Cast & Crew

„Ella Schön“ Hauptdarstellerin – Annette Frier: „Von Ella können wir uns alle etwas abschauen“

Neue Filme der beliebten Filmreihe geplant

 

Annette Frier (45) gehört zu den wenigen Schauspielern, die es schaffen, einen in den ersten paar Minuten mit ihrem Schauspiel in den Bann zu ziehen. „Ella Schön“ – ist eine ihrer faszinierendsten Figuren. Das Abschalten kaum möglich. Doch wie schafft man es eigentlich, eine Frau mit einem Asperger-Syndrom zu verkörpern und worauf ist besonders zu achten? Wir sprachen mit der Schauspielerin über eine ihrer besten Rollen.

 

Frau Frier, der letzte Teil „Die nackte Wahrheit“ war wieder herrlich anzuschauen – jede Menge Lachfaktor, verbunden mit einer tiefgründigen Geschichte. Was reizt Sie besonders an der Rolle „Ella Schön“?

Eigentlich alles. Es ist jedes Mal eine große Herausforderung, sie zu spielen. Zeitgleich aber auch ein riesen Spaß, diese Rolle zu erarbeiten.

Die ersten beiden Teile waren ein voller Erfolg. Millionen verfolgten die Lebensgeschichte von Ella, die durch ihr Asperger-Syndrom kein einfaches Leben hat. Wie haben Sie sich vor den ersten Dreharbeiten vorbereitet?

Ich habe mich mit Betroffenen und Angehörigen getroffen, welche mir viel über das Asperger-Syndrom erzählen konnten. Dazu habe ich noch im Internet recherchiert. Es war ein unheimlich lehrreicher Prozess für mich. Vor den Dreharbeiten für die kommenden Teile habe ich mich nicht mehr so intensiv vorbereitet. Die Rolle war noch sehr präsent für mich. Allerdings muss ich gestehen, dass es gut eine Woche brauchte, bis ich mir die Ella wieder in den Körper geschossen habe (lacht).

Ich stelle es mir gerade in den Bereichen Mimik und Gestik sehr schwer bei ihr vor, denn sie zeigt grundsätzlich keine Emotionen.

Mimik und Gestik ist bei ihr nicht schwer. Das kann ich leicht von außen nach innen herstellen. Mich in diesen überreizten Zustand zu bringen, in dem eine Person mit Asperger-Syndrom ständig ist, dass ist nicht einfach und nicht so schnell wie bei anderen Rollen per Knopfdruck herzustellen.

Rainer Reiners und Annette Frier in "Ella Schön"

Ella`s (Annette Frier, rechts) bereitet sich mit Fachliteratur auf einen wichtigen Termin vor. Ihr Chef Kollkamp (Rainer Reiners, links) gibt ihr noch weitere Anweisungen. Foto: ZDF/Marc Vorwerk

Wie gelingt es Ihnen, sich am Ende in die Rolle einzufinden?

Was mir sehr hilft, ist das Maskenbild und das Kostüm. Sie hat zum Beispiel ständig diesen strengen Zopf. Außerdem hat sie einen speziellen Handgriff, wenn sie auf ihre Uhr schaut. Das sind Eigenschaften, die meinem Körper helfen, sich in diese Rolle schnell einzufinden. Automatisch sitze ich dann anders und habe eine gewisse Streckung im Körper.

Ella hat sich in den letzten Filmen sehr verändert. Wie erleben Sie ihre Veränderung?

Sie kommt aus einer totalen Sicherheit in eine andere Welt. Diese Veränderung ist aufgrund ihres Syndroms sehr schwer, aber die Routine hilft ihr nach und nach, sich damit zurechtzufinden. Es wäre auch falsch, sie in einer dauerhaften akuten Unsicherheit zu lassen, denn natürlich gewöhnt sie sich auf ihre Weise auch an die neuen Lebensumstände.

Das heißt, Sie entwickeln die Figur intensiv mit?

Ich habe das große Glück, dass die Drehbuchautoren mich in den Prozess der Drehbucherstellung mit involvieren. Die ein oder andere Anmerkung mache ich natürlich, aber grundlegend entstehen die Geschichten in der Phantasie der Autoren.

Annette Frier als "Ella Schön"

Wir dürfen gespannt sein, wie es mit „Ella Schön“ weitergehen wird. Foto:ZDF/Marc Vorwerk

Wenn Sie die Wahl hätten, wie könnte es mit Ella weitergehen?

