#throwback

#throwback mit Armin Rohde: „Ich muss es schmecken, riechen und ertasten können“

Großes „Nachtschicht“ Jubiläum

 

Heute darf Armin Rohde seinen 15. Fall in der „Nachtschicht“ feiern. In einem langen Gespräch blickten wir mit dem Schauspieler zurück auf die Anfänge der Kult-Krimi-Reihe im ZDF und seine beeindruckende Karriere.

 

Oktober ist Regenzeit in Hamburg und wie sollte es auch anders kommen, zu unserem Termin mit Armin Rohde (63) bekamen wir es dicke ab. Regen, Sturm und knacken kalt – doch der Schauspieler erschien mit bester Laune im Hotel „Grand Elysée“ wo wir verabredet waren. Mit dabei natürlich seine Kamera, eine „Sony Alpha 600“, denn im Anschluss sollte es gleich zur Premiere der 15. „Nachtschicht“ auf dem „Hamburger Filmfest“ gehen. Wer den Berliner kennt, weiß, dass er ein begnadeter und sehr guter Porträtfotograf ist, wie die Öffentlichkeit auf seinem Instagram Profil @arminrohde regelmäßig verfolgen kann. Dieses Jahr sind es 38 Jahre, in denen der Schauspieler sowohl im Theater, als auch vor der Kamera fungiert. Zeit, um zurückzublicken.

Back to the roots

Eigentlich müssen wir einem Hippie-Pärchen aus Amerika, welches Armin Rohde am 20. August 1977 per Anhalter mitnahm, danken. Denn hätten sie ihm damals nicht seine Spiegelreflexkamera Ausrüstung gestohlen, wäre er uns als Schauspieler wohl verwehrt geblieben. „Ich reiste damals ein Jahr lang durch die Staaten mit meiner geliebten Pentax Kamera. Als ich morgens bei dem Pärchen aus Wagen stieg, merkte ich, dass sie alles von mir geklaut hatten. Kein einziges Foto blieb mir von der Reise. Ich stand da und dachte mir nur: Hat der Liebe Gott wohl was anderes mit mir vor und ich werde eben doch kein Fotograf“, lacht Armin Rohde heute über den Vorfall. Das Abitur schloss er zuvor nicht ab. „Heute bin ich froh darüber. Sonst hätte ich wahrscheinlich wie alle anderen studiert.“

Der Platz an der „Essener Folkwang Schule“ veränderte Rohdes Leben. „Ich war vorher schrecklich undiszipliniert. Als ich dort aufgenommen wurde, war es wie ein Ritterschlag für mich. Es ist ein unheimlich schönes Erlebnis, wenn man plötzlich seinen Platz im Leben gefunden hat“, schildert der Schauspieler. „Ich konnte in den ersten beiden Jahren nicht verstehen, warum wir Semesterferien hatten. Ich sog alles nur so in mir auf und wollte lernen.“ Heute kann er auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken.

Als er sich das erste Mal auf der Kinoleinwand in der Komödie „Der bewegte Mann“ sah, wäre er am liebsten geflüchtet, gesteht der Schauspieler heute lauthals lachend. „Wie ich da in der Unterhose mit meinem dicken Bauch aussah. Ich wollte nur weg. Aber als am Ende die Zuschauer in der Premiere total begeistert waren, fand ich es grandios“. Er fügt jedoch hinzu: „Man muss als Schauspieler lernen, sich selbst zuzuschauen und nicht auf die Feinheiten des Aussehens zu achten, sondern eher auf sein Spiel. Ich muss genau schauen, dass mein Timing stimmt und dass ich den Raum gut nutze.“ Bis heute hat er in über 140 Filmen mitgewirkt und zehrt von der Erfahrung in verschiedenen Genres und Rollenpositionen gearbeitet zu haben.  „Ich bin sehr froh, dass ich nicht nur Hauptrollen gespielt habe. Denn ich möchte nicht immer im Mittelpunkt stehen, die Rolle muss zu mir passen, das ist wichtig.“

Sein Talent hat er bereits auch in sehr außergewöhnlichen Rollen unter Beweis gestellt, zum Beispiel als Räuber Hotzenplotz oder Albert Einstein. Doch welche Rolle ist nach all den Jahren im Filmbusiness die Traumrolle? „Ich brauche diese Superlative nicht. Ich spiele alles mit großer Freude und entdecke gerne neue Dinge.“ Auf Glamour könne er gerne verzichten. Bei der Auswahl der Rollen hat er bis heute ein klares Auswahlkriterium: „Wenn ich beim Lesen des Drehbuchs schon schmecken, riechen und ertasten kann, wie meine Szenen später beim Zuschauer landen könnten und sich bei mir gedanklich einbrennen, dann ist es perfekt.“

„Nachtschicht“ die 15.

