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„Charité“ Interviewreihe – Hauptdarstellerin Mala Emde: „Wir müssen einander mehr zuhören“

Die Erfolgsserie geht weiter

 

Mala Emde (22) verkörpert in der neuen Staffel „Charité“ die unfassbar starke Persönlichkeit Anni Waldhausen. Eine junge, angehende Ärztin, welche ihre nationalsozialistischen Ideale in Frage stellen muss und am Ende durch ihren Mut und Kampfeswillen eine Heldin ist. Wir sprachen mit ihr über Anni und das Besondere der Produktion.

 

Frau Emde, wir haben Sie zuletzt in dem Liebesroadmovie „303“ gesehen und nun verkörpern Sie die angehende Ärztin Anni. Was war der ausschlaggebende Punkt, dass Sie sich für „Charité“ entschieden haben?

Es war zum einen meine Figur Anni. Eine für mich heldenhafte Figur, die eine faszinierende Entwicklung mit sich bringt. Zum anderen war es aber auch die Zusammenarbeit mit Regisseur Anno Saul. Ich hatte bei ihm das Gefühl, dass er die Zeit von 1943 bis 1945 noch einmal auf eine ganz andere Art und Weise erzählen kann.

Anni agiert in einem stark männerdominierenden Beruf und wird kurz vor dem Doktortitel Mutter. Was finden Sie faszinierend an ihr?

Anni steht an einem Punkt in ihrem Leben, wo sie alles erreicht hat. Sie hat sich beruflich durchgesetzt und erhält den Doktortitel. Sie hat einen Mann gefunden, mit dem sie eine Tochter hat. Anni glaubt an die nationalsozialistischen Ideale, doch plötzlich kommt ihr Leben ins Wanken und sie muss sich mit Dingen auseinandersetzen, die sie noch stärker als zuvor werden lassen. Sie lernt, die Dinge zu reflektieren und sich selbst in Frage zu stellen. Wie sie damit umgeht, finde ich faszinierend an ihr.

Mala Emde in "Charité"Anni Waldhausen (Mala Emde) hat alles erreicht – Ärztin, ein wunderbares Kind und eine große Karriere liegt vor ihr. Foto: ARD/ Julie Vrabelova

Wie haben Sie sich auf die Dreharbeiten vorbereitet?

Ich habe sehr viel Material von der Redaktion bekommen und mir selbst Lektüre gesucht, womit ich mich intensiv befasste. Dies waren original Texte, welche die damaligen Krankenschwestern bekamen. Denn es wurden neben den medizinischen Seminaren auch politische gehalten, welche den Bezug zur Ideologie des Nationalsozialismus lehrten. Unsere Experten am Set unterstützen uns zusätzlich in Bezug auf Operationen. Eine große Qualität von „Charité“ ist es, alles so originalgetreu wie nur möglich darzustellen.

Das ist Ihnen allen sehr gut gelungen. Der Zuschauer hat die Möglichkeit, in die damalige Zeit abzutauchen und die medizinischen Fortschritte originalgetreu mitzuerleben. Gab es einen Aspekt Ihrer Figur, der Sie speziell forderte?

Für mich war es eine unheimlich spannende Reise, eine Mutter darzustellen. Bisher spielte ich nur werdende Mütter. Ein Kind zur Welt zu bringen und für es zu sorgen, ist ein ganz anderer Aspekt. Ich musste lernen, wie eine Mutter zu denken, was mit meinen gerade 22 Jahren und ohne Kind nicht gerade einfach war.

Mich hat Ihr Maskenbild sehr beeindruckt. Diese Zeit ist normalerweise grau in grau gewesen. Doch Anni strahlt durch Ihren Stil sehr viel Charme aus.

Ein russischer Regisseur (Tarkovsky) hat einmal gesagt: „Du kannst alles real erzählen und trotzdem wird es nicht so sein, wie damals. Du brauchst ein Stück Poesie.“ Das heißt im Umkehrschluss, wir müssen etwas Künstliches und eine gewisse Ästhetik erzeugen, so dass der Zuschauer Interesse hat, die Serie zu sehen. „Charité“ ist ein gutes Exemple dafür. Das ganze Team hat mit sehr viel Engagement versucht, in allen Bereichen das Beste rauszuholen. So wurden auch Teile des Kostüms extra aus Paris beschafft, um Anni diesen gewissen Charme zu verleihen.

