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„Einfach Maria“ Regisseur – Jan Hasenfuß: „Mit wenig Budget zu drehen, erfordert kreative Ideen, darf aber nicht die Lösung sein“

Neue Webserie auf Facebook

 

Selten findet der Zuschauer eine Webserie, die so schräg, schrill und durchgeknallt ist wie „Einfach Maria“. Wir sprachen mit Schauspieler Jan Hasenfuß (39) über seine erste Regiearbeit für die 12-teilige Webserie.

 

Herr Hasenfuß, „Einfach Maria“ ist Ihr Regiedebüt. Wie kam es dazu, dass wir Sie dieses Mal nicht vor der Kamera sehen?

Ich kam im letzten Jahr auf dem Filmfest in München mit der Produzentin ins Gespräch. Wir beide kommen aus Leipzig und sie fragte mich, ob ich mir die Regiearbeit vorstellen kann. Mein Bauch sagte mir sofort: „Ja“. Da ich schon im Theater Regie führte, war ich von der Vorstellung sehr angetan auch hinter der Kamera Regie zu führen. Zudem hatte ich das Gefühl, mich mit meinen Comedy Erfahrungen als Schauspieler auf einem einigermaßen sicheren Terrain zu bewegen.

Wie haben Sie sich auf die Produktion vorbereitet?

Da ich es nicht gelernt habe, habe ich mir sehr viel Rat von Profis geholt. Durch mein Studium an der „HFF Babelsberg“ habe ich viele Kontakte und holte mir Tipps von meinem Bruder, welcher als Produzent tätig ist und sprach mit Fachleuten aus den Bereichen Kamera sowie Regie. Außerdem war es mir wichtig, von einer Cutterin zu erfahren welches Material ihr in speziellen Situationen oft hilft oder gerade auch nicht. Zusätzlich schaute ich viele amerikanische Serien, um mich von Rhythmus und Timing inspirieren zu lassen. Am Ende war dann die sehr detaillierte Auflösung mit unserem Kameramann Leonard Caspari Gold wert.

Was hat Sie besonders an dem Projekt gereizt?

Ich bekam die Möglichkeit mit der Regiearbeit einen für mich neuen Bereich auszuprobieren. Sicherlich kenne ich als Schauspieler die einzelnen Abläufe am Set oder weiß, wie ich gerne als Schauspieler angesprochen werden möchte. Aber mir diese Kenntnisse zu erarbeiten und mit einem tollen Team dieses Projekt umzusetzen, hat mich sehr gereizt.

Was macht für Sie eine gute Regiearbeit aus?

Peter Kupke, ein begnadeter Theater Regisseur, hat mir einmal den Rat gegeben: „Du bist der beste Regisseur, wenn die Schauspieler denken sie müssen sich die Rolle selber erarbeiten, vielleicht sogar sauer sind, weil es dann aus ihnen selber kommt. Ich habe versucht, das umzusetzen und die Schauspieler zu ihren eigenen Impulsen und Empfindungen zu führen, da ich aus eigener Erfahrung weiß, wie hilfreich diese Zurückhaltung des Regisseurs im Spiel sein kann.

Jan Hasenfuß

Ungewohnt – Jan Hasenfuß nicht wie gewohnt vor der Kamera, sondern dahiner. Foto: Privat

Die Folgen sind mit ihren rund vier Minuten recht kurzgehalten, trotzdem sehr schräg und lustig. Was mir besonders aufgefallen ist, ist die Kameraführung. Wie ist es Ihnen gelungen, die Emotionen, Mimik und Gestik so gezielt einzufangen?

Da wir nur wenige Drehorte hatten, konnten wir durch die konstanten Lichtverhältnisse sehr gut mit zwei Kameras arbeiten. Mit der einen Kamera bin ich zum Beispiel näher an den Schauspieler rangegangen, als mit der anderen. So hatte ich am Ende die Möglichkeit aus einem tollen Take die Szene aufzulösen. Außerdem hatte es den Vorteil, dass die Schauspieler die Szenen nicht zu oft spielen mussten, was oft dazu führt das das Spiel irgendwann blutleer und nicht mehr authentisch wirkt. Ich versuche immer alles so auszurichten, dass wir alles im ersten Take einfangen können. Die Wahrhaftigkeit des ersten Moments.

Wie lange wurde an einer Folge im Durchschnitt gedreht?

Pro Folge haben wir ungefähr einen Drehtag gedreht. Das entspricht ungefähr acht Stunden Drehzeit.

