Cast & Crew

„Beat“ Hauptdarsteller – Jannis Niewöhner: „Wir haben alle eine Verantwortung“

Grandiose Rolle in neuer Amazon Thriller Serie

 

Jannis Niewöhner (26) überzeugte bereits in verschiedenen Rollen – als Ritter in „Maximilian – Das Spiel von Macht und Liebe“ oder als Prinz Charming in „High Society“. Er kann es einfach –einen in den Bann ziehen und dem Zuschauer dadurch Welten eröffnen, die man so vorher noch nicht erlebt hat. Am vergangenen Freitag startete sein neues Serienprojekt „Beat“ auf Amazon Prime. Dort verkörpert er den Berliner Partymacher Robert „Beat“ Schlag, dem so einige Hindernisse und Herausforderungen abverlangt werden. Am Rande der Premiere sprachen wir mit ihm über das Serienhighlight des Herbstes.

 

Herr Niewöhner, „Beat“ ist eine Serie, die einen sehr komplexen Erzählstrang hat und uns die Berliner Clubszene von einer Seite zeigt, die wir so noch nie gesehen haben. Im Vordergrund stehen nicht nur die Drogenszene, auch der Organhandel findet sehr viel Aufmerksamkeit – das Abschalten fällt schwer. Was braucht für Sie eigentlich eine gute Serie?

Für mich macht eine gute Serie aus, dass die Charaktere und die Entwicklung der Geschichte spannend genug sind, um sie über einen langen Zeitraum zu verfolgen. Bei einer Serie habe ich als Zuschauer die Möglichkeit, die Nebencharakteren besser kennenzulernen und entdecke dadurch sehr viele Welten. Den Fokus immer wieder zu wechseln und plötzlich bei einem anderen Charakter etwas Spannendes zu entdecken, macht es für mich spannend,  dranzubleiben. Dadurch komme ich in einen Binge-Watching-Effekt, was ein gutes Zeichen ist.

So erging es mir bei „Beat“. Ich switche von einem spannenden Charakter zum nächsten und dachte mir: Schlimmer kann es jetzt eigentlich nicht mehr werden – und es kam schlimmer. Verraten Sie uns Ihren Lieblingscharakter?

Ungern möchte ich jetzt nur einen hervorheben. Für meine Figur ist jedoch die Auseinandersetzung mit Philipp Vossberg sehr interessant. Er wird Teilhaber im Club und gewinnt eine gewisse Kontrolle über Beat und macht mit ihm, was er will. Meine Figur ist eher passiv, wird viel durch die Nebencharakteren bestimmt und reagiert auf das, was gerade passiert. Diese Auseinandersetzungen finde ich total spannend. Beat weiß ganz genau, dass er hochgefährlich ist und ihm nichts Gutes will. Trotzdem gibt es zwischen den beiden Momente, wo sie gegenseitig sympathisieren.

Jannis Niewöhner in "Beat"

Beat (Jannis Niewöhner) ist ein spannender Charakter, der so einige Geheimnisse verbirgt. Foto: 2018 Amazon.com, Inc. or its affiliates

Sie haben es gerade sehr schön beschrieben – Ihre Figur reagiert nur auf die Außenwelt. Wie haben Sie die Entwicklung von Beat erlebt?

Beat findet sehr langsam seine Verantwortung für die Welt und öffnet sein moralisches Empfinden für das Schlimme, was dort passiert. Das finde ich ganz spannend. Es ist etwas, was mit viel Nähe zu tun hat und ich denke, viele junge Menschen können sich damit identifizieren. Wenn plötzlich die erschaffene Welt, der Kosmos, in dem man funktioniert, auseinanderbricht und man sich neu zurechtfinden muss. Beat ist kein Actionheld und wird ziemlich hin- und hergeworfen. Für mich war es sehr spannend, diese Entwicklung miterleben zu dürfen.

Beat wird sehr von seinen zwei Freunden Paul und Jannick gestützt. Was macht für Sie eine gute Männerfreundschaft aus?

Viele Männer zeigen leider nach außen hin immer eine gewisse Härte und wollen eine Distanz wahren. Ich genieße es zum Beispiel unheimlich, wenn ich meinen guten Freund umarmen kann und wir uns auch mal raufen.  Dann ist es für mich natürlich auch sehr wichtig, dass ich Gefühle und Schwächen bei ihnen zeigen kann. Wenn mir die jemand zeigt, dann begeistert mich das und ich habe mehr Lust auf den Menschen. Ich habe noch drei sehr gute Freunde aus meiner Kindheit. Manchmal sehen wir uns sehr lange nicht und trotzdem ist dann immer alles beim Alten. Die Wertschätzung für dieses Grundgerüst, was man selber ist und in sich hat, sollte immer bleiben. Wichtig für eine gute Freundschaft ist auch, dass man sich gegenseitig auf dem Boden hält und auf sich aufpasst.

Wir sehen Sie zum ersten Mal mit einer Waffe und lernen Sie dadurch als Schauspieler von einer ganz anderen Seite kennen. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

Ich hatte ein Waffentraining. Es ist schon immer etwas Besonderes, denn mir wird in dem Moment immer das Ausmaß solcher Dinge bewusst. Gerade habe ich eine kleine Rolle gedreht, wo es einen Rückblick in den zweiten Weltkrieg gibt. Ich war in einer SS Uniform und um mich rum waren 80 italienische Komparsen und SS Männer. Das Gefühl, eine Waffe in der Hand zu haben oder eine SS Uniform zu tragen und dann am Set zu stehen, gibt dir nochmal ein ganz anderes Bewusstsein. Ich realisiere dann immer, dass leider wirklich solche Dinge passiert sind. Dass es wirklich Waffen gibt und man damit einen Menschen umbringen kann. Natürlich wissen wir das alle irgendwo, aber für mich bekommt es dadurch eine ganz andere Intensität und ich bekomme eine riesen Respekt davor.

