Cast & Crew

„Soko München“ Hauptdarstellerin – Bianca Hein: „Menschlichkeit und Empathie macht uns besonders“

Neue Folgen starten

 

Seit 2006 gehört Bianca Hein (43) zum Cast der „Soko München“. Nun starten die neuen Folgen im ZDF. Wir blickten in einem gemeinsamen Gespräch mit der Schauspielerin zurück auf die letzten Jahre und erfuhren so einiges über die Dreharbeiten.

 

Frau Hein, Sie sind seit 2006 bei „Soko München“ als Katharina Hahn zu sehen. Wie hat sich die Serie in den letzten Jahren verändert?

Als ich anfing, drehten wir noch auf Film und 20 Folgen. Jetzt ist alles digital, man hat weniger Zeit zum Drehen und 25 Folgen müssen pro Jahr in den Kasten. Außerdem sind wir mittlerweile mehr Leute im Cast, so werden diverse kriminaltechnische Disziplinen auf Fachleute verteilt.

2016 änderte sich der Titel von „Soko 5113“ in „Soko München“. Wie haben Sie diesen Wechsel erlebt?

Es gab einen neuen Vorspann und jetzt sieht man zwar noch die Hackerbrücke, aber nicht mehr den berühmten Mann, der vor dem viel zu langsam fahrenden Verfolgerfahrzeug über diese berühmte Brücke mitten in der Nacht rennt. Das „München“ im Seriennamen finde ich okay. Ich fand die vier Ziffern, von denen früher niemand so richtig wusste, was sie bedeuteten, immer charakteristischer, individueller für diese besondere Serie, die für mich zum Inventar des deutschen TV gehört. Und mir fehlt die Originalmusik.

Mit dieser Änderung wurde auch die Erzählstruktur anders. Man nutzte die horizontale Struktur, welche in den USA bei den erfolgreichen Krimiserien angewendet wird. Im Umkehrschluss bedeutet dies für Ihre Figur, dass Sie tiefer gezeichnet werden kann. Empfinden Sie solch eine Änderung als Bereicherung für Ihr Spiel?

Ja, auf jeden Fall. Das gehört ja eigentlich zum Kern des Schauspiels, dass man sich als Künstlerin oder Künstler umfangreich mit seiner Figur, die man spielen soll, auseinandersetzt. Sie versucht, in ihrer Tiefe zu erfassen und sie zu begreifen. Wo kommt sie her? Was sind ihre Stärken? Und, viel spannender, was sind ihre Schwächen? Wie kann ich sie menschlich und natürlich interpretieren? Wie kann ich ihr aber auch noch etwas Besonderes geben? Daher war das sehr erfrischend und herausfordernd, als wir eine Zeitlang parallel zu den eigentlichen Fällen noch durchgehende private Plots mit richtigen Konflikten erzählt haben. Das hat glaube ich die Zuschauer näher an die Figuren gebracht.

Das Cast der "Soko München" - von links:  Christofer von Beau, Bianca Hein, Gerd Silberhauer, Joscha Kiefer, Amanda de Gloria

Das Team der „Soko München“ – von links: Christofer von Beau (Franz Ainfachnur), Bianca Hein (Katharina Hahn), Gerd Silberbauer (Arthur Bauer), Joscha Kiefer (Dominik Morgenstern), Amanda de Gloria (Antonia Bischoff). Foto: ZDF/Markus Sapper

Perfektion, Zuverlässigkeit, Selbstkontrolle und Erfolgszwang prägen Katharina Hahn. Wie geht es mit ihr in der kommenden Zeit weiter?

Ein gewisser Grad an Perfektion und Gradlinigkeit treffen auf Katharina durchaus zu, aber auch durch ihre Kinder ist sie um einiges entspannter geworden. Manchmal passt eben doch nicht alles unter einen Hut und die Kollegen müssen beim Leichenfund in der Nacht schon mal auf sie verzichten. In der neuen Staffel darf sie verdeckt in einem Mutter- Kind Zentrum ermitteln. Eine Folge, auf die ich mich persönlich sehr freue!

Was macht das „Soko“ Team besonders?

