Cast & Crew

„Nord Nord Mord“ Hauptdarsteller – Peter Heinrich Brix: „Man nimmt immer ein Stück von sich mit in die Rolle“

Personalwechsel im Norden

 

Clüver geht – Sievers kommt. Am Montag ist Personalwechsel im Norden und Peter Heinrich Brix (63) (Carl Sievers) verstärkt absofort das Team von „Nord Nord Mord“. Wir sprachen mit dem Schauspieler über seine lange, beeindruckende Karriere, die Liebe zur Insel Sylt und die Leidenschaft zum Schauspiel.

 

In der ersten Folge „Sievers und die Frau im Zug“ präsentiert sich der Nachfolger von Theo Clüver (Robert Atzorn) sehr geheimnisvoll. Wie würden Sie den besonderen Charakter Ihrer Figur beschreiben?

Er ist eine schwer verdauliche Kost, ein wenig spröde, kein Sympathieträger und manchmal gerade heraus. Sievers kommt aus Kiel und mag die Sylter Szene überhaupt nicht. Die Kollegen Feldmann und Behrendsen hatten sich beide für den Posten beworben und somit ist es kein guter Start für alle. Da darf der Zuschauer gespannt sein, wie das Team sich zurechtrüttelt und wo die Reise mit ihnen hingeht.

Ein kleiner Konkurrenzkampf zu Beginn. Wie wird sich das Team entwickeln?

Ich glaube nicht, dass man von Konkurrenzkampf sprechen kann. Schließlich ist durch seine Fachkompetenz die Stellung geklärt. So, wie es auch im Leben ist, werden sie sich aufeinander eingrooven. Es sind ja alles für sich Instanzen und loyale Menschen. In einer der kommenden Folgen wird es jedoch eng werden und sie müssen entscheiden, wie sie sich intern verhalten. Da stoßen sie schon ein wenig an ihre Grenzen.

Oliver Wnuk (Hinnerk Feldmann) und Julia Brendler (Ina Behrendsen) sind ein eingespieltes Team und von Anfang an dabei. Wie war der Einstieg für Sie?

Ich kenne Oliver schon von anderen Dreharbeiten und zu Julia braucht man eigentlich nichts zu sagen, sie ist schon eine Instanz. Beide harmonieren sowohl vor der Kamera, als auch dahinter sehr gut miteinander. Für mich ist es eine große Freude, mit ihnen zu drehen.

Oliver Wnuk, Julis Brendler uind Peter Heinrich Brix in "nord Nord Mord"

Das neue Team im Norden – von links: Hinnerk Feldmann (Oliver Wnuk), Ina Behrendsen (Julia Brendler) und Carl Sievers (Peter Heinrich Brix). Foto: ZDF/ Marion von der Mehden

Wie sahen die Vorbereitungen für Ihre Rolle aus? Haben Sie die alten Folgen mit Ihrem Vorgänger angeschaut?

Ich lerne gerne das ganze Drehbuch vorher. Da bin ich sicherlich auch beknackt und old fashioned (lacht). Zumindest brate ich alles an, ohne, dass es hochkochen kann. Somit hast du bei Planänderungen eine gewisse Ruhe und behältst den Bogen. Wenn du intensiv arbeitest, kommst du automatisch auf die Rolle, weil man sie aus sich heraus aufbaut. Ich habe mir die alten Folgen natürlich angeschaut, aber da Sievers sehr gegensätzlich zu Clüver ist, benötigt man dies eigentlich nicht. In dem Fall ist es, wie im wahren Leben – einer geht und einer kommt. Meine Aufgabe besteht jetzt darin, die Situation zu bedienen. Ich trete das Erbe mit großem Respekt und Spielfreude an.

Welchen Bezug haben Sie zur Insel Sylt?

Ich war früher oft als Fußballspieler auf Sylt, spielte beim TSG Scheersberg als Abwehrspieler. Es gab damals drei Vereine: TSV Westerland, Tinum und später SC Norddörfer. Wir haben auf Sylt immer sehr gerne gespielt.

Eine Art Heimspiel jetzt für Sie?

Sylt ist ein toller Ort und ein schöner Platz zum Drehen. Man kann auf der Insel sehr schön Fahrrad fahren, was ich sehr gerne mache. Man kann sich aber auch verlaufen und Ecken finden, wo man keine Menschenseele um sich rum hat. Nicht umsonst fahren viele gerne hier her.

Peter Heinrich Brix in "Nord Nord Mord"

Auch Privat kommt Peter Heirnich Brix gerne nach Sylt. Foto: ZDF/Marion von der Mehden

Sievers isst gerne Käsebrote. Gibt es etwas, was Sie gemeinsam haben?

Die mag ich gar nicht. Man nimmt immer ein Stück von sich mit in die Rolle. Also hat er auch ein paar Eigenschaften von mir.

Sie haben sich erst mit 34 Jahren für das Schauspielen entschieden. Vorher waren Sie Landwirtschaftsmeister und betrieben einen großen Bauernhof. Was war der Auslöser für Ihre Schauspielkarriere?

Das war ein Einakter bei der Feuerwehr. Ich war damals 28 Jahre alt und die Feuerwehr in meinem hundert Seelen Dorf wollte das Stück „Der schlaue Peter“ aufführen und ich bekam die Hauptrolle. Das Spiel machte mir große Freude und ich wollte es unbedingt weiterhin ausüben.

