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„Charité“ Interviewreihe – Hauptdarsteller Artjom Gilz: „Ich folgte meinem Bauchgefühl“

Neue Folgen der Erfolgsserie

 

In den vergangenen Wochen überzeugte Artjom Gilz (32) in der Rolle als Dr. Artur Waldhausen in der ARD-Erfolgsserie „Charité“. Eine fiktiv erschaffene Figur, welche sich durch eine Studie an behinderten Kindern für eine mögliche Chefarzt Nachfolge in den 40er Jahren profiliert. Wir sprachen mit dem Schauspieler über seinen unheimlich spannenden Charakter und seine bisherige Karriere.

 

Herr Gilz, vor ihrer Schauspielkarriere haben Sie „International Business“ studiert und sind nun in „Charité“ als forschender Arzt zu sehen. Hatten Sie vor dem Dreh Bezug zur Medizin?

Ich habe großes Interesse an der Medizin und selbst mal angestrebt, eine medizinische Ausbildung zu absolvieren, bevor die Entscheidung für den Wirtschaftssektor fiel. Habe es aber nach einem Praktikum in der Pflege aufgegeben, weil ich merkte, was für ein harter Job es ist. Gerade emotional ist es eine sehr hohe Belastung und ich entschied mich aus diesem Grund dagegen.

Wie sind Sie dann Schauspieler geworden?

Ich finanzierte mein Studium damals mit Jobs in der Werbung und fand die Arbeit vor der Kamera spannender, als im Büro zu sitzen. Deshalb besuchte ich einen Schauspielkurs an der Volkshochschule und es lies mich nicht mehr los. Mir war bewusst, dass ich sehr viel lernen muss und ging nach Kanada, um in den „Robyn Kay Acting Studios“ mir diverse Techniken anzueignen.

Gab es einen Auslöser, dass Sie plötzlich so zielstrebig umgeschwenkt sind?

Den Auslöser gab es in Kanada. Ich merkte, dass ich mich nicht verstellen muss und hatte mich noch nie zuvor so lebendig gefühlt. Außerdem habe ich Teile von meinem Körper gespürt, wo ich nicht mal wusste, dass sie existieren. Dann folgte ich meinem Bauchgefühl, kam zurück nach Deutschland und setzte alles daran, Schauspieler zu werden. Was mir zum Glück gelungen ist, sonst würde ich wohl jetzt wieder im Büro sitzen (lacht).

Artjom Gilz und Mala Emde in "Charité"

Artjom Gilz (rechts) folgte seinem Bauchgefühl und ist derzeit mit Mala Emde (links), in der Hauptrolle Dr. Artur Waldhausen zu sehen. Foto: ARD/Julie Vrabelova

Ihre Figur Dr. Artur Waldhausen verfügt über einen unheimlich spannenden Charakter, welcher im Verlauf der Staffel einige schwere Entscheidungen treffen muss. Wie haben Sie seine Entwicklung erlebt?

Dr. Artur Waldhausen ist ein Kinderarzt, der der Karriere und des medizinischen Fortschrittes verschrieben ist. Er ist auf der Suche nach einem Impfstoff gegen Tuberkulose. Seine Ehefrau Anni Waldhausen ist eine Bilderbuch Ehefrau des dritten Reiches. Beide Leben diese damaligen Werte und Ideale, bis ihre heile Welt mit der Geburt ihres Kindes zu bröckeln beginnt. Seine Besessenheit und das Verlangen, alles kontrollieren zu wollen, geraten ins Wanken. Plötzlich steht nicht mehr das Politische im Vordergrund, wo er überlegen muss, mit wem er über was redet. Er gerät in die Rolle des Verfolgten, wie der Zuschauer sehr schön in den kommenden Folgen miterleben darf.

Was war für Sie das Faszinierende an der Rolle?

Für mich war es faszinierend mitzuerleben, wie er damit umgeht, dass sein System, an das er so sehr glaubte und zu kontrollieren versuchte, um ihn herum zusammenbricht. Er am Ende nicht weiß, wie er sich verhalten soll und sich in seiner zuvor heilen Welt plötzlich verloren fühlt. Denn Artur kommt an den Punkt, an dem er sich entscheiden muss. Familie oder Karriere?

Wie haben Sie sich auf solch eine komplexe Figur vorbereitet?

Ich habe mich sehr intensiv auf diese Rolle vorbereitet. Viel über die damalige Zeit gelesen und Dokumentationen angeschaut. Es gibt einen ganz berühmten Film von Dr. Sauerbruch, „Das war mein Leben“, aus dem Jahre 1954. Dadurch konnte ich mir die Gestiken, die Art der Bewegung und Aussprache aneignen. Dann habe ich mich natürlich zur Vorbereitung noch mit der medizinischen Ethik vertraut gemacht. Es war eine Herausforderung, eine Figur zu verkörpern, die durch Umstände so handelt, wie sie handelt.

