Interview des Monats

Jasmin Tabatabai im Interview des Monats: „Wir brauchen mehr Frauenrollen über 40 Jahre“

Start der achten Staffel „Letzte Spur Berlin“

 

Heute startet die neue Staffel der ZDF Krimiserie „Letzte Spur Berlin“. Wir sprachen mit der Hauptdarstellerin Jasmin Tabatabai (51) über die Dreharbeiten, die neuen Folgen und die Frauenquote als eine Lösung für die deutsche Filmszene.

 

Frau Tabatabai, Sie sind seit der ersten Folge, in der Rolle als Kriminalhauptkommissarin Mina Amiri zu sehen. Wenn Sie auf die letzten sieben Staffeln zurückblicken, was hat sich positiv verändert?

Ich finde es sehr positiv, dass wir es nach wie vor schaffen, ein hohes Niveau bei den Drehbüchern zu halten. Das ist das A und O für eine gute Serie. Außerdem finde ich es sehr gut, dass mit der Zeit viel mehr auf Minas Privatleben und ihre Persönlichkeit eingegangen wird. Das war am Anfang leider nicht so. 

Was macht das Format Ihrer Meinung nach besonders?

Bei uns stehen die Vermisstenfälle im Vordergrund. Es geht um menschliche Dramen und das Geheimnis des Menschen, welcher verschwunden ist. Das Ganze spielt in Berlin, in speziellen Milieus. Ich finde es immer wieder sehr toll, wenn wir Thriller Elemente in den Folgen haben. Wenn es also kein normaler Krimi ist und wir atemlosen, spannenden Thriller zeigen.

Was braucht für Sie ein guter Thriller?

Ein guter Thriller oder Krimi ist wie ein spannendes Rätsel, das der Zuschauer lösen kann. Ich glaube, dass viele Menschen gerne Rätsel lösen. Wenn dieses gut erzählt wird, ist es eine gute Entspannung nach der Arbeit.

Sie haben eben sehr schön gesagt, dass Ihre Figur heute viel stärker gezeigt wird.  Wie erleben Sie die Entwicklung ihrer Figur?

Ich finde es toll, dass wir mehr von Mina erfahren und sie stärker herausgefordert wird. Auch im Hinblick auf ihr Privatleben und ihre Ehe. Das ist für mich als Schauspielerin spannend. Mina ist eine tolle Frauenfigur, weil sie eine Frau im mittleren Alter um die 50 Jahre ist und nicht den typischen Mutterrollen entspricht. Sie ist cool, lebendig, hat einen guten Humor.

Leider verschwinden solche Figuren viel zu oft.

Es ist wichtig, genau solche Frauen im Fernsehen zu zeigen und sie nicht unsichtbar werden zu lassen. Wir wissen alle, dass Frauen ab 30 Jahren sukzessive von der Leinwand verschwinden. Dies belegt auch eine Studie von „Pro Quote“, die ich sehr unterstütze.

Hans-Werner Meyer, Josephin Busch und jasmin Tabatabai in "Letzte Spur Berlin"

Heute Abend wird es spannend im ZDF. Das Team der Vermisstenstelle ermittelt in einem spektakulären Mordfall.  Foto: ZDF/Delia Woehlert

Wie erleben Sie die Entwicklung für Frauen im deutschen Film in den letzten Jahren?

Es tut sich einiges, aber es muss viel mehr passieren. Es wird auch nicht reichen, einfach nur mehr Frauen im höheren Alter zu zeigen, wenn diese meist nur passiv sind und die Männer weiterhin die Dialoge und Handlungen dominieren. Wenn wir in dieser schablonenhaften Darstellungsweise bleiben, wird sich in der Zukunft leider nichts ändern. Das ZDF arbeitet sehr gut an dieser Problematik, was mich sehr freut.

Wie könnte dieses Problem Ihrer Meinung nach gelöst werden?

Wir brauchen viel mehr Filme von Regisseurinnen und Produzentinnen. Ich wünsche mir mehr Frauen als Drehbuchautoren und auch in der Kameraführung. Außerdem wünsche ich mir, dass Frauen leichter an Förderungsgelder kommen, die nun mal öffentlich sind. Und ich wünsche mir mehr Geschichten aus dem Blickwinkel einer Frau, die idealerweise über 40 Jahre alt ist. Das ist etwas, was man meiner Meinung nach sehr gut leisten kann. Mina ist ein Paradebeispiel dafür, dass es auf lange Sicht funktioniert und bei dem Zuschauer gut ankommt.

Mina Amiri verkörpern Sie seit rund sechs Jahren. Wie sahen die Vorbereitungen für die Dreharbeiten aus?

Vorab gibt es Gespräche, wo wir ungefähr die Themen gesagt bekommen, was uns in der neuen Staffel erwartet. Dann werden die Bücher geschrieben. Wenn ich diese habe, fange ich intensiv mit der Erarbeitung der Fälle an. Wir drehen zum Teil bis zu drei Fälle gleichzeitig, da muss jedes Detail auf Abruf sitzen.

