Cast & Crew

„Der Amsterdam-Krimi“ Hauptdarsteller – Hannes Jaenicke: „Undercover für das LKA – Traumjob“

Zwei grandiose Krimis im Ersten

 

Ab Donnerstag erwarten uns zwei packende Krimis im Ersten. Hannes Jaenicke (58) verkörpert den eigenwilligen LKA-Ermittler Alex Pollack. Wir sprachen mit ihm über die besondere Krimi-Reihe und seine Rolle.

 

Herr Jaenicke, „Tod in der Prinzengracht“ und „Auferstanden von den Toten“ sind zwei unheimlich spannende Krimis. Was sind Ihrer Meinung nach die Zutaten für einen perfekten Krimi?

In diesem Fall handelt es sich eher um Thriller als um klassische deutsche Krimis. Es gibt keine Leiche, keinen Kommissar, der nach seinem Auftritt fragt: „Wer war denn das?“ Dafür wenig Gequatsche und viel Suspense und Nervenkitzel. Und wir haben die Filme so gemacht, dass der Zuschauer höllisch gut aufpassen muss. Wer einmal aufs Klo geht oder Bier aus dem Kühlschrank holt, ist raus. Ein Krimi oder Thriller funktioniert dann am besten, wenn der Zuschauer Angst um seine Protagonisten und keine Ahnung hat, wie die Geschichte weiter- oder ausgeht.

Ihre Figur Alex Pollack ist ein sehr eigenwilliger LKA-Ermittler. Wie würden Sie ihn noch beschreiben?

Pollack war zu lange als verdeckter Ermittler in der schwerst-kriminellen Szene unterwegs, um Menschenfreund oder Idealist zu sein. Er redet nur das Nötigste, der Zweck heiligt seine Mittel, und sein Vertrauen in den eigenen Polizei- oder Staatsapparat hält sich so in Grenzen, dass er grundsätzlich sein eigenes Ding macht. Und zwar so, wie er es für richtig und zielführend hält. Weil er den Rechtstaat und die Direktiven seiner Vorgesetzten im Ernstfall ignoriert, ist er der Albtraum seiner Gegenspieler, in diesem Fall der feinen Herren der organisierten Kriminalität in Amsterdam. Er mag Tiere, selbst Insekten, lieber als Menschen und hat nur einen schwachen Punkt: die verdeckte Ermittlerin Katja, deren V-Mann-Führer er ist.

Er scheut kaum ein Risiko: Wie weit würden Sie während eines Drehs gehen?

Soweit es nötig ist, um einen guten, ungewöhnlichen Film abzuliefern.  Und soweit es die sog. Ausfallversicherung für Hauptdarsteller/innen zulässt.

Hannes Jaenicke in "Der Amsterdam-Krimi"

Alex Pollack geht gerne über die Grenzen. Foto: ARD Degeto/Martin Valentin Menke

Auch privat scheuen Sie manchmal kein Risiko und setzen sich sehr stark für eine saubere Umwelt oder den Tierschutz ein. Gab es mal eine Situation, in der es für Sie wurde? Wie haben Sie reagiert?

Wenn meine Partner und ich wissen, dass es ungemütlich werden könnte, arbeiten wir mit versteckten Kameras. Und wenn man in Kriegs- oder Krisengebieten dreht, kann man wahlweise beten oder auf das Glück des Tüchtigen vertrauen. Ich tue Letzteres. Wir machen die ZDF-Dokus seit 2006 und bisher ist meine fantastische 4-köpfige Crew immer weitgehend unversehrt nach Deutschland zurückgekehrt.

Alex Pollack kämpft mühelos seit Jahren gegen seinen Erzfeind. Ist es nicht manchmal besser, irgendwann die Dinge ruhen zu lassen?

Das kommt darauf an. Wenn du als verdeckter Ermittler jahrelang mit falscher Identität einen Schwerverbrecher gejagt hast, der aufgrund guter Anwälte und vermeintlicher Verfahrensfehler wieder frei herumläuft, und für diese Jagd dein Privatleben ruiniert und auch sonst alles geopfert hast, was Spaß macht im Leben, dann dürfte Aufgeben keine Option sein. Dann schläfst du erst wieder gut, wenn dieser Mann endlich hinter Gittern sitzt.

Alice Dwyer und Sascha Alexander Geršak in "Der Amsterdam-Krimi"

Ausgerechnet mit Pollacks Erzfeind lässt sich seine große Liebe ein (Alice Dwyer links und Sascha Alexander Geršak rechts). Foto: ARD Degeto/Martin Valentin Menke

Was ist das Gute an einer Krimireihe?

Dass man mit einem spannenden Unterhaltungsformat intelligente, brisante, auch politische Inhalte transportieren kann, ohne erigierten Zeigefinger oder Dogmatik.

Wenn Sie die Möglichkeit hätten, für Alex Pollack die Geschichte fortzuschreiben, wie würde es mit ihm weitergehen?

Wir arbeiten für den Fall, dass die ersten beiden Filme gute Quoten haben, schon lange an den Drehbüchern für Teil drei und vier.  Pollack wird ein internes Ermittlungsverfahren des LKA an die Backe kriegen, strafversetzt bzw. „stillgelegt“ werden, bis in Amsterdam ein deutscher Investigativ-Journalist umgebracht wird, der die Panama- und Paradise-Papers recherchiert hat. Daraufhin holt ihn sein niederländischer Kollege Bram, gespielt vom unverschämt begabten Fedja van Huet, aus der behördlich verordneten ‚Versenkung’ wieder nach Amsterdam, um gemeinsam den Mord und die damit zusammenhängende Korruption in der EU aufzuklären.

Sie durften durch Ihre Figur Undercover für das LKA arbeiten. Empfanden Sie die Arbeit eher als Traumjob oder Alptraum?

Mein bester Freund aus Schulzeiten war der Sohn des Chefs eines Mord- und Rauschgift-Dezernats, wie es damals hieß. Mit 17 habe ich mich beim BKA beworben, wurde wegen mangelnder Volljährigkeit aber abgelehnt. Ein weiterer Freund war Ausbilder bei der GSG 9 und hat lange als verdeckter Ermittler gearbeitet. Insofern würde ich klar mit „Traumjob“ antworten.

Hannes Jaenicke in "Der Amsterdam-Krimi"

Sehr ernst und distanziert wirkt Alex Pollack (Hannes Jaenicke). Ist er das wirklich? Foto: ARD Degeto/Martin Valentin Menke

„Der Amsterdam-Krimi“ mit Hannes Jaenicke in der Hauptrolle wird am 22. und 29. November jeweils um 20:15 Uhr im Ersten ausgestrahlt. Die beiden Krimis gehören zu den wenigen, die von der ersten bis zur letzten Minute so packend und spannend sind, dass ein Abschalten nicht möglich ist.