Interview des Monats

Lisa Maria Potthoff im Interview des Monats: „Kampftechniken stärken dein Selbstbewusstsein“

Packender Thriller im ZDF

 

Alle guten Dinge sind drei – kommende Woche wird der dritte Teil der beliebten Thriller Reihe „Sarah Kohr – Das verschwundene Mädchen“ ausgestrahlt. Lisa Maria Potthoff (40) sprach mit uns über die Dreharbeiten und die körperliche Herausforderung ihrer Rolle.

 

Frau Potthoff, kommende Woche geht es mit der Ermittlerin Sarah Kohr weiter. Was reizt Sie besonders an dieser Rolle?

Zum einen reizt mich die Körperlichkeit dieser Figur. Selten hat man als Schauspieler die Möglichkeit, sich so auszuleben. Meistens werden Frauen in Deutschland nicht in dieser männlich brachialen Form gezeigt. Zum anderen reizt mich das Spannungsfeld zwischen ihrer Persönlichkeit und Verletzlichkeit sehr. In wenigen Momenten kommen ihre Zartheit und Einsamkeit zum Vorschein.

Wie in den Teilen zuvor geht Sarah gerne über die erlaubten Grenzen hinaus. Welche Charaktereigenschaft finden Sie beeindruckend an ihr?

Sie ist sehr mutig und bringt im Dienst oft ihr eigenes Leben in Gefahr. Oft weiß man nicht, wie es ausgeht. Ich weiß nicht, ob ich meinen Beruf als so wichtig erachten würde und bereit dazu wäre, mich in solche Gefahr zu bringen. Wahrscheinlich würde ich die Grenze ziehen und einfach nach Hause gehen (lacht).

Sie drehen die meisten Stunts selbst. Wie viel Vorbereitung benötigen Sie für die Dreharbeiten?

Ich versuche, mein Training zwischen den einzelnen Filmproduktionen nicht komplett zu unterbrechen, um nicht immer wieder bei null anzufangen. Deshalb trainiere ich regelmäßig die Kampftechnik Krav-Maga und gehe zum Kickboxen. Beide Techniken helfen mir und das Training macht großen Spaß. Ein paar Wochen vor Drehbeginn erarbeite ich zusammen mit unserem Stuntkoordinator die einzelnen Stunts.

Wie sehen diese Vorbereitungen genau aus?

Wir gehen die einzelnen Stunts im Drehbuch durch und schauen, wie diese aussehen könnten. Unser Stuntkoordinator Wanja Götz dreht daraufhin die einzelnen Szenen mit einer Stuntfrau. Im Anschluss bespricht Wanja mit dem Regisseur, ob die einzelnen Stunts in den geplanten Motiven auch so umzusetzen sind. Man muss zum Beispiel genau schauen, ob der Kampf in die Enge des Raumes passt. Wenn alles genau abgestimmt ist, fangen wir an, die Choreographie zu trainieren. Sitzen alle Szenen bei mir, trainiere ich zusammen mit einem Stuntman oder Schauspieler für die Dreharbeiten.

Lisa Maria Potthoff und Stipe Erceg in "Sarah Kohr - Das verschwundene Mädchen"

Ein intensives Training ist für die Rolle von Lisa Maria Potthoff (vorne) unerlässlich, denn sie dreht fast alle Stunts selbst. Zusammen mit ihrem Kollegen Stipe Erceg (hinten) drehte sie eine beeindruckende Kampfszene. Foto: ZDF/Marion von der Mehden

Solch eine intensive Vorbereitungsmöglichkeit ist heute leider nur noch selten. Die Qualität des Films zeigt jedoch, welch gute Ergebnisse dadurch erzielt werden können.

Ja, auf jeden Fall. Leider ist heute eine lange und intensive Vorbereitung nur noch selten möglich. Gerade die Anfangssequenz des dritten Teils zeigt, wie wichtig diese intensive Vorbereitung ist. Wir haben diese Kampfszene in relativ vielen Totalen gedreht. Der Vorteil dabei ist, dass so wenig wie möglich geschnitten werden muss. Das ist gerade bei Kampfszenen super und bringt jede Menge Spannung mit sich. Im Umkehrschluss bedeutet dies natürlich, dass ich alles selbst drehen durfte. Mit vielen Schnitten lässt sich nämlich sehr gut vertuschen, dass in der Szene gedoubelt wurde (lacht).

Die Einstiegsszene bietet einen unheimlich guten Einstieg. Wie lange haben Sie allein für diese paar Sekunden gedreht?

Die reine Kampfsequenz im oberen Flurbereich war in ein paar Stunden gedreht. Hinzu kam noch ein Tag Drehzeit für die Szenen, wo Sarah in das gläserne Gebäude geht und im Anschluss den Mann erschießt.

Alles in allem eine lange Drehzeit für ein paar Sekunden Filmausschnitt. Wie viele blaue Flecken und Verletzungen gab es bis jetzt?