Wäre es vielleicht einfacher für Sie gewesen, eine historische Figur zu verkörpern, statt eine fiktiv erschaffene?

Ich glaube, das bringt Vor- und Nachteile. Bei einer historischen Figur hat es den Vorteil, dass ich mich an vielen Fakten festklammern kann. Dies bringt aber die Gefahr mit sich, dass ich jemanden zeige, der vielleicht nie im wahren Leben so gewesen ist, weil ich heute vielleicht nur auserwählte Ausschnitte sehen kann. Eine fiktive Figur bringt mir somit sehr viel mehr an Freiheiten und Darstellungsmöglichkeiten.

Artjom Gilz und Mala Emde in "Charité"

Abtauchen in die Vergangenheit – die Serie stellt alles so originalgetreu wie nur möglich dar.  Artjom Gilz (links) und Mala Emde (rechts) standen für diese Szene in einem nachgebauten OP-Saal. Foto: ARD/Julie Vrabelova

Die Serie verfügt auch in der zweiten Staffel über ein unheimlich detailgetreues Szenenbild. Wie war es für Sie während des Drehs, in die damalige Zeit einzutauchen?

Das ganze Team hat einen unfassbar guten Job gemacht. Ich hatte sofort das Gefühl, in den 40ern zu sein und erlebte immer wieder diese Zeitsprünge, wenn ich von der Basis am Set an den Drehort kam. Wir waren plötzlich in einer ganz anderen Welt. Hinzu kam, dass die alten Gebäude in Prag eine besondere Energie ausstrahlen. Dies ermöglichte mir, in Kombination mit dem Kostüm, alles viel besser zu fühlen, was für das Spiel sehr gut ist.

Die erste Staffel von „Charité“ ist ein voller Erfolg gewesen. Was ist das Besondere für Sie an der Serie?

Das Besondere ist für mich, dass die Zeit von 1943 bis 1945 erzählt wird. Man kann diesen Zeitabschnitt nicht oft genug verfilmen. Denn jede Generation sollte immer wieder daran erinnert werden, was es heißt, dass alle Menschen gleich sind. Genau diese Thematik spiegeln wir in der zweiten Staffel. Wir zeigen, wie schnell man in Abgrenzung, Hass und eine Welt voller Diskriminierung abrutschen kann. Anni lebt uns allen mit ihrer Figur vor, dass wir mit Empathie und Liebe viel mehr erreichen können. Sie macht uns dadurch bewusst, dass wir alle gleich sind – ein Grundsatz, der für mich ewig geltend ist.

Artjom Gilz in "Charité"

Dr. Artur Waldhausen (Artjom Gilz) muss viele schwere Entscheidungen treffen. Foto: ARD/Xiomara Bender

 

Am 05. März 2019 ist Artjom Gilz („100 Dinge“) um 20:15 Uhr in der vierten Folge „Verschüttet“ zu sehen. Für seine Figur beginnt ein anderes Leben, wo keiner genau weiß, welchen Lauf es nimmt. Regisseur Anno Saul wird unsere Sonderinterviewreihe in den nächsten Tagen fortsetzen und über die aufwendigen Dreharbeiten in Prag mit uns sprechen.  Hauptdarstellerin Mala Emde („303“) und UFA CEO und Produzent Nico Hofmann, geben ebenfalls spannende Einblicke in die Dreharbeiten und die Entstehungsgeschichte des Erfolgsformates.

 

„Charité – Verschüttet“

(pm) – Berlin, 1944: Der kleinen Karin geht es nach der Operation immer besser. Erleichtert nehmen Anni und Artur das Kind zu sich nach Hause. Angesichts Arturs Vaterliebe kommt das Paar sich wieder näher. Dr. Jung und Margot beginnen, Sauerbruchs Sekretärin Maria Fritsch (Sarah Bauerett, „Der Kroatien Krimi“) zu misstrauen. Deren Geliebter Fritz Kolbe (Marek Harloff, „Unsere Mütter, unsere Väter“) ist hoher Beamter des Außenministeriums und täglich in Sauerbruchs Vorzimmer. Ist er ein Spitzel? Dr. Jung und Margot ertappen die beiden beim Fotografieren von Geheimdokumenten aus dem Außenministerium. Kolbe spioniert für die Amerikaner. Dr. Jung und Margot beschließen, ihn zu decken, ohne Sauerbruch einzuweihen.