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„Smallfoot“ Synchronsprecher – Kostja Ullmann: „Synchronisieren ist eine große Herausforderung“

Ab nächster Woche im Kino

 

Kostja Ullmann (34) überzeugt nicht nur vor der Kamera, auch dahinter ist er als Synchronsprecher ein echtes Talent. In dem außergewöhnlichen Animationsfilm „Smallfoot“ leiht er dem Yeti „Migo“ seine Stimme. Er sprach mit uns über die Herausforderungen des Synchronisierens.

 

Herr Ullmann, „Smallfoot“ ist Ihr dritter Animationsfilm, den Sie synchronisieren. Wie haben Sie sich dieses Mal auf den liebevollen und chaotischen „Migo“ vorbereitet?

Groß vorbereiten konnte ich mich nicht, da ich vorab nicht die Drehbücher bekomme. Ich durfte mir den Film bei der Ankunft im Studio im Original anschauen. Dort werden mir dann auf einem Monitor Take für Take die einzelnen Sätze der Szene angezeigt und ich spreche diese ein. Vorab kann ich zwar ein paar Sprach- und Körperübungen machen, aber alles ergibt sich eigentlich während des Synchronisierens.

Worauf ist besonders zu achten?

Es muss alles synchron mit der Figur sein. Dann muss man sehr viele Emotionen in die Stimme legen, was für einen Schauspieler völlig irrelevant ist, da er viel mit der Körpersprache ausgleichen kann. Wenn Migo zum Beispiel aufsteht, muss der Zuschauer diese Anstrengung in meiner Stimme hören können.

Wie setzen Sie dies genau um?

Man kann es sich so vorstellen, dass ich im Studio versuche alles genauso umzusetzen wie der Yeti auf der Leinwand. Das kann dann irgendwann schon sehr albern aussehen. Vor allem weil Migo extrem viel Stürzt und Schmerzlaute von sich gibt. Aber was macht man nicht alles für die Kunst.

„Migo“ schreit wirklich sehr viel. Wie anstrengend war dies für Ihre Stimme?

Sehr, da ich kein gelernter Sprecher bin. Als Schauspieler lege natürlich immer alles rein und bin dann nach drei Takes heißer (lacht). Deshalb haben wir die ganzen Schreiszenen am Ende des Tages synchronisiert, um später am Abend die Stimme zu schonen und am nächsten Morgen wieder fit zu sein. Es war unheimlich anstrengend für die Stimmbänder, hat aber unheimlichen Spaß gemacht.

Kostja Ullmann synchronisiert "migo" in "Smallfoot"

Die Stimmbänder wurden täglich überreizt – Kostja Ullmann gab alles im Studio. Foto: 2018 Warner Bros. Ent./André Mischke

Haben Sie ein Geheimrezept, wie sich die Stimmbänder schnell erholen?

Ich dachte eigentlich immer, dass man Ingwer Tee trinken soll. Ein anderer Sprecher teilte mir dann während einer Pause mit, dass man wirklich nur einen trinken darf, sonst greift es irgendwann die Stimmbänder an. Danach behalf ich mir mit heißem Wasser mit Honig und war dementsprechend Stammgast auf der Toilette (lacht).

Gab es eine Szene, die Sie besonders zum Verzweifeln gebracht hat?

Nicht wirklich. Wenn ich mal nicht weiterkam, schob der Regisseur erst einmal eine andere Szene dazwischen. Es kann passieren, dass man manche Wörter so häufig spricht, dass man irgendwann den Sinn dahinter nicht mehr versteht. Wenn man zum Beispiel 30-mal hintereinander das Wort „Tasse“ eingesprochen hat, weiß man irgendwann nicht mehr was es bedeutet und wie man es überhaupt ausspricht. Bevor man dann verrückt wird, zieht man andere Texte vor (lacht).

Wie sah ihr Alltag während des Einsprechens aus?

Auf dem Weg ins Studio habe ich ein paar Sprachübungen zum Aufwärmen der Stimmbänder gemacht. Gegen zehn Uhr haben wir angefangen zu synchronisieren. Nach sieben Stunden war mein Tag dann schon zu Ende. Wenn du die ganze Zeit nur sprichst, schreist und rumhampelst, reicht es dann auch irgendwann (lacht). Insgesamt haben wir vier Tage synchronisiert.