Das heißt, wenn wir Sie mit dem Team im Besprechungsraum am Tisch stehen sehen und ein Fall gelöst wird, wurden an diesem Drehtag mehrere Fälle gleichzeitig und durcheinander gedreht?

Richtig. Wir drehen immer nach Motiven. Alle Szenen, die in der Serie im Besprechungsraum oder in einer Wohnung zeitversetzt gezeigt werden, werden nacheinander in dem dafür vorgesehen Motiv abgedreht. Deshalb müssen wir immer gut vorbereitet zum Drehtag kommen.

Josephin Busch, Jasmin Tabtabai´, Aleksandar Radenkovic und Hans-Werner Meyer in "Letzte Spur Berlin"

Mehrere Fälle gleichzeitig, drehen die Schauspieler Josephin Busch (Lucy Elbe, links), Jasmin Tabatabai (Mina Amiri, zweite von links), Aleksandar Radenkovic (Alexander von Tal, zweiter von rechts) und Hans-Werner Meyer (Oliver Radek, rechts) in diesem Motiv parallel ab. Foto: ZDF/Oliver Feist

Die Vermisstenstelle des LKA zeigt vor der Kamera einen großen Teamspirit – wie wichtig ist es, auch hinter der Kamera ein gut funktionierendes Schauspielensemble zu haben?

Das ist total wichtig, weil wir so viel Lebenszeit miteinander verbringen. Für mich wäre es undenkbar, wenn ich meine Kollegen nicht mögen würde. Ich glaube auch fest daran, dass der Zuschauer dies spürt und genau sieht, ob das Ensemble eine gute Chemie hat.

Eine tolle Aussage von Mina ist: „Wir versuchen hinter die Dinge zu blicken und urteilen nicht.“ Ich finde, die heutige Gesellschaft urteilt viel zu schnell. Wie sehen Sie das?

Das sehe ich ganz genauso. Viel zu schnell werden die Leute aggressiv oder haben eine bestimmte Meinung über etwas. Ich glaube, dass das Internet und die sozialen Medien nicht viel Hilfeleistung dazu bietet. Denn wir können alle damit noch nicht richtig umgehen. Oftmals wissen wir nicht, wie wir mit manchen Statements umgehen sollen. Richtet man sich dagegen oder lässt man es unkommentiert stehen?

Die Pilotfolge „Sommersonnenwende“ thematisiert schonungslos die Machenschaften eines Rechtsextremen in einem Dorf. Was dachten Sie, als Sie zum ersten Mal das Drehbuch gelesen haben?

Ich fand es richtig gut. Es ist eine tolle Szene drin, welche Minas iranische Herkunft thematisiert. Sie wird deshalb von einem Verdächtigen angegangen. Da geht es richtig ab.

Worauf dürfen die Zuschauer sich in den kommenden neuen Folgen freuen?

In den nächsten drei Folgen wird es intensiv um Mina und ihre Ehe gehen. Außerdem haben wir wieder viele spannende Fälle.

Josephin Busch, Hans-Werner Meyer, Jasmin Tabatabai und Aleksandar Radenkovic in "Letzte Spur Berlin"

Das Team der Vermisstenstelle startet heute in die achte Staffel. Foto: ZDF/Oliver Feist

 

Am 01. März 2019 wird um 21:15 Uhr im ZDF der 90-Minüter „Sommersonnenwende“ ausgestrahlt. Wie gewohnt legt das Team der Vermisstenstelle des LKA mit einem spektakulären Fall los, welcher uns zum Nachdenken anregen sollte. Alle weiteren Folgen werden wie gewohnt jeweils freitags um 21:15 Uhr ausgestrahlt.

 

„Letzte Spur Berlin – Sommersonnenwende“

Das Verschwinden von Frank Wagner, Fahrer für eine Wildfleischerei, führt Radek und sein Team an den Stadtrand von Berlin und mitten hinein in die Vorbereitungen einer Sommersonnenwendfeier. Die Bewohner des Berliner Vorortes folgen den Anweisungen von Wolfgang Grimm, dem wichtigsten Arbeitgeber dort. Für Außenseiter wie das lesbische Paar Ingrid und Constanze oder den rumänischen Gastarbeiter Ianis Albu scheint kein Platz mehr zu sein. Grimm geriert sich gern als Wohltäter macht dabei aber aus seiner rechtskonservativen Gesinnung keinen Hehl. In den letzten Jahren hat er sich zudem einen größeren Teil des Ortes angeeignet, die alten Bewohner hinausgedrängt und diese durch ihm genehme Leute ersetzt. Nun sind ihm scheinbar nur noch die beiden Ökobäuerinnen Ingrid und Constanze ein Dorn im Auge. Als Frank Wagners Leiche nur mäßig versteckt auf dem Ökohof gefunden wird, ist Constanze die Hauptverdächtige, doch sie ist spurlos verschwunden. Zu allem Überfluss mischt sich nun auch noch die Mordkommission ein: Die Begegnung mit Ex-Kollege Alexander von Tal, der die Ermittlungen führt, ist vor allem für Mina nicht einfach, die gerade ihre Ehe zu retten versucht.