Die Serie entstand durch viele Sponsoren und Förderer. Wie sehr einschränkend ist ein Dreh mit wenig Budget? Ist es pures Gift oder kann es sogar förderlich sein?

Wenig Budget ist immer einschränkend. Aber es bietet natürlich auch Chancen, weil man kreativ werden muss, in jeglicher Form. Sei es Marketing, Drehzeiten und Orte. Dennoch empfinde ich es als pures Gift für die gesamte Filmbranche. Wenn es den Filmemachern gelingt mit wenig Budget ein gutes Ergebnis zu erzielen, wird es irgendwann zur Normalität Dann können bald viele nicht mehr von unserer Kunst leben. Ich finde, das bringt eine große Gefahr für die gesamte Branche mit sich.

Jeden Donnerstag und Sonntag veröffentlichen Sie auf Facebook eine neue Folge. Warum haben Sie sich für diese Plattform entschieden, um die Serie zu zeigen?

„Einfach Maria“ ist ein Projekt, was maßgeblich von der Filmakademie in Ludwigsburg produziert wurde. Wir hatten ein super Team von Produzenten und extra ein großes Marketingteam. Zuerst hatten wir geplant, die Webserie auf einem „YouTube“ Kanal online zu stellen. Da Facebook aber seit neuestem auch solche Möglichkeiten bietet, fiel die Entscheidung dafür. Hier erreichen wir per se mehr Zuschauer und für alle, die kein Facebook haben, steht die Serie noch parallel auf unserer Webseite zur Verfügung.

Die Serie bietet ein unheimliches Fortsetzungspotential. Ist bereits etwas in Planung?

Wir haben natürlich schon unendlich Ideen zur Fortsetzung. Jede unserer Figuren ist so angelegt, dass sie weitererzählt werden kann. Ich könnte mir auch sehr gut vorstellen, dass wir einen Film oder längere Folgen produzieren können. Potentielle Partner dürfen sich gerne melden.

Was erwartet den Zuschauer bei „Einfach Maria“?

Den Zuschauer erwartet eine hochgradig sympathische, liebevolle Hauptdarstellerin Maria. Die sich auf die Suche nach der Liebe, nach ihrem Glück und am Ende auch nach sich selbst begibt.

Jan Hasenfuß

Mit viel Leidenschaft und Herzblut erarbeitete sich der Schauspieler die Regiearbeit.  Foto: Michael Bader

 

„Einfach Maria“ ist eine Webserie, die aufgrund der Idee von Maria Kempken („Unter Uns“) und Joachim Weiler entstanden ist. Regie führte Jan Hasenfuß („Knallerkerle“). Jeden Donnerstag und Sonntag wird eine neue Folge auf Facebook oder der Webseite der Serie veröffentlicht. Ab 2.April ist Jan Hasenfuß in der Hauptrolle der neuen funk.net Webserie „Eugen Spanck“ zu sehen.

  

„Einfach Maria“

Marias Leben steht Kopf. Freund weg, Job weg, öffentliche Demütigung. Da bleibt nur noch der Umzug in die alte Heimat, weg aus Köln, zurück zu Familie und Freunden nach Leipzig. Doch schnell wird klar, nichts ist mehr so, wie es einmal war. Ihre Eltern haben sich getrennt. Schon vor zwei Jahren. Der Vater legt esoterische Züge an den Tag, die Mutter tindert und hat bereits einen Neuen. Oma haut einen Spruch nach dem anderen raus, und die kleine Schwester steckt mitten in der Pubertät. Und zu guter Letzt erzählen ihr alle ganz offen, dass Marias altes Fernsehleben gar nicht so toll war, wie Maria immer dachte und sie es einfach nicht schafft, einen Mann an sich zu binden. Bähm, das sitzt. Ab jetzt wird alles anders! Wir erleben Maria bei einem Neubeginn und ihrer Suche nach Mr. Right. Ein wahrer Dating-Wahnsinn beginnt – immer mit von der Partie und gnadenlos ehrlich sind ihre besten Freunde. Neben Leo, dem Traum aller Schwiegermütter, hat Maria viele Dates, um den Einen zu finden: vom Harry Potter-Fan über die Agro-Lesbe bis zu Hannibal Lector oder dem süßen Boxer. Gott sei Dank gibt es auch noch normale Männer, so einen wie Tim. Halleluja. Und am Ende kommt doch alles anders, als gedacht. Denn der wahren Liebe begegnet man immer, wenn man am wenigsten damit rechnet.  Schon gar nicht auf der Damentoilette.