Cast & Crew

„Saat des Terrors“ Hauptdarsteller – Navid Negahban: „Ohne Deutschland wäre ich nicht der, der ich heute bin“

Investigativer Politthriller im Ersten

 

Navid Negahban ist endlich wieder in einer deutschen Verfilmung zu sehen. In „Saat des Terrors“ von Grimme-Preisträger Daniel Harrich spielt er einen Oberst, welcher beim pakistanischen Geheimdienst als Vermittlungsmann eingesetzt ist. Die Verfilmung basiert auf den Attentaten von 2008 in Mumbai. Wir sprachen mit ihm über seinen bisherige Karriere, diese wichtige Inszenierung und seine Rolle.

 

Herr Negahban, für Sie fiel schon als Kind die Entscheidung, Schauspieler zu werden. Was war der Auslöser?

Ich startete mit acht Jahren in der Schule und liebte es, die Menschen zum Lachen zu bringen. Deshalb wollte ich unbedingt Schauspieler werden. Wenn ich heute auf meine Karriere zurückblicke, ist es erstaunlich, dass ich einmal mit der Comedy begonnen habe, da ich überwiegend nur noch ernste Rolle spiele (lacht). 

Ihr Lebensweg ist sehr beeindruckend. Sie flohen mit 20 Jahren aus dem Iran über die Türkei und arbeiteten später in Kaiserslautern als Schauspieler. Wie kam es, dass Sie in die USA gingen?

Ich kam damals als Asylbewerber nach Deutschland. Mein erster Job war am „Rheinland-Pfalz Theater“ in Kaiserslautern, wo ich in dem Musical „Am Sonntag im Park mit George“ spielte.  Insgesamt habe ich dort viereinhalb Jahre gearbeitet und in vier verschiedenen Stücken gespielt. Nach acht Jahren zog es mich dann irgendwie in die USA, um dort Schauspieler zu werden.

Navid Negahban in "Saat des Terrors"

Verhandlungen zwischen dem westlichen und pakistanischen Geheimdienst. Oberst Kashif Bqri (Navid Negahban, zweiter links) übernimmt die Leitung der Verhandlungen. Foto: SWR/Diwafilm

Wie schwer war es, als Schauspieler dort Fuß zu fassen?

Es war sehr hart. Die ersten zehn Jahre habe ich nur hier und dar kleine Rollen gehabt, aber mehr ergab sich einfach nicht. Ich spielte dann bei einem Kurzfilmprojekt mit, welcher beim „Slamdance Film Festival“ gezeigt wurde und den Großen Preis der Jury gewann.  Bei einem weiteren Festival dem „Method Fest“, gewann der Film ebenfalls den Großen Preis der Jury und ich wurde als „Bester Schauspieler“ nominiert. Dies öffnete mir alle Türen, um nach Los Angeles zu kommen. Es war keine einfache Zeit und ich dachte mir jeden Tag: Es war ein Fehler, du musst zurück nach Deutschland gehen. Du probierst es noch einen Monat und du gehst zurück, wenn es dann nicht klappt. Nun lebe ich knapp 28 Jahre in Amerika (lacht).

Welche Unterschiede bemerken Sie zwischen den Filmproduktionen in Deutschland und den USA?

Die Crew in Deutschland ist viel kleiner, hat meistens einen sehr engen Zusammenhalt und ist dadurch eher familiär orientiert. Die Themen, an denen wir in Deutschland arbeiten, sind meistens tiefgründiger. In den USA ist alles sehr schnelllebig und die Dreharbeiten sind viel schneller. Aber ich gehe davon aus, dass es bald keine großen Unterschiede mehr geben wird. Die Industrie ist so klein und international geworden, dass sie sich über kurz oder lang vereinen werden. Ich hoffe es zumindest und genieße es immer wieder, in Deutschland zu arbeiten. Ohne Deutschland hätte ich nie die Chance gehabt, der Mensch zu werden, der ich heute bin.

Für mich sind Sie ein Schauspieler, der 1.000 Gesichter hat. Ich erkenne Sie oftmals erst auf den zweiten Blick, manchmal auch gar nicht, was für ihr großartiges schauspielerisches Talent spricht. Was muss ein Drehbuch für Sie haben, dass Sie „Ja“ sagen?

