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Ein Newcomer im Porträt – Schauspieler Michael Glantschnig: Ein Österreicher der verzaubert

Bereits schon internationale Projekte

 

Eigentlich wollte Michael Glantschnig auf der Theaterbühne stehen, doch bei seinem ersten Dreh „Homophobia“ hat der Österreicher sich umentschieden. Uns fiel er erstmals in der mehrfach ausgezeichneten Web-Serie „Wishlist“ auf – nun durften wir den Newcomer einmal näher kennenlernen.

 

Braune Haare und blaue Augen – die Frauen schmelzen dahin, wenn sie den in Klagenfurt am Wörthersee geborenen Österreicher auf der Leinwand oder im TV sehen. Er versteht es, mit seinem Blick den Betrachter während des Spiels in den Bann zu ziehen und zu fesseln – eine Fähigkeit, die nur wenige Schauspieler beherrschen. Nach dem Abitur begann der 27-jährige seine Ausbildung an der „Theaterakademie“ in Bayern. „Als ich im Jugendalter im Theaterclub und im Schultheater gespielt habe, merkte ich, wie viel Spaß mir dies macht und wie energievoll ich in Rollen schlüpfe. Für mich stand fest: Ich will Schauspieler werden.“ Während der Ausbildung habe er im vierten Jahr den Reiz am Film entdeckt. „Das natürliche Spiel war es, was mich faszinierte. Ich merkte, dass ich sehr viel nur über Blicke ausdrücken konnte, was am Theater nicht möglich war. Dort ist man gezwungen alles größer und deutlicher spielen, um die Zuschauer bis in die letzte Reihe zu erreichen. Im Film habe ich das Gefühl, den Zuschauer mehr in die Gefühlswelt meiner Rolle ziehen zu können.“  

Ein Vorbild habe der Wahlberliner nicht wirklich, schenkt allerdings den älteren Generationen große Bewunderung. „Ich verehre Anthony Hopkins und Jack Nicholson. Beide sind sehr lange im Business. Anthony mittlerweile 50 Jahre und sowohl im Theater, wie auch im Film ein grandioser Schauspieler“, schwärmt er. Die Schauspielerei sei seine große Leidenschaft. „Für mich ist es eine große Bereicherung, da ich mich bei jedem Filmprojekt weiterentwickle – das treibt mich voran.“ Wie viele seiner Kollegen musste auch er sich mit seinen Schwächen und Stärken auf seinem bisherigen Weg auseinandersetzen. Je nach Rollenangebot könne dies stark fordern und fördern. „Man muss seine Schwächen und Ängste akzeptieren, ab und an dagegen gehen, sie aber bestenfalls nutzen und in Stärken umwandeln. Ich habe etwas Höhenangst und bei einem Drehtag letztes Jahr auf der Plattform eines Hochhauses in 70 Metern Höhe, nahm ich diese innere Unruhe für die Emotionen meiner Figur. Meine Rolle war in einer hilflosen Situation und die Energie der Hilflosigkeit schöpfte ich aus meiner Höhenangst.“ Auch intime Szenen seien ihm zu Beginn nicht einfach gefallen. „Ich hatte anfangs Schwierigkeiten loszulassen und locker zu bleiben vor der Kamera. In dem österreichischen Kinofilm „Die letzte Party meines Lebens“ musste ich in die Gedankenwelt eines Serienmörders schlüpfen. Sich in einen Menschen hineinzuversetzen, der tötet und keinerlei Mitgefühl dabei zeigt, ist keineswegs einfach.“ Trotz seines bisherigen Erfolgs ist er bodenständig geblieben. „In der Schauspielschule lernte ich, dass man nur einer von vielen ist. Sicherlich benötigt man Talent, aber ob man letztendlich eine Rolle bekommt, ist von vielen Faktoren abhängig, die man schwer beeinflussen kann. Ich sag nur, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.“ 

Michael Glantschnig in "Wishlist"

Eine schöne Szene aus der erfolgreichen Web-Serie „Wishlist“. Foto: Wishlist/Outside the Club

Am liebsten würde der Newcomer, der bereits im vergangenen Jahr für den „Schauspielerpreis“ in der Kategorie „Nachwuchs“ für seine Rolle in „Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist“ nominiert war, eine gute Komödie drehen. „Es sind oft Geschichten aus dem Alltagsleben, die auf einer Tragödie aufbauen. Den Punkt zu treffen, dass man mit der Figur mitleidet, aber dennoch über sie und mit ihr lachen kann, macht es interessant und fordert mich im Spiel.“ Aktuell ist seine Traumrolle: „Ganz klar eine historische Serienrolle, wie zum Beispiel in „Game of Thrones“, schwärmt Michael Glantschnig. Doch wie ist es, als Newcomer gleich die richtige Entscheidung für eine Rolle zu treffen? „Hilfe und Rat bei der Auswahl hole ich mir bei Freunden und Kollegen. Außerdem unterstützen mich meine Agenten natürlich immer. Stimmt aber das Bauchgefühl nicht, lehne ich Rollen ab, vor allem wenn ich das Gefühl habe, das Projekt geht menschlich oder politisch in eine Richtung, die ich nicht vertreten kann.“ Auch E-Castings, wo man schnell eine Szene mit dem Handy aufnehmen und einschicken müsse, ohne jemanden vom Team persönlich kennenzulernen, seien überhaupt nicht sein Ding. „Ich arbeite gerne mit Menschen und höre mir die Vorstellungen des Regisseurs an, so funktioniert Zusammenarbeit. Das ist wichtig, um am Ende einen guten Film drehen zu können. Das war das Schöne an meiner Rolle in „James Bond: Spectre“. Sam Mendes, ein Oscarpreisträger, lud mich zu einem persönlichen Gespräch ein, denn ihm war es wichtig, die Menschen in echt zu sehen und damit eine positive Atmosphäre für seinen Film zu schaffen. Er betrieb viel Aufwand für meine kleine Rolle als Snowboarder, das fand ich beeindruckend.“ Selbst einmal als Regisseur oder Produzent zu agieren, könne er sich sehr gut vorstellen. „Derzeit schreibe ich schon an einer Mystery-Serie. Das Treatment ist fast fertig und ich möchte es bald Produzenten vorstellen.“

Michael Glantschnig in "Narziss und Goldmund"

Ein Portät von Michael Glantschnig, welches bei seinen letzten Dreharbeiten zu dem kommenden Kinofilm „Narziss und Goldmund“ entstanden ist. Foto: Sabin Tambrea

Zuletzt schloss er die Dreharbeiten für den Kinofilm „Narziss und Goldmund“ unter der Regie von Stefan Ruzowitzky ab. „Ich verkörpere dort den Mönch Benjamin, der ein enger Wegbegleiter von Narziss ist. Es ist ein unheimlich aufwendiges Filmprojekt, mit einem großartigen Team.“ Geplant ist der Kinostart für den 02. Januar 2020. Derzeit dreht Michael Glantschnig den Kurzfilm „Palermo“ und vor kurzem drehte er für den österreichischen Tatort sowie die Erfolgsserie „Um Himmels Willen“, welche bald im Ersten ausgestrahlt wird.