Wir arbeiten gerade an Teil fünf und sechs, so viel darf ich schon verraten (lacht). Die beiden Filme werden eine echte Überraschung und könnten nochmal eine Schippe drauflegen. Unsere Autoren haben sich richtig gute Sachen überlegt.

Eine besondere Stärke ist von ihr das Verzeihen können. Sie lebt mit der Affäre ihres Mannes zusammen und kümmert sich um deren gemeinsames Kind. Was schätzen Sie besonders an ihr?

Genau das. Wie sie mit den Dingen umgeht, welche uns manchmal völlig aus der Bahn werfen, finde ich beeindruckend. Sie tritt aus der Situation heraus und analysiert diese völlig emotionslos. Ella macht sich bewusst, dass dieser Schmerz nur ein Gefühl ist, vorher nicht da war und auch wieder weg geht. Es hat schon fast etwas Buddhistisches und ist eigentlich sehr hilfreich für jeden. Von ihr können wir uns gerade diese Eigenschaft sehr gut abschauen.

Sie drehen auch seit Jahren im Comedy Bereich. Comedy oder Drama – was ist am schwersten?

Das kann ich nach all den Jahren gar nicht mehr so genau sagen. Für mich ist das Spiel heutzutage sehr ähnlich geworden. Ich entscheide mich meist für das bessere Buch, wenn ich die Auswahl habe. Ich bin mir jedoch mittlerweile sicher, dass man eine gute Komödie seltener findet als ein gutes Drama.

Woran könnte dies liegen?

Eine richtig gute Komödie zu drehen ist eben nicht einfach. Einen Thriller zum Beispiel können sie immer noch nach Abschluss der Dreharbeiten durch einen Schnitt oder eine spezielle Musik retten. Aber bei der Komödie muss alles gleich stimmen. Sie müssen sehr perfektionistisch arbeiten, damit es am Ende ein gutes Ergebnis wird. Es ist nicht umsonst die Königsdisziplin. Aber wenn Sie genau hinschauen, steckt in jedem Drama auch ein bisschen Komödie und andersherum.

Gibt es eine Rolle, die Sie gerne unbedingt mal drehen würden?

Da gibt es viele. Aber momentan würde mich einfach ein Antagonist sehr reizen. Meist bin ich als Protagonist in meinen Rollen zu sehen, aber die andere Seite wäre für mich unheimlich interessant. Ich sehe halt so harmlos aus, das würde ich gerne einmal brechen.

Was sollte ein gutes Drehbuch denn unbedingt für Sie beinhalten?

Meistens sage ich zu, wenn ich schon während des Lesens mitgehe und in einen inneren Spielvorgang gerate.  Das erste Lesen kann etwas Herrliches haben.

Annette Frier und Julia Richter in "Ella Schön"

Zwei starke Frauen die immer in unterschiedliche Richtungen wollen – Ella (Annette Frier, links) und Christina (Julia Richter, rechts) finden am Ende dann doch wieder zusammen. Foto: ZDF/Marc Vorwerk

Am 07. April 2019 wird um 20:15 Uhr der vierte Teil der beliebten Filmreihe „Ella Schön – Sturmgeschwister“ im ZDF ausgestrahlt. Wer die ersten drei Filme verpasst hat, kann diese kostenlos in der ZDF Mediathek anschauen. „Ella Schön“ ist eine herausragende Produktion. Denn es ist wahre Kunst, ein Asperger-Syndrom so darzustellen, dass es nicht in das Lächerliche gezogen wird und am Ende für jeden Zuschauer für das eigene Leben lehrreich ist.

 

 „Sturmgeschwister“

(pm) – Ungewöhnliche Kundschaft: Ella soll zwei pubertierende Schwestern gegen ihre Eltern vertreten. Die beiden Mädchen fühlen sich nicht genug geliebt und wollen von zu Hause ausziehen. Die Mädchen ziehen in Christinas Baumhaus ein, Ravioli aus der Dose inklusive. Christina kennt die Eltern, Besitzer einer Fischbrötchenbude am Hafen, und versucht, zu vermitteln. Leider erfolglos. Ella kommt schließlich hinter ein berührendes Familiengeheimnis. Unterdessen holt die beiden Freundinnen die Vergangenheit erneut ein – in Gestalt von alten Briefen des verstorbenen Thomas. Der sehr unterschiedliche Umgang mit der aufwühlenden Post treibt erneut einen Keil zwischen die beiden Frauen.
Nach den missglückten Dates mit Jannis ist die Beziehung mit Ella auf Sparflamme. Dies ändert sich schlagartig, als eine alte Schulfreundin von Jannis auftaucht, die sich gehörig an ihn ranschmeißt.