Cast & Crew

„Der Polizist und das Mädchen“ Hauptdarsteller – Albrecht Schuch: „Lügen lassen uns verkümmern“

Dorfkrimi der Extraklasse

 

Manchmal gibt es sie noch, die Dorfpolizisten auf einem wunderschönen malerischen Dorf, wo keiner das Böse kennt. Doch was passiert, wenn gerade die Menschen, die eigentlich für Recht und Ordnung sorgen sollen, plötzlich einen folgenschweren Fehler begehen? Albrecht Schuch (33. „Bad Banks“) verkörpert im neuen „ZDF-Fernsehfilm der Woche“ genau solch eine Figur – Martin Manz, den Dorfpolizisten, welcher die Tochter seines besten Freundes überfährt und sich danach in den Strudel der Lügen begibt. Wir sprachen in Hamburg über diese außergewöhnliche Rolle.

 

„Der Polizist und das Mädchen“ ist kein klassischer Krimi, den der Zuschauer im abendlichen Programm gewohnt ist. Was dachten Sie, als Sie das Angebot erhalten haben?

Schön, dass hierzulande mal ganz untypisch, nämlich ohne „Happy End“, eine Geschichte erzählt wird. Sie hat mich sofort gepackt.

Martin Manz ist für mich ein sehr geheimnisvoller Charakter, dem man eigentlich nicht zugetraut hätte, dass er Fahrerflucht begeht und den Unfall verheimlicht. Nach und nach begibt er sich in einen Strudel voller Lügen. Am Ende sitzt Miriam, die Tochter seines besten Freundes, im Rollstuhl. Wie haben Sie Ihre Figur erlebt?

Ich habe Martin als jemanden kennengelernt, der erst mal per se nichts Böses hat. Wir erleben ihn als Mensch, der aufgrund eines Unfalls auf seine Art und Weise mit diesem Vorfall umgeht. Spannend war für mich, das Gefühl zu erleben, wie er sich verändert. Er lügt immer mehr und glaubt irgendwann das eigene Konstrukt, was er sich zurechtgelegt hat. Er glaubt, dass es rechtens ist, wie er handelt. Wir sehen im Verlaufe, wie etwas in ihm verkümmert. Martin verliert einen Teil seiner Liebe, schneidet seine Moral ab und schnürt sein Herz zu.

Eigentlich sollte er aufgrund seiner Berufung für Recht und Ordnung sorgen. Stattdessen handelt er nicht regelkonform.

Er bricht seinen Amtseid und gerät auf einem korrupten Weg. Bei der Schlussszene verteidigt er es aus der Insel der Normalität heraus. Gibt es ein Problem? Nein. Wir können aber sehen, wie immer wieder alles droht, aufzufliegen und er sich wieselhaft einem Versteckspiel aussetzt.

Albrecht Schuch und Aylin Tezel in "Der Polizist und das Mädchen"

Martin Manz (Albrecht Schuch) erwartet ein Kind. Seine Frau (Aylin Tezel) ahnt nichts von dem Vorfall. Foto: ZDF/Bernd Schuller

Die Verfilmung von Rainer Kaufmann ist eine ganz andere Art der Darstellung einer Figur. Wir erleben alltägliche Dinge und sehen dadurch, wie Martin sich immer mehr in den Abgrund befördert.

Das ist wirklich sehr speziell. Da zieht jemand aufs Dorf, um Polizist zu werden. Martin ist sozusagen der Jogi Löw der Dorfgemeinde, der König, der sich kümmert und sich sehr für die Dorfgemeinde engagiert. Auf den man sich permanent verlassen und um Hilfe bitten kann, selbst, wenn es nur die klemmende Markise am Haus ist. Er macht alles und alle sagen: Der Martin, das ist ein guter. Mit diesem Bild brechen zu dürfen, hat mir unheimlichen Spaß gemacht und war dennoch eine große Herausforderung.

Inwiefern war dies für Sie eine Herausforderung?

