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„Jenseits des Spiegels“ Hauptdarstellerin – Julia Hartmann: „Ich spiele gerne das Extreme“

Ein Thriller der Extraklasse

 

Selten gibt es Thriller, welche mit ihrem Horror ähnlichen Zügen einen erschaudern und auf der Couch zusammenzucken lassen. Am kommenden Donnerstag wird in der Debütreihe Nordlichter des NDR genau solch ein Film gezeigt. „Jenseits des Spiegels“ ist packend und fesselnd von der ersten bis zur letzten Minute. Einen großen Beitrag trägt die Hauptdarstellerin Julia Hartmann (33) dazu bei. Wir sprachen mit ihr über die außergewöhnliche Inszenierung von Regisseur Nils Loof.

 

Frau Hartmann, Ihr neuer Film „Jenseits des Spiegels“ ist ein packender Mystery-Thriller, der mich nach der ersten Betrachtung noch einige Zeit gedanklich sehr beschäftigte. Wie erging es Ihnen, als Sie zum ersten Mal das Drehbuch gelesen haben?

Ich bekam das Drehbuch damals erst spät abends zugeschickt und fing an, dies vor dem Schlafengehen zu lesen. Nach der ersten Hälfte habe ich mich so sehr gegruselt, dass ich das Weiterlesen doch lieber auf den nächsten Tag verschoben habe. Die Geschichte hat mich sofort gefesselt und ich war von meinen Figuren „Julia“ und „Jette“ total fasziniert. 

Sie spielen überwiegend „Julia“, welche mit dem Tod ihrer Schwester „Jette“ zu kämpfen hat. Ihr Gesundheitszustand schwindet rapide und sie zeigt plötzlich Schizophrene Symptome. Wie haben Sie sich auf diese Figur vorbereitet?

Ich bin zum Coaching zu Theresa Albert von „Die Tankstelle“ in Berlin gegangen und wir haben uns bewusst der Figur erstmal technisch genähert.  

Wie dürfen wir uns das Coaching vorstellen?

Jemanden zu verkörpern, der depressiv ist, ist keine leichte Angelegenheit. Deshalb haben wir hierfür verschiedene Übungen ausprobiert. Wir haben viel über Atmosphären erarbeitet, ich stelle mir beispielsweise vor Beginn der Szene vor, die Luft im Raum füllt sich mit „Panik“. Bei einer anderen Übung stelle ich mir eine eisblaue Sonne vor, die von dichtem Nebel verdeckt wird. Das wirkt erstmal absurd, die Übungen funktionieren natürlich alle über die Imagination und wenn man sich drauf einlässt, funktioniert es.

„Julia“ leidet zunehmend an Wahnvorstellungen, wird aggressiv und ist der Meinung, dass ihr Sohn von Dämonen befallen ist.  Sie haben gerade sehr schön geschildert, wie man sich in solch eine Rolle einfindet, aber wie kommt man nach dem „Cut“ wieder heraus?

Einfach wegklatschen – total simpel und sehr effektiv. Das habe ich auch schon vor Jahren auf der Schauspielschule gelernt. Wenn ich merke, dass mir die Stimmung der Rolle noch nachhängt, atme ich tief aus, klatsche zweimal in die Hände und schüttle es anschließend weg. Klingt verrückt – aber es wirkt. 

Könnte man also sagen, dass die größte Anstrengung beim Dreh das Umswitchen aus der Rolle heraus war?

Eher eine Herausforderung. Julia lebt mit ihrem Mann und Sohn auf dem Hof ihrer Schwester Jette. Sie ist davon überzeugt, dass sie sich nicht wie alle annehmen, das Leben nahm. Ihr Zustand wirkt dadurch düster und trostlos. Deshalb waren wir bedacht, nach dem Cut schnell in den Humor zu wechseln. Nicht nur, weil wir den elfjährigen Oskar von Schönfels, der meinen Sohn Niko verkörpert, mit am Set hatten. Wir empfanden es als Entspannung zwischen den Takes viel zu lachen, um uns immer wieder locker zu machen. 

Regisseur Nils Loof sorgt mit seiner Inszenierung für viele Schreckensmomente. Worin liegt für Sie in solchen Szenen die größte Herausforderung?

Nils Loof ist ein guter Techniker, er hat ein großes technisches Wissen. Für mich bestand die Herausforderung darin, unter diese technischen Aspekte meine Emotionen zu legen. 

Was braucht für Sie ein guter Horror oder Thriller Film?