Die blauen Flecken zähle ich schon gar nicht mehr (lacht). Gerade bei Krav-Maga kommst du durch den körperlichen Vollkontakt immer mit einem blauen Fleck nach Hause. Selbst mit Protektoren gelingt es nicht, diese zu vermeiden. Auch nach einem Stunttag habe ich immer irgendwo welche (lacht). Die Verletzungen fallen da deutlich geringer aus. Bei den Dreharbeiten zu dem Film „Carneval“ habe ich mir bei einem langen Kampf die Strecksehne eines Fingers gerissen und für den jetzigen Film habe ich mir bei der Vorbereitung das Außenband am Fuß gerissen. Das war ziemlich doof, da es drei Wochen vor Drehbeginn passierte. Mit einer Schiene konnte ich zum Glück die ganzen Kampfszenen drehen.

Lisa Maria Potthoff und Ulrich Matthes in "Sarah Kohr - Das verschwundene Mädchen"

Sarah (Lisa Maria Potthoff, hinten) will unbedingt Lassarev (Ulrich Matthes, vorne) besiegen und geht dafür über ihre Grenzen, um das verschwundene Mädchen zu finden. Foto: ZDF/Marion von der Mehden

Für Frauen ist es heute leider sehr wichtig geworden, sich selbst verteidigen zu können. Die Krav-Maga Technik bezieht ihre Komponenten aus vielen verschiedenen Kampftechniken. Was macht sie Ihrer Meinung nach besonders?

Diese Technik ermöglicht dir, eine weit überlegene Person zu Boden zu bringen. Ich finde es erstaunlich, wie viel du als Frau aus dir herausholen kannst, wenn du deine Aggressionen bündelst und mutig gegen den Gegner richtest. Dabei helfen dir auch die weak points, welche bei Männern unter anderem die Genitalien und Augen sind. Außerdem ein Tritt von vorne gegen das Knie und der Gegner steht so schnell nicht mehr auf.

Welche Auswirkungen haben die erlernten Selbstverteidigungstechniken auf Ihr Selbstbewusstsein?

Nach ein paar Monaten Training merkte ich, dass es mir nicht nur körperlich sehr gut tat. Ich bemerkte ebenfalls, dass es mich sehr stolz machte, die Fähigkeit zu besitzen, einen 100 Kilogramm schweren Mann zum Beispiel im Bodenkampf besiegen zu können. Dies hätte ich nie für möglich gehalten.

Gerade wurde der vierte Teil mit dem Arbeitstitel „Sarah Kohr – Teufelsmoor“ gedreht. Wie wird es mit ihr weitergehen?

Sarah`s vierter Fall spielt im Teufelsmoor auf dem Land bei Hamburg. Ein kleiner, scheinbar banaler Tankstellenüberfall führt sie auf die Spur einer ehemals linksradikalen Zelle. Es spielen in diesem Film wieder tolle Kollegen mit, wie zum Beispiel Armin Rohde, mit dem es immer eine große Freude ist, zu arbeiten.

Lisa Maria Potthoff in "Sarah Kohr - Teufelsmoor"

Einen Einblick in die Dreharbeiten des vierten Teils  „Sarah Kohr – Teufelsmoor“.  Foto: ZDF/Marion von der Mehden

Ab Mai steht Lisa Maria Potthoff für den fünften Teil der beliebten „Sarah Kohr“ Reihe vor der Kamera. Das ZDF zeigt am 06. Mai 2019 um 20:15 Uhr den dritten Teil „Sarah Kohr – Das verschwundene Mädchen“. Der Film ist ein Beweis, welch großartige Qualität erzielt werden kann, wenn den Filmemachern eine lange Vorbereitungszeit ermöglicht wird. Der Zuschauer wird durch eine packende Einstiegssequenz von der ersten bis zur letzten Minute gefesselt. Derzeit befindet sich der vierte Film „Sarah Kohr-Teufelsmoor“ noch im Rohschnitt und ein Ausstrahlungstermin steht noch nicht fest.

 

„Sarah Kohr – Das verschwundene Mädchen“

(pm) – Im Prozess gegen den ukrainischen Waffenschieber Artem Lasarew hat Staatsanwalt Anton Mehringer schlechte Karten: Sein wichtigster Zeuge soll sterben. Um einem realen Anschlag zuvorzukommen, spielt Sarah Kohr für Mehringer eine Attentäterin; der Zeuge, angebliches Opfer ihres „tödlichen“ Angriffs, ist durch diesen spektakulären Fake in Sicherheit. Doch während der Staatsanwalt glaubt, nun die Fäden in der Hand zu halten, begreift Sarah durch ihre Beteiligung sehr schnell, dass Anton Mehringer den in Untersuchungshaft sitzenden Gegner Lasarew grenzenlos unterschätzt. Die Tochter eines der Personenschützer des Zeugen, Lena, ist entführt worden. Sarah Kohr kennt den einsitzenden Waffenschieber als einen hochgefährlichen, skrupellosen Menschen, der das Mädchen von seinen Handlangern töten lassen wird. Die Zeit läuft. Gegen die Anweisungen ihres Dienstherrn und gegen jede Ansage von Mehringer sucht Sarah Kohr unter Zeitdruck nach dem Versteck und Lenas Entführern. Schon bald begreift sie, warum Mehringer zu drastischen Mitteln griff und warum ihr höchster Dienstherr, der Hamburger Innensenator Stefan Bader, nervös ist: Es geht um viel mehr als diese Entführung, es geht um mehr als den Prozess gegen Lasarew. Und Lasarew hat eine alte Rechnung offen. Zu spät begreift Sarah, dass der Gegner sie längst für seine brutalen Zwecke benutzt.