Cast & Crew

„Großstadtrevier“ Hauptdarstellerin – Maria Ketikidou: „Gerechtigkeit ist eine Emotion“

Spezialfolge zur ARD-Themenwoche „Gerechtigkeit“

 

Am kommenden Montag geht’s wieder los im 14. Revier in Hamburg. Anlässlich der ARD Themenwoche „Gerechtigkeit“ startet die Kult-Serie „Großstadtrevier“ mit einer Spezialfolge, bei der erstmals die Zuschauer über das Ende abstimmen dürfen. Eine wichtige Rolle spielt in dieser Folge Maria Ketikidou (52), welche seit rund 25 Jahren als Polizeihauptmeisterin „Harry Möller“ zu sehen ist. Wir sprachen mit ihr über die alten Zeiten und überlegten: Was ist eigentlich gerecht?

 

Frau Ketikidou, Sie sind seit 25 Jahren in der Serie „Großstadtrevier“ zu sehen. Wie war eigentlich Ihr Casting damals?

Ich spielte 1993 die Hauptrolle „Katharina“ in dem ARD-Format „Sterne des Südens“ und wurde dadurch für das Casting eingeladen. Sie suchten eine neue Partnerin für Jan Fedder, da Mareike Carrière ausgestiegen war. Als ich dann den Raum mit meiner Uniform betrat und eine Szene mit Jan spielen sollte, merkte ich sofort, dass sich alle umdrehten, damit sie mir nicht ins Gesicht lachen mussten. Durch meine zierliche Körpergröße sah ich für sie in der giftgrünen Uniform ziemlich albern aus (lacht). Jan und ich harmonisieren aber so gut miteinander, da wir uns von früheren Dreharbeiten kannten, dass wir am Ende gemeinsam eine Rolle konzipierten. Und so entstand die Zivilfahnderin „Harry Möller“.

Wenn Sie an Ihre erste Folge denken, was fällt Ihnen spontan ein?

In der Einführungsfolge von Harry haben wir ihre Vereidigung als Polizistin gezeigt. Diese Veranstaltung findet immer im Hamburger Rathaus statt und wir drehten damals live bei einer richtigen Vereidigung. Ich lernte, genau wie die anderen Polizeischüler, den Eid aufzusagen und erinnere mich noch ganz genau daran, dass Jürgen Roland auf meine Unterwäsche damals noch das Polizeiwappen hat aufnähen lassen, was im Original gar nicht so ist, aber es war ein riesen Spaß. So wurde ich als Polizistin vereidigt (lacht).

Haben Sie eigentlich nach so langer Zeit immer noch engen Kontakt zu Polizisten, die Ihnen den ein oder anderen Hinweis zu Ihrer Rolle geben?

Nach so langer Zeit bekommt man schon Routine. Wir haben aber nach wie vor in der Wache oder bei besonderen Einsätzen echte Polizisten in der Komparserie. Thorsten Käufer oder Michael Much sind zwei Polizisten zum Beispiel, die mich schon ewig begleiten. Sie sind von der Wache 25 und ich war schon viel mit Ihnen auf Streife. Natürlich bekam ich auch am Anfang ein Schießtraining, aber nach all den Jahren wird es zur Routine und wenn mal etwas vielleicht nicht richtig im Drehbuch steht, korrigiere ich es dann sogar (lacht).

Wie dürfen wir uns das vorstellen?

Manchmal stimmen die Abläufe nicht ganz, was natürlich verständlich ist, da ein Autor oder Regisseur nicht so in der Materie ist wie wir. Man muss zum Beispiel bei einer Festnahme erst einmal abchecken, ob der Täter eine Waffe dabeihat. Wenn also laut Drehbuch zum Beispiel diese Figur erstmal eine Taschenlampe in die Tasche steckt, geht das nicht, denn er könnte eine Waffe ziehen. Deshalb muss es immer erst heißen: „Hände hoch!“ Bei solchen Kleinigkeiten muss ich dann immer sagen, dass es so nicht geht. Grundsätzlich ist es aber so, dass ich immer bei Unklarheiten meine bekannten Polizisten anrufe und sie frage, wie ich es am besten umsetzen kann. Ansonsten unterstützt uns bei schwierigen Verhaftungsszenen unser Stuntkoordinator Ronny Paul oder wir werden gedoubelt.