Beat“ überzeugt mit einigen heftigen und schonungslosen Szenen. Welche Szene blieb Ihnen am meisten im Gedächtnis?

Die Clubszenen und vor allem die verschiedenen Extremitäten, die dort gezeigt werden. Das muss man schon erstmal verarbeiten. Generell war „Beat“ für mich ein intensiver und besonderer Dreh. Meine Figur ist überwiegend fertig, was einen schon ziemlich schlauchen kann auf Dauer.

Jannis nIewöhner in "Beat"

Gezeichnet von den Drogen und den exzesiven Partys – Beat (Jannis NIewöhner) verändert sich zusehnlich. Foto: Amazon.com, Inc. or its affiliates

Was machen Sie nach solchen intensiven Drehs, um abzuschalten?

Es staut sich an solchen Drehtagen immer sehr viel Energie auf und ich laufe oder schwimme dann sehr gerne, um diese loszuwerden. Nach dem Sport lege ich mich dann meistens ins Bett und der Kopf ist wieder frei für den nächsten Drehtag.

Was nehmen Sie aus der Produktion für sich mit?

Die Bewusstseinsentwicklung für die eigene Verantwortung. Das kann ich sehr gut mit mir vergleichen. In der Serie gibt es diese zwei Welten. Die eine nenne ich immer die reale Welt, in der alle Leben, die politischen und wirtschaftlichen Dinge passieren, die nicht wirklich jeder versteht. Es bietet einem ein Chaos, hinter das man manchmal nicht ganz blicken kann. Dann gibt es noch die Welt des Clubs. Sie bietet Freiheit und die Möglichkeit, sich von der realen Welt, die man nicht versteht, zu entfernen. Beat lebt das alles mit einer anderen Intensität aus als ich, aber ich kenne auch das Gefühl, vor Dingen wegzulaufen, die man nicht versteht. Wir alle sind Teil dieser Welt, haben eine Verantwortung und müssen herausfinden, was wir tun können, damit sie nicht zugrunde geht. Das beschäftigt mich schon sehr. Ohne jetzt ein Moralapostel zu sein, müssen wir glaube alle politischer werden. „Beat“ hat mich sehr zum Nachdenken angeregt. Ich finde, dass wir uns durch das Sehen dieser Geschichte durchaus verändern und einen besseren Blick auf das Wesentliche erhalten können.

Die Serie spielt hauptsächlich in Berlin und zeigt nicht nur, die schönen Seiten unserer Hauptstadt. Sie selbst Leben dort seit Jahren. Was bedeutet Ihnen die Stadt?

Es ist für mich der Ort, der es mir ermöglicht hat, von meinem geliebten zu Hause wegzugehen und meinen eigenen Weg zu finden. Ich habe dadurch eine gewisse Freiheit bekommen und konnte mich selbst nochmal ganz anders kennenlernen. Das ist für mich sehr wichtig und wertvoll gewesen.

Jannis Niewöhner in "Beat"

Jannis Niewöhner verkörpert den Partymacher Beat – so haben wir ihn noch nie gesehen. Foto: 2018 Amazon.com, Inc. or its affiliates

Welchen Ort muss man unbedingt in der Stadt gesehen haben?

Zwischen der Warschauer Straße und dem Ostkreuz gibt es eine Brücke, die über die Schienen läuft. Dort kann man über ganz Berlin schauen und den Sonnenuntergang genießen. Ein schöner Ort, wo sich immer sehr viele Menschen treffen.

Die Serie ist nicht nur für den deutschen Filmmarkt eine riesen Chance, auch für Sie als Schauspieler bietet sie eine Plattform, um sich international beweisen zu können. Was erhoffen Sie sich durch die Rolle in der Serie?

Für mich ist es sehr schön, bei diesem großen Serienprojekt dabei zu sein, weil ich glaube, dass diese Thematik viele Leute anspricht. Es gibt diese Club-Welt nur in Berlin und international wird es ein großes Interesse dafür geben. Für mich als Schauspieler erhoffe ich mir generell nie viel von einem Projekt und schaue lieber, was danach passiert. Kommen durch eine Rolle weitere Angebote, freue ich mich. Aber jetzt zu sagen, dass ich erhoffe, durch die Serie auch international große Erfolge zu feiern, mache ich bewusst nicht. Ich bin mit meinen Möglichkeiten in Deutschland sehr zufrieden und glücklich, lege deshalb auf internationale Produktionen eher nicht den Fokus.

Worauf dürfen die Zuschauer sich bei „Beat“ freuen?

Es ist ein sehr unterhaltsames und filmästhetisches Format, das uns mit einer Welt konfrontiert, die es wirklich gibt und wir so noch nicht sehen konnten. Außerdem geht es um Freundschaft, Familie, Liebe und Verantwortung, was ich sehr mag.

Die Serie „Beat“ ist am 09. November 2018 auf Amazon Prime gestartet und umfasst sieben Folgen, welche ein Abschalten aufgrund der komplexen und interessanten Erzählstränge nur sehr schwer ermöglicht. Neben Jannis Niewöhner sind Karoline Herfurth („Fack Ju Göhte“), Hanno Koffler („Die Dasslers – Pioniere, Brüder und Rivalen“), Kostja Ullmann („Mein Blind Date mit dem Leben“), Christian Berkel („Der Kriminalist“) und viele weitere deutsche Top-Schauspieler zu sehen. Regie führte Marco Kreuzpaintner („Stadtlandliebe“).