Interview des Monats

Markus Brandl im Interview des Monats: „Die Bergretter zu drehen war ein großes Geschenk“

Abschied aus Erfolgsserie

 

Viele hatten schon befürchtet, dass Markus Brandl (43) alias Tobias Herbrechter in der Erfolgsserie „Die Bergretter“ vielleicht bald nicht mehr zu sehen sein wird. Vor kurzem hat er seinen Ausstieg bestätigt und verabschiedet sich in der kommenden elften Staffel. Wir blicken mit ihm zurück auf die Anfänge und seine Leidenschaft zum Schauspiel.

 

Herr Brandl, nach zehn Jahren verlassen Sie die Serie „Die Bergretter“. Wie war eigentlich damals Ihr Casting?

Das war damals in Berlin bei Ursula Danger, die mich witzigerweise gebeten hatte, mich für das Vorsprechen zu rasieren. Meine Figur sollte eigentlich kein Bartträger werden, jedoch hat sich das dann am ersten Drehtag vor lauter Hektik sehr schnell geändert. Ich kam mit Bart und langen Haaren ans Set und somit trug dann Tobias doch einen Bart, sowie lange Haare (lacht).

In der elften Staffel, die derzeit noch gedreht wird, werden Sie zum letzten Mal zu sehen sein. Was war Ihr persönliches Highlight in dieser langen Zeit als Tobias Herbrechter?

Da gibt es diverse Folgen, die ich nie vergessen werde. Zum Beispiel haben wir einmal in einer Folge Andreas Marthaler (Martin Gruber) und Sarah Kraus (Stephanie Stumph) vermisst. Michi (Robert Lohr) wollte den Hubschrauber nicht in die Rettungswache reinschieben und einsehen, dass die Suche abgebrochen werden muss. Er saß da und sagte immer nur: A bissl warten wir noch, a bissl warten wir noch. Diese Szene war für mich ein unheimlicher Gänsehautmoment. Auch der Abschied von Martin Gruber fiel mir nicht leicht, da wir sehr gut befreundet sind. Außerdem werde ich die vielen Abende mit Robert Lohr in der Pension nicht vergessen, an denen wir bei einem Feierabendbier zusammensaßen. Mit Martin Klempnow und Sebastian Ströbel zu drehen bot jede Menge Spaß und einen hohen Lachfaktor. Da gibt es so viele Dinge, die ich jetzt noch aufzählen könnte. Damit könnte ich einen ganzen Abend mit Geschichten füllen (lacht). Die „Bergretter“ zu drehen war ein großes Geschenk für mich.

Etwas, was die Serie auszeichnet, sind die Extremsituationen, in denen die Rettungsaktionen stattfinden. Ob bei Minusgraden oder in Höhlen – sicherlich ist so einiges schiefgegangen?

Ohja, darüber kann ich auch tausend Geschichten erzählen (lacht). Ob es der plötzliche einsetzende Schneefall ist, kurz vor der letzten Klappe oder etwas anderes. Es war jedes Mal eine Herausforderung. Einmal drehten wir eine Woche in einer Höhle und plötzlich hieß es: Wir haben Kameraprobleme und müssen vielleicht alles nochmal neu drehen. Da streikte der Regisseur verständlicherweise und meinte, dass das bereits gedrehte Material reichen müsse (lacht).

Wie kamen Sie zu dem Entschluss, dass Sie die Serie verlassen?

Ich bin ein Mensch, der alles zu 150 Prozent macht. Vor zwei Jahren bemerkte ich, dass ich irgendwie unruhig wurde. Zu deiner Aufgabe als Schauspieler gehört es, dass du selbst an den Szenen feilst und das Beste aus deiner Figur herausholst. Ich hatte das große Glück, dass Tobias keine klassische Heldenfigur ist, er ein hohes Konfliktpotential und auch ein paar Abgründe bot. Das war für mich ein riesen Vorteil, denn ich hatte dadurch im Spiel ein großes Spektrum von Action, Drama, Liebe und ein bisschen Humor. Aber er hat nun mal schon vieles erlebt. Fünfmal fast tödlich verunglückt, beinahe die Kinder verloren, geheiratet, eine Affäre, die ständigen Auseinandersetzungen mit dem Vater und nun ist er ein erfolgreicher Geschäftsmann. Hinzu kam noch, dass ich das Gefühl hatte, mich als Schauspieler nicht mehr kreativ weiterentwickeln zu können. Mit sieben Monaten Drehzeit im Jahr ist es schwer, nebenher noch andere Projekte zu drehen. Sicherlich habe ich auch andere Rollen übernommen wie zum Beispiel die Hauptrolle in der ARD-Serie „Monaco 110“, was mir klar machte, dass mir das Ausleben in verschiedenen Rollen einfach fehlte. So fiel die Entscheidung, die Serie zu verlassen.