Maria Ketikidou, Peter Fieseler und Ruth  Marie Kröger in "Großstadtrevier"

Harry (Maria Ketikidou, links) befragt zusammen mit ihrem Partner Piet (Peter Fieseler, Mitte) eine Verdächtige (Ruth  Marie Kröger, rechts). Foto: ARD/ Thorsten Jander

Sie gehören also zu denen, die sich langfristig vorbereiten?

Auf jeden Fall. Für mich ist es ein Kredo, dass alles so gut wie es geht stimmig und dadurch so originalgetreu wie nur möglich ist. Natürlich ist es manchmal schwierig, dies in 45 Minuten umzusetzen. Die Polizei lobt uns aber oft, dass wir ein Format sind, welches ihre Arbeit sehr originalgetreu darstellt. Das freut mich natürlich sehr.

Ist dieses detailverliebte Arbeiten das Erfolgsgeheimnis der Serie?

Es ist zumindest ein Erfolgsgeheimnis, dass wir nach all den Jahren wie eine große Familie zusammengewachsen sind. Natürlich gibt es immer Fluktuationen vor und hinter der Kamera, aber nach so langer Zeit haben wir immer noch einen harten Kern, der sich regelmäßig trifft. Erst kürzlich haben wir wieder alle gemeinsam bei Jan auf dem Hof mit Kaffee und Kuchen gesessen und uns Anekdoten erzählt. Wir haben einen riesen Spaß bei unserer Arbeit, aber legen dabei auch Wert auf eine hohe Professionalität.

Das heißt, den Teamspirit, den wir als Zuschauer in der Serie immer zu sehen bekommen, pflegen Sie auch privat?

Ja, ohne den wäre ich auch ehrlich gesagt nicht mehr dabei. Es ist eine Lebenszeit, die man investiert und deshalb ist es unheimlich wichtig, dass es im Berufsleben harmonisch ist. Durch die Einsparungen in der Produktion, wie zum Beispiel das Kürzen der Drehtage, ist es manchmal sehr anstrengend. Umso wichtiger ist es, dass wir viel Spaß an der Arbeit haben.

Wenn Sie auf all die Jahre zurückblicken. Was hat sich Ihrer Meinung nach positiv in der Serie verändert?

Ich finde es positiv, dass man nicht hausbackene Geschichten erzählt, welche nicht ganz zeitentsprechend sind. Dass wir mit dem Zeitgeist gehen und uns immer wieder neu erfinden, dadurch den Zuschauer überraschen und nicht stehenbleiben.

Krimi, Comedy und Drama – das „Großstadtrevier“ bedient viele Genres. Welches mögen Sie am liebsten?

Ich mag es persönlich immer am meisten, wenn es um etwas geht. Wenn der Fall Tiefe, eine gewisse Ernsthaftigkeit und viel mit Empathie zu tun hat. So wie in unserer kommenden Folge „Eine Frage der Gerechtigkeit“, wo man genau sieht, dass das Herz am rechten Fleck ist. So etwas mag ich sehr.

Maria Ketikidou und Greta-Elise Meyer in "Grostadtrevier"

Eine schwierige Entscheidung steht Harry (Maria Ketikidou, rechts) bei ihrem neuen Fall am kommenden Montag bevor. Hört sie auf ihr Herz oder handelt sie nach den Vorschriften? Die Zuschauer dürfen am Ende entscheiden. Foto: ARD/Thorsten Jander

Dieser Fall entspricht sehr der Realität. Ein Bau-Guru hat Menschen um ihre Existenz gebracht und bereichert sich selbst. Das gibt es leider heute sehr oft in verschiedenen Varianten.

Ja, das stimmt leider. Als ich damals noch zur Schule ging, gab es zum Beispiel auch schon eine Baufirma, die sich Häuser zu eigen machte und die Leute rausekelte, um am Ende die Wohnungen sehr teuer saniert wieder zu vermieten. Auch im Hinterhof in der Bernstorffstraße 117 in Hamburg haben wir gerade ein ähnliches Beispiel, wo Berliner Großinvestoren eine seit über 30 Jahren bestehende Gemeinschaft und Ihren kulturellen Lebensraum zu zerstören drohen. Dieses Thema ist also aktueller denn je, leider.

Zum ersten Mal dürfen am Montag die Zuschauer über den Ausgang bestimmen, was ich persönlich sehr spannend finde. Somit nimmt der Zuschauer Harry eine schwere Entscheidung ab. Was bedeutet Gerechtigkeit für Sie?

Das ist eine schwierige Frage, weil ich finde, dass es ein persönliches Empfinden ist, was man gerecht findet. „Recht“ ist vom Gesetz her geregelt, „Gerechtigkeit“ ist eine Emotion. Man empfindet ein Ungerechtigkeitsgefühl, das man selbst gerne beseitigen möchte.