Zum einen musste ich viel darüber nachdenken, was könnte die Person gegenüber wissen? Wie würde Martin jetzt reagieren? Was kommt als Nächstes, um seinen Fehler zu vertuschen? Zum anderen erleben wir Martin bei all den alltäglichen Dingen, wie zum Beispiel das Essen mit der Familie. Der Zuschauer kann ihn bei allem auf Schritt und Tritt verfolgen. Zu sehen, wie er sich weiter durch seine Lügen verändert. Das macht es spannend und ist eine ganz besondere Art des Zeigens.

Albrecht Schuch und Lilli Biedermann in "Der Polizist und das Mädchen"

Oft besucht er (Albrecht Schuch) die Tochter (Lilli Biedermann) seines besten Freundes am Krankenbett. Foto: ZDF/Bernd Schuller

Wie wichtig ist für Sie Ehrlichkeit?

Ich persönlich bin immer für die Aufrichtigkeit und Wahrheit, weil ich der Meinung bin, dass alles andere dazu führt, dass man innerlich verkümmern könnte. Lügen machen etwas mit dir. Sie verändern dich.

Sie haben ein unheimliches Talent, das Geheimnisvolle, Skrupellose und Düstere aus ihren Figuren herauszuholen. Dies bedarf sicherlich einer intensiven Arbeit mit Ihrer Rolle. Kann dies auch zum Verhängnis werden?

Ja, deshalb habe ich diverse Taktiken entwickelt, wie ich am Ende eines Drehtages aus meiner Rolle komme.

Albrecht Schuch in "Der Polizist und das Mädchen"

Eine Geheimnisvolle, Skrupellose und Düstere Figur – Albrecht Schuch spielt sie phänomenal.  Foto: ZDF/Marco Nagel

Wie sehen diese Taktiken aus?

Ich habe verschiedene Rituale, eine Art Schatzkiste, aus der ich für mich die verschiedenen Dinge nach einem langen Drehtag nutze, um abschalten zu können. Leider lernten wir dies nicht in der Schauspielausbildung, was zur Folge für mich hatte, dass ich sehr schlecht nach einem Dreh abschalten konnte. Eine Art Rollendusche nach einem Drehtag ist deshalb unerlässlich für mich.

Filme können manchmal sehr gut zum Nachdenken anregen. Was sollte der Film bestenfalls bei dem Zuschauer auslösen?

Ich glaube, dass der Zuschauer durch den Film eigene Situationen finden und als Gleichnisse gegenüberstellen kann. Sich selbst fragt, wie würde ich damit umgehen? Je mehr gelogen wird, umso schlimmer wird es am Ende. Je weniger man aufrecht ist, umso verkorkster wird die Situation. Dann wird es gefährlich, traurig und bösartig. Wenn der Film dazu anregt, ehrlicher miteinander umzugehen, wäre dies sehr schön.

 

Albrecht Schuch ist am 24. September 2018 um 20:15 Uhr in dem einzigartigen Dorfkrimi im ZDF zu sehen. „Der Polizist und das Mädchen“ ist für jeden Krimi-Fan ein Muss. Nicht nur durch eine sehr gut gezeichnete Hauptfigur und eine absurde Handlung fällt das Abschalten schwer. Schon bald dreht Schuch wieder für die zweite Staffel der ZDF-Erfolgsserie „Bad Banks“, in der er den Bänker Adam Pohl verkörpert. Die Liebe zur Schauspielerei entdeckte er schon früh in der Schule. Zusammen mit seinem besten Freund, dem Dokumentarfilmer Levin Peter, stellte er den Unterrichtsstoff oftmals in Videos oder Theaterstücken dar. Für ihn war deshalb schnell klar, dass er auf die Theaterbühne und vor die Kamera gehört.

 

„Der Polizist und das Mädchen“

Martin Manz (Albrecht Schuch) ist in seinem Dorf beliebt. Er kümmert sich mit dem Dorfarzt (Günther Maria Halmer) um seinen senilen Vater (Friedrich von Thun) und liebt seine schwangere Frau (Aylin Tezel). Doch Martin verschweigt allen, dass er die Tochter seines besten Freundes (Johannes Allmayer) überfahren hat. Nach und nach beginnt das Versteckspiel und er verliert sich selbst im Sog der Lügen.