Robert Lohr, Markus Brandl, Sebastian Ströbel, Lusie Bähr und Mirko Lang

Ein Foto aus alten Zeiten vor der traumhaften Kulisse in der Ramsau am Dachstein. Von links: Robert Lohr, Markus Brandl, Sebastian Ströbel, Luise Bähr und Mirko Lang. Foto: ZDF/Martin Zwanzger

Wenn Sie sagen, Sie konnten aus Ihrer Figur nicht mehr viel herausholen. Kann die zu intensive Arbeit in einer Rolle irgendwann vielleicht auch blockieren?

Blockieren würde ich nicht sagen, aber ich kann bestätigen, dass die lange und intensive Arbeit mit einer Figur etwas mit einem macht.

Das heißt?

Es kam schon mal vor, dass ich von ihm eine Eigenschaft mit in eine andere Rolle nahm. Meine Mutter bemerkte es und sagte zu mir: „Du bist in der Szene genauso wie Tobias gelaufen (lacht).“ Mir war es in dem Moment, als ich die Szene drehte, nicht aufgefallen, aber sie hatte wirklich recht.

Wie viel Zeit investierten Sie immer in die Drehvorbereitungen?

Da die Drehbücher meist nochmal geändert wurden, konnte ich mich vorab nicht viel vorbereiten. Wir haben zum Teil sechs Folgen hintereinander gedreht, was ein unheimliches Pensum war und zum Glück später durch Unterbrechungen der Dreharbeiten geändert wurde. Während des Drehs bereitete ich mir den Text mundgerecht vor, oder schaute, dass ich die benötigte körperliche Fitness für die Szenen bekam. Man taucht für die Drehphasen komplett ab – alles in allem ist es eine sehr arbeitsintensive Zeit.

Wenn man bedenkt, dass Sie für einen 90-Minüter rund 18 Drehtage haben und zum Teil in bis zu 2.500 Metern Höhe drehen, ist dies recht sportlich.

Ja, das stimmt. Wir drehen rund siebzig Prozent draußen. Andere Formate bei denen die Dreharbeiten geschützt, also überwiegend innen stattfinden, haben bei gleicher Sendelänge bis zu 24 Drehtage. Zum Glück ist das Team eingespielt und jeder kennt genau seine Aufgaben. Aber es ist unheimlich sportlich. Manchmal hilft es auch, wenn man bei Minusgraden in 2.500 Metern dreht. Da braucht man nicht mehr viel spielen, weil die Umstände ganz von alleine ergeben, dass du sehr authentisch bist (lacht).

Ich habe bereits mit Paula Paul (Bea Kleinert) und Robert Lohr (Michael Dörfler) über die Produktion gesprochen. Beide haben berichtet, welch großartiges familiäres Verhältnis am Set ist. Ist dies vielleicht das Erfolgsgeheimnis für die Serie und der Grund, warum sie in den letzten Jahren zu solch einer Marke geworden ist?

Vor Jahren habe ich lustigerweise einmal mit Martin Gruber darüber gesprochen und wir haben festgestellt, dass wir alle ein sehr ausgeprägtes Helfersyndrom haben. Wenn du zum Beispiel Martin Klempnow oder Martin Gruber wegen einer Autopanne nachts um drei aus dem Bett klingeln würdest, würden sie keine Minute zögern und sofort kommen. Da wir in Extremsituationen drehen, müssen wir uns auch auf den anderen verlassen können. Das ist unheimlich wichtig. Ich glaube, ich habe auch noch nie mit einem ständig so gut gelaunten Menschen gedreht, wie mit Sebastian. Er schafft es, in den extremsten Situationen noch die Clownsnase aufzusetzen und das Team aufzuheitern. Das gute Verhältnis überträgt sich meiner Meinung nach auf den Bildschirm und vielleicht ist es das Erfolgsgeheimnis der Serie.

