man das alles spielen, aber ich glaube, eine echte Energie überträgt sich immer. Wir denken unheimlich viel im Team, keiner will sich in den Vordergrund stellen und wir versuchen, uns gegenseitig zu pushen. Wenn einer von uns zum Beispiel der Meinung ist, dass in der Szene die andere Figur etwas besser sagen oder verkörpern könnte, dann sprechen wir es an und setzen uns für den anderen ein. Das macht die Arbeit sehr angenehm, denn jeder von uns denkt in erster Linie an das Produkt am Ende und nicht an sich selbst. Ich finde es sehr belebend so zusammen zu arbeiten.

Josephin Busch, Hans-Werner Meyer, Jasmin Tabatabai und Aleksandar Radenković  drehen wieder für die ZDF-Erfolgsserie "Letzte Spur Berlin"

Wir dürfen uns auf elf neue Folgen freuen – das Schauspielensemble dreht noch bis Ende Januar 2019. Foto: ZDF/Oliver Feist

Das ist wahrscheinlich auch euer Erfolgsgeheimnis. Regelmäßig schauen euch mehr als vier Millionen Zuschauer zu. Für alle, die Lucy noch nicht kennen, kannst du sie bitte kurz beschreiben?

Lucy ist eine Berliner Frau, die ihr Herz auf der Zunge hat. Die eine totale Klarheit hat und auch durch ihren Instinkt die Fälle gut lösen kann. Sie hat eine gute Intuition und kommt aus einfachen Verhältnissen. Ihre Mutter wirft ihr vor, sie halte sich für was Besseres, weil sie zur Polizei gegangen ist, anstatt mal ihren Friseursalon zu übernehmen. Deshalb musste Lucy am Anfang sehr mit ihren Emotionen kämpfen, hielt die Menschen gerne auf Abstand und hat, was Beziehungen angeht, ein wenig Bindungsangst. Das Tolle an ihr ist, dass sie den Menschen auf Augenhöhe begegnet. Für sich selbst weiß sie allerdings noch nicht ganz, wo sie hin will.

Wird sie es in der kommenden Staffel wissen?

Lucy war in der letzten Staffel ungewollt schwanger von einem One Night Stand. Sie hat das Kind leider verloren, was für sie ein krasser Einschnitt war. Sie hatte sich nämlich für das Kind entschieden und war zum ersten Mal bereit, eine emotionale Bindung einzugehen. Das gab ihr einen kleinen Funken von Heimatgefühl. Lucy wird einen wichtigen Entwicklungsschritt wagen, um nicht mehr der „Lone Wolf“ zu sein, der alleine abends durch die Clubs zieht. Mehr möchte ich noch nicht verraten, aber die kommende Staffel wird spannend werden.

 

Seit 2015 ist die gebürtige Berlinerin in der ZDF-Erfolgsserie  „Letzte Spur Berlin“, als Kommissarin Lucy Elbe zu sehen. Gedreht wird noch bis Ende Januar 2019. Die Ausstrahlung der ersten Doppelfolge wird voraussichtlich im Februar 2019 erfolgen. Mit dabei sind wie gewohnt wieder Hans-Werner Meyer (Kriminalhauptkommissar Oliver Radek), Jasmin Tabatabai (Mina Amiri) und Aleksandar Radenković (Alexander von Tal). Die ersten Infos zum Inhalt gibt es hier, wir dürfen uns auf einen vielversprechenden Staffelstart freuen.

 

Josephin Busch
Foto: Alexander Hörbe

Josephin Busch – studierte Musical an der „Universität der Künste“ und absolvierte ihre Schauspielausbildung an der Schauspielschule “Fritz Kirchhoff Schule” in Berlin. Noch während der Ausbildung erhielt sie in Udo Lindenbergs Erfolgsmusical „Hinterm Horizont“ die Hauptrolle des Ostberliner Mädchens Jessy, die sie parallel zu Dreharbeiten für diverse Filme und anderen Engagements bis letztes Jahr verkörperte. Sie spielte im St. Pauli Theater Hamburg, auf den Ruhrfestspielen in Recklinghausen und im Renaissance Theater in Berlin. Ihr Filmdebüt hatte sie 2012 im ARD Zweiteiler “Der Turm” und ist seitdem, in zahlreichen Filmen zu sehen gewesen.