Mich reizt es, wenn mit der Psyche gespielt wird und ich nicht alle Antworten serviert bekomme. Bei diesem Film ist uns dies meiner Meinung nach gelungen.  Ich finde es von der ersten bis zur letzten Minute sehr spannend.

Überwiegend spielen Sie in einem düsteren alten Bauernhaus, abgelegen am Wald. Nur das Atelier von „Julia“ war ein heller Raum. Wie wichtig war für Sie dieses Szenenbild, um sich in Ihre Rolle hineinversetzen zu können?

Das Szenenbild hilft mir neben der Maske und dem Kostüm natürlich sehr, um mich in die Figur hineinzuversetzen. Dazu muss man wirklich sagen, dass dieses Haus auch in der Realität eine sehr düstere Atmosphäre hatte. Unser Hotel in Bad Bevensen hat generell etwas sehr Geheimnisvolles und Mysteriöses für mich gehabt, da es etwas abgelegen ist. Ich erinnere mich auch noch sehr gut an die Nächte im Hotel. Da wir im Januar und Februar dort waren, war es nicht ausgebucht und sobald nachts etwas knarrte, schreckte ich schon des Öfteren mal auf (lacht).

Was machen Sie eigentlich, wenn Sie mal nicht drehen? 

Ich unterstütze Organisationen, wie die PETA und setze mich gegen Massentierhaltung, für Flüchtlingshilfe und einen nachhaltigen Lebensstil ein. Generell versuche ich in meiner Freizeit, entschleunigt zu Leben. 

Das heißt Handy – und Social-Media-Fasten?

Ja, bewusst schalte ich mein Handy ab und lasse nur zu bestimmten Zeiten Anrufe oder Nachrichten durch. Nachts ist es generell aus. Ich achte auch  darauf, die Dinge nach und nach abzuarbeiten und versuche bewusst, auf Multitasking zu verzichten. Mir ist es zum Beispiel auch sehr wichtig, viel mit dem Fahrrad zu fahren. Gerade, wenn ich drehe, achte ich immer darauf, mir eins auszuleihen. 

Seit Ihrem elften Lebensjahr stehen Sie vor der Kamera. Was war der Auslöser?

Es waren viele Faktoren. Meine Mutter war Tänzerin und mein Vater Dramaturg am Theater. So hatte ich schon sehr früh einen engen Bezug zur Künstlerwelt. Irgendwann nahm mich eine befreundete Schauspielerin der Familie mit zu einem Casting für Kinder und ich wurde genommen. Da für mich sehr früh klar war, dass ich Schauspielerin werden will, ging ich gezielt den Weg und begann mit 18 Jahren meine Schauspielausbildung. Ich genieße es bis heute, diesen Beruf auszuüben.

Julia Hartmann

Julia Hartmann hat ihren Traumberuf gefunden. Foto: Niklas Vogt

Julia Hartmann drehte rund 24 Tage für den Film „Jenseits des Spiegels“, welcher am 01. November 2018 um 22:00 Uhr im NDR ausgestrahlt wird. Die Rolle der „Julia“ ist eine ihrer bisher besten Leistungen. Packend und berührend zugleich – sie zieht den Betrachter mit ihrer Arbeit von der ersten bis zur letzten Minute in den Bann. Derzeit dreht die Schauspielerin für den ARD Filme „Käthe und ich“ und „Schon wieder für immer“ (AT). Anfang des Jahres steht sie an der Nordsee für den Kinofilm „Friesen am Limit“ vor der Kamera. Wir dürfen uns also noch auf viele weitere Filmprojekte mit der Berlinerin freuen. 

 

„Jenseits des Spiegels“

Julia zieht mit ihrer Familie auf den abgelegenen Hof ihrer verstorbenen Schwester. Trotz der grauenvollen Erinnerung erhofft sie sich eine Aussöhnung mit ihrer traumatischen Vergangenheit. Doch für Julia bleibt ihre Schwester Jette allgegenwärtig. Sie glaubt schon bald, ihre Stimme zu hören und hegt zunehmend Zweifel an dem vermeintlichen Suizid. Julia versucht herauszufinden, was in den letzten Tagen vor Jettes Tod geschehen ist und identifiziert sich immer mehr mit ihr. Auf Felix wirkt das Verhalten seiner Frau zunehmend befremdlich. Als ihr Sohn Niko in den Wald geht, scheint er nicht mehr als derselbe zurückzukehren. Sein Verhalten gegenüber Julia wird immer feindseliger. Sie glaubt, dass nur noch eine letzte Verzweiflungstat sie alle retten kann. Aber das Böse hat viele Gesichter. Einen kleinen Trailer gibt es hier.