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„Gegen die Angst“ Hauptdarstellerin – Nadja Uhl: „Staatsanwälten und Richtern gebührt mein höchster Respekt“

Herausragende Übersetzung in die fiktionale Welt

 

Nadja Uhl (46) ist bekannt dafür sich Rollen auszusuchen, die eine unheimliche Authentizität zeigen und uns dadurch förmlich in den Bann ziehen. In dem ZDF Film der Woche „Gegen die Angst“ verkörpert sie Staatsanwältin Judith Schrader, welche gegen einen arabischen Clan in Berlin kämpft. Wir sprachen mit der Schauspielerin über die herausragende Inszenierung, welche eine realitätsnahe Machtdarstellung eines Clans in Berlin widerspiegelt.

 

Frau Uhl, Sie haben mir einmal gesagt, dass Sie sich sehr viel Zeit für die Auswahl Ihrer Rollen lassen und bewusst am Ende dafür oder dagegen entscheiden. Was reizte Sie an der Verfilmung von Regisseur Andreas Herzog?

Der Hauptpunkt warum ich mich für dieses Projekt entschieden habe war, dass ich überhaupt keine Berührungspunkte mit dem Thema „Clan Kriminalität“ hatte. Es war für mich spannend mich in diese Thematik einzuarbeiten und festzustellen, dass es ein gesellschaftlich sehr relevantes Thema ist.

Sie verkörpern eine Staatsanwältin. Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet?

Es war mir wichtig, die Erfahrungswerte derjenigen zu erfragen, welche sich lange mit dem Stoff befasst haben. Ich sprach sehr viel mit unserem Drehbuchautor Robert Hummel, der auch Schöffe bei Gericht ist. Nach den Gesprächen saßen wir im Gericht, um uns verschiedene Gerichtsverhandlungen anzuschauen. Außerdem traf ich noch Staatsanwälte und Polizisten, um mich mehr mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Beeindruckend sind die Verhörszenen in denen Judith Schrader sich regelmäßig einen Schlagabtausch mit dem arabischen Clanchef Machmoud Al-Fadi (Atheer Adel) liefert. Wie haben Sie sich dieses Handwerk erarbeitet?

Ich habe mir vieles durch die Aufnahme der Eindrücke bei Gericht und den zahlreichen Gesprächen abgeschaut. Da ich überhaupt keine Erfahrungen mit dieser Berufsgruppe hatte, fing ich bei Null an. Mich hat die ruhige Art der Staatsanwälte und Richter sehr beeindruckt. Es hätte oft einen Grund gegeben in den Verhandlungen aus der Haut zu fahren, aber sie sind alle souverän geblieben. Wie professionell und sachlich sie mit aufwühlenden Themen umgegangen sind, fand ich beeindruckend.

Nadja Uhl, Dirk Borchardt und Martin Baden in "Gegen die Angst"

Gerne geht Staatsanwältin Judith Schrader (Nadja Uhl, links) über ihre möglichen Grenzen. Zusammen mit ihren Kollegen Jochen Montag (Dirk Borchardt, Mitte) und Kriminalkommissar Ralf Wernicke (Martin Baden, rechts) sichert sie Beweismittel an einem Ort, wo sie eigentlich nicht hätte sein dürfen. Foto: ZDF/Christoph Assmann

Worin liegen bei den Gerichtsszenen die Herausforderungen im Spiel für Sie?

Judith spricht sehr routiniert in der Verhandlung. Dazu müssen die Inhalte, die transportiert werden, sitzen. Äußerlich kann ich nichts dazu spielen, weil ich mich in der Rolle darauf reduzieren musste, die Informationen zu übermitteln. Bei Gericht habe ich es so erlebt, dass es rein um die sachliche Verwertung von Informationen geht. Das Maximum, was ich bei Gericht erlebt habe, war ab und zu ein lakonischer Ton und einmal fand ich sympathisch, als einem Staatsanwalt aufgrund des Verhaltens der Täter kurz der Kragen platzte.

Je nach Fall, kann ich den lakonischen Ton sehr gut nachvollziehen.

Auf jeden Fall. Damals ging es in dem Prozess um eine mehrfache Vergewaltigung eines zwölfjährigen Mädchens und die Täter lachten nur während der Verhandlung. Da konnte ich es sehr gut nachvollziehen, dass der Staatsanwalt energisch wurde.

Judith Schrader bringt sich durch Ihren Kampf für Gerechtigkeit selbst in Gefahr – leben Staatsanwälte heutzutage gefährlich?

Es gibt viele bekannte Fälle, wie zum Beispiel im Falle des Kuttenverbotes in Berlin, wo der Staatsanwalt regelrecht bedroht wurde. Auch manche Personen, mit denen ich für meine Drehvorbereitung zusammengearbeitet habe, mussten solche Erfahrungen leider schon machen. Das ist eigentlich undenkbar, dass Menschen, die für unsere Sicherheit und für die Einhaltung der Gesetze sorgen, dies erleben müssen.