Anni lebt in einer sehr politischen Zeit. Was macht die Verfilmung über solch einen Zeitabschnitt für Sie unerlässlich?

Es gibt für mich zwei Aspekte, warum die „Charité“ Verfilmung für mich so wichtig ist. Erstens: Wir sehen dort sehr privilegierte Menschen, welche in ihrer Blase leben und nichts um sich herum in Frage stellen. In der heutigen Zeit geht es uns genauso. Wir sind privilegiert und können alle unsere Ziele erreichen, wenn wir wollen. Nur dürfen wir nicht dabei vergessen, für unsere Demokratie zu kämpfen. Was wir leider manchmal tun. Das Zweite ist: Wir müssen entscheiden, wie weit wir mit unserer Wissenschaft gehen. Sauerbruch war ein enorm wichtiger Wegbereiter für unsere heutige Medizin. Uns ist erlaubt, neugierig zu sein und wir sollten auch mit unserer Wissenschaft weiterkommen. Und uns ethische Fragen stellen, in welche Richtung wir die Fortschritte lenken wollen. Das lehrt uns die zweite Staffel sehr gut.

Mala Emde in "Charité"

Anni Waldhausen (Mala Emde) kommt in einen großen Konflikt und muss sich entscheiden – Kind oder Karriere? Foto: ARD/Xiomara Bender

Ich schätze an der zweiten Staffel sehr, dass sie das Verhalten der Menschen in der damaligen Zeit kritisch, aber auch menschlich betrachtet.

Das stimmt. Gerade die Rollen von Annis Mann Dr. Waldhausen und Dr. De Crinis sind unfassbar spannende Figuren. Es sind wichtige Teile der besonderen Geschichte, die wir mit ihren Facetten erzählen, ohne auf sie mit dem bösen Finger zu zeigen. Das kann der Zuschauer*in dann selber machen. Das spricht wieder für unsere Qualität.

Würden Sie sagen, es ist eine Aufgabe des Films, den Finger in alte Wunden zu legen?

Das denke ich schon. Benennen ist das eine, aber das Sehen kann sehr viel in uns auslösen. Wir werden wahrscheinlich am Ende sagen: So möchte ich nicht sein und handeln. Trotzdem sollten wir in den Menschen eine Menschlichkeit sehen und ihnen zuhören. Nur so können wir sie verstehen und vielleicht etwas ändern. Heute treffen wir auch auf Menschen, mit deren politischen Einstellung wir vielleicht nicht umgehen können. Dann ist es wichtig, mit ihnen zu reden, um sie zu verstehen und eventuell dadurch etwas verändern zu können.

Mala Emde und Artjom Gilz in "Charité"

Zusammen mit ihrem Mann Dr. Artur Waldhausen (Artjom Gilz) rettet sie viele Menschenleben und kämpft zusätzlich noch um das ihres Kindes. Foto:ARD/Julie Vrabelova

Am 05. März 2019 ist Mala Emde („303“) wieder als Anni Waldhausen um 20:15 Uhr im Ersten zu sehen. In der heutigen Folge „Verschüttet“ müssen Anni und ihr Mann (Artjom Gilz) einige Hürden überwinden. Wir sprachen ebenfalls mit Hauptdarsteller Artjom Gilz („100 Dinge“), der weitere Einblicke zu den Dreharbeiten gibt. UFA CEO und Produzenten Nico Hofmann, gibt ebenfalls weitere Einblicke zur Entstehungsgeschichte des Erfolgsformates.

 

„Charité – Verschüttet“

(pm) – Berlin, 1944: Der kleinen Karin geht es nach der Operation immer besser. Erleichtert nehmen Anni und Artur das Kind zu sich nach Hause. Angesichts Arturs Vaterliebe kommt das Paar sich wieder näher. Dr. Jung und Margot beginnen, Sauerbruchs Sekretärin Maria Fritsch (Sarah Bauerett, „Der Kroatien Krimi“) zu misstrauen. Deren Geliebter Fritz Kolbe (Marek Harloff, „Unsere Mütter, unsere Väter“) ist hoher Beamter des Außenministeriums und täglich in Sauerbruchs Vorzimmer. Ist er ein Spitzel? Dr. Jung und Margot ertappen die beiden beim Fotografieren von Geheimdokumenten aus dem Außenministerium. Kolbe spioniert für die Amerikaner. Dr. Jung und Margot beschließen, ihn zu decken, ohne Sauerbruch einzuweihen.