Wie ging Ihr Weg dann weiter?

Dann habe ich versucht, bei der „Niederdeutschen Bühne“ in Flensburg unterzukommen. Sie wurde damals mit 700.000 D-Mark von der Stadt subventioniert und hatte ein relativ hohes Level. Es gab einen hauptamtlichen Direktor und sehr guten Regisseur namens Curt Timm. Ich habe sehr viel von ihm gelernt. Es gab eine Studio Bühne und einen alten Gewölbekeller, wo rund 100 Besucher reinpassten. Wir führten die deutschen Übertragungen von „Pinter“, „Kleist“ und „Brecht“ auf. Für mich waren es sechs sehr intensive Jahre, neben der Arbeit in der Landwirtschaft hatte ich bis zu fünf Premieren im Jahr. Was hieß, jeden Abend nach der Arbeit noch Proben oder eine Aufführung.

Das klingt nach einem sehr langen Tag, wenn man bedenkt, dass der Landwirt meist seinen Tag um fünf Uhr morgens beginnt.

Ja, und dann bist du irgendwann Anfang 30 und stellst fest, dass der Tag nur 24 Stunden hat, du aber immer eigentlich 40 Stunden brauchst (lacht). Dann musste ich mich entscheiden. Ich gab die Verantwortung für den Hof in andere Hände.

Sie haben keine klassische Ausbildung absolviert. Eher nach dem Prinzip „Learning by Doing“ sich alles angeeignet.

Ja, ohne die sechs Jahre an der „Niederdeutsche Bühne“ Flensburg hätte ich es nicht geschafft. Später war ich dann noch bei der Professorin Annemarie Marks-Rocke. Sie ist die Gründerin der „Staatlichen Schauspielschule Hamburg“ gewesen.

Bei ihr sollen die ganz großen Schauspieler gewesen sein. Wie lief der Unterricht bei ihr ab?

Sie war damals schon über 90 Jahre alt. Für mich hat es jemand eingefädelt, weil bei ihr wirklich nur die großen Schauspieler ein- und ausgingen. Ich werde es nie vergessen, eine kleine Frau saß vor mir auf ihrem Stuhl und ich wusste genau, wenn ich ihr nur das Geringste vormache, werde ich bei ihr nie Fuß fassen. Dann habe ich ihr meine Lebensgeschichte erzählt und was ich vorhabe. Und sie sagte: „Nun ja, ein kühner Sprung.“ Sie zog ein Schulheft raus und wir begannen (lacht). Drei Jahre ging ich zu ihr und wir haben zumindest bei meiner Sprache Schadensbegrenzung hinbekommen.

Sie haben einen Dialekt, den ich seit rund 30 Jahren sehr gerne höre. Ich finde, er macht Sie besonders und schenkt Ihnen einen Wiedererkennungswert.

Ja, er ist ein stückweit zu meiner Identität geworden.

Nach all den Jahren und zahlreichen Figuren. Gibt es eine Rolle, die Sie gerne noch spielen möchten?

Sievers kommt dem schon sehr nahe. Weg von der Komik, wie ich sie sonst habe. Die Figur gefällt mir sehr gut und eine Reihe sowieso. Ich kann nicht genau sagen, was ich noch spielen möchte. Manchmal fällt einem noch was vor die Füße, wo man sagt: Das mache ich noch. Vor Kurzem habe ich zum Beispiel mit Maren Kroymann Sketche gedreht. Für eine Länge von dreieinhalb Minuten haben wir 24 Einstellungen an einem Drehtag gedreht. Diese Arbeitsbedingungen und diese Frau waren super.

Peter Heinrich Brix in "Nord Nord Mord"

Carl Sievers  – für Peter Heinrich Brix eine Traumrolle. Foto: ZDF/Marion von der Mehden

Was machen Sie eigentlich, wenn Sie mal nicht vor der Kamera stehen?

Mein Privatleben ist relativ unspektakulär. Ich kümmere mich um meinen Garten und hacke mein Holz gerne selbst.

Die Folge „Nord Nord Mord – Sievers und die Frau im Zug“ wurde an 23 Drehtage gedreht. Bis Mitte November laufen die Dreharbeiten für zwei weitere Folgen auf Sylt.  Doch bevor wir diese genießen können, dürfen wir am 15. Oktober 2018 um 20:15 Uhr im ZDF erst einmal Carl Sievers kennenlernen. Einen spannenden Charakter, der auf den zweiten Blick das Herz am rechten Fleck trägt.

„Nord Nord Mord – Sievers und die Frau im Zug“

Hauptkommissar Carl Sievers (Peter Heinrich Brix) übernimmt als Nachfolger von Theo Clüver die Dienststelle der Sylter Kriminalpolizei. Seine neuen Mitarbeiter Ina Behrendsen (Julia Brendler) und Hinnerk Feldmann (Oliver Wnuk) stehen ihm skeptisch gegenüber, zumal sich beide selbst Hoffnung auf den freigewordenen Posten gemacht hatten. Doch Sievers hat keine Zeit für Befindlichkeiten: Auf der Insel wird die Leiche eines Oberkommissars der Kieler Schutzpolizei gefunden. In seinem Hotelzimmer finden die Kommissare 30.000 Euro und eine Kamera mit Bildern eines Gastronomen, der unter Verdacht steht, mit Drogen zu dealen.