Sie haben früher auch viel auf der Theaterbühne gestanden. Ist das Synchronisieren schwerer?

Beides ist für mich eine Herausforderung, da ich es nicht regelmäßig mache. Es fällt mir aber schwer die beiden Dinge zu vergleichen da ich auf der Bühne bisher nur sehr schwere Stoffe gespielt habe. Das Synchronisieren von so großen Animationsfilmen ist so ziemlich das Gegenteil davon. Also die perfekte Mischung.

Für mich gab es viele Szenen, bei denen ich Tränen gelacht habe. Als zum Beispiel „Migo“ den Menschen wie ein Spanferkel grillt. Wie schafften Sie es, sich nach einem Lachanfall während des Einsprechens wieder zu beruhigen?

Das ist echt schwierig, wenn man einmal an einer Stelle anfängt, richtig zu lachen, passiert dies meistens auch in der Wiederholung. Auf dem Weg zu diesem einen Satz hin denkt man immer wieder, ich kann nicht mehr, ich muss gleich wieder lachen. Bei mir gab es mehrere extreme Ausfälle. Das zeigt aber wie gut das Buch zu diesem Animationsfilm geschrieben wurde.

Kostja Ullmann synchronisiert "Migo" in "Smallfoot"

Kostja Ullmann hat bereits drei Animationsfilme synchronisiert, doch dieser war besonders für ihn. Foto: 2018 Warner Bros. Ent./André Mischke

In welcher Szene hatten Sie den größten Lachanfall?

Extrem viel lachen mussten wir bei den Szenen in der Migo gefühlte minutenlang fällt und Schmerzlaute von sich gibt. Bei mir kamen manchmal Geräusche heraus, die ich so noch nie von mir gehört habe und schon gar nicht geplant hatte.

„Migo“ hat ein großes Problem, dass ihm keiner glaubt, einen Menschen gesehen zu haben. Erinnern Sie sich an solch ein Erlebnis, wo Ihnen keiner glaubte?

Als ich als Kind zum ersten Mal ein Trike gesehen habe, konnte ich nicht glauben was ich da sehe. Keiner meiner Freunde wollte mir glauben, dass ich ein Motorrad mit drei Rädern gesehen habe. Ich brauchte mehrere Tage um zu beweisen, dass es damals ohne Internet gar nicht so einfach war. Ich kann Migos Verzweiflung also gut nachvollziehen.

Auf was darf sich der Kinozuschauer besonders freuen?

Auf eine wirklich besondere Geschichte, mit einer sehr schönen Message am Ende. Nämlich, dass es darum geht, keine Angst vor dem Fremden zu haben und Dinge zu hinterfragen. Zudem erinnert mich der Film sehr an die Filme, welche ich als Kind geschaut habe. In denen wurde immer gesungen und getanzt. Dadurch wird eine super Stimmung im Kino transportiert, die lange nicht mehr zu erleben war.

Sie haben für „Migo“ auch zum ersten Mal gesungen?

Nein, da wurde ich zum Glück unterstützt. Es soll sich ja auch für den Zuschauer gut anhören (lacht).

Kostja Ullmann synchronisiert "Migo" in "Smallfoot"Beim Synchronisieren ist der volle Körpereinsatz wichtig. Foto: 2018 Warner Bros. Ent./André Mischke

Ab dem 11. Oktober 2018 verleiht Kostja Ullman („Mein Blind Date mit dem Leben“) im Animationsfilm „Smallfoot“ dem Yeti „Migo“ seine Stimme. Der Zuschauer darf sich auf ein außergewöhnliches Kinoerlebnis mit einem hohen Lachfaktor freuen. Wie die Arbeit im Tonstudio genau aussieht, kann man sehr schön im unteren Video sehen.

Videomaterial: 2018 Warner Bros. Ent. Schnitt: Sabrina Heun

Und so klingt dann am Ende das Ergebnis.