Nadja Uhl und Sabrina Amali in "Gegen die Angst"

Für den Kampf um Gerechtigkeit, begibt sich Staatsanwältin Judith Schrader (Nadja Uhl, rechts) mit ihrer Zeugin Leyla (Sabrina Amali) selbst in Gefahr. Foto: ZDF/Christoph Assmann

Ich finde es beeindruckend, dass Menschen es für selbstverständlich ansehen sich in Lebensgefahr zu begeben, ihr eigenes Leben vielleicht nur eingeschränkt leben können, um andere zu schützen.

Sie bringen es auf den Punkt. Das hat mir viel Achtung abgerungen. Ich weiß nicht, ob ich bereit dazu wäre, mein Leben in Gefahr zu bringen, um Recht und Gesetz durchzusetzen. Das ist eine Frage, die für mich nach dem Dreh noch offengeblieben ist. Diesen Menschen gebührt mein höchster Respekt.

Gedreht wurde an vielen Originalschauplätzen in Berlin. Zwei Straßen weiter vom Filmset herrschten die Clans – was geht in einem vor, wenn man so nah daran dreht?

Wir hatten keine unangenehme Erfahrung während der Dreharbeiten. Es waren alle sehr hilfsbereit und unterstützten unsere Arbeit. Das einzige was mir aufgefallen ist, ist das im Vergleich zu meiner Berliner Nachtleben Zeit, an bestimmten Brennpunkten, der Drogenhandel sehr stark zugenommen hat. Das finde ich sehr bedenklich.

Ihr Fazit zum Film:

Der Film sensibilisiert für ein gesellschaftlich relevantes Thema. Er ist sehr ausgewogen, emotional und spannend. Ich finde, dass er wachrüttelt, sehr respektvoll, ehrlich und ernst mit dem schwierigen Thema „Clan Kriminalität“ umgeht.

Nadja Uhl in "Gegen die Angst"

Nadja Uhl in einer Rolle die beeindruckt. Foto: ZDF/Christoph Assmann

Am 25. März 2019 um 20:15 Uhr ist Nadja Uhl in dem ZDF Film der Woche „Gegen die Angst“, als Staatsanwältin Judith Schrader zu sehen. Es ist eine herausragende Verfilmung, die aufgrund eines sehr guten Drehbuchs einen realitätsnahen Einblick in die arabische Clan Welt Berlins bietet. Drehbuchautor Robert Hummel, ist es aufgrund seiner Tätigkeit als Schöffe am Landgericht Berlin sehr gut gelungen, seine Erfahrungen aus bereits stattgefundenen Clan-Prozessen gekonnt umzusetzen. Die Abläufe, Strukturen und Hierarchien im Justizapparat sind selbst für den Laien nachvollziehbar und verständlich. Diese Grundlage, kombiniert mit großartigem schauspielerischem Talent und Szenen an den originalen Drehorten, bieten dem Zuschauer ein beeindruckendes Filmerlebnis.

 

„Gegen die Angst“

Berlin: Polizist Jan Wiegand wird im Einsatz niedergeschossen und schwer verletzt. Staatsanwältin Judith Schrader will den Täter finden und anklagen. Eigentlich müsste sie den Fall wegen Befangenheit abgeben, denn sie hatte mit dem verheirateten Opfer eine heimliche Liebesbeziehung. Doch Judith schweigt. Mit dem ermittelnden Kommissar Jochen Montag an ihrer Seite will Judith es mit einem kriminellen Clan aufnehmen, der aggressiv die Szene von Prostitution, Schutzgeld und Drogen beherrscht. Die Ermittlungen gegen den Clan sind schwierig und gefährlich.
Clanchef Machmoud Al-Fadi zieht alle Register, um die Ermittlungen zu behindern, mit der eiskalten Anwältin Andrea Marquart an seiner Seite. Wie kann der Rechtsstaat sich gegen Kriminelle zu Wehr setzen, die alle legalen und illegalen Mittel nutzen, um der Bestrafung zu entkommen? Judith findet heraus, warum die entscheidende Zeugin, die junge Polizistin Leyla, schweigt: Sie ist Al-Fadis Nichte. Als Judith Leyla schließlich überzeugen kann, auszusagen, schwört Al-Fadi blutige Rache. Der Prozess gerät zum harten Kampf, Leyla muss in den Zeugenschutz. Der Zustand von Judiths Geliebtem verschlechtert sich. Sie ist aufgewühlt und macht Fehler. Mittlerweile ahnt Jochen Montag, dass Judith mehr mit dem Fall verbindet, als sie zugibt. Ist sie noch eine objektive Staatsanwältin, oder geht es ihr um Vergeltung um jeden Preis?