Eine seiner bekanntesten Rollen ist die Rolle des Kommissars Erich Bo Erichsen in der Kriminalreihe „Nachtschicht“ von Regisseur und Drehbuchautor Lars Becker. Beobachtet man ihn bei seiner Arbeit genauer, gehört er eher zu den gutherzigen Kommissaren, die gerne auch mal im Hamburger Revier ein Auge zudrücken. 2002 wurde die erste „Nachtschicht“ Episode „Amok!“ gedreht, welche am 23. März 2003 von rund 6 Millionen Zuschauern vor den Bildschirmen verfolgt wurde und somit einen stolzen Marktanteil von 17,3 Prozent erzielte. In der Filmreihe ging es um den Ex-Roadie und -Häftling Randy Schlosser (Uwe Ochsenknecht, „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“), welcher sich mit acht Geiseln in einer Bankfiliale verschanzt. Schnell stellt sich heraus, dass dieser kein unbekannter für Erichsen ist und als eine der Geiseln noch als Trittbrettfahrer fungiert, nimmt das Ganze seinen Lauf. Mit dabei waren damals neben den Hauptdarstellern noch Charlotte Roche (Romanautorin, „Mädchen für alles“), Cosma Shiva Hagen („Männerhort“) und Florian Lukas („Das schweigende Klassenzimmer“). „Bis heute haben wir in jeder Folge die besten Kollegen in den Gastrollen. dies macht das Ganze wertvoller. Dass alle immer gerne zu uns kommen, ist ein Zeichen davon, dass wir einfach ein Qualitätsformat entwickelt haben.“

Christoph Letkowski, Minh-Khai Phan-Thi, Barbara Auer und Armin Rohde

Das vorherige Team  – von links: Christoph Letkowski, Minh-Khai Pan-Thi, Barbara Auer und Armin Rohde. Foto: ZDF/Hannes Kubach

Beim Hauptcast gab es in den letzten Jahren einige Änderungen. So ging Katharina Böhm („Die Chefin“) im Jahr 2005, welche in der Rolle Paula Bloom zu sehen gewesen ist, und Barbara Auer („Transit“) löste sie als Lisa Brenner bis heute ab. Auch die Partner von Erichsen wechselten. „Bis 2008 war Ken Duken an meiner Seite. Dann folgte Christoph Letkowski. Auch, wenn ich ihm nachtrauere, bin ich von meinem neuen Partner Teddy (Tedros Teclebrhan) sehr entzückt. Er ist schon eine Marke für sich.“ Der Macher des Erfolgsformat ist sowohl im Drehbuch, als auch in der Regie bei jedem Episodenfilm Lars Becker. „Er ist grandios und hat immer eine Engelsgeduld am Set, wo ich schon schreiend auf der Palme sitzen würde. Und das Allerbeste ist: Obwohl wir immer das gleiche Genre bespielen, schafft er es, unsere Episoden wie großartige Rockalben zu gestalten. Man weiß, es ist die eine Band, aber das Ergebnis klingt immer anders und überrascht.“ Auch die Jubiläumsfolge wird den Zuschauer überraschen. Jede Menge schwarzer Humor gepaart mit einer wahrhaftigen Geschichte, die es so in Hamburg auf der Reeperbahn geben könnte. „Ich liebe es, wenn wir jede Menge schwarzen Humor mit einfließen lassen können. Gerade bei dieser Folge haben wir sehr viel davon eingebaut“, schwärmt der Schauspieler.

Tedros Teclebrhan und Armin Rohde in

Die Dreharbeiten haben vor kurzem in Hamburg begonnen. Tedros Teclebrhan (links) und Armin Rohde (rechts) stehen für die 16. Reihe „Cash und Carry“ vor der Kamera. Foto: ZDF/Marion von der Mehden

Derzeit laufen die Vorbereitungen für die Dreharbeiten der 16. „Nachtschicht“, welche traditionsgemäß im kommenden Jahr auf dem „Filmfest Hamburg“ Premiere feiern wird. „ Der Dreh ist immer eine Herausforderung. Da sich bei uns viel in der Nacht abspielt, drehen wir im Herbst wenn es in Hamburg schön kalt und die Nächte lang sind. Wenn man dann nachts um drei irgendwo am Hafen, bei vier Grad, noch anderthalb Seiten Text aufsagen muss, versinke ich manchmal ein wenig in Selbstmitleid“, lacht der Schauspieler. Die Schauspielerei sei eine Nervenakrobatik, die es zu trainieren gilt. „Ich hatte einmal einen Dreh bei minus elf Grad in einem Hamburger Busbahnhof und eine starke Bronchitis. Absagen kann man nur sehr schlecht als Schauspieler, denn der Dreh ist so eng getaktet, da ist Fehlen unmöglich. Das Ergebnis war am Ende super, aber schon verrückt, was man sich manchmal alles zumutet.“

Wir dürfen also gespannt sein, wie es mit dem Vollblutschauspieler in den nächsten Jahren weitergehen wird und ob wir schon bald das zwanzigste Jubiläum der „Nachtschicht“ mit ihm feiern dürfen. „Wenn es nach mir geht, natürlich gerne. Am liebsten würde ich mal eine gruselige Episode drehen, wo Erichsen von den Geistern seiner Vergangenheit eingeholt wird“, schwärmt er.

Armin Rohde und Uwe Kockisch in Ein Szenenbild aus der Reihe „Nachtschicht – Blutige Stadt“ – Erichsen (Armin Rohde) und Revierleiter Neumann (Uwe Kockisch) ermitteln. Foto: ZDF/Stephan Piersch

Die Jubiläumsepisode „Nachtschicht – Es lebe der Tod“ wird am 12. November 2018 um 20:15 Uhr im ZDF ausgestrahlt. Mit dabei sind unter anderem Frederick Lau („Wuff – Folge dem Hund“), Natalia Wörner („Mata Hari – Tanz mit dem Tod“), Almila Bagriacik („4 Blocks“), Murathan Muslu („Vorstadtweiber“), Kida Khodr Ramadan („Nur Gott kann mich richten“) und Roland Koch (Tatort“). Für alle Krimi-Liebhaber und „Nachtschicht“ Fans ist die Episode ein Muss. Denn so viel schwarzen Humor gekonnt mit einer Ernsthaftigkeit zu zeigen, schafft nur das Cast der ZDF-Krimireihe und macht dies dadurch zu einem besonderen Filmerlebnis.