Als ich zur Soko kam, gab es eine goldene Regel. Da hieß es, dass in der Serie Kommissare gezeigt werden, die Menschen sind, wie du und ich. Und die auch in einer verdächtigen Person, die einem im Vernehmungsraum gegenübersitzt, erstmal den Menschen und nicht den oder die mögliche Täterin sehen. Daher denke ich, dass es diese Menschlichkeit und Empathie ist, die das Team besonders macht.

Wie dürfen wir uns Ihren klassischen Drehalltag vorstellen?

Um 07:00 Uhr werde ich abgeholt, danach Maske und Kostüm am Drehort, meist gegen 09:00 ist dann Drehbeginn. Wenn es gut läuft, ist um 19 Uhr Drehschluss. Aber das mit den Zeiten ist flexibel, mal muss ich für mehr, mal für weniger Szenen am Tag am Drehort sein. Und ich bin auch nicht jeden Werktag vor Ort. Aber zuhause wird auch intensiv gearbeitet, 25 Drehbücher im Jahr müssen gut vorbereitet sein. Das kostet auch sehr viel Zeit.

Was ist Ihr Geheimrezept, um nach einem langen Drehtag abzuschalten?

Nachdem ich die Hausaufgaben meiner Tochter angeschaut und meinem Sohn vielleicht noch etwas vorgelesen oder Gute-Nacht-Lieder gesungen habe: Zeitung lesen. Das holt einen dann wieder in die Realität zurück. Das ist teilweise auch sehr bitter, aber es ist auch echt, keine Fiktion, echte Konflikte. Etwas, über das ich mit meiner Familie sprechen und diskutieren kann.

Bianca Hein

Bianca Hein gehört seit Jahren zum Cast der Erfolgsserie. Foto: Dorothee Falke

Nach so langer Zeit bei der Serie – sicherlich ist Ihnen die ein oder andere witzige Drehpanne passiert. An welche erinnern Sie sich gerade?

Ich musste mal bei einer Verfolgungsjagd an der Isar zwischen Nacktbadern einen Verdächtigen verfolgen. Das war für sie gefährlicher als für mich. Ich habe mich gefühlt, als müsste ich Slalom zwischen rohen Eiern laufen.

Was sind Ihrer Meinung, die Zutaten für einen packenden Krimi?

Die Protagonisten muss ich als Zuschauerin oder Leserin nicht mögen, aber sie müssen mich absolut faszinieren. Das gilt sowohl für die Ermittlerfiguren, Opfer, Angehörige und die Täter. Außerdem blicke ich gerne schon auch durchs Schlüsselloch in eine Welt, in ein Milieu, das mir als Normalo völlig unbekannt ist. So bilde ich mir ein, noch etwas dazu lernen zu können. 

Sie drehen und Leben in München. Wo halten Sie sich am liebsten auf?

Ja, mei, München ist so eine schöne Stadt, zu jeder Uhrzeit, da mag man sich fast überall gern aufhalten. Ich bin gern an der Würm, im Schlosspark, im Resi, im Nationaltheater, bei den Pinakotheken und rund um den Marienplatz, von dem sternartig die Fußgängerzonen abstrahlen, findet man fürs Auge schon recht viel Mondänes.

Worauf dürfen sich die Zuschauer in den neuen Folgen freuen?

Wie gewohnt wird das bei den Zuschauern beliebte Ermittlerteam wieder alles daran setzen, in jeder Menge neuer, spannender Fälle aus und um die bayerische Hauptstadt die Bösewichte dingfest zu machen.

Gerd Silberbauer, Franziska Ball und Bianca Hein in "Soko München - Tod im Schweinestall"

Arthur Bauer (Gerd Silberbauer, links) und Katharina Hahn (Bianca Hein, rechts), befragen eine Zeugin (Franziska Ball, mitte). Foto: ZDF/Markus Sapper

 

Der erste Fall „Tod im Schweinstall“ wird am 05. November 2018 um 18:00 Uhr im ZDF ausgestrahlt. Es geht um die Aufklärung eines Mordes einer Abiturientin und das Team stößt an seine Grenzen. Für alle, die in alten Erinnerungen schwelgen möchten – in der ZDF-Mediathek gibt es noch jede Menge spannende frühere Folgen.