Nach den ganzen Dreharbeiten in Extremsituationen. Was müsste ich Ihnen momentan anbieten, dass Sie mir für einen Dreh zusagen? Gibt es besondere Wünsche?

Die Vielseitigkeit im Spiel ist es, die mir jetzt schlichtweg sehr viel Spaß bereiten würde. Im letzten Jahr habe ich bereits mehrere, auch mal kleinere Rollen gespielt. Mal war es ein Dealer, mal war es ein zerrissener Bauer – in verschiedene vielschichtige Rollen einzutauchen wäre schön. Eine Komödie würde mich reizen. Ich freue mich auf viele neue spannende Herausforderungen.

Markus Brandl

Wir dürfen gespannt sein, wo wir Markus Brandl als nächstes sehen können. Foto: Christian Hartmann

Das klingt, als gäbe es schon neue Projekte?

Ja, die gibt es. Aber zu viel kann ich leider noch nicht verraten. Momentan freue ich mich riesig, dass ich bald wieder am Volkstheater in München in dem Stück „Rum und Wodka“ spielen werde. Dort bin ich seit 15 Jahren im Ensemble und „Rum und Wodka“ wird nach 10 Jahren im Volkstheater Derniere feiern. Die Premiere war übrigens kurz vor dem Casting zu den „Bergrettern“.  Es ist immer wieder schön, auf die Theaterbühne zurückzukehren.

Sie haben zu Beginn Ihrer Karriere schon viel am Theater gespielt. Worin besteht der Unterschied für Sie im Schauspiel, wenn Sie die Arbeit vor der Kamera und auf der Theaterbühne vergleichen?

Wenn man vor der Kamera steht, gibt es für mich immer den sogenannten „heiligen Moment“. Das ist die totale Stille, wenn eine Szene gedreht wird. Durch das straffe Drehpensum funktionieren zwar alle, aber es verbreitet sich automatisch eine gewisse Hektik am Set. Doch in dem Moment, wo die Klappe fällt, alle um dich herum total still sind und dir gebannt zuschauen, wie du spielst, macht es etwas mit dir. Solche Momente sind magisch und übertragen sich auf dein Spiel und das ganze Team. Beim Theater hast du im Vergleich zu einem klassischen Dreh viel längere Probezeiten. Was ich dort immer sehr schön finde, ist die direkte Reaktion vom Publikum oder wenn du es sogar mit in dein Stück einbeziehen kannst. 

Sie sind seit über zehn Jahren in der Filmbranche tätig. Wie erleben Sie deren Entwicklung in den letzten Jahren?

Heutzutage haben wir leider immer weniger Drehtage, was unsere kreative Arbeit nicht unbedingt einfacher macht. Es ist aber auch gerade eine gute Zeit für Schauspieler. Es wird viel produziert. Gerade durch Amazon und Netflix haben wir viele Möglichkeiten, uns auf dem Markt zu präsentieren.

Robert Lohr, Gundula Niemeyer, Luise Bähr, Sebastian Ströbel, Michael Pascher, Maxi Warwel und MArkus Brandl starten in die zehnte Staffel "Die Bergretter"

Das Cast feierte erst ihr zehnjähriges Jubiläum – von links: Robert Lohr, Gundula Niemeyer, Luise Bähr, Sebastian Ströbel, Michael Pascher, Maxi Warwel und Markus Brandl. Foto: ZDF/Thomas R. Schumann

Wer Markus Brandl einmal auf der Theaterbühne sehen möchte, hat am 29. und 30. Mai 2019 im Volkstheater München in dem Stück „Rum und Wodka“ die Möglichkeit dazu. Bei den „Bergrettern“ wird er in der elften Staffel zum letzten Mal zu sehen sein. Diese wird derzeit in der Ramsau am Dachstein gedreht und voraussichtlich im Herbst 2019 im ZDF ausgestrahlt.