Es braucht unbedingt komplexe Charakter und eine gute Geschichte. Dann ist es mir auch wichtig, dass der Film Fragen aufwirft und zum Nachdenken anregt. Das war es auch, was mich an „Saat des Terrors“ reizte. Ich war fasziniert von der Geschichte, die Daniel Harrich sehr gut umgesetzt hat und für mich war sehr schnell klar, dass ich die Rolle unbedingt spielen möchte.

Sie verkörpern Oberst Kashif Baqri, welcher vom deutschen Geheimdienst ausgebildet und in Pakistan als Verbindungsmann agiert. Für mich ist er sehr zwiespältig. Wie würden Sie ihn beschreiben?

Ich empfinde ihn als eine anerkennende Persönlichkeit, der ein Statement setzt. Der den Handel sehr intensiv zu spüren bekommt.

Navid Negahban in "Saat des Terrors"

Navid Negahban in der Rolle des Oberst Kashif Baqri. Foto: SWR/Diwafilm GmbH

Oberst Baqri zeigt eine klare Körpersprache, hüllt sich auch manchmal in Schweigen. Wie haben Sie sich auf die Dreharbeiten vorbereitet?

In der Vorbereitung spielte Daniel für mich eine wichtige Rolle, um den Charakter meiner Figur zu verstehen. Er zeigte mir Ausschnitte seiner Dokumentation „Spur des Terrors“, wo die fiktive Handlung des Films mit Fakten unterfüttert wird. Außerdem recherchierte ich im Internet. Alles in allem ermöglichte mir eine gute Vorbereitung.

Was macht den Film für Sie besonders?

Die Geschichte, die Daniel erzählt, macht den Film besonders, denn niemals zuvor wurde diese so gezeigt. Ich hoffe, dass der Zuschauer sich genauso wie ich am Ende fragt, wie konnte all dies so kommen?

Gibt es etwas, was Sie aus dem Film für sich mitnehmen?

Ich bin mit dem Krieg aufgewachsen und musste oft mit ansehen, wie meine Freunde ihr Leben im Krieg zwischen Iran und Irak verloren. Eine wichtige Frage ist doch: Was ist der Preis, den wir zahlen, um Macht zu gewinnen, um Zugang zu den nationalen Ressourcen eines Landes zu bekommen? Das Problem ist so kompliziert. Ich frage mich die ganze Zeit, was denken diese Menschen, die dies bestimmen? Würden sie auch den Preis dafür bezahlen?

Christiane Paul und Navid Negahban in "Saat des Terrors"

Was sucht Jana Wagner vom deutschen Geheimdienst (Christiane Paul, links) in Mumbai? Oberst Baqri (Navid Negahban, rechts) besteht auf jede Information. Foto: SWR/Diwafilm GmbH

Navid Negahban („Homeland“) ist zusammen mit Christiane Paul („Steig nicht aus!“), Heiner Lauterbach („Willkommen bei den Hartmanns“) und Axel Milberg („Tatort“) am 21. November 2018 um 20:15 Uhr im Ersten zu sehen. Daniel Harrich hat mit Cast & Crew ein filmisches Meisterwerk erschaffen, welches uns dazu ermutigen sollte, die Handlungen der Regierung in Frage zu stellen. Im Anschluss an den Spielfilm wird seine Dokumentation „Spur des Terrors“ ausgestrahlt.

„Saat des Terrors“

Ist ein investigativer Politthriller über die problematische Rolle der Geheimdienste bei der Globalisierung des Terrors. Die deutsche Geheimdienstagentin Jana Wagner (Christiane Paul) findet während ihres Auslandseinsatzes in Pakistan heraus, dass Anschläge auf Zivilisten in Mumbai unmittelbar bevorstehen. Sie unternimmt alles in ihrer Macht Stehende, um dies Anschläge zu vereiteln, muss dabei aber erleben, dass ihr Einsatz auf unterschiedlichen Ebenen konterkariert wird. Ihr Kampf wird zu einem Wettlauf gegen die Zeit und unterschiedlichste Nachrichtendienste.