Was finden Sie ungerecht und bringt Sie so richtig auf die Palme? Gibt es ein Thema, was Sie gerade sehr beschäftigt?

Ich kann leider jede Menge aufzählen, was ich gerade ungerecht finde. Leute, die im Pflegebereich sind, werden zu gering bezahlt. Für sie müsste man einen Mindestlohn anlegen, der deutlich höher als der jetzige ist. Dann der Diesel-Skandal – es kann doch nicht angehen, dass Firmen gut wegkommen und der Bürger dafür zahlen muss? Auch die Geschichte mit dem Hambacher Forst, wo eines unserer größten Waldstücke in NRW für den Braunkohleabbau fast komplett weichen soll. Meiner Meinung nach ist dies alles Lobby-Politik und dies sind nur ein paar banale Beispiele, an denen man merkt, wie ohnmächtig man als Bürger ist. Solche Sachen finde ich ungerecht, die bringen mich nicht nur ein bisschen auf die Palme. Willy Brandt hat einmal gesagt: Politik taugt nur etwas, wenn sie das Leben der Menschen besser macht. Ich fände es wichtig, dass die Regierung mal anfängt, Politik für Bürgerinnen und Bürger zu machen. Das ist im jetzigen politischen Zeitgeschehen ein wichtiger Punkt und wird hoffentlich bald umgesetzt.

Zum Abschluss – was erwartet uns in der kommenden Staffel?

Es passieren viele spannende Sachen in der neuen Staffel, die eine wirklich „explosive“ Mischung bietet. Vor allem ist es wichtig, vom Anfang bis zum Ende der Staffel dranzubleiben, denn es wird ein paar Einschnitte zu sehen geben, die man so nicht erwartet. 

Swetlana Schönfeld, Justus Johanssen,  Leonie Landa, Greta-Elise Meyer und Maria Ketikidou in "Großstadtrevier

Wie wird sich Harry (Maria Ketikidou) entscheiden? Gibt sie der Familie (von links: Swetlana Schönfeld, Justus Johanssen, Leonie Lande) ihre Tochter (Greta-Elise Meyer, zweite von rechts) oder nicht? Foto: ARD/Thorsten Jander

 

Maria Ketikidou verkörpert Polizeiobermeisterin Hariklia „Harry“ Möller seit der 64. Folge in der achten Staffel (1994). Die Erste Folge „Großstadtrevier“ wurde am 16. Dezember 1986 ausgestrahlt. Nun startet nach 420 Folgen am 12. Oktober 2018 die 32. Staffel mit der Spezialfolge „Eine Frage der Gerechtigkeit“. Die Episode ist der Auftakt zu 18 neuen Folgen und ein ganz spezieller Programmpunkt in der ARD-Themenwoche. Erstmals können die Zuschauer per Telefon oder der ARD Quiz App über den Ausgang der Folge entscheiden, wenn es für Harry Möller (Maria Ketikidou) um die Frage geht: Was ist eigentlich gerecht? Wie gewohnt natürlich um 18:50 Uhr im Ersten.

 

„Großstadtrevier – Eine Frage der Gerechtigkeit“

Der Traum vom Eigenheim endet für einige Hamburger in der Obdachlosigkeit, nachdem sie von einem insolventen Bauunternehmer um ihr Vermögen gebracht wurden. Mit Schlafsack und Zelt campiert die wütende Gruppe der Geschädigten jetzt auf der Baustelle des sich immer noch im Rohbau befindlichen Mehrfamilienhauses. Nina Sieveking (gespielt von Wanda Perdelwitz) und Daniel Schirmer (Sven Fricke) sollen die Baustelle räumen – keine leichte Aufgabe für die Polizisten des Polizeikommissariats 14, die mit den verzweifelten Menschen mitfühlen. Gleichzeitig häufen sich Überfälle auf verschiedene Betriebe. Dabei wird in einem Spielkasino der Kassierer schwer verletzt. Harry Möller (Maria Ketikidou) und Piet Wellbrook (Peter Fieseler) ermitteln und finden heraus: Der Chef der betroffenen Unternehmen ist auch der Boss der insolventen Baufirma. Plötzlich kommt auch wieder Bewegung in die Baustelle, denn es sind die Käufer selbst, die das Haus mit eigenen Händen fertigbauen wollen. Doch woher kommt auf einmal das Geld?